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3. SAURE BEGIERDE

Author: I_nightshade
last update publish date: 2026-07-25 13:20:12

ANASTASIAS PERSPEKTIVE

Club? Eher eine Hausparty. Ich stieß einen langen Atemzug aus und ließ meinen Blick durch den Raum schweifen. Körper drängten sich aneinander, Lachen prallte von den Wänden ab, eine klebrige Masse aus billigem Parfum und verschütteten Drinks. Ich verstand immer noch nicht, warum er mich hierher geschleppt und dann einfach allein gelassen hatte. Isaac war überall und nirgends zugleich – er ging mit anderen Frauen herum und ließ sie sich an ihn lehnen wie Motten ans Licht einer Veranda. So ein Bullshit.

Hier zu sein machte alles nur schlimmer. Es hämmerte brutal in mich hinein, wie lächerlich mein Verlangen war. Er sah mich nicht an. Er sah sie an. Gott, ich war so eine Närrin gewesen, mir überhaupt Hoffnung zu machen. Mir einzubilden, ein Cousin könnte mich so wollen.

Ich verdrehte die Augen und hob mein Glas, als könnte es mich beruhigen. Ich redete mir ein, ich müsste ihn vergessen – vielleicht vergessen –, aber Vergessen fiel schwer, wenn jedes Lachen und jede Kopfbewegung an etwas Rohem in mir zerrte. Isaac Hayes zu vergessen war, als versuchte man, ein Lied zu vergessen, das einem zwischen den Zähnen feststeckte. Unmöglich.

„Hey.“ Eine Hand legte sich auf meine Schulter, ich zuckte zusammen und drehte mich reflexartig um.

„Hey.“ Meine Antwort kam zu schnell. Mein Blick glitt über ihn – dunkle Jacke, Lächeln. Ich erinnerte mich. Isaac hatte uns einander vorgestellt, als wir ankamen. Jake Colton.

Ich lachte leise, überrascht. „Du bist Jake?“

Er grinste. „Ja. Du hast es dir gemerkt?“

„Du warst der Einzige, den er mir vorgestellt hat.“ Ich zog eine Augenbraue hoch.

Er neigte den Kopf. „Einsam?“

Ich atmete schärfer ein, als ich wollte. „Nicht wirklich. Aber ich hätte nichts dagegen, wenn du mit mir trinkst.“ Ich schob meine Brille den Nasenrücken hoch wie einen Anker.

Der Raum verschwamm an den Rändern, der Alkohol legte einen warmen Nebel auf meine Haut. Das Gespräch mit Jake lief leicht und glatt, wie über einen rutschigen Boden. Trotzdem spürte ich die Präsenz am anderen Ende des Raumes. Diese grünen Augen klebten an mir. Aber das war nicht mein Problem, sagte ich mir. Er hatte mich hergebracht und dann den Frauen überlassen, mit denen ich nie mithalten könnte. Sie waren in seiner Liga. Ich nicht. Im Moment war er der heiße Kuchen. Attraktive Jungs waren immer kompliziert.

„Also, Ana“, sagte Jake und nickte Richtung Rückseite des Hauses. „Willst du mitkommen?“

„Zum Pool?“ platzte ich heraus und lachte halb. „I-Ich habe Angst vor Wasser. Ich kann nicht –“

„Wir gehen nicht schwimmen. Vielleicht können wir uns einfach unterhalten?“ Er lächelte, und etwas in meiner Kehle löste sich.

Ich ließ meine Stimme etwas tiefer und spielerischer klingen, als ich mich fühlte. Vielleicht lag es am Drink. Aber sicher nicht an Jake.

Er streckte die Hand nach mir aus, seine Finger kamen näher – und hielten dann inne. Ein Arm schlang sich um sein Handgelenk. Ich blickte zur Seite. Isaac stand da, Kiefer angespannt, die verdammten Augen schmal.

„Das reicht“, sagte er scharf.

„Komm schon, Mann. Sie will doch noch abhängen“, lachte Jake, doch meine Aufmerksamkeit hing an Isaac.

