로그인BéatriceZuerst sagt er nichts. Sein Blick wandert langsam, akribisch über meinen Körper, als würde er ihn im grellen Licht des Badezimmers inventarisieren. Er sucht nach den rosanen Spuren seiner Hände auf meinen Hüften, seines Mundes auf meinem Hals, nach den Stellen, an denen meine zu heftig gerubbelte Haut scharlachrot geworden ist. Unter diesem prüfenden Blick entzündet sich mein Körper, den ich reinigen, läutern wollte, erneut. Eine heftige Hitze, völlig unabhängig von meinem Willen, steigt aus meinem Unterleib auf und breitet sich in Schockwellen bis zu den Spitzen meiner Brüste aus, die sich verhärten und so trotz mir mein Verlangen verraten.– Du bist ohne ein Wort aus dem Bett gegangen, sagt er schließlich.Seine Stimme dringt über das Rauschen des Wassers, tief, mit einem Unterton von Vorwurf, der sich mit einer spürbaren Verwirrung mischt. Er m
BéatriceDas Badezimmer ist ein Heiligtum aus kaltem Marmor und glänzendem Chrom, eine weiße, sterile Welt, das Gegenteil des warmen, dunklen Schlafzimmers. Ich schließe die Tür hinter mir, das leise Klicken des Schlosses hallt wie ein Riegel an einer Zelle. Ich lehne mich gegen das Holz, die Augen geschlossen, versuche, die Kontrolle über meinen Atem wiederzuerlangen, der seit der Nacht nie wirklich zur Ruhe gekommen ist. Die Luft ist noch feucht, duftet nach der luxuriösen Seife des Hotels und einer leichten, beharrlichen Spur seines Eau de Toilette. Hier ist er nicht. Hier kann ich allein mit den Trümmern sein.Meine nackte Haut im kalten Licht der eingebauten Strahler scheint die Stigmata der Nacht zu tragen. Ich weigere mich, zu genau hinzusehen. Ich stelle die Dusche auf einen breiten Regen ein, so heiß wie möglich, fast brennend. Ich will mich waschen, mich verbrennen, nicht nur die physischen
BéatriceAls der ultimative Moment endlich kommt, nach Stunden, die wie Sekunden scheinen, ist es keine erlittene Gewalt. Es ist ein Gipfel, den wir gemeinsam erklimmen, in einer keuchenden und perfekt synchronisierten Anstrengung, eine so totale Verschmelzung, dass es unmöglich wird zu wissen, wo ich ende und wo er beginnt. Er richtet sich auf, schließt mich in seine Arme, presst mich an sich und flüstert meinen Namen – ihren Namen – in die Kuhle meines Halses, an die Stelle, wo mein Puls wild pocht.– Aurélie … Meine Aurélie …Der Schmerz der Lüge, scharf wie eine Glasscherbe, mischt sich, verschmilzt, wird von einer Genugtuung überwunden, so intensiv, so total, so wahr, dass Tränen aus meinen Augen schießen, still, warm, ertrunken im Schweiß seiner Haut. Mein Körper wird von endlosen Spasmen erschüttert, verlängert durch die letzten Zuckungen seines Körpers. Es ist mehr als ein Orgasmus. Es ist ein Zusammenbruch.Dann die Stille. Eine schwere Stille, gesättigt von vermischtem Atem,
BéatriceSein Mund findet endlich meinen. Und es ist keine Eroberung, kein Besitzanspruch. Es ist eine Frage. Eine Einladung. Seine Zunge zeichnet den Rand meiner Lippen nach, bittet sanft um Einlass. Trotz mir, trotz des Verrats, der mich in den Eingeweiden windet, antwortet mein Körper. Meine Lippen öffnen sich. Ein unterdrückter, tiefer Stöhnen, das ich nicht erkenne, entweicht aus meiner Kehle. Ich höre es und schäme mich, eine neue Scham, brennend, erregend, die nichts mit der Mission zu tun hat. Es ist die Scham, sich von seinem eigenen Spiel einnehmen zu lassen, zu antworten.Er spürt diese Veränderung, diese winzige Öffnung in meiner Festung. Seine Küsse werden tiefer, sicherer, aber niemals gierig. Sie sind gierig nach mir, nach meinen Reaktionen. Seine Hände lassen endlich das dünne Seidenträgerchen gleiten. Der Stoff gleitet mit einem Rascheln wie von einer Schlange an meinem Oberkörper herab. Die kühle Luft des Zimmers auf meiner nackten Haut lässt mich heftig frösteln.–
