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Kapitel 4

ผู้เขียน: Tanja
Am nächsten Tag im Vorstandsbüro des Wolfhardt-Konzerns warf Henrik gereizt die Akten auf den Tisch und trommelte mit den Fingernägeln auf die teure Nussbaumplatte. „Ist Yuna immer noch nicht zur Arbeit erschienen?“

Der Assistent senkte den Kopf. „Nein, Herr Wolfhardt. Frau Sommer fehlt seit drei Tagen.“

Henrik zog die Brauen noch fester zusammen.

Sie hatte keinen einzigen Cent. Wie hatte sie diese Tage überstanden? Mit leerem Magen? Auf der Straße? Irgendwo in einer Ecke zusammengekauert? Bei dem Gedanken zog sich sein Herz zusammen.

Er hatte sie früher wirklich zu sehr verwöhnt, deshalb war sie inzwischen so trotzig geworden. Lieber hielt sie Hunger und Kälte aus, als nachzugeben.

Henrik massierte sich die Schläfen und seufzte. „Finden Sie sie. Ich hole sie persönlich ab.“

„Henrik.“

Die Bürotür flog auf. Chiara kam eilig herein, hochschwanger im siebten Monat. In ihrer Hand funkelte ein Diamantring. Ihre Miene war besorgt und aufgewühlt.

„Ich war eben mit den Mädels beim Bummeln und habe an einer Frau diesen Ring gesehen. Ich habe ihn sofort wiedererkannt – das ist Yunas Ehering! Du hattest ihn damals von einem Meister maßanfertigen lassen, ein Unikat.“

„Ich habe die Frau natürlich gefragt, woher sie ihn hat, und sie sagte…“

Chiara zögerte sichtlich. „Sie sagte … sie hätte ihn in einer Vintage-Boutique gekauft.“

Knack!

Der teure Füllfederhalter in Henriks Hand brach entzwei.

Sein Gesicht verfinsterte sich. An seiner Schläfe pochte eine Ader. Er presste jedes Wort zwischen den Zähnen hervor: „Yuna, du machst dich wirklich gut!“

Er hatte sich noch Sorgen gemacht, dass sie draußen Hunger und Kälte litt – und sie hatte nichts Eiligeres zu tun, als ihren Ehering zu Geld zu machen.

„Henrik, das ist alles meine Schuld … Wenn ich nicht wäre, würdet ihr beide nicht so streiten …“

Chiara wischte sich Tränen ab. Ihre Stimme klang schmerzlich-mitfühlend. „Aber der Ehering, der steht doch für eure Liebe. Wenn sie ihn verkauft hat … will sie sich dann von dir trennen?“

„Trennen?“

Henrik lachte kurz auf, als hätte er etwas Absurdes gehört. In seinen Augen braute sich ein Sturm zusammen.

„Sie liebt mich abgöttisch. Eine Trennung wäre wie der Tod für sie. Das bringt sie nie übers Herz. Reine Zickerei – sie verkauft den Ring nur, um mich zu provozieren. Mehr nicht.“

„Sonst lasse ich ihr ihre Zickereien gerne durchgehen. Aber wenn es um den Fortbestand der Familie geht, da ist eine Grenze. Sie sollte nicht so naiv sein zu glauben, sie könne mich auf diese Weise erpressen.“

„Anscheinend muss ich ihr eine Lektion erteilen, damit sie endlich zur Besinnung kommt.“

Auf Wolkenstein fragte Viktor: „Frau Wolfhardt, hätten Sie heute Zeit? Im Hotel Kaiserhof ist alles vorbereitet, Sie können jederzeit zur Auswahl der Hochzeitslocation kommen.“

„Am Nachmittag geht es“, sagte Yuna und massierte sich die Schläfen. „Mittags habe ich einen Vertragstermin mit Herrn Lindner.“

Diesen Auftrag hatte sie drei Monate lang betreut, alles war ausverhandelt, nur die Unterschrift fehlte noch.

Es war ihr letztes Projekt beim Wolfhardt-Konzern. Sie wollte es ordentlich zu Ende bringen. Vor allem aber – die Provision für diesen Auftrag betrug zweihunderttausend Euro.

Das stand ihr zu, das ließ sie sich nicht nehmen.

Sobald dieser Vertrag unterzeichnet wäre, würde sie in Ruhe das Schiedsverfahren durchziehen, ihre Abfindung kassieren und endgültig den Konzern verlassen.

„Sehr gut, Frau Wolfhardt. Wo treffen Sie sich? Ich schicke Ihnen am Nachmittag einen Wagen.“

„Nicht nötig, es ist im Kaiserhof selbst.“

Mittags traf Yuna pünktlich im reservierten Privatzimmer des Hotels Kaiserhof ein.

Als sie die Tür aufstieß, blieb sie überrascht stehen. Henrik saß da – und neben ihm Chiara, strahlend und triumphierend.

Chiara hatte einen Stift in der Hand und setzte gerade ihre Unterschrift auf die Vertragsseite.

Sie sah zu Yuna auf. Ein Lächeln spielte um ihre Mundwinkel, in ihren Augen lag offene Provokation.

„Ach, Yuna, da bist du ja. Tut mir wirklich leid, ich habe vergessen, dich zu informieren – Henrik findet, die Abteilung braucht eine fähigere Führungskraft. Deshalb habe ich gerade angefangen, als Direktorin. Ab heute bin ich deine direkte Vorgesetzte. Und dieser Vertrag…“

Sie wedelte mit den Unterlagen. „Den habe ich kurzerhand für dich unterschrieben.“

Eine Hochschwangere kurz vor dem Mutterschutz wurde ausgerechnet jetzt zur Direktorin gemacht – nur, um Yuna den Vertrag wegzuschnappen. Die Absicht war sonnenklar.

