LOGINAlexei
Ein weiterer Tag bricht an, aschgrau und öde hinter dem hohen, vergitterten Fenster.
Korrektur. Er bricht nicht an.
Das Licht, das in diesen Steinkasten sickert, ist trüb. Als wäre selbst die Sonne zu höflich, um sich in Silvercrests makellose Düsternis zu drängen. Götter, ich vermisse die Berge, den Wind, die ehrliche Brutalität von Redmaws Revier. Dort fühlten sich die Käfige wenigstens wie Käfige an und nicht wie … gepolsterte Wartezimmer.
Ich habe die Steine in den Wänden gezählt – 1348 –, das Schnarchen der Nachtwachen erfasst – drei unterschiedliche Muster, eines klingt verdächtig nach einem erstickenden Dachs – und aus schierer, zermürbender Langeweile erwogen, mir selbst die Haare zu flechten.
Ich hätte längst einen Fluchtversuch unternommen, wäre mein Ziel nicht genau hier. Wandert durch seine luxuriösen Hallen und tut so, als würde er nicht an den sexy Wolf denken, den er weggesperrt hat.
Mein Wolf streckt sich rastlos unter meiner Haut. Er will auch raus. Will rennen, jagen, sich nehmen, was ihm gehört. Er hat Kierans aufflackerndes Interesse gespürt und mit typisch männlicher Überheblichkeit beschlossen, dass der hübsche Prinz jetzt uns gehört. Dass er sich dagegen wehrt, macht das Spiel nur interessanter.
Draußen schabt der Riegel, Schritte nähern sich. Leichter als das schwere Auftreten der Wachen. Der präzise, beinahe lautlose Gang des Alphas selbst, begleitet von den gewichtigen Schritten seines Hauptmanns. Mein Puls legt gemächlich zu. Die Vorstellung beginnt.
Ich mache es mir betont lässig auf der Pritsche bequem, einen Knöchel auf dem anderen Knie, die Hände hinter dem Kopf verschränkt. Gelangweilt. Entspannt. Nicht im Mindesten eingeschüchtert. Soll er glauben, ich lebe mich ein. Soll er mich für harmlos halten, während ich das faszinierende Spiel der Anspannung in seinen schönen Zügen beobachte.
Kieran tritt ein. Marcus flankiert ihn wie ein treuer, wenn auch finster dreinblickender Schatten.
Der hübsche Prinz sieht aus, als hätte er noch weniger geschlafen als ich. Unter diesen lächerlich auffälligen violetten Augen liegen blasse Schatten auf der zarten Haut. Sein Mund bildet eine Linie, die sich viel zu sehr um Entschlossenheit bemüht.
Ich würde ihm gern die dunklen Stellen unter den Augen küssen, während ich ihn ficke, bis er so erschöpft ist, dass er eine Woche durchschläft. Er braucht mich.
Heute trägt er eine dunkle Hose und eine makellose weiße Tunika. Mit hohem Kragen, als versuchte er, den hektisch schlagenden Puls an seinem Halsansatz zu verstecken. Es funktioniert nicht. Ich kann ihn praktisch bis hierher hören. Sein Herz schlägt doppelt so schnell, weil er mich begehrt.
Er bleibt gleich hinter der Tür stehen und wahrt diesen sorgsam bemessenen Abstand, den er offenbar braucht.
Sein Blick gleitet prüfend über mich, verweilt einen Sekundenbruchteil länger als nötig darauf, wie die geliehene Tunika über meiner Brust spannt. Gut. Soll er hinsehen. Ich spanne unauffällig die Muskeln an und verkneife mir ein Lächeln, als sein Adamsapfel sich bewegt.
Soll er dieses lästige kleine Ziehen im Unterleib spüren. Das ihm sagt, dass sein Körper sich nicht so leicht herumkommandieren lässt wie seine Wachen.
„Basov“, sagt er knapp, mit tiefer Stimme. Der Alpha-Ton, mit dem er verzweifelt eine Dominanz behaupten will, die ihm vermutlich zu entgleiten scheint. Ein guter Versuch für jemanden, der das Befehlen wahrscheinlich von Benimmlehrern gelernt hat und nicht bei Kämpfen auf Leben und Tod im Schlamm.
