LOGINSasha
Am nächsten Tag wache ich in seinen Armen auf. Das Morgenlicht sickert durch die dicken Vorhänge und zeichnet goldene Linien auf das weiße Laken. Seine Finger gleiten über meine Schulter, wandern meinen Hals hinab, hinauf in mein Haar. Er schläft nie wirklich, glaube ich. Er wacht, wie ein Wolf, der sein Rudel beschützt. Selbst im Schlaf bleibt ein Teil von ihm in Alarmbereitschaft, bereit zu springen, bereit zu töten. Aber an mir
SofiaDie Luft im Garten hat nichts beruhigt. Sie hat nur die Angst zu einem kompakten Block am Grund meines Magens gefrieren lassen. Leonardos Worte hallen noch nach, klarer als der Wind in den Bäumen. „Ich manage immer alles. Jede Variable. Besonders diese."Die „emotionale Variable" namens Nadia. Die „Variable" namens Vittorio. Und ich, was war ich? Die „Zeugen"-Variable? Die „Ehefrau"-Variable, notwendig für seinen Rache- und Rehabilitierungsplan?Er berührt mich nicht, aber seine Anwesenheit an meiner Seite, während wir die Stufen zum erleuchteten Haus hinaufgehen, ist ein stärkerer Druck als eine Umarmung. Ein schweres Schweigen umgibt uns, beladen mit den ungesagten Dingen, den kaum verhüllten Drohungen. Ich weiß, was er von mir erwartet. Er hat es mir gerade ohne Umschweife zu verstehen gegeben.Die Lage muss beruhigt werden. Die Verdächtigungen meiner Eltern müssen eingeschläfert werden. Das Bild des nachlässigen Vaters und der
SofiaLeonardo erblasst. Ein gefährliches Leuchten zieht durch seine grauen Augen. Ich sehe seine Fäuste sich gegen seine Hose ballen. Das ist das Vorspiel. Die Spannung vor dem Schlag. Ich kenne ihn.— Sie wissen nichts von dieser Situation, sagt er mit einer tiefen, zischenden Stimme. Nichts. Also behalten Sie Ihre simplistischen Schlussfolgerungen für sich.— Wir sehen, was wir sehen! insistiert meine Mutter, die Tränen jetzt am Rand der Augen. Wir sehen einen Mann, der mehrere Leben hat, und wir haben Angst, dass unsere Tochter nur ein weiteres Stück in diesem… diesem dysfunktionalen Puzzle wird! Wir haben Angst, dass sie leidet!Es ist der Schrei des Herzens. Er zerreißt die dicke Luft. Er trifft mich mitten ins Sonnengeflecht. Sie haben Angst um mich. Sie wissen nicht, dass ich das Leiden bereits kenne. Unter seiner Hand. In seinen Schweigen. In seinen Berechnungen.— Ich werde nicht zulassen, dass Sofia leidet, erwidert L
SofiaDie Tür schließt sich in einem Grabesstille. Nadia ist gegangen, hat den kleinen schlafenden Jungen mitgenommen, den Geruch des Skandals und eine zu rohe Wahrheit zurücklassend, um absorbiert zu werden.Leonardo bleibt einen Moment erstarrt, den Rücken zu uns, der geschlossenen Tür zugewandt. Seine Schultern unter dem perfekten Schnitt des Anzugs sind steif. Er scheint die verstreuten Teile seiner Kontrolle zu sammeln, die Marmormaske wieder zusammenzusetzen, die gerade zerbrochen ist. Er dreht sich endlich um. Sein Gesicht ist glatt, neutral, aber seine Augen… seine Augen sind zwei Rasierklingen.— Meine Entschuldigung für diese Unterbrechung, sagt er mit einer Stimme von erschreckender Flachheit. Das Abendessen kann fortgesetzt werden.Aber das Los ist geworfen. Das Seil, auf dem wir gingen, ist gerade gerissen.— Fortsetzen? Die Stimme meines Vaters, gewöhnlich so versöhnlich, zischt, schneidend. Sie zittert, aber vor W