Das war keine bloße Schikane mehr. Das war eine offene Demütigung.

Wut stieg in Yuna auf. Mit zusammengebissenen Zähnen sah sie den Verursacher dieser Schmach an.

„Henrik! Ich habe dieses Projekt drei Monate lang betreut, wie viele Nächte habe ich durchgemacht, wie viel Mühe habe ich hineingesteckt – und du gibst es einfach weg? Wie kommt sie dazu, meinen Vertrag zu unterschreiben?“

Henriks Blick lag schwer auf Yunas Gesicht, sein Zorn war noch heftiger als ihrer.

Mit wenigen Schritten stand er vor ihr. Seine Stimme war gepresst und vorwurfsvoll.

„Wie konntest du den Ring verkaufen? Yuna, hast du eigentlich noch einen Funken Gefühl für mich übrig?“

Yuna musste tatsächlich auflachen.

Sie hatte gewusst, dass Henrik zu niederträchtigen Mitteln greifen würde. Aber dass er Privates und Geschäftliches so schamlos vermischen konnte, hatte sie nicht erwartet.

„Das ist eine kleine Verwarnung. Künftig nimmst du den Ehering nicht mehr von deinem Finger, sonst…“

Henrik packte ihre Hand. Sein Griff war so fest, dass er ihre Knochen zu zerquetschen drohte. Er zwang den eiskalten Diamantring zurück auf ihren Ringfinger. Sein Tonfall war zärtlich, aber die Worte waren eine Drohung. „… sonst zwingst du mich, dich zu entlassen.“

„Yuna, sieh den Tatsachen ins Auge. Alles, was du hast – dein Leben als Frau Wolfhardt, deine Karriere – kommt von mir. Ohne mich stehst du mit leeren Händen da. Ich will es nicht zu hart formulieren, aber du brauchst etwas Selbsterkenntnis. Hör auf, Theater zu machen, komm brav nach Hause, akzeptiere das Kind. Was geschehen ist, lassen wir auf sich beruhen, ich werde dich behandeln wie früher.“

Sein Blick war so sanft wie eh und je, aber seine Worte ließen ihren Magen umdrehen.

Das also war Henriks sogenannte Liebe.

Wenn sie spurte, überschüttete er sie mit Wohltaten. Sobald sie sich widersetzte, zog er seine „Gnaden“ zurück und trampelte mit Drohungen und Erniedrigungen auf ihr herum.

Henrik hatte tatsächlich vergessen, wer sie einmal gewesen war.

Vor drei Jahren war sie als frische Absolventin mit mehreren Spitzen-Stellenangeboten weltweit umworben gewesen. Sogar die Nachtfeuer AG, die unangefochtene Nummer eins der Branche, hatte sie persönlich eingeladen, dort die KI-Forschung zu leiten.

Und sie? Sie hatte für Henriks „Ich brauche dich“ sämtliche Angebote ausgeschlagen. Sie hatte sich kopfüber in den Konzern gestürzt, um ihn von Grund auf aufzubauen.

Drei Jahre lang hatte sie sich aufgerieben. Im Alleingang hatte sie die KI-Forschungsabteilung getragen und dem Konzern einen Weg in das hart umkämpfte KI-Feld erkämpft.

Das demnächst startende KI-Projekt zur emotionalen Interaktion war ihr Werk. Sobald es erfolgreich vorgestellt wäre, würde der Konzern an die Branchenspitze springen.

Aber ohne sie war die hochgelobte KI-Abteilung des Konzerns nichts als ein leeres Gerüst.

„Ha, entlassen?“

Yuna lachte spöttisch auf. Ihre Stimme triefte vor Hohn. „Herr Wolfhardt, dann halten Sie bitte auch Wort. Vergessen Sie nicht, mir die volle Abfindung plus drei zusätzliche Monatsgehälter sowie die Summe aus dem Schiedsverfahren auf mein Gehaltskonto zu überweisen.“

„Ach ja.“

Yuna drehte den Kopf und sah Herrn Lindner an, der am Tisch saß. Sie lächelte leicht. „Herr Lindner, Sie haben es gehört: Henrik will mich entlassen. Damit kann ich Ihrer Firma die exklusive Optimierungstechnologie für das Kernprogramm leider nicht mehr zur Verfügung stellen. Es tut mir aufrichtig leid.“

Damit drehte sich Yuna ohne Zögern um und ging.

Krach!

Im Privatzimmer hinter ihr schlug Herr Lindner mit der Faust auf den Tisch. „Den Vertrag unterschreibe ich nicht!“

Henrik starrte fassungslos auf den zerrissenen Vertrag, dann auf Yuna, die entschlossen davonging. Plötzlich packte ihn eine nie gekannte Panik, die ihm das Herz zuschnürte.

Egal wie heftig sie früher gestritten hatten – am Ende hatte Yuna stets eingelenkt. Wie tief sie auch gekränkt gewesen war, für ihn, für die Firma hatte sie alles zähneknirschend ertragen.

Auch heute hätte sie das eigentlich tun müssen.

So unnachgiebig war sie noch nie gewesen… Konnte es sein, dass sie diesmal wirklich nicht mehr darüber hinwegkam?

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