„Henrik, das Kind in ihrem Bauch – ist es deins?“Yuna war kreidebleich. Sie traute ihren eigenen Ohren nicht.Vor sieben Monaten war Henriks älterer Bruder Erwin Wolfhardt bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Aus Mitleid mit Chiara Jensen, der jungen Witwe, die zudem schwanger war, hatte Yuna sich aufopferungsvoll um sie gekümmert. Tag für Tag hatte sie ihr Brühe gekocht und sie zu jedem Vorsorgetermin begleitet. Und das war jetzt der Dank dafür – ein Dolchstoß in den Rücken, niederträchtiger, als sie es sich je hätte ausmalen können.Niemals hätte sie geglaubt, dass Henrik, der sie auf Händen getragen hatte, sie betrügen würde.„Erklär mir das. Sofort.“Ihre Stimme zitterte so sehr, dass sie kaum Worte fand. Sie starrte den Mann auf dem Sofa an, als wollte sie ihn mit Blicken durchbohren.Das Licht warf Schatten auf seine zusammengezogenen Brauen. Von seiner gewohnten vornehmen Gelassenheit war nichts mehr zu spüren – stattdessen lastete etwas auf ihm, das ihm fast den Atem nahm.
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