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Beute

last update Petsa ng paglalathala: 2026-10-18 16:39:22

Ich rannte.

Mein Körper war zu schwach für echte Geschwindigkeit, und jeder Schritt schickte Schmerz meine Beine hinauf.

Das ruinierte Kleid verhedderte sich um meine Knie und brachte mich mehr als einmal beinahe zu Fall.

Hinter mir bewegte sich die Kreatur mit Leichtigkeit und Geduld und ließ mich die geringe Kraft erschöpfen, die mir noch blieb.

Baumzweige schlugen gegen meine Arme und mein Gesicht. Wurzeln fingen meine nackten Füße, ich stolperte heftig und fing mich an einem Baumstamm ab, keuchend.

Die Zurückweisungskrankheit pochte in meiner Brust wie ein zweiter Herzschlag; mein Wolf war jetzt fast still. Nur ein schwacher, müder Impuls blieb, um mir zu sagen, dass sie noch da war.

Ich stieß mich vom Baum ab, taumelte, aber rannte weiter.

Die Lichter der menschlichen Stadt wurden heller vor mir. Warme gelbe Fenster. Das ferne Geräusch eines Auto­motors.

Ich fixierte meinen Blick auf diese Lichter und zwang meine Beine, sich weiterzubewegen. Wenn ich nur den Rand der Bäume erreichen könnte, in die offene Fläche treten, wo Menschen lebten, würde die Kreatur vielleicht anhalten und Angst haben, gesehen zu werden.

Als ich durch die letzte Baumreihe am Rand eines Kies­parkplatzes brach, hinter einer Reihe niedriger Gebäude, brannten meine Lungen, und mein Sehvermögen verwischte und begann, die Dinge klarer zu sehen.

Für eine zerbrechliche Sekunde dachte ich, ich hätte es geschafft.

Dann stürzte sich die Kreatur.

Sie traf mich von der Seite mit dem vollen Gewicht eines ausgewachsenen Wolfs. Der Aufprall preßte die Luft aus meiner Brust und schleuderte uns beide auf den nassen Kies.

Scharfe Steine gruben sich in meinen Rücken, und eine schwere Pfote preßte sich auf meine Schulter, Krallen stießen durch den dünnen Stoff meines Kleides und in die Haut.

Ich schrie auf; der Laut war schwach und gebrochen.

Der Rogue-Alpha starrte auf mich herab mit leuchtenden Augen. Sein Gesicht war halb verwandelt, der Mund voll zu vieler Zähne, der Atem heiß und sauer.

Er war größer als jeder Wolf, den ich in Blackthorn gesehen hatte – halb wahnsinnig, verhungert –, und er wusste genau, was ich war.

„Zurückgewiesene Luna“, knurrte er. Seine Stimme war raues Geröll. „Dein Blut riecht besonders süß – die Zerbrochenen tun das immer.“

Ich kämpfte mit allem, was mir noch blieb. Ich stieß gegen seine Brust, verdrehte mich und versuchte, die Knie hochzubringen.

Mein Wolf spannte sich in mir, verzweifelt zu erheben, aber die Kraft kam nicht. Nur ein schwaches Schimmern ging durch meine Augen, bevor es wieder zusammenbrach.

Ich war fast menschlich – weich, zerbrechlich, Beute.

Seine Krallen gruben sich tiefer in meine Schulter. Blut lief warm meinen Arm hinab und tränkte den Kies; der Schmerz war hell und klar im Vergleich zu dem dumpfen Reißen der Partnerbindung, und für einen Moment begrüßte ich ihn fast. Wenigstens machte dieser Schmerz Sinn.

Die Worte, die meinen Mund verließen, waren leiser, gebrochener und weit töricht.

„Bitte… nicht so“, flüsterte ich. „Ich habe ihm noch keinen Erben geschenkt…“

Der Rogue starrte mich eine Sekunde an, dann warf er den Kopf zurück und lachte. Der Laut war hässlich und entzückt. Er prallte von den Ziegelwänden des nächsten Gebäudes ab und kam zu uns zurück wie ein Echo jedes grausamen Lachens, das ich in der großen Halle gehört hatte.

„Einen Erben?“ wiederholte er und lachte noch. „Du glaubst, das zählt jetzt noch? Du bist nichts als Fleisch, unfruchtbares Mädchen.“

Seine Krallen spannten sich, und ich spürte, wie sie den Knochen streiften. Schwarze Flecken tanzten an den Rändern meines Sehvermögens.

Mein Wolf gab ein letztes dünnes Warngejammer und wurde dann völlig still.

Die Stille in mir war schlimmer als der Schmerz.

Ich dachte an das leere Kinderbett, an Rivens Gesicht, als er das Abzeichen an Sable steckte, an Vesperas kalte Augen, an die Art, wie das gesamte Rudel gelacht hatte, während ich vor ihnen blutend stand.

Alles hatte hierher geführt – auf einen Kiesplatz am Rand einer menschlichen Stadt, unter die Krallen eines verrückten Rogues, der mich als nichts weiter als leichtes Blut sah.

Es war keine Kraft mehr übrig zum Kämpfen.

Scheinwerfer streiften über den Platz.

Ein Lastwagen bog zu schnell um die Ecke, die Reifen rutschten auf dem nassen Kies. Der Fahrer trat auf die Bremse.

Die Tür flog auf, und ein menschlicher Mann sprang heraus mit einer Schrotflinte bereits in den Händen. Er war älter, grau an den Schläfen, trug eine abgetragene Jacke.

