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In den dunklen Raum

作者: Wizzy Ink
last update publish date: 2026-06-21 18:14:55

Der Pfeiler erbebte, als Kugeln Splitter aus dem Marmor schlugen. Staub und Steinflocken regneten auf Elenas Haar herab. Julian hielt sie eng an seine Brust gedrückt. Sein Herz schlug heftig gegen ihren Rücken, ein stetiger Rhythmus inmitten des Chaos. Er veränderte den Griff um seine Waffe und überprüfte die verbleibende Munition.

„Wenn ich anfange zu schießen, rennst du den hinteren Flur hinunter“, sagte Julian. Seine Stimme war ruhig, aber sie konnte die Anspannung darin hören. „Am Ende ist eine Metalltür. Sie führt in den Keller.“

„Und was ist mit dir?“, fragte Elena. Sie umklammerte die Vorderseite seines blutbefleckten Hemdes. Sie wollte in diesem Haus nicht allein gelassen werden mit Männern, die sie tot sehen wollten.

„Ich werde direkt hinter dir sein“, sagte er. Er sah sie nicht an. Sein Fokus lag auf der Kante des Pfeilers. „Bereit?“

Sie nickte, ihre Kehle war zu trocken zum Sprechen.

Julian schwang sich hinter dem Stein hervor. Er feuerte vier schnelle Schüsse die Treppe hinunter. Schreie und Rufe folgten. Das Feuern aus dem Foyer setzte für eine Sekunde aus.

„Lauf!“, schrie Julian.

Elena stieß sich vom Pfeiler ab. Sie sprintete den schmalen Korridor hinunter. Der Teppich dämpfte ihre nackten Füße, aber das Geräusch ihres eigenen Atems echote in ihren Ohren. Hinter ihr setzte das Tosen des Feuers wieder ein. Sie blickte nicht zurück. Sie hielt die Augen auf die graue Metalltür am Ende des Flurs gerichtet.

Sie erreichte den Griff und warf sich mit ihrem ganzen Gewicht gegen die Tür. Sie schwang auf und gab eine dunkle Betontreppe frei. Sie schlüpfte hinein, und Julian folgte eine Sekunde später. Er warf die schwere Tür zu und drehte den Riegel um. Das dicke Metall dämpfte die Geräusche des Kampfes draußen und reduzierte die Schüsse auf ein dumpfes Pochen.

Der Keller war kühl und roch nach alter Erde. Julian lehnte sich gegen die Tür, seine Brust hob und senkte sich schwer. Die Vorderseite seines weißen Hemdes war dunkel von Blut, und ein neuer Fleck breitete sich auf seinem Ärmel aus, wo die Kugel ihn gestreift hatte.

„Bist du verletzt?“, fragte Elena. Sie trat im dämmrigen Licht näher an ihn heran.

„Es ist nur ein Kratzer“, sagte Julian. Er verzog das Gesicht, als er seinen Arm bewegte. „Sie kannten den Sicherheitsplan. Jemand von innen hat ihnen die Zugangscodes gegeben.“

„Wer würde so etwas tun?“

Julian sah sie an. Seine grauen Augen waren scharf, selbst im Schatten. „Jemand, der meinen Platz einnehmen will. Jemand, der glaubt, ich sei weich geworden.“

Er ging die Treppe hinunter, seine Stiefel klackten auf dem Beton. Elena folgte ihm dicht auf den Fersen, ihre Augen passten sich an die Dunkelheit an. Der Keller war nicht nur ein Lagerraum. Er war ein Labyrinth aus Betonwänden und schweren Türen. Julian führte sie an Stapeln von Kisten und Weinregalen vorbei, bis sie einen kleinen Raum mit einem schweren Tastenfeld an der Wand erreichten.

Er tippte einen Code ein, und die Tür klickte auf. Drinnen war der Raum hell. Monitore bedeckten eine ganze Wand und zeigten verschiedene Winkel des Anwesens. Elena sah seine Wachen im Haupthof gegen die Eindringlinge kämpfen.

„Setz dich“, befahl Julian und zeigte auf einen Ledersessel in der Ecke.

Elena setzte sich, ihre Beine zitterten vor Adrenalin. Sie beobachtete, wie er zu einem Metallschrank ging und einen Erste-Hilfe-Kasten herausholte. Er setzte sich auf die Kante eines Schreibtisches und begann, sein Hemd aufzuknöpfen. Der Stoff klebte durch getrocknetes Blut an seiner Haut.

