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Vionnes Perspektive

Author: Ma Ry
last update Petsa ng paglalathala: 2026-06-30 16:52:40

Vionnes Perspektive

Nachdem ich diese Papiere unterschrieben hatte, dachte ich, ich würde irgendeine Art von Erleichterung spüren, irgendeine Form von Freiheit, endlich Harrison loszulassen. Aber stattdessen fühlte ich nichts. Nur diese taube Schwere, die auf meiner Brust lag, sich in meine Lungen drückte und mir das Atmen erschwerte.

Es war nach acht Uhr, als ich schließlich mein Handy in die Hand nahm. Maddies Name stand ganz oben in meiner Anrufliste.

Ich drückte auf Wählen.

Sie ging sofort ran. „Vionne?“

In dem Moment, als ich ihre Stimme hörte, brach der Damm in mir erneut.

„Er ist weg“, sagte ich leise und setzte mich auf die Bettkante. „Er ist wirklich gegangen.“

„Oh, Schatz…“

Ich hörte, wie sie sich bewegte, vielleicht setzte sie sich auf oder griff schon nach ihren Schlüsseln. „Erzähl mir alles.“

Also tat ich es.

Alles – von dem Moment an, als Harrison den Umschlag aufs Bett warf, über das Foto, den Park bis hin zur Unterschrift auf den Scheidungspapieren. Ich versuchte ruhig zu bleiben, stark zu klingen. Aber Maddie hörte das Zittern in meiner Stimme.

Und sie beschönigte ihre Antwort kein bisschen.

„Deine Stiefschwester ist eine Schlange“, sagte sie unverblümt. „Und Harrison ist ein Idiot. Du hast nichts davon verdient.“

Ich schloss die Augen. „Ich fühle mich so dumm. Ich dachte die ganze Zeit, ich wäre nicht genug. Dass ich versagt habe.“

„Du hast überhaupt nicht versagt“, fauchte Maddie. „Du warst mit einem Lügner verheiratet. Du hast dein Herz jemandem gegeben, der es nicht verdient hat. Das ist kein Versagen. Das ist Liebe. Er ist derjenige, der versagt hat, nicht du.“

Ich schluckte schwer und biss mir auf die Lippe, um die neue Welle von Emotionen zurückzuhalten. „Ich… ich weiß einfach nicht, was ich jetzt tun soll.“

Am anderen Ende entstand eine kurze Pause, bevor sie sagte: „Komm heute Abend mit mir raus.“

Ich blinzelte. „Was?“

„Ich meine es ernst“, sagte sie. „Lass uns ausgehen. Nur wir beide. Du brauchst einen Tapetenwechsel, laute Musik, vielleicht einen Drink – oder fünf. Du kannst nicht für immer in diesem Haus sitzen und wegen ihm weinen. Er ist es nicht wert.“

Ich zögerte.

Ausgehen? Ich hatte nicht mal Lust, mir eine Hose anzuziehen, geschweige denn Makeup aufzulegen.

„Ich weiß nicht, ob ich bereit bin—“

„Niemand ist jemals bereit“, unterbrach sie mich sanft. „Aber manchmal muss man so tun als ob. Nur für eine Nacht. Sei wieder Vionne vor Harrison. Die Vionne, an die ich mich erinnere. Stark. Wunderschön. Wild.“

Ich ließ ein kleines, zittriges Lachen hören. „Ich war nie wild.“

„Nun, vielleicht ist es Zeit, damit anzufangen.“

Ich sagte nicht ja, aber eine Stunde später stand ich vor dem Spiegel und zog ein tief bordeauxrotes Kleid an, das ich seit Jahren nicht getragen hatte. Es schmiegte sich an meine Kurven, war am Rücken tief ausgeschnitten und ließ mich etwas fühlen, das ich schon lange nicht mehr gespürt hatte – lebendig.

Ich legte leichtes Makeup auf, etwas Mascara und machte mir lockere Wellen ins Haar. Es war nicht viel, aber als ich mich im Spiegel ansah, erkannte ich die Frau, die zurückblickte, fast nicht wieder.

Vielleicht war genau das der Punkt.

Als ich schließlich nach draußen trat, wartete Maddies Auto bereits in der Einfahrt. Sie ließ das Fenster herunter und pfiff, als sie mich sah.

„Verdammt, Girl. Du siehst aus wie Sünde und Kummer, eingehüllt in Seide.“

Diesmal lachte ich wirklich. „Du bist unmöglich.“

Sie zwinkerte. „Unmöglicherweise richtig. Jetzt steig ein.“

Wir fuhren mit offenen Fenstern und dröhnender Musik durch die Nacht. Sie redete die ganze Zeit und füllte die Stille mit Geschichten von der Arbeit, Klatsch über gemeinsame Freunde und der Geschichte, wie sie fast verhaftet wurde, weil sie ihrem Ex auf einer Hochzeit eine Ohrfeige verpasst hatte.