„Alpha Arnulf“, erwidere ich gedehnt und lasse gerade genug von meiner eigenen Alpha-Natur in den Ton fließen, um an seiner Beherrschung zu kratzen.
„Erweist du meiner bescheidenen Behausung die Ehre? Ich habe gerade über eine neue Einrichtung nachgedacht. Vielleicht ein paar Wandteppiche mit aufregenden Jagdszenen? Ein weniger bedrückendes Schiefergrau für die Wände wäre auch schön. Etwas, das Leben hereinbringt. Wobei du den Raum natürlich perfekt schmückst. Vielleicht solltest du bleiben.“
Marcus verlagert sein Gewicht. Seine Missbilligung strahlt von ihm ab wie Kälte von Stein. Kieran lässt sich nichts anmerken, bis auf ein leichtes Zusammenziehen der Augenpartie und ein kaum sichtbares Anspannen seines Kiefers, das ich restlos faszinierend finde.
„Ich wollte mich nach deinem … Wohlbefinden erkundigen.“ Das Wort klingt steif. Eingeübt.
„Oh, ich fühle mich ausgesprochen wohl“, versichere ich heiter und schwinge die Beine von der Pritsche. „Ein weiches Bett, regelmäßige Mahlzeiten, die man mir unter größtem Misstrauen serviert, aufmerksame Wachen, die bei jedem Räuspern zusammenzucken. Praktisch Urlaub. Ein bisschen einsam bin ich allerdings schon. Du solltest bleiben und mir eine Weile Gesellschaft leisten.“
Mein Blick huscht vielsagend zu Marcus und zurück zu Kieran. „Ohne deine Anstandsdame. Mich stört Publikum nicht, aber du wirkst eher schamhaft. Noch. Sobald ich dir geholfen habe, deine Hemmungen loszuwerden, kriegen wir das auch hin.“
Kierans Kiefer spannt sich stärker an. Da ist es. Dieses kurze Aufblitzen von Ärger, das er so angestrengt zu unterdrücken versucht. Der Riss im Eis. Köstlich.
„Mein Hauptmann ist hier, um die Einhaltung des Protokolls sicherzustellen“, sagt Kieran steif, die Stimme tadellos neutral.
„Ah, das Protokoll.“ Ich stehe auf und trete in die Mitte des kleinen Raums. Dringe mit Absicht in den Abstand ein, den er zwischen uns wahren will.
Er weicht nicht zurück, will keine Schwäche zeigen, aber ich sehe, wie seine Schultern sich verspannen und sein Körper sich unwillkürlich wappnet.
„Silvercrest scheint sehr an seinem Protokoll zu hängen. An Ordnung. Am äußeren Schein. Ist in deiner makellosen kleinen Welt auch Platz für … Wildheit, Alpha? Dafür, ein paar unzüchtigen Launen nachzugeben?“
„Es ist Platz für das Nötige“, erwidert er. Seine Augen verengen sich ein wenig, das Violett wird dunkler. „Chaos ist ein Luxus, den wir uns nicht leisten können.“
„Chaos?“ Ich komme näher, bis uns nur noch ein Hauch trennt. Nah genug, um die feinen Stressfalten um seine Augen zu erkennen, das kaum wahrnehmbare Zittern seiner Hand neben der Hüfte, die Finger leicht gekrümmt. Nah genug, dass er die Wärme spüren muss, die von mir ausgeht, die Spannung, die den engen Raum füllt.
„Nennst du es so, wenn etwas nicht genau nach Plan verläuft? Wenn ein Wolf seinem Instinkt folgt statt Befehlen?“
Ich senke die Stimme, lasse sie rauer werden, gebe ihr absichtlich einen vertraulichen Klang. „Wenn ein Alpha sich nimmt, was er will, anstatt höflich darum zu bitten, hm?“
Sein Atem stockt. Kaum merklich, nur ein winziger Aussetzer im sonst so gleichmäßigen Rhythmus, aber ich bemerke ihn. Seine Pupillen weiten sich, das Violett verdunkelt sich zu tiefem Purpur, das alles Licht verschluckt. Er kämpft dagegen an. Gegen den Sog, gegen die rohe Spannung zwischen uns, gegen die lästige Wahrheit, dass sein Körper nicht auf seine sorgfältig formulierten Befehle hört.
