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Kapitel 20

last update Veröffentlichungsdatum: 02.07.2026 06:10:39
Nach dem Sturm

Die Stille nach dem Verschwinden der Quelle war fast schlimmer als ihr Auftauchen.

Sie lag schwer über der Kammer, dicht und unnatürlich, als hätte der Raum selbst vergessen, wie man atmet. Ich stand noch immer in Damiens Armen, Luna fest an meine Brust gedrückt, und brauchte einen langen Moment, um zu begreifen, dass der Boden nicht mehr bebte. Dass nichts mehr schrie. Dass wir tatsächlich noch lebten.

Dann brach die Erschöpfung über mich herein.

Nicht langsam. Nicht sanft. Sonde
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  • Echos der Verbotenen Bindung   Kapitel 55

    Die Ruhe vor dem NächstenDie Stille hielt drei Tage.Nicht die friedliche Art von Stille. Nicht die, die nach getaner Arbeit kommt, wenn man sich zurücklehnen und durchatmen kann. Diese Stille war anders. Sie war schwer. Erwartend. Wie die Luft vor einem Gewitter, die so dick ist, dass man sie fast schmecken kann.Ich verbrachte die meiste Zeit mit Luna.Sie spielte auf dem Boden des Zimmers, umgeben von Holzfiguren, die Damien für sie geschnitzt hatte. Ein Pferd. Ein Vogel. Eine kleine Frau mit langen Haaren, die Luna sofort als „Mama" identifizierte. Sie stapelte sie, warf sie um, baute sie wieder auf, und ich sah ihr zu, wie man etwas Heiligem zusieht.Damien war unten bei den Wachen.Kael patrouillierte die Grenzen des Anwesens. Aurel war immer noch nicht zurück, und niemand fragte laut, ob er jemals wiederkommen würde. Wir alle dachten es. Aber niemand sagte es.Am vierten Morgen änderte sich etwas.Ich spürte es, bevor ich es sah. Ein Vibrieren im Boden. So schwach, dass ich es

  • Echos der Verbotenen Bindung   Kapitel 54

    Die Stille nach dem SchreiDer Schrei hallte noch in meinen Ohren, als wir die Kammer verließen.Nicht laut. Nicht körperlich. Aber tief. Wie etwas, das nicht durch die Luft gereist war, sondern durch etwas anderes. Durch Erinnerung. Durch Bindung. Durch das unsichtbare Netz, das uns alle miteinander verband, ob wir es wollten oder nicht.Kael blieb als Erster stehen.Er lehnte sich gegen die Wand, die Hand noch immer an der Klinge, die Augen geschlossen. Für einen Moment sah er nicht aus wie der Mann, der immer eine sarkastische Antwort parat hatte. Er sah aus wie jemand, der gerade begriffen hatte, dass er Teil von etwas war, das größer war als er selbst.„Das war es also“, sagte er leise.„Nein“, korrigierte Aurel. „Das war nur ein Teil.“Ich sah auf meine Hände. Sie zitterten nicht. Aber sie fühlten sich fremd an. Als wären sie nicht mehr ganz meine. Als hätte das Objekt, das ich gerade zerstört hatte, etwas von mir mitgenommen, das ich nicht zurückbekommen würde.„Was war das?“ f

  • Echos der Verbotenen Bindung   Kapitel 53

    Das gegebene VersprechenDie Erinnerung, die ich verloren hatte, kam nicht zurück.Das war das Erste, was mir am nächsten Morgen bewusst wurde. Ich wachte auf und versuchte instinktiv, nach ihr zu greifen — nach diesem einen Bild, diesem einen Gefühl, das mich hierhergebracht hatte. Aber da war nichts. Nur eine Lücke. Glatt. Sauber. Als wäre sie nie dagewesen.Damien wachte auf, als er sah, dass ich bereits wach war.„Wie fühlst du dich?“Ich dachte einen Moment nach. „Anders.“„Schlecht?“„Nein. Nur… leichter. Als hätte jemand etwas von mir genommen, das ich schon lange nicht mehr gebraucht habe.“Er sah mich aufmerksam an. „Glaubst du, das war die richtige Entscheidung?“Ich atmete tief ein. „Ich weiß es nicht. Aber ich glaube, es war die einzige.“Luna regte sich zwischen uns und gähnte klein. Dann sah sie mich an, mit diesen großen, goldenen Augen, die mich jeden Tag aufs Neue daran erinnerten, warum ich all das tat.„Mama?“Ich strich ihr über die Wange. „Ja, Liebling?“„Ist der

