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Kapitel 6 — Wie ein erwachter Traum

Penulis: Déesse
last update Terakhir Diperbarui: 2026-01-30 00:16:17

Lyra

Ich habe noch nie ein so großes Haus gesehen.

Ich bleibe wie angewurzelt auf der Schwelle stehen, den Mund halb geöffnet, unfähig, einen weiteren Schritt zu tun. Mein Blick haftet an der Decke, dem Boden, den Wänden, als suchte ich einen Riss, einen Hinweis, dass dies alles nur eine Theaterkulisse ist. Aber nein. Alles ist echt.

Der Boden glänzt unter meinen Füßen. Weißer Marmor, durchzogen von goldenen Adern. So rein, so perfekt, dass ich Angst habe, ihn mit meinen abgetragenen Schuhen schmutzig zu machen. Die Wände erheben sich hoch, cremeweiß, eingefasst von fein geschnitzten Holzpaneelen. Und die Kronleuchter… Herr im Himmel. Kaskaden von Kristall, die hängen, das Licht einfangen und in tausende von Sternen um mich herum zerstreuen.

Ich wage nicht zu berühren. Ich wage nicht einmal, zu tief zu atmen. Ich habe das Gefühl, wenn ich mich zu plötzlich bewege, wird alles zusammenbrechen. Und ich werde dort wieder aufwachen, wo ich noch gestern war: in dieser grauen Gasse, dieser schmutzigen Küche, diesem Leben ohne Licht.

— Komm herein, mein Schatz. Du bist jetzt zu Hause, flüstert die Frau an meiner Seite und legt sanft eine Hand auf meine Schulter.

Zu Hause.

Diese zwei Worte treffen mich hart in der Brust. Wie eine fremde Wahrheit, ein halb geflüsterter Traum. Zu Hause. Als hätte ich hier meinen Platz.

Ich mache einen Schritt, dann einen weiteren. Die Luft riecht nach Jasmin, Bienenwachs und altem Holz. Es ist ein warmer, einhüllender Duft. Ein Duft nach Zuhause. Ich habe nicht viele Zuhause gekannt.

Und dann sehe ich ihn.

Er steht im Wohnzimmer, die Arme verschränkt. Ein junger Mann, aber bereits von dieser Kälte erfüllt, die diejenigen haben, die zu früh Verantwortung tragen. Er starrt mich an. Ein grauer, fast metallischer Blick. Ruhig. Zu ruhig.

— Lucas, sagt die Frau mit einem zärtlichen Hauch, das ist deine Schwester.

Ich erstarre. Er bewegt sich nicht.

Kein Wort. Keine Geste.

Er betrachtet mich wie ein Rätsel. Wie ein eingesetztes Teil, das man in ein altes Puzzle zu zwingen versucht. In seinen Augen liegt etwas Distanziertes… und ein Bruch, den ich noch nicht verstehe.

— Lass dich von seiner kühlen Miene nicht täuschen, fügt sie mit einem leichten Lächeln hinzu. Lucas ist jetzt der CEO der Firmengruppe. Er hat das Büro verlassen, sobald er erfuhr, dass man dich gefunden hat. Bei deiner Geburt war er so glücklich! Ihr wart unzertrennlich. Hast du wirklich keine Erinnerung daran?

Ich weiß nicht, was ich antworten soll.

Erinnerungen habe ich schon. Aber verschwommen. Fragmentiert. Wie Glasscherben, die man verkehrt herum zusammenzusetzen versucht. Ein Lachen. Ein Garten. Eine warme Hand. Und dann… nichts mehr.

Ich erzwinge ein Lächeln. Ein schmerzhaftes Lächeln.

— Ich habe immer geglaubt, diese Bilder in meinem Kopf wären Träume… Eine Illusion, um dem Schmerz zu entfliehen.

Er zuckt zusammen. Ich sehe es. Ein Riss in der Maske. Ein Zittern. Eine Regung.

Sein Blick verändert sich. Kaum, aber genug. Als würde er mir zum ersten Mal zuhören.

— Du erinnerst dich… an was? fragt er. Seine Stimme ist tief, aber sie schwankt leicht.

Ich schließe die Augen.

Und die Erinnerungen kommen zurück. Deutlicher. Wahrer.