„Und ich schwöre“, sagte sie, während sie scharf um eine Kurve bog, „wenn ich Harrison jemals in der Öffentlichkeit sehe, werfe ich ihm meinen Drink ins Gesicht. Ohne zu zögern.“

„Das musst du nicht tun.“

„Ich will aber. Er verdient es, wenigstens halb so viel Scham zu fühlen, wie er auf dich abgeladen hat.“

Ich blickte aus dem Fenster und mein Lächeln verblasste ein wenig. „Was, wenn er gar keine Scham empfindet?“

Sie schwieg einen Moment, bevor sie nach meiner Hand griff und sie drückte. „Dann gehst du weg in dem Wissen, dass du ihm immer überlegen warst.“

Wir hielten vor einer Bar, die ich nicht kannte – dunkle Lichter, wummernde Musik und eine lange Schlange von Menschen davor.

„Keine Sorge“, sagte Maddie und zog mich an der Hand mit. „Ich kenne den Türsteher.“

Natürlich tat sie das.

Drinnen traf mich die Musik wie eine Welle – laut und elektrisierend. Menschen bewegten sich auf der Tanzfläche, als würden sie irgendetwas hinterherjagen. Die Luft war schwer von Parfüm, Gelächter und verschüttetem Alkohol.

Wir kämpften uns zur Bar vor und Maddie bestellte Shots, bevor ich protestieren konnte.

„Auf die Freiheit“, sagte sie und hob ihr Glas.

Ich stieß mit ihr an und wir kippten die Shots herunter.

Ein Shot wurden zwei.

Zwei wurden vier.

Wir tanzten. Wir lachten. Für eine Weile vergaß ich alles. Ich ließ los. Ich ließ Maddie mich in die Menge ziehen, ließ Fremde an mir vorbeistreifen, ließ den Beat in meiner Brust vibrieren, bis er alles andere übertönte.

Aber der Frieden hielt nicht lange.

Gegen Mitternacht leuchtete Maddies Handy auf. Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich sofort.

„Was ist los?“, fragte ich.

Sie zeigte mir den Bildschirm. „Meine kleine Schwester hatte gerade einen Autounfall. Nichts Ernstes, aber ich muss nach ihr sehen. Sie dreht völlig durch.“

„Geh“, sagte ich sofort. „Sie braucht dich.“

Maddie biss sich auf die Lippe. „Kommst du klar?“

Ich nickte. „Ich bestelle mir ein Taxi. Ich brauche nur ein paar Minuten.“

Sie zögerte, zog mich dann aber in eine feste Umarmung. „Schreib mir sofort, wenn du zuhause bist. Ich meine es ernst.“

„Mach ich.“

Und dann war sie weg.

Ich drehte mich wieder zur Bar und setzte mich mit einem leisen Seufzer hin. Der Raum drehte sich ein wenig, aber ich fühlte mich seltsam ruhig. Leer, aber ruhig.

Da bemerkte ich, wie sich jemand auf den Sitz neben mich setzte.

Er sprach nicht sofort. Lehnte sich nur über die Theke, um die Aufmerksamkeit des Barkeepers zu bekommen. Seine Stimme war tief und geschmeidig.

„Whiskey. Doppelt.“

Dann drehte er sich zu mir um, seine Augen dunkel und schwer zu lesen. Attraktiv auf eine Weise, bei der mein Magen flatterte – nicht geschniegelt wie Harrison, sondern rauer, mit Bartstoppeln am Kiefer und einer feinen Narbe über der Augenbraue.

„Ist hier noch frei?“, fragte er.

Ich schüttelte den Kopf.

„Schlechter Abend?“, sagte er und nickte zu dem Drink in meiner Hand.

Ich schenkte ihm ein müdes Lächeln. „So ungefähr.“

Er nahm einen Schluck von seinem Whiskey, seine Augen immer noch auf meine gerichtet. „Willst du darüber reden?“

„Nein.“

„Fair.“

Es entstand eine Pause. Dann sagte er: „Ich bin Darien.“

„Vionne.“

Wir redeten. Nichts Tiefgründiges. Er erzählte mir von seinem Job, wie sehr er Montage hasste und wie er einmal beinahe seine Küche abgefackelt hatte, als er versuchte Pasta zu kochen.

Ich lachte mehr, als ich erwartet hatte.

Vielleicht lag es am Alkohol. Vielleicht am Schmerz. Oder vielleicht daran, wie er mich ansah – als wäre ich interessant, als wüsste er nichts über meine Vergangenheit und es würde ihn auch nicht interessieren.

Irgendwo zwischen unserem dritten Drink und einem geteilten Teller Pommes bemerkte ich, dass ich mich näher zu ihm beugte.

Er tat dasselbe.

Und bevor ich es aufhalten konnte, fanden seine Lippen meine.

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