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Sasha
Der Schweiß klebt auf meiner Haut, zeichnet salzige Spuren zwischen meine Schulterblätter, während ich mich in den Schatten des Clubs verziehe. Die Bässe vibrieren unter meinen nackten Füßen, steigen wie eine elektrische Liebkosung meine Beine hinauf. Ich habe nichts weiter an als dieses zerrissene Kleid, das durch Schweiß und etwas Zäheres an meinem Körper klebt , das eingetrocknete Blut einer gescheiterten Auseinandersetzung. Meine Rippen erinnern mich bei jedem Atemzug an ihre Existenz, aber ich beiße die Zähne zusammen. Hier, in der Eclipse, stellt niemand Fragen. Nicht bei den Stroboskoplichtern, die die Gesichter in Splitter aus Fleisch und Schatten zerhacken, nicht bei dem beißenden Geruch von Alkohol, vermischt mit Testosteron und billigem Parfum.
Ich zwänge mich zwischen den Körpern hindurch, meine Hüften wiegen sich wider Willen im Takt der dumpfen Musik. Es ist nichts Einstudiertes. Es ist älter als das. Animalischer. Meine Finger streifen über die kalte Stahltheke, suchen Halt, einen Grund, nicht zusammenzubrechen. Der Barkeeper , ein Typ, dessen Arme mit Gefängnistätowierungen übersät sind , wirft einen Seitenblick auf mich. Er sieht die Blutergüsse, die auf meinem Schlüsselbein erblühen, die Schwellung meiner aufgesprungenen Lippe. Er sagt nichts. Er schiebt mir nur ein Glas hinüber, bernsteinfarben und brennend. Ich leere es in einem Zug und spüre, wie der Whiskey mir wie ein Segen die Kehle hinunterbrennt.
Dann drehe ich mich zur Tanzfläche um.
Und ich tanze.
Nicht wie die anderen. Nicht diese Mädchen, die sich im Takt räkeln, auf der Suche nach Blicken, nach Händen auf ihren Hüften, nach Geldscheinen, die ihnen in die Tangas gesteckt werden. Nein. Ich bewege mich, als hätte ich den Teufel im Nacken. Als wäre jede Drehung meiner Hüften eine Beleidigung, jede Krümmung meines Rückens eine Provokation. Mein Haar schwarz, dick, verfilzt fliegt um mich herum, klebt in feuchten Strähnen an meinem Nacken. Das Kleid, dieser Fetzen roter Seide, der einmal ein Kleid gewesen war, hebt sich bei jeder Bewegung und gibt die Rundung meines Gesäßes preis, die blasse Haut meiner Oberschenkel. Ich spüre die Augen auf mir. Dutzende. Aber es ist mir egal.
Bis ich ihn spüre.
Ein Schauder, der nichts mit der defekten Klimaanlage zu tun hat. Ein Druck, wie eine unsichtbare Hand, die sich um meine Kehle legt. Ich verlangsame meine Bewegungen, gerade genug, um über meine Schulter zu blicken.
Und ich sehe ihn.
In einer erhöhten Nische, halb verdeckt von schwarzen Samtvorhängen. Volkov. Den Volkov. Ich brauche nicht zu fragen, wer das ist – sein Name macht die Runde im Flüsterton des Clubs wie ein Fluch oder ein Gebet. Der Boss. Der Mann, dem dieses Rattenloch gehört und allem, was sich darin bewegt. Groß. Breit. Die Statur eines slawischen Boxers, aber mit einer Eleganz, die auf etwas anderes schließen lässt – etwas Gefährlicheres als bloße Körperkraft. Sein Haar ist kurz geschnitten, fast an den Seiten abrasiert, oben länger, an den Schläfen ergraut. Sein Kiefer könnte Glas schneiden. Und seine Augen …
Verdammt, seine Augen.
Von einem so blassen Grau, dass sie beinahe weiß wirken. Wie Eis, das kurz davor ist, zu brechen. Sie sind auf mich gerichtet. Nicht auf meine Brüste, nicht auf meinen Schritt, den mein Kleid erahnen lässt, wenn ich mich drehe. Nein. Auf mich. Als sähe er durch das Fleisch, die Knochen hindurch auf jenes Etwas in mir, das knurrt und sich weigert, sich zu unterwerfen.
Ich wende den Blick ab. Oder versuche es.
