Mag-log inLucias Perspektive
Ich bekam keine Luft. Nein … das konnte nicht sein. Der Mann, der am Eingang der Kirche stand, war nicht tot.
Er war nicht fort. Er war hier.
„Damien …“, flüsterte ich kaum hörbar, während ich einen Schritt zurückwich. Meine Augen weiteten sich; ich wagte es kaum zu glauben.
Acht Jahre.
Es waren acht Jahre vergangen, und er hatte sich überhaupt nicht verändert. Sein schwarzer Anzug war makellos. Nicht einmal eine Falte war auf seinem schnittigen Anzug zu sehen.
Sein schwarzes Haar war ordentlich frisiert, und da waren seine dunklen Augen. Tiefschwarz, doch es waren nicht die Augen, in die ich mich einst verliebt hatte.
Sie waren kalt. Leer. Hohl. Voller puren Hasses.
„Damien, du bist …“ Meine Worte verstummten, als ein weiterer Schuss laut durch die Kathedrale hallte.
Der Schmerz schoss durch meine Schulter, noch bevor mir bewusst wurde, dass er auf mich geschossen hatte.
Damien De Luca hat auf mich geschossen.
Ich schrie auf und taumelte rückwärts. Mein Blumenstrauß rutschte mir aus den Fingern und landete neben Adrians blutüberströmtem, kaltem Körper.
Mein weißes Hochzeitskleid war nun voller Blut und Schmutz.
„Ahhh!“, schrie ich, während meine Augen brannten und sich trübten. Durch die Tränen hindurch sah ich Damiens dunkle, kalte Augen, die mich direkt anstarrten.
Er hatte nicht einmal geblinzelt.
Kein Ausdruckwechsel, nur seine Augen, die auf meine gerichtet waren. Die Augen, die mich vor genau acht Jahren auf dieselbe Weise beobachtet hatten. Doch dieser Blick war nun von noch mehr Hass erfüllt.
Kälter.
Dunkler.
Mit mehr Wut, die mit jedem Jahr gewachsen war. Mein Körper begann zu zittern, und ein Schauer lief mir über den Rücken.
Er sprach, ohne seine Handlanger anzusehen, ohne den Blick von meinem Gesicht abzuwenden. Seine Stimme war beunruhigend und ruhig.
„Tötet alle – Babys, Kinder, Junge und Alte; niemand verlässt diesen Raum lebend.“ In der Kirche wurde es augenblicklich still.
„Keine Zeugen.“ Seine Männer hoben sofort ihre Waffen.
Ein leichtes Grinsen huschte über seine Lippen. „Lasst jedoch Alessandro, seine Frau und seinen Sohn am Leben.“ Er hielt inne. Sein Blick bohrte sich direkt in meinen Blick. „Und sie.“
Dann brach das Chaos aus. Die Schreie setzten ein, das Gerunne, das Knallen der Schüsse.
Ich jedoch konnte meinen Blick nicht von dem Mann abwenden, den ich einst so sehr geliebt hatte. Dem Mann, der vor acht Jahren verschwunden war und mich im Stich gelassen hatte und nun zurückgekehrt war, um mich als das Monster zu verfolgen, das ich durch meinen Verrat geschaffen hatte.
Sein Blick wich nie von meinem. Meiner wich nie von seinem. Ich hatte das Einschussloch in meiner Schulter völlig vergessen, bevor
Das Blut, der Schmerz – all das schwamm vor meinen Augen und ging in der Kakophonie um uns herum unter. Die Schreie. Die Schüsse.
Die Menschen rannten umher, Körper schlugen auf den Fliesenboden auf. Alles verschwamm; es gab nur einen einzigen Fokuspunkt. Damien.
Wir starrten einander an, ohne zu blinzeln. Wie sehr hatte ich diese Augen gehasst. Diese Augen waren früher immer so warm gewesen, wenn sie meine trafen. In ihrer Tiefe lag früher eine gewisse Sanftheit.
Sanftmut und Liebe; jetzt bargen sie nichts als puren, unverfälschten Hass. Meine Brust zog sich zusammen.
Plötzlich begannen alle meine Gedanken miteinander zu kollidieren.
Warum ist er hier?
Warum verachtet er mich so sehr?
Was habe ich falsch gemacht?
Er war doch derjenige, der mich im Stich gelassen hat?
