LOGINElena starrte Margaret an.„Was hast du gerade gesagt?"Margaret wischte sich die Tränen ab.„Ich sagte, ich war nicht die Frau, die dich großgezogen hat."Elena schüttelte den Kopf.„Nein. Ich erinnere mich an dich."„Ich weiß."„Du hast mich gehalten."„Das habe ich."„Du hast mir vorgesungen."„Das habe ich."„Wovon redest du dann?"Margaret sah Alexander an.Er senkte den Blick.Daniel trat näher.„Margaret, erzähl ihr alles."Ein lauter Schlag erschütterte die Türen des Refugiums.Alle drehten sich um.&nbs
Dunkelheit verschlang das Refugium.Elena hörte, wie Daniel näher kam.„Bleibt, wo ihr seid."Niemand antwortete.Dann flüsterte Clara.„Sie kommt."Ihre kleine Hand fand Elenas im Dunkeln und umklammerte sie fester, als es ein Kind eigentlich tun sollte. Elena spürte das Zittern in Claras Fingern und drückte zurück, auch wenn sie selbst nicht wusste, wen oder was sie zu beruhigen versuchte.Am fernen Ende der Kammer erschien ein schwaches Licht. Zuerst ein Schritt, dann ein weiterer.Eine Frau trat aus der Dunkelheit.Sie wirkte älter als auf dem Foto, doch es gab keinen Zweifel.Rebecca Sinclair.Alexander trat vor Elena.„Rebecca."Sie läche
Elena konnte sich nicht bewegen.Jahrelang hatte sie sich diesen Moment ausgemalt.Sie hatte sich vorgestellt, was sie sagen würde, wenn sie jemals ihren Vater fände.Sie hatte sich Wut vorgestellt, Fragen und vielleicht sogar Tränen.Aber jetzt, da Alexander vor ihr stand, kam keines dieser Worte.„Dad?"Alexanders Gesicht veränderte sich.Die Stärke in seinem Ausdruck verschwand, ersetzt durch etwas, das Elena noch nie zuvor an ihm gesehen hatte, etwas, das wie Erleichterung aussah.Er trat langsam einen Schritt auf sie zu.„Elena."Sie rannte zu ihm.Alexander fing sie in seinen Armen auf.Für einen Moment verschwand das gesamte Geheimnis.Es gab keinen Cir
Der alte Ashcroft-Garten sah überhaupt nicht mehr so aus, wie Elena ihn in Erinnerung hatte.Die Wohnanlage hatte den Großteil des Grundstücks vor Jahren verschlungen. Betongebäude standen dort, wo einst Bäume gewachsen waren, und schmale Gehwege ersetzten die Pfade, auf denen sie als Kind entlanggelaufen war, doch ein Teil war unberührt geblieben, und das war der siebte Garten.Elena trat durch das zerbrochene Eisentor, Daniel dicht hinter ihr.„Das ist es", flüsterte sie.Arthur sah sich vorsichtig um.„Erinnerst du dich an etwas?"Elena nickte.„Nicht deutlich. Ich erinnere mich, dass meine Mutter mich hierher gebracht hat. Sie sagte mir, ich solle niemals die gelben Blumen pflücken."Abigail blieb stehen.„Gelbe Blumen?"Elena deutete auf das entfernte Ende des Gartens.„Dort."Sieben kleine Flächen gelber Blumen wuchsen entlang der Steinmauer.Daniel starrte sie an.„Sieben."Arthurs Ausdruck veränderte sich.„Sanctuary Seven."Sie eilten zu den Blumen.Elena kniete sich neben di
Elena las die Nachricht immer und immer wieder, ihre Augen wanderten über jede einzelne Zeile, die Handschrift ihres Vaters, seine Worte, seinen Namen, als könnte wiederholtes Lesen allein die Wahrheit dahinter greifbarer machen.Fast dreißig Jahre lang hatte sie sich jede nur erdenkliche Erklärung für sein Verschwinden ausgemalt, hatte unzählige Nächte damit verbracht, sich Szenarien auszudenken, von denen keines je der Wirklichkeit nahegekommen war.Keine dieser Erklärungen hatte diese Möglichkeit eingeschlossen, dass ihr Vater irgendwo am Leben war, wartend und, wie es schien, noch immer auf der Flucht, noch immer gejagt von denselben Schatten, die einst ihre ganze Familie zerstört hatten.Daniel nahm ihr die Notiz behutsam aus den zitternden Händen.„Lass mich sie mir ansehen."Elena reichte sie ihm,
Niemand rührte sich. Das gesamte Anwesen schien für einen langen, dehnbaren Moment den Atem anzuhalten, als könnte die bloße Stille die eben gefallenen Worte irgendwie wieder einfangen, sie ungeschehen machen, bevor sie sich endgültig in der Wirklichkeit festsetzten.Elena starrte Clara an, unfähig, den Blick abzuwenden.Sie wartete darauf, dass das kleine Mädchen die Worte zurücknahm, dass sie plötzlich zögerte, den Kopf schüttelte und sagte, sie habe sich geirrt, sie habe etwas falsch verstanden, dass die ganze Sache nur ein kindliches Missverständnis war, geboren aus Angst und Verwirrung.Doch Clara hielt die Fotografie nur noch fester an sich gedrückt, ihre kleinen Finger weiß vor Anspannung, als fürchtete sie, man könnte ihr dieses letzte, kostbare Beweisstück jeden Moment wieder entreißen.







