Share

6

last update publish date: 2026-07-22 21:01:50

Sara wollte Simon Hamilton am liebsten sagen, was er mit seinem Auto anstellen könnte! Aber noch viel wichtiger war, dass sie es zutiefst bereute, Mark überhaupt eingeladen zu haben. Sie hatten sich in der Vorwoche auf einer ähnlichen Party kennengelernt. Sara hatte ihn emotionslos gemustert und festgestellt, dass ihr seine blonden Haare und blauen Augen gefielen, ebenso wie seine Größe und sein gesunder Eindruck.

Da sie nicht einfach auf einen völlig Fremden zugehen und ihn bitten konnte, Samenspender für ihr IVF-Baby zu sein – natürlich erst, nachdem Tests seine Fruchtbarkeit bestätigt hatten –, hatte Sara beschlossen, dass es besser wäre, wenn die beiden sich erst einmal etwas besser kennenlernen würden, bevor sie Mark die Bombe platzen ließ. Das war der einzige Grund, warum sie gestern Abend früh in sein Büro gegangen war und ihn gebeten hatte, sie heute Abend zu Senator Ashcrofts Cocktailparty zu begleiten.

Obwohl Mark offenbar ganz andere Vorstellungen davon hatte, wohin ihre Beziehung führen würde … Sie schenkte Simon Hamilton ein aufgesetztes Lächeln. „Das ist sehr nett von dir, Simon, aber …“

„Aber das ist absolut unnötig, ich gehe doch gern mit Sara“, unterbrach Mark sie mit lässiger Selbstsicherheit, während sein Arm wieder um Saras Taille glitt. „Ich habe für uns beide um halb zehn einen Tisch reserviert“, fügte er verführerisch hinzu.

Ein Abendessen, von dem er sich zweifellos erhoffte, dass die beiden später am Abend in seiner Wohnung oder vielleicht auch in Saras Wohnung das Bett teilen würden. Aber Sara wusste, dass sie Marks Bett – oder überhaupt das eines anderen Mannes – einfach nicht teilen würde.

Und in der heutigen Zeit war es auch nicht nötig. Es hatte alles vollkommen logisch gewirkt, als Sara vor einigen Monaten ihre Entscheidung getroffen hatte. Sie wünschte sich sehnlichst ein eigenes Kind, aber keine Ehe oder Beziehung mit einem Mann, der sie letztendlich enttäuschen würde. Eine gescheiterte Verlobung reichte ihr völlig.

Sie hatte alles durchgeplant. Sie würde vor ihrem dreißigsten Geburtstag in sechs Monaten schwanger werden, ihr Büro in ihre Wohnung verlegen und von dort bis zum achten Monat weiterarbeiten, das Baby zur Welt bringen und dann, sobald das Baby etwa drei Monate alt war, wieder arbeiten gehen. Sie würde ein Kindermädchen einstellen, das einspringen konnte, wenn Sara zu ihren Kundenterminen musste.

Logik. Nicht Gefühle.