Und Götter, ihm bei diesem Kampf zuzusehen, zu beobachten, wie seine vollkommene Beherrschung an den Rändern ausfranst, ist heißer als jede leichte Eroberung, die ich je gemacht habe.
„Instinkt ohne Disziplin führt ins Verderben“, stößt er hervor. Mit schierer Willenskraft hält er meinem Blick stand, die Stimme angespannt. „Wie Redmaw wiederholt bewiesen hat.“ Er versucht, es wie eine allgemeine Feststellung klingen zu lassen. Aber der Seitenhieb auf meine Herkunft ist unüberhörbar.
„Und Disziplin ohne Leidenschaft?“, entgegne ich leise und senke den Blick absichtlich wieder auf seinen Mund. Diesen schön geformten, vermutlich unerfahrenen Mund. Perfekter Amorbogen, volle Unterlippe, von der trockenen Festungsluft leicht spröde Haut. Ich will ihn schmecken. Will hineinbeißen, bis ihm ein Laut entkommt, den er nicht beherrschen kann. Will ihm beibringen, ihn für weit angenehmere Dinge zu benutzen als Wortgefechte.
„Wohin führt die, Kieran? Zu einem wohlgeordneten Rudel unter einem kalten König? Oder bloß zu … Leere? Einem hübschen Palast voller stiller, einsamer Räume?“
Er zuckt sichtbar zusammen, als ich seinen Vornamen ausspreche. Noch ein Riss. Diesmal breiter. Behutsam drücke ich nach, prüfe die Bruchstelle.
„Du hältst dich selbst so straff an der Leine. Hast du Angst, dass du zerbrichst? Angst, dass es dir gefallen könnte? Angst, dass du entdeckst, wie viel mehr das Leben zu bieten hat als Pflicht und schönen Schein?“
„Genug.“ Das Wort ist schneidend. Ein Befehl, getragen von der ganzen Macht seines Ranges. Die Resonanz des Alphas vibriert durch den Steinboden. Er ist erschüttert. Aus dem Gleichgewicht. Genau dort, wo ich ihn haben will.
Marcus macht einen halben Schritt vor, die Hand wandert zum Schwertgriff, seine Miene verhärtet sich. Ich ignoriere ihn. Meine ganze Aufmerksamkeit gilt Kieran. Dem Kampf hinter diesen atemberaubenden Augen. Beherrschung gegen Instinkt. Pflicht gegen Verlangen. Der König gegen den Mann.
„Ist es das?“, murmele ich und lasse langsam ein wissendes Lächeln über mein Gesicht ziehen. Ich beuge mich noch ein winziges Stück näher, beinahe nah genug für einen Kuss. Meine Stimme sinkt zu einem verführerischen Flüstern, das allein für ihn bestimmt ist. Eine private Herausforderung vor seinem Wachhund.
„Oder fängst du gerade erst an, Alpha Arnulf? Ist das der Anfang davon, dass du endlich etwas Echtes an dich heranlässt?“
Kierans Gesicht ist jetzt blass, vollkommen wie Alabaster, die Lippen zu einer schmalen, blutleeren Linie zusammengepresst. Er sieht aus, als wollte er mich schlagen oder an der nächsten Wand besinnungslos ficken. Möglicherweise beides gleichzeitig. Sein innerer Zwiespalt ist köstlich.
Noch eine aufgeladene, atemlose Sekunde lang hält er meinem Blick stand. Die Luft zwischen uns knistert wie vor einem Gewitter.
Dann gewinnt er sich mit sichtbarer, ungeheurer Anstrengung zurück. Die eisige Maske sitzt wieder. Vor seinen ausdrucksvollen Augen fallen die Läden zu.
„Du bleibst in Gewahrsam“, sagt er knapp, die Stimme vollkommen beherrscht. Nichts dringt nach außen.
