LOGINNach der Begrüßung begann das Programm. Der stellvertretende Regisseur nahm seine Moderationskarte zur Hand.„Willkommen bei ‚Liebe am Scheideweg‘! Zuerst finden wir mit einem kleinen Spiel heraus, wie gut unsere Paare einander wirklich kennen. Unser erstes Spiel heißt ‚Kennst du mich wirklich?‘ Wir stellen fünf Fragen. Die Partner sitzen Rücken an Rücken und schreiben ihre Antworten gleichzeitig auf Tafeln. Für jede übereinstimmende oder sinngleiche Antwort gibt es einen Punkt. Das Paar mit den meisten Punkten gewinnt für heute Nacht unsere schönste Unterkunft.“Auf dem großen Bildschirm erschien eine luxuriöse Villa an einem privaten Strand. Ihr Infinity-Pool glänzte golden im Licht der untergehenden Sonne. Auch innen war sie aufwendig eingerichtet.„Und das Paar mit den wenigsten Punkten …“ Der stellvertretende Regisseur ließ das Bild wechseln. Jetzt war eine windschiefe Strohhütte zu sehen. Beim nächsten Windstoß drohte sie umzufallen, und drinnen stand nicht einmal ein Bett. „… da
Die wenigen Kommentare, die Yuna verteidigten oder zur Zurückhaltung mahnten, gingen in einem Strom von Lob für Claudia und Drohungen gegen ihre Kritiker unter. Bald beherrschte eine einzige Meinung den Chat: Yuna passte nicht zu Adrian, Claudia war seine wahre Liebe. Dazu kamen immer gehässigere Mutmaßungen über Yuna selbst.…Am Set bekam Yuna davon nichts mit. Doch sie wusste, was es bedeutete, gemeinsam mit Adrian vor die Kameras zu treten. Sie stellten sich damit den Gerüchten und der Feindseligkeit, die ihnen entgegenschlug. Yuna hatte sich dafür entschieden und würde sich jetzt nicht verstecken.Der stellvertretende Regisseur führte einen Kameramann zu ihnen. Innerlich schwankte er zwischen Begeisterung und Panik, zwang sich aber zu einer höflichen Begrüßung. Die Kamera folgte dem Paar auf Schritt und Tritt.„Herzlich willkommen bei ‚Liebe am Scheideweg‘, Herr Wolfhardt, Frau Sommer!“Yuna lächelte in die Kamera. „Hallo zusammen, ich bin Yuna Sommer.“ Sie wirkte ganz gelassen.
Lorinas Augen begannen wieder zu leuchten. Sie richtete sich auf, noch aufgeregter als zuvor, und flüsterte fast wie ein Kind: „Wer das wohl ist? Vielleicht ein Paar, das ich selbst bewundere. Ich bin so gespannt.“Unter den Blicken aller öffnete ein Mitarbeiter die Wagentür. Der Mann setzte einen Fuß in einem blank polierten Maßschuh aus Leder auf den Boden und stieg aus. Seine Anzughose saß tadellos und betonte seine langen, geraden Beine.Als er sich aufrichtete, schien selbst das grelle Licht im Studio für einen Augenblick in den Hintergrund zu treten.Der Mann stieg aus und richtete sich auf. Für einen Augenblick schien selbst das grelle Licht im Studio in den Hintergrund zu treten. Sein dunkler Anzug saß perfekt und unterstrich seine große, aufrechte Gestalt. Er war auffallend gut aussehend, zeigte jedoch kaum eine Regung. Als sein Blick über die Anwesenden glitt, verstummten die Gespräche. Er wirkte stolz und unnahbar und hatte eine Präsenz, die alle Blicke auf sich zog. Sein Au
Die Übertragung hatte noch nicht begonnen, und zwischen den beiden Paaren war die Stimmung bereits eisig. Im Studio lag eine Spannung, bei der jederzeit ein Streit losbrechen konnte.Der stellvertretende Regisseur beobachtete die Gäste von der Seite. Sein Grinsen wurde immer breiter. Solche Szenen musste niemand für sie erfinden. Schon diese paar Minuten boten Stoff für tagelange Diskussionen. Er sah die Schlagzeilen über den neuen Hit schon vor sich.Dann sah er auf die Uhr und blickte sich unruhig um. „Wo bleibt Lennart? Ist sein Handy immer noch aus? Wir sind längst über der Zeit.“Die Assistentin war den Tränen nahe. „Ich versuche es die ganze Zeit. Vor fast einer Stunde wurde er wegen eines dringenden Anrufs in die Senderzentrale gerufen. Seitdem ist sein Handy aus, und dort sagt uns auch niemand, was los ist. So bald kommt er vermutlich nicht zurück.“Ohne Lennart sollten sie nicht anfangen. Der stellvertretende Regisseur sah zu den beiden Paaren hinüber und dann auf den Bildsch
