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Autor: Ana
last update Data de publicação: 2026-09-18 04:14:01

Maras Perspektive

Bei Tagesanbruch brannten meine Augen davon, die ganze Nacht wach gelegen zu haben.

Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, sah ich Philips Kopf gegen den Tisch schlagen. Ich sah meine eigenen Hände, die ihn stießen, spürte die Kraft davon erneut und wachte auf, bevor ich sehen konnte, was als Nächstes geschah. Ob es wirklich eine Erinnerung war oder einfach nur mein Verstand, der mich quälte – ich konnte es nicht mehr sagen.

Ich zog mich langsam an, kaum bewusst, was ich anzog. Ich musste mich beschäftigen. Wenn ich mich in der Firma in Arbeit vergrub, konnte ich den Albtraum vielleicht vergessen, und sei es nur für ein paar Stunden.

Als ich nach draußen trat, öffnete der Fahrer die Autotür für mich. Ich glitt auf den Rücksitz und wartete, dass Elias dazu stieg.

Er tat es nicht.

Nach ein paar Sekunden beugte ich mich vor und sah den Fahrer an. „Wo ist Elias?“

„Er ist heute Morgen sehr früh weggefahren, Ma’am. Er hat mich gebeten, Sie zur Firma zu bringen.“

Ich lehnte mich zurück, verunsichert von der Antwort. Was für Geschäfte konnte er vor Sonnenaufgang haben?

Die Fahrt zur Lawson Corporation war still, aber mein Kopf war es nie. Ich spielte den Traum immer wieder ab – den Stoß, das Geräusch von Philips Kopf am Tisch, und die schreckliche Möglichkeit, dass ich meinen Mann tatsächlich getötet hatte.

Als ich das Bürogeschoss erreichte, wurden meine Schritte langsamer. Elias’ Stimme drang aus seinem Büro.

Seine Tür stand einen Spalt offen. Ich hatte nicht vor, hinzuhören, aber die Worte ließen mich stehen bleiben.

„Spuren von Arsenvergiftung wurden im System meines Bruders gefunden. Es muss etwas geben, das Sie tun können.“

Mein Blut gefror.

Arsen.

Ich starrte auf den schmalen Spalt der Tür und atmete kaum. Er untersuchte Philips Tod?

Ich machte einen vorsichtigen Schritt näher.

„Ich will seine Krankenakte“, fuhr Elias fort. „Ich brauche sie bald, also machen Sie sie bereit.“

Mein Magen verdrehte sich. Warum sah er sich Philips medizinische Unterlagen an?

Ich zwang mich weiterzugehen und tat so, als hätte ich nichts gehört, aber in dem Moment, in dem ich einen weiteren Schritt machte, riss ein stechender Schmerz durch meinen Unterleib. Ich blieb stehen und presste eine Hand gegen meinen Bauch.

Ein weiterer Krampf traf mich, heftig und plötzlich, und riss mir einen keuchenden Laut von den Lippen. Ich griff in meine Tasche nach den Tabletten, die Clara verschrieben hatte, und zog eine mit zitternden Fingern heraus, aber meine Sicht begann zu verschwimmen.

Der Flur kippte unter mir. Ich versuchte, mich an der Wand festzuhalten, aber meine Beine gaben nach, bevor ich es konnte.

Alles wurde schwarz.

Als ich die Augen wieder öffnete, brannten weiße Lichter über mir. Kalte Luft streifte meine Haut, und der schwache Geruch von Desinfektionsmittel füllte meine Nase.

Ich war im Krankenhaus.

Mein Kopf fühlte sich schwer an, aber der Schmerz in meinem Unterleib hatte endlich nachgelassen. Eine Krankenschwester kam herbei, als sie merkte, dass ich wach war. „Sie sind wach. Wie fühlen Sie sich jetzt, Miss?“

Ich richtete mich langsam auf und berührte meine Stirn.

„Mir geht’s … besser“, flüsterte ich, obwohl die Schwäche in meiner Stimme mich verriet. „Wer hat mich hierhergebracht?“

„Der Arzt wollte mit ihm sprechen“, antwortete sie. „Ich kann Sie zum Arztzimmer bringen, wenn Sie fit genug sind zu gehen.“

Ich runzelte die Stirn, verwirrt von ihrer Antwort. „Mir geht’s jetzt gut. Danke.“

Ich schob mich aus dem Bett, ignorierte das Zittern in meinen Beinen und folgte ihr den Flur entlang. Als ich das Arztzimmer erreichte, stieß ich die Tür auf.