Doch es war nicht die Logik, die Sara antrieb, sondern ein quälendes, drängendes Bedürfnis. Sie hatte Bruce Bennet vor vier Jahren kennengelernt, und sie hatten sich Hals über Kopf verliebt. Oder zumindest sie hatte sich in ihn verliebt. Es dauerte eine Weile, bis sie begriff, dass Bruce sie nie geliebt hatte, aber er hatte ihr das Gegenteil versichert. Und sie hatte ihm geglaubt. Sara war so verliebt, dass sie alles für ihn getan hätte, und das tat sie auch. Bruce bat sie, ihre Beziehung geheim zu halten, da er und ihr Bruder Scott Geschäftsrivalen waren und er nicht wollte, dass sich das auf ihre Beziehung auswirkte. Sara hatte ihren Bruder schon öfter über Bruce reden hören und wusste, dass er ihn nicht liebte, also hatte sie zugestimmt. Außerdem dachte sie, sobald er sähe, wie sehr sie einander liebten, würde er seine Meinung ändern. Vor allem, da sie schwanger war. Wie eine verliebte Idiotin hatte sie geglaubt, Bruce würde sich über die Nachricht freuen. Sara war überglücklich gewesen und hatte nichts anderes im Sinn, als Bruce zu heiraten und mit ihm eine Familie zu gründen. Es wäre zwar etwas ungewöhnlich, aber das war ihr egal. Doch dann erlebte sie die größte Überraschung ihres Lebens, als sie Bruce von der Schwangerschaft erzählte. Er sagte Sara, er wolle weder sie noch das Baby. Er forderte sie auf, es abzutreiben, da sie ihm nicht mehr nützlich sei. Dann ging er einfach weg, als wäre sie Müll, den er aus dem Fenster geworfen hatte. Er hatte sie benutzt, um sich an ihrem Bruder zu rächen. Damals arbeitete sie in Scotts Firma als seine Assistentin und war so naiv und von Bruce so geblendet gewesen, dass sie ihm die Informationen gegeben hatte, als er sie nach Scotts Terminen und seinen Treffen fragte. Er formulierte es so, als frage er nur nach ihrem Tag, nach ihren Verpflichtungen, aber in Wirklichkeit wollte er ihr Insiderinformationen entlocken. Er liebte sie nie und hatte nie die Absicht, mit ihr eine Familie zu gründen.

Sara hatte sich geweigert, die Schwangerschaft abzubrechen, doch es spielte keine Rolle mehr, da sie das Baby trotzdem verlor. Nachdem sie nur wenige Monate später von Bruces Verlobung erfahren hatte, verfiel sie in eine tiefe Depression, und ohne die Unterstützung ihres Bruders und ihrer Mutter wäre sie sich nicht sicher gewesen, ob sie das jemals überstanden hätte.

Jetzt ging es ihr viel besser. Ihr neues Unternehmen als Innenarchitektin wuchs und florierte, doch Sara merkte, dass ihr immer noch etwas fehlte. Dasselbe, was ihr schon immer gefehlt hatte.

Ein eigenes Kind.

Viele berufstätige Frauen bekamen heutzutage allein Kinder – warum also nicht Sara? Sie hatte sicherlich genug Geld, um für beide sorgen zu können, und ihr Beruf ließ sich gut mit den Bedürfnissen eines Babys vereinbaren. Ihr Plan war also, einen gesunden Mann zu finden, ihm zu erklären, was es bedeutet, Samenspender bei einer künstlichen Befruchtung zu sein, und ihm den Vertrag vorzulegen, den er unterschreiben sollte. So wären beide nach der Geburt des Babys vor finanziellen Ansprüchen des jeweils anderen geschützt.

 Die Umsetzung dieser Idee hatte sich als viel schwieriger erwiesen, als Sara gedacht hatte. Das Thema anzusprechen, einen Mann nüchtern und klinisch um eine Samenspende für eine künstliche Befruchtung zu bitten, war schwierig gewesen.

„Das ist sehr aufmerksam von dir, Mark“, sagte sie und lächelte warmherzig, mehr Simon Hamilton als Mark zuliebe. Ihr Lächeln verschwand, als sie sich dem Geschäftsmann zuwandte. „Wenn Sie uns entschuldigen würden?“

„Selbstverständlich.“ Simon neigte leicht den Kopf und fragte sich, was Sara in den letzten Minuten wohl gedacht hatte, dass sich zwischen ihren braunen Augen eine Stirnfalte gebildet hatte. Was auch immer es gewesen sein mochte, er machte sich jedenfalls keine großen Hoffnungen, dass Mark Forbes heute Nacht ihr Bett teilen würde. „Es war mir ein Vergnügen, Sie beide kennenzulernen.“

„Und Sie auch“, versicherte Mark ihm herzlich.