BéatriceDie Dunkelheit im Schlafzimmer ist ein Schleier aus Samt, dick, fast flüssig. Sie duftet nach verwelkten Rosen des Hochzeitsstraußes und nach warmem Zedernholz der Kommode aus dunklem Holz. Ich nehme seine Silhouette neben dem Bett wahr, eine Masse, größer, breiter als in den flüchtigen Erinnerungen an Familientreffen. Mein Herz schlägt so heftig gegen meine Rippen, dass mir übel wird. Jeder Schlag schreit: Betrügerin, Verräterin, unwürdige Schwester. Ich bin ein Geist, der das Fleisch meiner Schwester leiht, ein Schatten in ihrem Seidenkleid.– Du hast lange gebraucht, Schatz.Lorenzos Stimme dringt aus dem Dunkel, sanft, gedehnt, von einer friedvollen Erwartung durchdrungen, die mich wie eine Klinge durchbohrt. Er hat seine Krawatte gelöst, ahne ich am leisen Rascheln des Stoffs. Er kommt näher. Der Raum zwischen uns schrumpft, beladen mit einer Intimität, die nicht für mich bestimmt ist. Ich senke den Kopf, ein Reflex, lasse meine Haare – Aurélies Haare, einen Zentimeter lä
Zwei eineiige Zwillingsschwestern, Aurélie und Béatrice, äußerlich identisch, aber von sehr unterschiedlichem Charakter, stehen im Mittelpunkt dieser Geschichte. Aurélie, kürzlich mit Lorenzo verheiratet, gibt sich ihm gegenüber als erfahrene Frau aus, verbirgt in Wirklichkeit jedoch ihre Jungfräulichkeit und eine tiefsitzende Angst vor körperlicher Intimität.Am Vorabend ihrer Hochzeitsreise, gelähmt von der Angst, entlarvt zu werden, fleht Aurélie ihre Schwester Béatrice an, für sie die Hochzeitsnacht zu übernehmen. Nach langem inneren Kampf gibt Béatrice schließlich der Verzweiflung ihrer Schwester sowie einem fehlgeleiteten Pflichtgefühl der Familie gegenüber nach und willigt ein, diese Rolle zu spielen.Die Vertauschung findet im Dunkeln statt. Doch in jener Nacht, die eine Lüge hätte sein sollen, kommt es zu einer unvorhergesehenen Begegnung. Zwischen Lorenzo und Béatrice entstehen ein Gespräch, eine Vertrautheit und eine Authentizität, die eine weit tiefere und wahrere Verbindun
DianeIch bin schon über ihm.Die Wut ist ein roter Schleier vor meinen Augen. Ich schleudere meinen Arm zurück, die ganze Kraft meines Körpers, meiner Demütigung, konzentriert in der Handfläche meiner Hand. Ich will ihn auslöschen. Dieses
DianeDer Tee duftet nach Jasmin und Gewürzen. Ein delikater und trügerischer Duft. Ich setze mich auf die Kante des Sofas, die Wirbelsäule steif wie eine Klinge. Er sitzt im Sessel mir gegenüber, gewaltig, dominierend. Er gießt den Tee mit beunruhig
EvaEine schwere, goldene Stille legt sich über den Raum, erfüllt nur vom rauen Klang unserer Atemzüge, die sich langsam beruhigen. Der Schweiß, der uns bedeckte, beginnt zu trocknen und hinterlässt einen feinen salzigen Film auf unserer Haut. Ich liege zwischen ihnen eingeklemmt, mein Rücken an Sa
EvaDer zerrissene Stoff meines Kleides liegt wie ein seidenes Leichentuch auf mir und enthüllt mehr, als er verbirgt. Die kühle Luft auf meiner nackten Haut ist eine Liebkosung für sich, wird jedoch von der Last ihrer Blicke überschattet. Ich liege dargeboten, meine Schenkel werden von Nikos erfah