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Ein Leben für ein anderes
Ein Leben für ein anderes
Autor: Wandelpfirsich

Kapitel 1

Autor: Wandelpfirsich
In den letzten drei Minuten meines Lebens schwebte meine Seele an die Seite meiner Mutter.

Sie saß am Krankenbett meines jüngeren Bruders Felix Goodman. Ihr Gesicht war voller Sorge, während sie betete: „Felix, bitte erschreck mich nicht so. Wach auf, ja?“

Mein Vater stand daneben. Sein Gesicht war vor Wut verzerrt. „Wenn Sean seine Aufgabe erfüllt und ihn beschützt hätte, wäre Felix jetzt nicht in diesem Zustand! Wart nur ab. Ich prügle ihn tot!“

Ich stand daneben und sah ihnen zu. Bitterkeit stieg in meiner Brust auf.

„Papa, das ist nicht nötig. Ich bin schon fast tot. Euch interessiert das ja sowieso nicht.“

In diesem Moment standen die Ärzte dicht gedrängt um Felix’ Bett.

Nachdem sie bestätigt hatten, dass er nur ein paar Schrammen hatte und nichts Ernstes vorlag, wagte einer der älteren Ärzte endlich, mich zu erwähnen. Vorsichtig fragte er: „Frau Goodman, sind Sie sicher, dass wir nicht nach Sean sehen sollten? Seine Verletzungen durch den Autounfall sehen sehr ernst aus.“

Der sanfte Ausdruck meiner Mutter verwandelte sich sofort in Abscheu. Sie brüllte: „Was zieht er jetzt schon wieder ab? Spielt er den Sterbenden? Begreift er denn nicht, was er seinem Bruder angetan hat?“

Ich starrte sie fassungslos an. Obwohl mein Herz bereits aufgehört hatte zu schlagen, schmerzte es trotzdem.

Ich war doch auch ihr Sohn. War ich ihnen wirklich völlig egal?

Plötzlich griff meine Mutter nach ihrem Handy und wählte meine Nummer.

Eine Krankenschwester hielt mir das Telefon ans Ohr. Doch statt der Sorge, auf die ich gehofft hatte, hörte ich nur Verachtung.

„Sean Goodman, wann kriechst du endlich aus dem Bett und entschuldigst dich bei deinem Bruder?“

Mein Herz wurde augenblicklich eiskalt. Der letzte Rest Hoffnung in mir verdorrte.

Natürlich lag ihr nie etwas an mir.

Wenn ich daran zurückdachte, hatte ich meine Mutter schon bei meiner Einlieferung ins Krankenhaus angefleht, mich zu retten. Doch sie sagte nur: „Musst du selbst in so einem Moment um Aufmerksamkeit kämpfen? Merkst du nicht, dass dein Bruder sich fast einen Knochen gebrochen hätte?“

Dann drehte sie sich um und ging, ohne mich noch einmal anzusehen. Das gesamte Ärzteteam nahm sie mit, damit sie sich um Felix kümmerten.

Wie sollte so jemand überhaupt fähig sein, mich zu lieben?

Die Krankenschwester hielt es nicht länger aus. Sie nahm das Telefon und sagte: „Frau Goodman, Sean hält nicht mehr lange durch.“

Doch meine Mutter war noch immer überzeugt, dass ich alles nur vorspielte. Sie lachte spöttisch. „Wie viel hat dieser Bengel Ihnen bezahlt, damit Sie bei seinem Theater mitmachen? Ich kann nicht glauben, dass er zu so etwas fähig ist!“

Kaum hatte sie ausgesprochen, wachte Felix endlich auf. Dabei hatte er die ganze Zeit nur Bewusstlosigkeit gespielt. Mit schwacher Stimme fragte er: „Mama, Papa, wie geht es Sean?“

Als meine Mutter den gehorsamen, rücksichtsvollen Felix auf dem Bett liegen sah, wurde ihr Blick noch verächtlicher. „Sean, warum kannst du nicht ein bisschen mehr wie dein Bruder sein? Er wurde deinetwegen verletzt und macht sich trotzdem Sorgen um dich.

Wenn du nicht innerhalb der nächsten drei Minuten herkommst und dich entschuldigst, brauchst du dich nie wieder vor mir blicken zu lassen!“

Dann legte sie auf. Ihre Brust hob und senkte sich vor Wut.

Mein Vater stand neben ihr und sah deutlich verärgert aus. „Warum rufst du ihn überhaupt an? Reicht es nicht, dass er Felix beinahe umgebracht hat?“

Felix senkte den Kopf und versuchte, das selbstgefällige Funkeln in seinen Augen zu verbergen. Dann setzte er einen schuldbewussten Ausdruck auf und sah zu ihnen hoch. „Mama, Papa, seid bitte nicht sauer auf ihn. Sean hat mir nur nie verziehen, dass ich das Auslandsstipendium bekommen habe und nicht er. Ich verstehe, warum er mich hasst.“

Ich musste lachen.

Selbst nach meinem Tod versuchte Felix noch, Zwietracht zwischen mir und meinen Eltern zu säen.

Doch meine Eltern würden ihn nie durchschauen. In ihren Augen war er immer der bessere Sohn.

Und sie würden nie über den wahren Grund für den Autounfall nachdenken.

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    Einen halben Monat später wurde das Urteil verkündet.Felix wurde zum Tod verurteilt. Mama bekam lebenslange Haft.Vielleicht war meine Rache nun vollendet, denn meine Seele fühlte sich endlich frei. Ich konnte gehen, wohin ich wollte, und war nicht länger an Mamas Seite gebunden.In seinen letzten Tagen wurde Felix von der Angst vor dem Tod völlig aufgefressen. Jeden Tag schlug er das Essen, das die Wärter ihm brachten, zu Boden. In nur einer kurzen Woche magerte er sichtbar ab.Früher hätten meine Eltern und Ashley ihm deswegen das Herz gebrochen. Doch jetzt kam niemand mehr, um ihn zu besuchen.Am Tag seiner Hinrichtung schwebte ich still in der Luft und sah zu. In dem Moment, in dem er starb, löste sich seine Seele aus seinem Körper, genau wie meine damals.Er starrte mich entsetzt an. „Sean, es tut mir leid. Ich weiß, dass ich falsch gehandelt habe. Bitte töte mich nicht. Bitte nicht...“Ich lachte. „Bist du nicht längst tot?“Er sah auf seinen leblosen Körper hinunter und schrie.

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  • Ein Leben für ein anderes   Kapitel 7

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