Aber mein Körper, dieser Verräter, krümmt sich ein Stück mehr. Meine Finger gleiten meine Flanken entlang, wandern hinauf zu meinen schmerzenden Rippen, streifen den Rand meiner Brüste. Ich spüre sie, schwer und empfindlich, als ob jede Nervenendigung blank läge. Die Musik pulsiert zwischen meinen Beinen, und ich presse meine Oberschenkel zusammen, gerade so, dass ich die feuchte Wärme spüre, die sich dort sammelt. Ich sollte nicht. Nicht hier. Nicht jetzt. Nicht, während er mich ansieht, als wäre ich bereits sein.
Und dennoch tue ich es.
Ich tanze für ihn.
SofiaSpäter, als meine Eltern damit beschäftigt sind, in ihrem Zimmer ihre Koffer zu packen, und Camille mit meiner Mutter in der Küche ist, um Menüideen zu notieren, findet er mich im Wintergarten. Ich stehe vor den großen Glasfenstern und schaue dem feinen Regen zu, der einsetzt und die Stadtlandschaft mit einem gleichmäßigen Grau durchzieht.Er nähert sich lautlos. Seine Anwesenheit ist ein Magnetfeld gegen meinen Rücken.— Zwei Wochen, wiederholt er leise, nur für mich.— Warum diese Eile, Léonardo? Was versuchst du so schnell zu besiegeln?Ich schaue ihn nicht an. Ich starre weiter in den Regen.— Die Eile, die hast du geschaffen, Sofia. Indem du diese Tür geöffnet hast. Indem du sie nicht verriegelt hast.Seine Stimme ist sanft, gefährlich.— Die Hochzeit wird nichts an dem ändern, was geschehen ist.— Sie wird alles ändern. Sie wird offiziell machen, was du bereits in meinen Augen bist. Meine Frau. Mein Eigentum. Meine Gleiche in dieser Lüge. Macht dir das Angst?Endlich drehe
Sofia Am nächsten Morgen ist das Licht zu grell. Es dringt in die Küche ein und beleuchtet das Frühstücksgeschirr wie einen Tatort. Ich stehe neben der Kaffeemaschine, die Hände um eine bereits kalte Tasse geschlossen, und starre, ohne zu sehen, auf den Wintergarten der Wohnung. Die Stimmen hinter mir bilden ein fröhliches und bedrückendes Durcheinander. — Zwei Wochen! Aber das ist ein Traum, Léonardo! ruft meine Mutter aus, die Stimme vibrierend vor Aufregung. Eine offizielle Verlobung organisieren und die Hochzeit gleich danach… das ist gewagt, romantisch! — Das zeigt eine schöne Entschlossenheit, stimmt mein Vater zu, ruhiger, aber ich spüre die Zufriedenheit in seinem Ton. Sich schnell von dem zu befreien, was noch zu tun bleibt. Meine Entschlossenheit ist ein Eisblock in der Grube meines Magens. Zwei Wochen. Vierzehn Tage. Eine Ewigkeit und ein Augenzwinkern. Die Zeit, in der jeder Riss sich unter dem Druck zu einem Abgrund erweitert. Die Zeit vor allem, in der etwas Unwied
SofiaIch sehe ihr direkt in die Augen und versuche, meine ganze Ernsthaftigkeit, meine ganze Angst um sie herüberzubringen.— Er ist kein Mann für dich.Ihr Lächeln ist völlig verschwunden. Sie mustert mich, sucht zu verstehen, ob ich dramatisiere, ob ich übermäßig beschütze.— Sagst du das, weil er ein bisschen rau ist, ein bisschen wortkarg? Sofia, ich bin eine erwachsene Frau. Ich weiß, dass es Männer gibt, die anders sind als die, die ich sonst treffe. Aber genau das… ist faszinierend. Er hat mir den ganzen Abend zugehört. Wirklich zugehört. Nicht wie diese Typen, die nur darauf warten, dass sie an der Reihe sind, um von sich zu erzählen.— Zuhören ist eine Sache. Etwas anderes als professionelles Zuhören bieten zu können, ist eine andere. Seine Loyalität gilt Leonardo. Punkt. Alles andere… das liegt nicht in seiner Landschaft.— Wie kannst du dir da so sicher sein? entgegnet sie mit einem Hauch von Herausforderung