  • Echos der Verbotenen Bindung   Kapitel 52

    Das, was ziehtDie Nacht darauf schlief niemand richtig.Das Haus hielt den Atem an, und wir mit ihm. Jede Bewegung auf dem Kies draußen ließ mich hochfahren. Jedes Knarren der Dielen klang wie ein Schritt, der näher kam. Luna wachte zweimal auf, weinte nicht, aber ihre Augen waren groß und wachsam, als würde sie spüren, dass etwas in den Wänden nicht stimmte.Am Morgen war ich müder als nach der ersten Konfrontation mit dem Hunger.Ich stand am Fenster und sah hinaus. Der Hof lag ruhig da, aber die Ruhe fühlte sich falsch an. Wie die Stille vor einem Sturm, die nicht aus Frieden besteht, sondern aus Anspannung. Die Wachen waren da, aber sie standen anders. Nicht mehr wie Wächter. Eher wie Menschen, die wissen, dass sie zu wenig sind.Kael fand mich dort.„Die Linien sind worse geworden.“Ich sah ihn an. „Englisch hilft nicht.“„Es klingt besser als ‚schlechter geworden'“, sagte er trocken.„Was genau ist passiert?“„Sie flackern jetzt im Rhythmus.“Das ließ mich aufhorchen. „Welchem

  • Echos der Verbotenen Bindung   Kapitel 51

    Die ersten RisseDie Ruhe hielt genau sieben Tage.Nicht weil jemand sie zählte. Sondern weil jeder es spürte, als sie endete.Am achten Morgen wachte ich auf, bevor die Sonne richtig über den Bäumen stand. Etwas hatte mich geweckt. Nicht ein Geräusch. Nicht ein Traum. Eher ein Gefühl, als hätte das Haus selbst kurz den Atem angehalten. Ich lag da, eine Hand auf Lunas Rücken, die andere auf Damiens Arm, und lauschte in die Stille hinein.Sie war nicht mehr dieselbe.Vorsichtig stand ich auf, zog mir einen Mantel über und ging zum Fenster. Der Hof lag grau und reglos da. Keine Wache weit und breit. Kein Vogel. Nicht einmal der Wind schien sich zu rühren. Und doch war die Luft gespannt, als würde etwas warten.Ich ging hinaus.Die Gänge waren leer. Die Fackeln brannten niedrig. Irgendwo tropfte Wasser auf Stein, ein gleichmäßiger, nervtötender Rhythmus, der mir plötzlich auf die Nerven ging. Ich schob die Tür zum Hof auf, und die Kälte schlug mir ins Gesicht.Kael saß auf der Mauer, die

  • Echos der Verbotenen Bindung   Kapitel 50

    Der Anfang vom EndeDie Tage vergingen nicht schnell.Sie vergingen überhaupt nicht. Es war, als hätte die Zeit selbst begriffen, dass sie nach dieser Nacht nicht mehr einfach weiterlaufen konnte, als wäre nichts geschehen. Die Uhren tickten, die Sonne ging auf und unter, die Vögel sangen im Hof, aber unter all dem lag etwas, das nicht verschwand. Eine vibration im Stein. Ein Summen in den Wänden. Ein Wissen, das wir jetzt trugen und nicht mehr ablegen konnten.Luna wachte auf, als wäre nichts geschehen.Sie aß, sie spielte, sie lachte, und für einen Moment konnte ich fast glauben, dass wir es geschafft hatten. Dass wir den Preis gezahlt hatten und nun in Ruhe leben durften. Aber ich wusste es besser. Der Hunger war nicht fort. Er war nur gebunden. Und Bindungen kann man lösen, wenn man den richtigen Hebel findet.Kael verschwand für zwei Tage.Niemand fragte, wohin. Niemand musste es. Als er zurückkam, trug er neue Narben an den Händen und einen Ausdruck im Gesicht, der sagte, dass e

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