Präzise macht er auf dem Absatz kehrt und bedeutet Marcus mit einer kurzen Geste, ihm zu folgen. „Sorge dafür, dass er sicher verwahrt bleibt. Und verdopple die Wache vor dieser Tür.“
Er sieht sich nicht um, als er aus der Zelle schreitet. Trotzdem trifft die Wucht seines Rückzugs meine Sinne wie ein körperlicher Schlag. Er flieht. Nicht mit dem Körper; seine Haltung ist tadellos, geradezu königlich. Aber innerlich. Er schlägt Türen zu, verriegelt sie gegen das Eindringen, das ich für ihn bedeute.
Ich sehe zu, wie die schwere Tür sich schließt und der Riegel mit einem letzten, entschiedenen Schaben einrastet. Dann gestatte ich mir ein leises Lachen, rau in der plötzlichen Stille.
Oh ja. Er spürt es ganz eindeutig. Der hübsche Prinz verliert auf hinreißende Weise die Fassung. Das Eis bekommt Risse. Und der Gedanke, derjenige zu sein, der es schließlich zerschlägt, ihn völlig auflöst, Seidenfaden für Seidenfaden? Einen stärkeren Anreiz habe ich noch nie gehabt.
KieranIch erwache mit Schmerzen und Frieden.Die Schmerzen melden sich zuerst. Ein tiefes, befriedigendes Ziehen unten in meiner Wirbelsäule, ein protestierendes Pochen in den Hüften, eine ganze Konstellation wunder, gebissener Stellen an meiner Kehle und Schulter. Jeder Muskel fühlt sich an, als wäre er benutzt, ausgewrungen und von innen gezeichnet worden. Mein Körper ist ein Schlachtfeld, und Alexei Basov hat auf jedem Zentimeter davon seine Fahne hinterlassen.Der Frieden legt sich wie frischer Schnee über all das.Das Zimmer ist dämmrig, das Feuer zu schwacher Glut heruntergebrannt. Meine Laken sind ein Trümmerfeld, verheddert und halb auf den Boden gerutscht. Ich liege auf der Seite, der Wand zugewandt, und ein menschlicher Ofen schmiegt sich an meinen Rücken, einen schweren Arm fest um meine Taille geschlungen.Ich liege da, atme langsam und erkunde die neue Landschaft meines Körpers.Am Übergang zwischen Hals und Schulter, wo seine Zähne sich letzte Nacht in mich geschlagen h
AlexeiKieran zittert bereits unter mir, als ich die Entscheidung treffe. Keine halben Sachen mehr. Ich werde nicht länger so tun, als wäre das hier bedeutungslos, als wäre ich nur der praktische Grobian, den er angeheuert hat, um seine Laken zu ruinieren. Keine Verträge mehr. Keine Lügen.Wenn ich mich schon in die Knochen dieses Mannes brenne, werde ich es richtig machen.Seine Beine sind um meine Taille geschlungen, seine Arme klammern sich an meine Schultern, als wollte er uns miteinander verschmelzen. Sein Mund ist heiß und verzweifelt unter meinem, all seine sorgfältig gepflegten prinzlichen Manieren sind in rohem, unbeholfenem Verlangen ertrunken.Jeder kleine Laut, den er von sich gibt, jeder stockende Atemzug, jedes hektische, flehende Wimmern schießt mir wie ein reines Rauschmittel direkt ins Blut.Ich reiße meinen Mund von seinem los und keuche an seinem Kiefer. Seine Haut schmeckt nach Salz und dem herben Hauch seiner Erregung. „Atme, hübscher Prinz.“„Das tue ich“, stößt
KieranEr drängt mich rückwärts, sein Mund wild und hungrig auf meinem, als hätte er einzig dafür absichtlich gefastet.Meine Kniekehlen stoßen ans Bett und ich kippe nach hinten, während seine Zunge mein ergebenes Keuchen verschluckt. Ich reiße ihn mit mir, die Hände zu Fäusten in seinem Hemd geballt, und plötzlich gibt es nichts mehr außer Alexei.Alexeis Gewicht, sorgfältig abgestützt und doch unbestreitbar über mir, hält mich gefangen. Alexeis Hände gleiten unter meinen Morgenrock, seine schwieligen Handflächen versetzen der empfindlichen Haut über meinen Rippen einen sengenden, elektrischen Schlag. Alexeis Atem streift rau und heiß meine Wange, während er im selben Atemzug etwas Obszönes und Andächtiges murmelt.Mein Morgenrock landet auf dem Boden. Ich kann mich nicht erinnern, ihn ausgezogen zu haben. Ich glaube, er reißt ihn einfach herunter, während ein tiefes, zufriedenes Knurren in seiner Brust grollt und der Stoff nachgibt.Sein Hemd folgt, und meine Hände, die sich an ihm