SofiaMeine Mutter unterdrückt ein Gähnen.Es folgt ein Ballett von Gutenachts, Umarmungen. Meine Eltern verschwinden im Flur, der zu ihrem Gästezimmer führt. Ihr Fortgehen hinterlässt eine andere Stille.Camille erhebt sich ebenfalls. Sie streckt die Arme über den Kopf mit einer katzenhaften, unbewussten Anmut. Marco entgeht keine einzige Bewegung.— Gut, ich gehe auch schlafen. Morgen früh raus zum Markt mit deiner Mama, Sofia! Gute Nacht allerseits.Sie wendet sich an Marco, ihr Lächeln immer noch so strahlend.— Gute Nacht, Marco.— Gute Nacht, Camille. Schlafen Sie gut.Er spricht ihren Namen mit einer ungewohnten Langsamkeit aus. Sie winkt ihm kurz zu und verschwindet ebenfalls in ihrem Zimmer. Die Tür schließt sich mit einem leisen Klicken.Und plötzlich sind wir nur noch zu dritt. Leonardo, ich und Marco. Die Atmosphäre verändert sich schlagartig. Die künstliche Wärme verflüchtigt sich
Sofia Der Geruch des Abendessens, ein würziger Eintopf, den meine Mutter unbedingt zubereiten wollte, liegt noch in der Wohnung, vermischt mit dem von Rotwein und Kaffee. Die Atmosphäre ist sanft, laut, familiär. Um den Esstisch im Wohnzimmer herum schaffen das Lachen meines Vaters und Camilles Anekdoten eine goldene Blase der Normalität. Eine Blase, in der ich wie eine Eindringling treibe. Meine Mutter strickt, im Sessel nahe der Fensterfront. Von Zeit zu Zeit hebt sie den Blick. Ihr Blick wandert von Camille, die sprüht, zu mir, schweigsam auf dem Sofa, dann zu Leonardo. Ihr Lächeln ist noch da, aber diese leichte Falte zwischen ihren Augenbrauen, die am Morgen aufgetaucht ist, hat sich nicht geglättet. Sie spürt das Gewitter. Sie weiß nicht, dass es bereits losgebrochen ist. Leonardo steht an der Hausbar. Er schenkt meinem Vater einen Digestif ein. Er hört Marco zu, seinem Mann fürs Vertrauen, der gekommen ist, um über
Sofia Der Kosename klingt falsch. Ein Codewort. Eine Erinnerung an unseren Pakt. Schatz. Lächeln. Ich nehme die Tasse. Unsere Finger berühren sich nicht. Wir haben in dieser Nacht gelernt, Berührungen zu vermeiden. — Wo ist Camille? Ist sie noch nicht auf? fragt meine Mutter und wirft einen Blick in den Flur, der zum Gästezimmer führt. — Sie hat wohl nach ihrer Feier gestern ausgeschlafen, sage ich zu schnell, in der Hoffnung, dass sie nicht beschließt, sie zu wecken. — Also, die Verlobung! sagt meine Mutter, während sie die Marmelade bringt. Reden wir heute darüber? Ich hatte eine Idee für die Einladungen… Und Camille hatte gestern Abend so lustige Vorschläge! Sie redet, sie sprudelt vor Begeisterung. Namen, Daten, Farben. Jedes Wort ist ein Nagel, der den Deckel unseres Lügengebäudes ein Stück weiter zudrückt. Und die Erwähnung von Camille, ihrer fröhlichen und unschuldigen Pr
SashaDas goldene Licht der Wandleuchten streichelt die dunklen Wände der Suite, wirft lange, geschwungene Schatten, die auf dem schwarzen Samt des Sofas tanzen. Die Luft ist schwer, geladen mit einem betörenden Duft – einer Mischung aus neuem Leder, gealtertem Whiskey und diesem moschusartigen, fa
SashaMeine Hüften rollen in langsamen, hypnotischen Kreisen. Ich hebe die Arme über meinen Kopf, lasse das Kleid noch tiefer über meine Schultern gleiten, enthülle die Kurve meiner Wirbelsäule, das Grübchen genau über meinem Hintern. Meine Finger krallen sich in mein Haar, ziehen gerade so, dass m
SashaIch habe nicht einmal Zeit, meinen Satz zu beenden, da springt Volkov auf, sein Whiskyglas knallt auf dem Couchtisch wie ein Schuss in der bedrückenden Stille des Raumes. Seine Augen werden zu zwei glühenden Kohlen, brennend vor Zorn und zugleich Verlangen, sein Kiefer so angespannt, dass ich
SashaIch mache einen Schritt auf ihn zu. Dann noch einen. Meine Hüften wiegen sich bei jeder Bewegung, meine Brüste springen leicht, meine Nippel streifen durch die Luft, als suchten sie seine Berührung. Als ich nur noch einen Meter von ihm entfernt bin, bleibe ich stehen. Nah genug, dass er die W