Und eine Frauenstimme, die ich sofort erkenne. Klar, fest, mit diesem Hauch von ruhiger Herausforderung, die ich so gut kenne.— Du fehlst deinem Sohn. Er wiederholt seit zwei Tagen nur « Papa ».Ein eisiges Schweigen. Leonardos Stimme, tiefer, schneidender.— Du hättest anrufen können.— Du gehst nie ran, wenn ich es bin. Du kommst nur, wenn du Zeit hast, für deine schnellen Überprüfungen. Deine Anwesenheit, Leonardo, fehlt ihm. Und mir lasten deine unvorhergesehenen Erscheinungen, deine Fragen, deine « Vorschläge »… das lastet. Ich will, dass du mich atmen lässt. Wirklich.Das Wort « Sohn » hallt in meiner Brust wider wie ein dumpfer Schlag. Das Kind. Ein abstraktes Detail in einer Akte, plötzlich greifbare Realität, ein kleines Herz, das schlägt und nach seinem Vater ruft.Ich sehe meine Mutter erblassen. Mein Vater legt langsam seinen Löffel hin, sein Blick wendet sich mir zu, beladen mit schützender Angst. Camila hält den Atem an
Ich spreche ruhiger, als ich fühle. — Ich bin ausgegangen. Mit meiner Mutter und meiner Freundin. Um zu atmen. Um zu vergessen, sei es nur eine Stunde. — Zu vergessen? Seine Stimme bricht. — Man kann nicht vergessen! Du lebst in einem Traum, Sofia! Dieses Geld, diese Kleider… Seine Geste fegt über unsere Einkäufe mit Gewalt. — Das ist Augenwischerei. Das ist der Preis deiner Freiheit, und du tanzt mit deinen Ketten! Seine Worte treffen. Sie durchdringen die Schichten von Seide und Champagner, um die kalte Angst zu berühren, die nie wirklich verschwunden ist. Die lauernde Luzidität. — Ich weiß es. Ich hauche die Antwort. — Dann hör auf zu spielen! Er explodiert. — Hör auf, mir das anzutun! Er nähert sich so nah, dass ich die Wärme seines Körpers spüren kann, den Geruch seiner Angst. Seine Hände heben sich, als
SofiaDie Stille der Limousine nach dem Wirbel der Boutiquen ist schwer und watteartig. Sie umhüllt unsere müden Körper, unsere erloschenen Lachen, die sanfte Euphorie, die sich auflöst, während die Kilometer uns dem Haus nähern. Die dickwandigen Papiertüten, mit prestigeträchtigen Namen signiert, stapeln sich wie schweigsame Trophäen auf der gegenüberliegenden Bank. Greifbare Beweise des goldenen Rausches. Reliquien eines schwebenden Moments.Ich schaue durch die getönte Scheibe auf die nächtliche Landschaft, meine Finger krampfhaft die Goldkarte in der Tasche meines neuen Mantels umklammernd. Sie ist kalt jetzt. Nur ein Stück Plastik.Der Wagen hält vor dem Tor. Der Moment, in dem der Fahrer den Motor abstellt, ist wie ein brutales Erwachen. Die Illusion zerbricht. Die reale Welt mit ihren Regeln, ihren Fallen und ihren Ängsten erwartet uns auf der anderen Seite der Schwelle.Camila stößt einen leichten Seufzer aus, theatralisch aber v
SashaDas goldene Licht der Wandleuchten streichelt die dunklen Wände der Suite, wirft lange, geschwungene Schatten, die auf dem schwarzen Samt des Sofas tanzen. Die Luft ist schwer, geladen mit einem betörenden Duft – einer Mischung aus neuem Leder, gealtertem Whiskey und diesem moschusartigen, fa
SashaMeine Hüften rollen in langsamen, hypnotischen Kreisen. Ich hebe die Arme über meinen Kopf, lasse das Kleid noch tiefer über meine Schultern gleiten, enthülle die Kurve meiner Wirbelsäule, das Grübchen genau über meinem Hintern. Meine Finger krallen sich in mein Haar, ziehen gerade so, dass m
SashaDer Schweiß klebt auf meiner Haut, zeichnet salzige Spuren zwischen meine Schulterblätter, während ich mich in den Schatten des Clubs verziehe. Die Bässe vibrieren unter meinen nackten Füßen, steigen wie eine elektrische Liebkosung meine Beine hinauf. Ich habe nichts weiter an als dieses zerr
SashaIch habe nicht einmal Zeit, meinen Satz zu beenden, da springt Volkov auf, sein Whiskyglas knallt auf dem Couchtisch wie ein Schuss in der bedrückenden Stille des Raumes. Seine Augen werden zu zwei glühenden Kohlen, brennend vor Zorn und zugleich Verlangen, sein Kiefer so angespannt, dass ich