Nein, ich habe das Richtige getan.
Oder etwa nicht?
Warum sagt er nichts?
Warum kann er nicht aufhören, mich anzustarren?
Die Worte kamen immer schneller, bis ich keinen einzelnen mehr fassen konnte. Alles andere wurde mir fast zu viel.
Jeder Schuss schien lauter zu werden. Die Schreie waren durchdringend, schrill.
Der Gestank nach Blut ließ mir den Magen umdrehen.
Mein Kleid war viel zu sperrig; die Spitze meines Schleiers kratzte mir am Nacken. Sogar mein Herzschlag war zu laut.
Ich wollte, dass alles aufhörte. Es half kaum, meine zitternden Hände an die Ohren zu pressen. Die Welt drehte sich zu schnell für mich. Mein Kopf drehte sich doppelt so schnell.
Und doch, inmitten all des Chaos, blieben meine Augen auf ihn gerichtet, als wäre er der Einzige in der Kirche.
Auf einmal brach alles zusammen. Alle Geräusche verstummten. Mit zitternden Händen, die noch immer meine Ohren bedeckten, ließ ich sie nach unten gleiten.
Für den Bruchteil einer Sekunde war die Welt ein zu perfektes, stilles Nichts.
Ich fand nicht die Kraft, mich aus diesem Raum zu befreien; mein Blick blieb darauf geheftet, doch ich wandte ihn trotzdem von Damien ab. Die Luft steckte in meiner Lunge fest, ein fester Klumpen kalter Panik.
Leichen, sie lagen überall.
Gäste, denen noch vor einer Minute ein Lächeln auf dem Gesicht gefroren war, lagen wie zerbrochene Puppen in der Kathedrale verstreut.
Meine Nichte, meine Tante, mein Onkel, meine Cousins, Romanos Verbündete, Freunde, die Moretti-Familie und ihre Verbündeten – sie alle waren tot.
Die makellos weißen Rosenblätter, die den Gang schmückten, sahen nun aus wie Blutspritzer.
Das Kristalllicht schimmerte über mir, ein glitzernder Spott über das Chaos darunter.
Blut sickerte über den Boden. Es tränkte die Schleppe meines Brautkleids und sammelte sich auf dem Marmor zwischen den Kirchenbänken. Ich stand in genau jener Kirche, die dazu bestimmt war, Lebensversprechen zu bezeugen, die aber stattdessen wie ein Tatort aussah. Ich war ein wandelndes Zittern.
Als ich mich schließlich dazu zwang, meinen Blick wieder auf Damien zu richten, stand er nicht mehr an der Tür.
Er ging direkt auf meine Familie zu; seine Handlanger standen im Kreis und umringten meine Eltern und meinen Bruder, wobei sie ihre Waffen direkt auf sie richteten.
Mein Vater kniete da, Blut lief ihm über das Gesicht, nachdem er zusammengeschlagen worden war.
Das Haar meiner Mutter hatte sich aus der Hochsteckfrisur gelöst, als sie sich gegen die Männer wehrte, die sie festhielten. Mein Bruder lag regungslos ein paar Fuß von ihnen entfernt.
„Lange nicht gesehen, Alessandro.“
Mein Vater starrte ihn an. „Du verdammter Mistkerl …“ Ein Schuss durchbrach die Stille.
Mein Vater, meine Mutter und ich schrien alle gleichzeitig auf.
Ich konnte mich nicht bewegen; ich stand da wie eine Statue.
Damien unterbrach die Worte meines Vaters, indem er ihm direkt ins rechte Auge schoss.
Während mein Vater vor Qual schrie, schrien meine Mutter und ich vor Angst und Unglauben.
„Diese Szene kommt mir so bekannt vor, Alessandro“, sagte Damien und schoss sich eine weitere Kugel ins linke Auge.
Mir wurde ganz schwindelig, als ich sah, wie das Blut aus den Augen meines Vaters spritzte.
Damien reichte seine Waffe einem seiner Männer und zog dann mit seinem rechten Auge den zerfetzten Augapfel meines Vaters aus der Augenhöhle.
Mir wurde übel.
Tatsächlich übergab ich mich auf das Gesicht meines toten Mannes.
