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Kapitel 2 – Eine vergiftete Hitze

Author: Déesse
last update Last Updated: 2026-01-29 23:53:31

Alexandre

Sie fällt ohne Vorwarnung in meine Arme, wie ein Gewicht aus Seide, durchnässt von Fieber. Mein erster Reflex ist, sie wegzustoßen. Sie riecht nach Alkohol, Chaos, Dringlichkeit. Und doch bleibe ich hier. Ihr zerbrechlicher Körper schmiegt sich mit einer erschreckenden Vertrautheit an meinen. Ich sollte angewidert sein. Das bin ich. Aber nicht auf die gewohnte Weise. Nicht von der kalten Abscheu, die mir Frauen einflößen, die sich dem ersten reichen Mann wie Hündinnen in der Hitze an den Hals werfen. Sie ist etwas anderes. Ich sehe sie zum ersten Mal wirklich. Und ich bleibe stehen. Dieses zu brave Kleid für diese Bar. Dieses ungeschickte Make-up. Dieses zerzauste, fast kindliche Haar. Und dieser Blick… Mein Gott. Dieser Blick. Verschwommen vom Alkohol, aber nicht leer. Ein Blick, der fleht, der einen Anker sucht. Eine letzte Chance, etwas zu fühlen. Anders gesehen zu werden. — Du bist wirklich schön, murmelt sie, während sie meinen Kragen packt, mit einer matschigen Stimme. Wie viel willst du… um die Nacht mit mir zu verbringen? Ich spüre, wie sich meine Schläfen anspannen. — Kommst du so, um einen Mann zu suchen? Wankend? — Natürlich… Warum würde ich dich sonst fragen? Hast du das Prinzip nicht verstanden? Ich habe beschlossen, heute Abend jemand anderes zu sein… Ein nervöses, schmerzhaftes Lachen entweicht ihr. Als würde sie versuchen, einen Schrei zu ersticken. — Gut, sage ich mit eisiger Stimme. Aber ich bezweifle, dass du dir eine Nacht mit mir leisten kannst. Sie antwortet nicht. Sie zieht sich leicht zurück, stößt gegen die Wand des Aufzugs, die ich bereits gerufen habe. Ihre Finger streifen mein Hemd, gleiten wie versehentlich über meine Haut. Sie schwankt. Und ich fange sie wieder auf. Der Aufzug schließt uns in seinem metallenen Kokon ein. Sie taumelt gegen mich, eine kleine wankende Flamme. Ihre Finger klammern sich an meiner Jacke wie an einem Rettungsring. Und plötzlich, ohne Vorwarnung, küsst sie mich. Kein verführerischer Kuss. Keine Provokation. Ein Hilferuf. Ihre Lippen zittern gegen meine, unordentlich, brennend. Ich spüre ihren kurzen, fieberhaften Atem. Sie stöhnt leise, ein kaum hörbarer Laut, der sich direkt in meinem Bauch festsetzt. Ich sollte sie wegstoßen. Aus tausend Gründen. Aber ich bewege mich nicht. Ich halte sie. Ich hebe sie. Ich trage sie zu meiner Suite, wie man einen verfluchten Schwur trägt. Ihre Arme schließen sich um meinen Nacken. Ihre Wange an meiner Brust. Die biometrische Tür öffnet sich mit einem lautlosen Klick. Das gedämpfte Licht gleitet über das dunkle Holz, die schlichten Wände, das schwarze Leder des Sofas. Ich lege sie sanft auf die Bettwäsche. Sie stöhnt. Krümmt sich. Ihre Haut ist glühend. Ihr Kleid klebt an ihren Oberschenkeln. Sie greift wieder nach mir, zieht an meinem Hemd. — Mir ist heiß… bitte… hilf mir… Ich knie mich neben sie. Mein Blick durchkämmt ihr Gesicht. Stirn feucht. Pupillen geweitet. Unregelmäßige Atmung. — Du wurdest betäubt! Sie blinzelt, verschwommen. — Man hat dir etwas in dein Glas getan. Scheiße, du Idiotin… du hast es nicht einmal gemerkt. Sie stöhnt erneut. Ihre Hand sucht meinen Nacken. Sie küsst mich, keuchend. Ihre Lippen kleben auf meinen, eindringlich. Ihr Körper spannt sich gegen meinen mit einer Kraft, die sie nicht mehr kontrolliert. — Ich will nur… vergessen… mich lebendig fühlen… Ich kämpfe. Ich halte ihre Handgelenke fest. Sie stöhnt, frustriert. Aber in ihrem Blick ist keine Angst. Keine Flucht. Sie sieht mich mit einer seltsamen Klarheit an, als würde das Gift in ihrem Blut nur zeigen, was sie wirklich ist: ein verletztes Tier, das schweigend schreit. Und ich wanke. Mein Mund drückt sich gegen ihren. Ein härterer, roherer Kuss. Meine Hände gleiten langsam über ihre Haut, entdecken ihre Schultern, ihren Nacken, die zerbrechliche Linie ihres Schlüsselbeins. Sie spannt sich unter mir, und ich spüre ihren Oberschenkel an meinem. Ich öffne ihr Kleid. Langsam. Eins nach dem anderen. Sie hilft mir. Ihre Bewegungen sind unordentlich, aber ungeduldig. Ihre Haut ist satinartig, von Schauer überzogen. Ich entkleide sie, wie man ein Geheimnis enthüllt. Ihr Körper ist wunderschön. Aber das ist nicht der Grund, warum ich den Halt verliere. Es ist diese Art, wie sie sich ohne Scham, ohne Forderung gibt. Nur… diese Dringlichkeit zu leben. Zu brennen. — Sag mir deinen Namen, flüstere ich, verloren. Sie lacht leise, fast grausam: — Und du glaubst, du weißt, wer ich bin? Ich schlafe nicht für Geld. Noch aus Lust. Ich schlafe, um mich zu bestrafen. Diese Worte schlagen wie eine Ohrfeige ein. Aber ich bin schon zu weit weg. Ich ziehe mein Hemd aus. Alles andere. Unsere nackten Körper suchen sich, streifen sich, fügen sich zusammen. Ich dringe langsam in sie ein. Ihre Hitze umhüllt mich, brennend, fast unwirklich. Sie stöhnt, den Kopf nach hinten geworfen, ihre Arme ziehen mich fester an sich. Jede Bewegung ist eine Zerreißung. Jeder Vor- und Rückgang ein unterdrückter Schrei. Ich küsse sie. Den Hals, die Schultern. Ihre Brüste. Ihren Mund. Sie stöhnt erneut, ihr Rücken krümmt sich, ihre Hüften suchen den Rhythmus, und ich gebe ihn ihr. Ich nehme sie, wie ein Verurteilter seinen letzten Atemzug nimmt. Unsere Körper stoßen zusammen, antworten sich, ertrinken. Ihre Stimme bricht in einem scharfen Schluchzen, als sie kommt, die Nägel in meinem Rücken vergraben. Ich folge kurz darauf, der Atem kurz, die Lippen an ihrem Hals. Ich bleibe lange in ihr. Als würde es sie verschwinden lassen, wenn ich hinausgehe.

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