Continue to read this book for free
Scan code to download App

Latest chapter

  • EIN GRUND ZU HEIRATEN   163

    Er nickte. „Ich war so fest entschlossen, Bruce zu ruinieren, indem ich seine Schwester Jennifer benutzte, aber dann habe ich dich getroffen. Und ohne es überhaupt zu versuchen, hast du irgendetwas in mir berührt. Du hast dafür gesorgt, dass es mir nicht mehr egal war. Du hast mich davor bewahrt, ein Monster zu werden, und mich dazu gebracht, mich um wichtigere Dinge als Rache zu kümmern. Verdammt, ich habe mich sogar mit Jennifer angefreundet. Sie hat nach dem Unfall versucht, mich zu erreichen, aber meine Mutter und meine Schwester waren in so einer Zeit einfach noch nicht bereit, sie um sich zu haben.“„Oh, Scott …“„Als ich diesen Unfall hatte, war ich auf dem Weg zu dir. Ich wollte dir sagen, dass ich dich vermisst habe. Ich bin immer noch vor meinen Gefühlen für dich weggelaufen und war nicht bereit, mir meine Gefühle selbst einzugestehen, aber ich habe dich vermisst … unglaublich sehr. Und ich war auf dem Weg zu dir … um es dir zu sagen … Und genau da habe ich … ich … Was ich d

  • EIN GRUND ZU HEIRATEN   162

    „Du siehst gut aus. Ich meine, du siehst gesund aus – vollkommen erholt“, sagte Vivian.„So fühle ich mich auch.“ Er zog eine dunkle Augenbraue hoch. „Lädst du mich gar nicht erst hinein?“„Natürlich!“ Sie öffnete die Tür weit, und als er in den Flur trat, dachte sie, dass die Tatsache, dass er überhaupt hatte fragen müssen, Bände über die Distanz sprach, die zwischen ihnen gewachsen war. Genau wie die Tatsache, dass er sie nicht berührt hatte – und der kühl-distanzierte Ausdruck auf seinem dunklen Gesicht, der keinerlei Anstalten dazu machte. Sie trat ihm verlegen gegenüber.„Wo wollen wir uns hinsetzen?“Er fragte sich, wie sie reagieren würde, wenn er das Schlafzimmer vorschlüge; doch obwohl das nicht gerade der letzte Gedanke in seinem Kopf war, war das nicht der Grund, warum er heute hierhergekommen war. „Ist es warm genug, um draußen zu sitzen?“„Ich denke schon. Soll ich uns einen Kaffee machen und ihn auf den Balkon bringen?“Aber ihm stand der Sinn nicht nach einem gesellscha

  • EIN GRUND ZU HEIRATEN   161

    Vivian konnte nichts weiter tun als nicken. Sie konnte Scotts Mutter nichts von ihren Problemen erzählen, also umarmte sie sie einfach und wünschte ihr alles Gute. „Bitte sagen Sie Sara, dass es mir sehr leidtut, dass ich sie vor meiner Abreise nicht mehr sehen konnte“, sagte sie und verließ daraufhin das Haus. Erst als sie in ihrem Auto saß und davonfuhr, ließ sie ihren Tränen freien Lauf.Vivian verbrachte den Abend damit, wie eine verlorene Seele in ihrem Haus herumzuwandern, unfähig, sich auf irgendetwas zu konzentrieren, und ihr Herz sprang ihr beinahe aus der Brust, als ihr Telefon zu klingeln begann.Sie riss es an sich, als sie den Anrufer sah. „Hallo?“„Vivian.“„Oh, Scott!“ Sie stieß einen leisen Seufzer der Erleichterung aus, entsetzt über die Erkenntnis, dass sie halb damit gerechnet hatte, nie wieder von ihm zu hören. Aber das hätte einen Mangel an Mut seinerseits bedeutet, und an Mut fehlte es ihm ganz sicher nicht. „Geht es dir gut?“, fragte sie.Gut? Scott sah sich um,