Dann erstarrte ich.

Elias war drinnen.

Seine Augen fixierten sich sofort auf meine. Einen Moment lang sprach keiner von uns.

Der Arzt räusperte sich und deutete auf den leeren Stuhl. „Miss, Sie können sich zu uns setzen.“

Ich ging hinein und setzte mich neben Elias, wobei ich so viel Abstand wie möglich zwischen uns ließ.

„Wie fühlen Sie sich?“, fragte der Arzt.

„Mir geht’s jetzt gut.“

Er nickte und wandte sich dann an Elias.

„Es scheint, Ihre Frau ist jetzt stabil. Sie braucht mehr Ruhe, und ich werde zusätzliche Medikamente gegen die Schmerzen verschreiben.“

Meine Augen weiteten sich.

Frau?

Ich wollte ihn korrigieren. Ich wollte ihm sagen, dass Elias nicht mein Mann war und dass alles, was der Arzt annahm, falsch war.

Aber keine Worte kamen heraus.

Elias korrigierte ihn auch nicht.

Dieses Schweigen ließ die Peinlichkeit noch tiefer unter meine Haut kriechen. Nachdem der Arzt alles erklärt hatte, folgte ich Elias aus dem Raum.

Er sah mich nicht an. Er sprach nicht.

Nicht im Flur. Nicht im Aufzug. Nicht einmal, als wir das Auto erreichten.

Die Stille zwischen uns war erdrückend. Ich sagte mir immer wieder, ich solle danke sagen. Er hatte mich ins Krankenhaus gebracht, immerhin. Was auch immer seine Gründe waren – ich konnte nicht so tun, als hätte er mir nicht geholfen. Aber jedes Mal, wenn ich den Mund öffnete, blieben die Worte in meiner Kehle stecken. Als das Auto endlich am Lawson-Anwesen anhielt, fasste ich genug Mut, um zu sprechen.

„Danke … dass Sie mich ins Krankenhaus gebracht haben.“

Er antwortete nicht. Nicht einmal ein Nicken. Das Auto fuhr los, bevor ich die Tür ganz schließen konnte. Ich starrte ihm nach, und Ärger ersetzte einen Teil der Peinlichkeit.

„So unhöflich“, murmelte ich, während ich mich dem Anwesen zuwandte. „Er hätte wenigstens nicken können.“

Ich seufzte und ging nach oben. Aber in dem Moment, in dem ich mein Zimmer betrat, erstarrte ich.

David war drinnen.

Meine Hand krampfte sich um den Türgriff. „Was machst du hier?“

Er zuckte zusammen und drehte sich zu mir um. „Mara …“

„Was machst du in meinem Zimmer?“, fragte ich erneut, diesmal schärfer.

Er trat auf mich zu und verringerte den Abstand zwischen uns. Instinktiv wich ich zurück, aber bevor ich mehr Abstand schaffen konnte, fasste er mein Gesicht und küsste mich. Einige Sekunden lang wurzelte der Schock mich fest.

Dann stieß ich ihn weg.

„David, hör auf!“ Ich wischte mir über die Lippen und starrte ihn ungläubig an. „Was machst du?“

Er stieß einen frustrierten Seufzer aus. „Mara, bitte. Hör mir einfach zu.“

„Wenn man uns zusammen erwischt – hast du eine Ahnung, was sie denken werden?“, fragte ich, die Stimme vor Wut zitternd.

„Ich vermisse dich, Mara.“

Seine Worte hielten mich auf. Ich starrte ihn an und konnte nicht verarbeiten, was ich gerade gehört hatte. Nach allem, was er getan hatte, nachdem er mich verlassen hatte, als ich ihn am meisten brauchte, stand er in meinem Zimmer und sagte mir, er vermisse mich.

„Das ist nicht der richtige Zeitpunkt“, sagte ich leise. „Und du solltest nicht in meinem Zimmer sein. Bitte geh.“

„Hör mich einfach an, Mara“, flehte er und machte einen weiteren Schritt auf mich zu.