Isaac sah mich an. „Willst du?“

Ich öffnete den Mund, um zu antworten, da wandte er sich schon wieder Jake zu. „Sie will nicht. Verschwinde. Solange ich noch nett frage.“

Jakes Lächeln wurde dünn. „Sie ist nur deine Cousine. Sie kann ihre eigenen Entscheidungen treffen.“

„Ich bin okay. Du musst nicht so tun“, protestierte ich, doch meine Stimme zitterte, als sein durchdringender Blick meinen fand.

Er war acht Jahre älter als ich. Glaub mir, diese Blicke waren stechend, und ich schrumpfte sofort zusammen.

„Was ist los mit dir, Mann? Sie ist nur deine Cousine, nicht deine Freundin!“, fauchte Jake. Fast im selben Moment landete Isaacs Faust auf seiner Wange. Er schlug ihn brutal. Jake taumelte zurück, das Gesicht zu einer Grimasse verzerrt.

„Ich sagte, das reicht!“, knurrte Isaac.

Die Musik verstummte, das ganze Haus starrte zu uns. Das war so peinlich. Mein Kopf wurde schlagartig klar. Ich griff nach Isaac, meine Finger fanden seinen Arm.

„Isaac!“, rief ich. Er wirbelte zu mir herum. Seine Augen waren heiß und wütend. Dann, bevor ich es richtig registrierte, packte er mein Handgelenk und zog mich die Treppe hinauf.

Eine Tür knallte zu. Er warf sie hinter uns ins Schloss, und die Welt schrumpfte auf dieses eine Zimmer und seinen Atem zusammen. „Was zur Hölle, Ana?“, bellte er.

Ich blinzelte, völlig perplex und empört. „Ich – was machst du da? Du hast mich hierher geschleppt! Ich hätte zu Hause bleiben sollen. Warum bringst du mich auf so eine Party und lässt mich dann allein, während du…“ Die Worte sprudelten schneller aus mir heraus, als ich wollte. „Während du diese Mädchen an dir rumfummeln lässt? Sie dich küssen lässt? Und ich darf nicht mal…“ Der Satz brach bei einem Atemzug ab, den ich nicht geplant hatte.

Er schnaubte, sein Kiefer spannte sich an. „Braves Mädchen?“ Er klang bitter, mit einem gefährlichen Amüsement, das in seinen Augen flackerte. „Du kannst es kaum erwarten, geküsst zu werden? Kannst es kaum erwarten, gefickt zu werden?“, fuhr er mich an, und die Worte brannten.

Ich runzelte die Stirn, mein Gesicht verhärtete sich. „Was ist falsch daran? Du hast dir von all diesen Mädchen anfassen lassen. Warum darf ich nicht?“

„Was?“ Er klang fassungslos.

„Was hast du denn erwartet, was ich tue?“ Die Worte purzelten heraus, bevor ich sie stoppen konnte. „Hier sitzen und zuschauen, wie du sie küsst oder fickst? Ich sollte gar nicht hier sein. Und jetzt tust du so, als könnte ich nicht atmen ohne deine Erlaubnis. Was?“

Stille fiel wie ein dicker Vorhang, der alles Licht abschirmte.

„Du wolltest also mit ihm rumknutschen, weil du eifersüchtig auf mich warst? Das ist erbärmlich.“ Er lachte, und es klang brüchig. „Und dann? Wolltest du, dass ich dich stattdessen nehme? Dich ficke statt sie?“

„Ja!“ Es rutschte mir heraus, bevor ich denken konnte. Meine Brust hob und senkte sich heftig. Der Raum kippte. Hitze und Scham schossen mir ins Gesicht.

Für den Bruchteil einer Sekunde wurde sein wütendes Gesicht weicher, dann zog ein Lächeln, das seine Augen nicht erreichte, einen Mundwinkel hoch. Als hätten wir beide in der Stille etwas begriffen. Es war still, aber es schrie.

„Denkst du wirklich, ich hätte es nicht bemerkt?“, murmelte er. „Du spielst diese brave-Mädchen-Nummer für deine Eltern, für meine Mutter. Aber nicht für mich, Snow. Diese Blicke verraten dich. Ich sehe, wenn du mich anstarrst. Ich weiß, was in deinem Kopf vorgeht – auch jetzt noch.“

Als er es aussprach, blühte etwas in mir auf und zerbrach gleichzeitig.

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