Lennart wischte sich den Schweiß von der Stirn. „Herr Wolfhardt hat ausdrücklich darauf bestanden, Eure Hoheit. Kein Drehbuch, keine Vorgaben für die Gespräche. Nur der Ablauf und die Schauplätze stehen fest. Wir … wir mussten uns danach richten.“Gegen Adrian hatte er als Regisseur nichts durchsetzen können. Weil die Sendung live lief, konnte er hinterher nicht einmal beim Schnitt Einfluss auf die Wirkung der Szenen nehmen. Im Grunde war er nur dem Namen nach Regisseur.„Umso besser …“ Claudia lächelte langsam und ohne jede Wärme. „Dann sollen die Zuschauer sehen, wie diese Ehe wirklich aussieht. Keine Beziehung ist vollkommen.“Sie hob den Blick zu Lennart, der am ganzen Leib zitterte. Mit der Kante der Konzeptmappe schob sie sein Kinn hoch. „Herr Lindner“, sagte sie leise, beinahe freundlich. Dabei blieb ihr Blick eiskalt. „Sie wissen, was zu tun ist.“Lennarts Augen weiteten sich. Der Schweiß rann ihm übers Gesicht. Sollte er den Ablauf so gestalten, dass Adrian und Yuna sich vor d
„Liebe am Scheideweg“ war die meistdiskutierte neue Sendung in Karsilien. Sie wurde erstmals durchgehend live übertragen. Wenn Adrian und Yuna vor so vielen Zuschauern auch nur ein wenig Zuneigung zeigten, wären die Gerüchte über ihr „letztes Essen“ und den „letzten Kuss“ mit einem Schlag entkräftet. Dann würde wohl auch das Gerede über Adrians angebliche Entfremdung von Yuna und Claudias Rolle als „die andere Frau“ verstummen.Sie hatte so lange daran gearbeitet, Zweifel an der Ehe der beiden zu säen. Nun drohte all ihre Mühe umsonst gewesen zu sein. Am Ende hätte sie nichts gewonnen. Nicht einmal ihr Name würde noch zwischen Adrian und Yuna stehen.„Wenn es ihnen wirklich gelingt …“, begann der Hofverwalter. Er sah den Zorn in Claudias Augen, redete aber trotzdem weiter. „Vielleicht wäre das für Sie sogar gut, Eure Hoheit. Als die andere Frau dazustehen, ist schließlich …“Dieser Ruf war alles andere als ehrenhaft. Angesichts ihres Blicks wagte er nur nicht, den Satz laut zu Ende zu
„Yuna!“Henriks Gesicht verfinsterte sich. Er stürmte ihr nach.Kaum hatte Yuna das Privatzimmer verlassen, rief sie Viktor an. „Herr Moll, etwas ist dazwischengekommen, das Mittagessen fällt aus. Ich fahre direkt zur Besichtigung. Schicken Sie mir die Nummer der zuständigen Person durch.“„Frau Wol
Yuna war zurückgekommen, um ihre Sachen zu holen.Kaum hatte sie die Tür aufgestoßen, drang ein schrilles Lachen an ihr Ohr.Henrik, der sonst nie lachte, saß neben Chiara und erzählte ihr trockene Witze, um sie aufzuheitern.„Hatschi…“Chiara nieste lieblich.„Frierst du?“, fragte Henrik sofort bes
„Frau Wolfhardt, die Angelegenheit ist diesmal außerordentlich heikel! Ich fürchte, vor einem halben Monat kommt er nicht zurück.“Yuna verstummte einen Moment.Ein persönliches Gespräch fiel damit aus.Eine Nachricht im Chat war zwar nicht ganz so höflich – aber ihr blieb nichts anderes übrig.Yuna
Im VIP-Luxuszimmer der Klinik.Chiara lehnte im Krankenhausbett und nippte an dem warmen Wasser, das ihr Henrik eingeschenkt hatte. „Henrik, ich habe von der Hausangestellten gehört, dass Yuna heute Morgen in einem Rolls-Royce zurückgekommen ist. Und dass sie die ganze Nacht weg war … vielleicht ist