KieranSeit Alexei zuletzt mit mir gesprochen hat, sind zwei Tage vergangen.Zwei Tage seit dem Frühstück, seit meine dumme, als Waffe geschärfte Zunge ihn vor allen anderen in Stücke geschnitten hat, seit er im Flur von mir weggegangen ist, als wäre ich nur irgendein anspruchsvoller Adliger, den er ignorieren kann.Eine Nacht, seit ich vor seiner Tür stand, das Herz hämmernd, die Hand zum Klopfen erhoben, und seine Stimme durch das Holz hörte. Zum ersten Mal tonlos und kalt.„Geh zurück in dein Zimmer, Alpha.“Er hat nicht einmal geöffnet. Also tat ich, was jeder würdige Anführer getan hätte. Ich floh wie ein Feigling und tat so, als hätte ich Besseres zu tun, als auf einem Korridor zu stehen und meinen Leibwächter anzuflehen, mich anzusehen.Jetzt ist mein Arbeitszimmer ein Friedhof gescheiterter Ablenkungsversuche. Auf dem Schreibtisch liegen aufgeschlagene Geschäftsbücher, Berichte von Marcus und ein ordentlicher Stapel Eingaben des Rates. Ich habe denselben Satz über Hrolfs Verso
AlexeiIn der Waffenkammer riecht es immer nach kaltem Stahl und altem Groll, doch heute Abend ist etwas anders. Die Luft pulsiert, unter meiner Haut liegt eine Schwere, als warteten selbst die Mauern darauf, dass etwas zerbricht.Ronan ist hier drin.Er steht mit dem Rücken zu mir da, die breiten Schultern starr, und schärft ein Schwert, das vermutlich die ganze Festung entzweischneiden könnte, falls ihm der Sinn nach Dramatik stünde. Das Schaben von Metall über Stein ist langsam und rhythmisch, ein Geräusch, das sich zwischen meine Rippen bohrt.Er ist hier, um zu entscheiden, ob ich ein Problem bin, das beseitigt werden muss.Ich bin nicht dumm genug, mich anzukündigen, doch Ronan weiß in dem Moment, in dem ich die Schwelle übertrete, dass ich da bin. Sein Körper spannt sich kaum merklich an. Gerade genug, um mir zu verraten, dass er meinen Herzschlag, meinen Atem, jede winzige Bewegung registriert wie ein erfahrener Jäger.Ich bleibe drei Schritte hinter ihm stehen. Nah genug, um
KieranMein Arbeitszimmer besitzt alles, was zu einer Festung gehört, doch es ist nutzlos, wenn die Belagerung hinter den eigenen Rippen stattfindet.Ich starre auf einen Bericht von Marcus über Hrolfs bekannte Verbündete, doch die Worte sind nur schwarze, bedeutungslose Schnörkel. Meine Gedanken sind nicht hier. Sie sind zurück auf dem Wehrgang.Ronans Worte hallen in meinem Kopf wider, ein ständiger, bestätigender Refrain.„Die Männer deines Vaters waren Pfauen. Diese hier werden zu Wölfen. Du hast das gut gemacht, Kieran.“Er sagte es mit dieser ausdruckslosen, emotionslosen Endgültigkeit, als stellte er eine schlichte Tatsache fest. Und dieser eine Satz von einem Alpha wie Ronan bedeutet mehr als tausend blumige Komplimente meines Rates. Es ist die erste vorbehaltlose Anerkennung, die ich je von einem Anführer erhalten habe, den ich wahrhaft respektiere.All die Fortschritte, die ich erzielt habe, die wachsende Loyalität meiner Männer, der Biss meiner Wölfe … jeder einzelne Faden