Er zögerte nicht.

„Hey!“ schrie er. „Lass sie los!“

Er feuerte einen Warnschuss in die Luft. Der Knall krachte durch die Nacht wie Donner.

Der Rogue zuckte heftig zusammen; für eine Sekunde trafen seine leuchtenden Augen meine, voller Wut und Hunger, und dann wich er rückwärts.

Ein weiterer Schuss traf den Boden nahe seinen Füßen und spritzte Kies auf. Er drehte sich um und floh in die Bäume mit einem letzten Knurren, das versprach, dass dies nicht vorbei war.

Der Mensch hielt die Waffe erhoben, bis das Geräusch schwerer Schritte völlig verklang. Erst dann senkte er sie und eilte zu mir.

„Jesus Christus“, murmelte er, als er das Blut sah. „Lady, können Sie mich hören? Es geht Ihnen gut. Er ist weg. Ich habe Sie.“

Er verstand die Krallenmale und die Art, wie meine Augen mit restlichem Gold geflimmert hatten, nicht. Er sah nur eine Frau in einem ruinierten Kleid, blutend auf dem Boden, und beschloss, dass sie Hilfe brauchte.

Er schob einen Arm unter meine Schultern und half mir, mich aufzusetzen. Die Bewegung schickte frisches Feuer durch die Wunden an meiner Schulter. Ich biß einen Schrei zurück.

„Ruhig, ruhig. Ich habe einen Lastwagen gleich hier. Die Klinik ist nur zehn Minuten entfernt. Sie sind jetzt in Sicherheit.“

Das Wort fühlte sich fremd an.

Er halb trug mich zur Beifahrerseite des Lastwagens und hob mich auf den Sitz, als wiege ich nichts.

Die Kabine roch nach altem Kaffee und Motoröl. Er streifte seine Jacke ab und legte sie vorsichtig um meine Schultern, vermied die blutenden Krallenmale. Dann schloss er die Tür, stieg hinters Steuer und verriegelte beide Seiten.

Wir fuhren vom Platz und auf eine ruhige Straße. Die Lichter der menschlichen Stadt glitten in weichen gelben Streifen an den Fenstern vorbei. Ich saß sehr still, eine Hand auf meine verletzte Schulter gepresst, Blut sickerte langsam zwischen meinen Fingern.

Die Zurückweisungskrankheit hatte sich zu einem tiefen, ständigen Schmerz gelegt. Mein Wolf blieb still.

Ich drehte den Kopf und sah in den Seitenspiegel.

Zwei leuchtende Augen beobachteten von der Baumgrenze, die wir gerade verlassen hatten.

Sie bewegten sich nicht. Sie folgten dem Lastwagen einfach, bis die Straße sich bog und der Wald aus dem Blick verschwand. Ich wusste, dass er nicht aufgeben würde.

Ein Rogue, der den Duft einer zurückgewiesenen Luna gekostet hatte, ging nicht mit leeren Händen fort. Er würde warten und wieder spüren, wenn der Mensch nicht mehr da war, um Warnschüsse abzufeuern.

Ich schloss die Augen. In diesem Moment spürte ich

einen fernen, vertrauten Zug an der gebrochenen Partnerbindung.

Er war schwach, wie eine Schnur, die von sehr weit her gezogen wurde – und er war real. Für einen Herzschlag spürte ich Riven Blackthorn am anderen Ende.

Den Moment, als er sich im Dunkeln unseres alten Zimmers aufrichtete, den Namen, der seine Lippen verließ, auch wenn ich den Laut nicht hören konnte:

„Seraphine.“

Meine Augen öffneten sich. Tränen liefen ohne Erlaubnis über meine Wangen. Die Bindung war nicht völlig tot. Irgendein dünner, hartnäckiger Faden verband uns noch – das hätte ein Trost sein sollen. Stattdessen fühlte es sich an wie der grausamste Schnitt von allen.

Er hatte mich vor dem gesamten Rudel zurückgewiesen, mein Abzeichen war einer anderen Frau gegeben worden.

Er hatte mich in den Regen hinausgehen lassen mit nichts, aber dennoch weigerte sich die Bindung, völlig zu sterben.

Dennoch konnte ein Teil von ihm mich spüren, und ein Teil von mir konnte ihn ebenfalls spüren.

Der Lastwagen bog um eine Ecke. Der menschliche Fahrer warf mir einen besorgten Blick zu, sagte aber nichts. Er dachte, er habe eine zerschlagene Frau vor einem gewalttätigen Mann gerettet.

Er hatte keine Ahnung, dass die wirkliche Gefahr noch draußen in den Bäumen war und dass der schlimmste Schmerz nicht länger die Krallen in meiner Schulter oder der Rogue war, der mein Blut wollte.

Der schlimmste Schmerz war der dünne Faden der Partnerbindung, der mich noch an den Mann band, der mich defekt genannt und dann zum Gejagtwerden zurückgelassen hatte.

Ich lehnte den Kopf gegen das kalte Fenster und sah die Lichter der Klinik vor uns erscheinen. Blut sickerte weiter durch meine Finger.

Mein Wolf blieb still, und irgendwo weit hinter mir, in einem Rudelhaus, das mich nicht mehr beanspruchte.

Riven Blackthorn saß wach im Dunkeln mit meinem Namen auf der Zunge und dem ersten echten Riss der Reue, der sich zu bilden begann.

Die Bindung war noch nicht fertig mit uns.

Und das bedeutete, dass das Leiden gerade erst begonnen hatte.

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