Ich wich sofort zurück. Er blieb stehen, als er den Ausdruck in meinem Gesicht sah.

„Verlass mein Zimmer“, warnte ich ihn und sorgte dafür, dass in meiner Stimme keine Unsicherheit lag.

Einen Moment lang sah er aus, als wolle er widersprechen. Stattdessen drehte er sich schließlich um und ging hinaus. In dem Moment, in dem die Tür hinter ihm schloss, entwich mir ein zitternder Atemzug.

Er sollte das nicht tun.

Er ist verlobt.

Und ich bin verheiratet.

Was auch immer es zwischen uns gegeben hatte – es hatte keinen Platz mehr in meinem Leben. Das Abendessen kam, bevor ich mich überhaupt von allem erholt hatte, was an diesem Tag geschehen war. Ich saß am Tisch, den Blick fest auf meinen Teller gerichtet, und vermied absichtlich Davids Richtung. Ich spürte immer noch den Schatten seines Kusses auf meinen Lippen, und der Gedanke ließ meinen Magen umschlagen. Camilles fröhliche Stimme durchbrach schließlich die Stille.

„Elias, ich habe über etwas nachgedacht“, sagte sie. „Vielleicht könntest du David irgendwo in der Firma unterbringen. Er wird bald zur Familie gehören, oder vielleicht gehört er schon dazu. Er könnte dort anfangen zu arbeiten, und du könntest ihm helfen, Fuß zu fassen.“

Gott, nein.

Das Letzte, was ich brauchte, war David, der nach dem, was in meinem Zimmer passiert war, in der Firma herumlungerte. Camille redete weiter, aber ich hörte kaum zu. Als ich schließlich riskierte, zu Elias zu blicken, sah er bereits direkt zu mir.

Intensiv.

Mein Puls sprang.

Ich senkte die Augen schnell wieder auf meinen Teller. Der Raum fühlte sich plötzlich zu warm an. Camille beendete schließlich ihre Ausführungen, und Elias legte langsam sein Besteck ab. Das scharfe Klirren gegen den Teller hallte durch den Speisesaal.

Alle wurden still.

Ich blickte auf. Sein Blick hatte sich nicht von mir abgewandt.

„Mara“, sagte er.

Ein Schauer lief mir den Rücken hinunter.

„Erzähl allen, warum du über deine Fehlgeburt gelogen und deine Abtreibung verheimlicht hast.“

Die Worte trafen mich wie ein Schlag.

Camille keuchte auf.

Andreas Gesicht verzerrte sich vor Schock. „Warte – Abtreibung?“

Ich konnte nicht atmen.

Bevor ich überhaupt eine Antwort formulieren konnte, landete etwas leicht an meiner Wange und fiel dann auf meinen Teller.

Ein Stück Papier.

Mein Arztbericht.

Mein ganzer Körper wurde kalt.

Wie hatte er das bekommen? Ich hatte Clara gesagt, sie solle ihn versteckt halten. Camille griff schnell nach dem Bericht vom Tisch und überflog ihn. Die Farbe wich aus ihrem Gesicht, bevor der Schock langsam von Wut abgelöst wurde. Sie sah mich an, als hätte ich die gesamte Familie verraten.

Meine Hände begannen zu zittern.

Jedes Paar Augen im Raum war auf mich gerichtet. Ich öffnete den Mund, aber nichts kam heraus. Es gab keine Erklärung, die ich ihnen geben konnte – nicht, wenn ich selbst nicht verstand, was Elias gefunden hatte. Ich blickte zu ihm, verzweifelt nach irgendeinem Hinweis darauf, was er wusste.

Sein Ausdruck blieb unlesbar.

Dann schob Elias ohne ein weiteres Wort seinen Stuhl zurück und stand auf. Er ging nach oben und ließ den Rest von uns in der Stille zurück, die er geschaffen hatte.

Ich blieb wie erstarrt auf meinem Stuhl sitzen. Ich konnte nichts erklären, mich nicht verteidigen, nicht einmal meinen Mund zum Arbeiten bringen. Tränen sammelten sich in meinen Augen, während die Demütigung sich über mich legte.

Warum hier? Warum auf diese Weise? Warum vor allen?

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