„Lass mich helfen“, sagte Elena. Sie stand auf, noch bevor sie sich selbst bremsen konnte.

Julian hielt inne und sah sie mit unbewegter Miene an. „Das musst du nicht tun.“

„Du blutest, weil du mich beschützt hast“, sagte sie und nahm ihm die Flasche mit dem Desinfektionsmittel aus der Hand. „Sitz einfach still.“

Er widersprach nicht. Er lehnte sich zurück, seine Augen folgten ihren Bewegungen, während sie sich neben ihm hinkniete. Elena goss die Flüssigkeit auf ein sauberes Tuch. Sie drückte es vorsichtig auf den langen Schnitt an seinem Unterarm. Julian zuckte nicht, aber seine Muskeln spannten sich unter ihrer Berührung an. Er war gebaut wie ein Athlet, seine Haut gezeichnet von alten Narben, die von einem gewalttätigen Leben erzählten.

„Du bist erstaunlich ruhig für ein Mädchen, das in ein Kriegsgebiet gezerrt wurde“, murmelte Julian.

„Ich habe Todesangst“, gestand Elena. Sie hielt den Blick auf seine Wunde gerichtet, während sie einen weißen Verband um seinen Arm wickelte. „Aber Weinen hält die Kugeln auch nicht auf.“

Julian stieß ein leises Lachen aus. Es war ein ehrliches Geräusch, befreit von der kalten Arroganz, die er sonst wie eine Rüstung trug. „Du hast mehr Rückgrat als dein Vater. Er würde jetzt schon weinend auf dem Boden liegen.“

Die Erwähnung ihres Vaters ließ Elena erstarren. Sie sicherte den Verband und trat einen Schritt zurück. „Warum hast du dich auf seinen Deal eingelassen, Julian? Du hättest ihn einfach töten können. Warum behältst du mich hier?“

Julian blickte auf seinen bandagierten Arm hinab, dann hoch in ihr Gesicht. Das grelle Neonlicht zeigte die Erschöpfung in seinen Augen. „Dein Vater hat dich angeboten, weil er dachte, ich würde dich wie Eigentum behandeln. Er dachte, es würde dich brechen, und das wäre seine Rache dafür, dass er sein Geld verloren hat.“

Elena starrte ihn an, der Atem stockte ihr im Hals. „Und du?“

„Ich habe dich genommen, weil es der einzige Weg war, dich aus seinen Spielchen herauszuhalten“, sagte Julian leise. „Wenn du bei ihm geblieben wärst, hätte er dich an jemand anderen verkauft. Jemand, der dir kein Zimmer mit Aussicht gegeben hätte.“

Bevor Elena seine Worte verarbeiten konnte, flackerten die Monitore an der Wand. Die Kameraübertragung aus dem Hauptflur wurde schwarz. Ein Bildschirm nach dem anderen schaltete auf Rauschen um.

Julian stand augenblicklich auf, seine Hand flog zu seiner Waffe. „Sie haben die Stromleitungen zum Notstromgenerator gekappt.“

Die Lichter im Schutzraum starben und stürzten sie in völlige Dunkelheit.

Elena keuchte auf, ihre Hände suchten in der Luft, bis sie die Kante des Schreibtisches fanden. „Julian?“

„Ich bin hier“, kam seine Stimme aus der Dunkelheit, ganz nah zu ihrer Rechten. „Bewege dich nicht.“

Ein lautes, metallisches Quietschen hallte durch die Betonwände. Es war das Geräusch der schweren Kellertür, die aufgebrochen wurde. Schwere Stiefel begannen die Betontreppe hinabzusteigen, langsam und bedächtig.

Julian ergriff ihre Hand. Sein Griff war fest und warm. Er zog sie zum hinteren Teil des Raumes, wo sich eine versteckte Nische mit einem leisen Klicken öffnete.

„Wohin führt das?“, flüsterte sie.

„In die alten Tunnel unter der Stadt“, flüsterte Julian zurück. „Bewege dich leise.“

Sie traten in den schmalen Tunnel; die Luft war feucht und kalt. Hinter ihnen wurde die Tür zum Schutzraum mit einem lauten Knall aufgetreten. Der Strahl einer Taschenlampe schnitt durch die Dunkelheit und erhellte den Tunneleingang.

„Sie sind hier drin!“, schrie ein Mann aus dem Raum.

Julian riss sie in einen Sprint, als hinter ihnen Schüsse erpichteten und die Kugeln Funken an den Steinwänden schlugen.

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