— Da war ein riesiger Baum, im Garten… Wir haben bunte Bänder daran gehängt, um Wünsche zu äußern. Und ein Hund. Weiß. Er hieß Schnee. Und… eine Holzhütte hinter den Büschen. Du sagtest, das sei unser geheimes Schloss.

Ich öffne die Augen wieder.

Er hat seine geschlossen.

— Die Hütte… Ich habe sie letztes Jahr wieder aufgebaut. Nur… für den Fall.

Ein Hauch geht durch den Raum. Kein Wind. Ein Hauch von Leben. Wie etwas, das erwacht.

Ich möchte weinen. Aber nicht wie früher.

Kein Schmerz. Keine Wut.

Erleichterung.

Er legt eine Hand auf meine Schulter. Fest. Zurückhaltend. Aber echt.

Ein Anker.

— Ich zeige dir morgen alles. Ruh dich heute Abend aus. Du musst erschöpft sein.

Bin ich es. Aber nicht nur in meinem Körper.

Ich bin erschöpft vom Zweifeln. Vom Misstrauen. Von der Flucht.

Mein Zimmer… ich zögere, es so zu nennen. Es ist ein Palast.

Schwere Vorhänge aus pflaumenfarbenem Samt. Ein riesiges Bett, bedeckt mit Kissen und einer flauschigen Bettdecke. Eine Frisierkommode aus Lackholz, duftende Kerzen, Bücher, so weit das Auge reicht. Sanfte, perlmuttfarbene Wände. Und ein kleiner Balkon, der auf den Garten hinausgeht.

Alles ist für mich gemacht.

Und ich verstehe nicht, warum.

Ich gehe zum Spiegel. Mein Spiegelbild überrascht mich.

Ein neues Kleid. Gepflegte Haare. Ein fast ausgeruhter Teint.

Aber meine Augen…

Sie haben sich nicht verändert.

Ich sehe darin das Mädchen, das allein im Dunkeln weinte. Das sich versteckte, um zu essen. Das man wie eine Last behandelte.

Und plötzlich macht mir dieses Zimmer fast Angst.

Wie kann ein so ramponiertes Herz an einem so schönen Ort wohnen?

Ich setze mich aufs Bett. Und lasse die Tränen fließen. Lautlos.

Ich weine nicht vor Traurigkeit.

Ich weine, weil ich verloren bin. Weil ich Angst habe, daran zu glauben. Und noch mehr Angst, das alles zusammenbrechen zu sehen.

— Warum ich? Ist das alles echt? Oder nur eine Fata Morgana? flüstere ich.

Aber niemand antwortet.

Ich habe Angst. Angst, dass es ein Traum ist. Dass ich morgen dort aufwache, in Dreck und Vergessenheit. Aber nein. Das ist die Realität. Ich bin hier. In diesem Palast. Ich muss daran glauben.

Lucas

Ich schlafe nicht.

Ich bin in meinem Büro, vor der Glasfront, die Hände in den Taschen.

Ich habe alles für diese Familie gegeben. Um aufrecht zu bleiben, als meine Eltern zusammenbrachen. Um die Firma am Laufen zu halten. Um dem Andenken an eine Leere zu huldigen.

Die, die sie hinterlassen hatte.

Und heute Abend ist diese Leere zur Gegenwart geworden.

Sie ist da. Sie ist zurückgekehrt.

Und ich schaffe es nicht, sie als Fremde zu sehen.

Weil sie von Schnee sprach. Von der Hütte. Weil sie diesen Satz wiederholte…

Wir werden immer zusammen sein, ja?

Ich dachte, das wäre eine Lüge, die sich ein Kind erzählt, um zu überleben.

Aber sie erinnerte sich daran.

Ich habe sie lange angesehen. Sie hat nicht mehr dieselbe Stimme. Nicht mehr denselben Körper. Aber sie hat diesen Blick behalten. Diese Mischung aus Hoffnung und Einsamkeit.

Und ich mache mir hier und jetzt ein Versprechen.

Wenn sie wirklich zurück ist, dann werde ich sie beschützen. Selbst wenn sie mich zurückweist. Selbst wenn sie mich hasst. Selbst wenn ich alles dafür auf mich nehmen muss.

Sie ist meine Schwester.

Und ich bin ihr großer Bruder.

— Willkommen zu Hause, Lyra.

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