  • EIN GRUND ZU HEIRATEN   160

    Sie hatte das Gefühl, als späche er das Wort wie ein Fremdwort aus. „Ja, wir.“Er lächelte, aber Vivian empfand es als ein kühles Lächeln, obwohl er die Spitze ihrer Nase mit seinen Lippen berührte.„Ich weiß, dass wir eine Beziehung hatten und dass es eine sehr angenehme Beziehung ist.“Sehr angenehme? Er ließ es klingen wie ein Stück klassischer Musik, das im Radio lief!„Ich verstehe“, sagte Vivian.Er fragte sich, ob sie das wirklich tat, aber im süßen Nachglühen des Liebesspiels war sein Geist nicht untätig gewesen. „Wollen wir uns anziehen und uns etwas zu trinken holen?“Wäre es jemand anderes gewesen, hätte sie vielleicht gedacht, er suche nach flüssigem Mut, aber Scott war nicht der Typ Mann, der Alkohol brauchte, um sich zu einer Äußerung durchzuringen, egal wie unangenehm sie sein mochte.Sie spürte, dass das Ende nahte, und dass sie ihm, wenn es so weit war, ruhig und mit Würde entgegensehen würde. „Gegen einen Drink hätte ich nichts einzuwenden“, sagte sie beiläufig.Er m

  • EIN GRUND ZU HEIRATEN   159

    Er hatte sich verändert. Die dunklen Augen waren nicht mehr so unruhig. Der blitzende, raubtierhafte Blick des Hais war verschwunden.Aber ein Stoß für sein Gedächtnis könnte ihn doch sicher zurückbringen, oder? Und der kaltblütig ehrgeizige Scott McCall könnte wieder aus dem Kokon seines Komas hervortreten.„Bereit?“, fragte sie.Er ließ seine Hand über ihr Haar gleiten und folgte ihr mit der schmetterlingsleichten Berührung seiner Lippen auf ihrem Nacken. „Vielleicht sollten wir noch eine Weile zurück ins Bett gehen?“, murmelte er.Vivian schloss die Augen, versucht. Wenn es eine Sache gab, die Scott schnell zurückgewonnen hatte, dann war es seine Qualität als Liebhaber. „Aber wir sind doch gerade erst aufgestanden!“, wandte sie ein.„Der Arzt hat gesagt, ich soll mich so viel wie möglich ausruhen.“„Ich glaube, deine Vorstellung von Ausruhen und die des Arztes sind nicht ganz dieselbe“, erwiderte Vivian. Widerstrebend zog sie ihren Nacken zurück. „Sollen wir fahren oder ein Stück z

  • EIN GRUND ZU HEIRATEN   158

    Er holte leise tief Luft, um seine Bewunderung zu bekunden, als sie vor ihm stand – gehüllt in nichts als hauchzarte Unterwäsche aus weicher, grüner Spitze, während ihre Haut wie Seide schimmerte. Ihre Brüst quollen über den tief geschnittenen BH, und das passende Höschen ließ ihre Beine endlos lang wirken.Er musste sie schon früher so gesehen haben, und doch schien es ihm, als hätte er sie nie wirklich betrachtet. Als hätte er nie den seidigen Fall des dunklen Haares geschätzt, das kaskadenartig über ihre Schultern fiel.„Herrgott“, murmelte er. „Du bist unglaublich. Einfach unglaublich.“„Nein, ich bin echt.“ Sie begann, sein Hemd aufzuknöpfen.„Du trägst all das, während ich fast gar nichts anhabe“, beschwerte sie sich.Er lachte leise auf und hielt den Atem an, als ihre Handflächen leichte, sinnliche Kreise über seine Brustwarzen zogen. „Du trägst viel zu viel, oh, Vivian –“Dies, als sie seine Hose öffnete und mit den Fingerspitzen seine pralle Härte neckte. Er schob seine Hand

More Chapters
Explore and read good novels for free
Free access to a vast number of good novels on GoodNovel app. Download the books you like and read anywhere & anytime.
Read books for free on the app
SCAN CODE TO READ ON APP
DMCA.com Protection Status