Der Schrei meines Vaters erfüllte den Raum. Ich schloss die Augen, um nicht hinsehen zu müssen, doch ich wurde hart zu Boden gestoßen; eine Hand packte mich an den Haaren.
„Schau hin, oder du bist die Nächste.“
Ich riss die Augen auf und sah zu, wie Damien die Augäpfel meines Vaters aus ihren Augenhöhlen entfernte.
Einer seiner Männer brachte eine Kiste, und er legte sie hinein.
Mit seinen blutigen Händen nahm er seine Waffe wieder zur Hand und schoss meinem Vater eine Kugel direkt in die Stirn.
Ein qualvoller Schrei entrang sich mir, als ich sah, wie der Körper meines Vaters zu Boden fiel.
Das Gleiche tat er meiner Mutter und meinem Bruder an. Ich sah zu, wie meine Familie direkt vor meinen Augen starb.
Jedes Mitglied meiner Familie war tot. Und ich hatte mit angesehen, wie jeder einzelne von ihnen vor meinen Augen starb.
Mein Blick suchte Damien, und als sein Blick auf mich fiel, stockte mir der Atem.
Seine Augen waren leblos.
Die Leere eines Mannes ohne Gefühle ist nicht das, was ich gemeint habe.
Die Leere eines Menschen, der bereits von innen heraus berührt worden war und nichts als die glühende Asche des Hasses hinterlassen hatte.
Nichts Warmes, nichts Wütendes, nichts Barmherziges, nur Leere.
Sein Blick wanderte von mir zu dem Mann, der mich immer noch grob an den Haaren festhielt; dann sprach er.
„Kettet sie an. Bringt sie zur Villa … und lasst sie zusehen, wie all das hier verbrennt.“
Damiens PerspektiveIch stieg langsam aus dem Bett. Ich durchquerte den Raum, öffnete die Schublade meines Schreibtisches, nahm die Tablettenflasche heraus und steckte sie in meine Tasche.Meine schweren Schritte hallten laut in der Stille der verlassenen Räume wider, während ich langsam den Keller erreichte.Zu Lucia.Ich blieb im Eingangsbereich stehen; ich stand vor der imposanten, schweren Eisentür.Dann öffnete ich das Vorhängeschloss und die Ketten.Dunkelheit empfing mich; ich griff nach dem Lichtschalter, und das schwache Licht flackerte an.Sie saß auf der Bettkante, ihre Augen huschten zu mir, ihr Blick war konzentriert.Einen Moment lang sprach keiner von uns.Ich lehnte mich an die Wand, unfähig, meinen Blick von ihr abzuwenden.Acht Jahre, und irgendwie sieht sie immer noch genauso aus.Ihr zerzaustes braunes Haar, ihre Handgelenke waren verletzt und in Ketten gelegt. Sie wirkte matt und müde, und bis heute fragte ich mich, was Giovanni in diesem Raum mit ihr gemacht hatt
Damiens PerspektiveDas Gespräch zwischen Primo und mir neigte sich dem Ende zu, als ich aufstand, um mich etwas auszuruhen, doch dann fiel mir ein, dass ich ein entscheidendes Detail vergessen hatte.„Hol Lucia nach dieser Woche aus dem Keller. Lass sie in der Küche bei Rosa, der Obermagd, arbeiten und bring sie in die Bedienstetenunterkünfte.“Primo blickte auf, und nach einer unangenehmen Pause nickte er. „Das würde ihm nicht gefallen“, sagte er, und ich starrte ihn eine Weile an; natürlich wusste ich das.„Deshalb erweise ich ihm diese Ehre und lasse sie noch eine Woche dort bleiben.“Es folgte eine lange Pause von etwa einer Minute, bevor Primo nickte.„Ich werde das veranlassen.“Ich sage nichts weiter, gehe einfach aus meinem Büro hinaus und direkt in mein Schlafzimmer.In der Villa herrschte Stille, nur das leise Klackern der Schuhe meiner Wachen auf dem Marmorboden war zu hören.Ich stieß die Tür zu meinem Schlafzimmer auf, bevor ich eintrat.Weiß, alles war weiß: die Wände,
Damiens PerspektiveMein Büro war mit Glasscherben übersät, weil ich verdammt sauer war.„Beruhige dich, Damien“, sagte Primo, mein Stellvertreter.Ich warf ihm den tödlichsten Blick zu, den ich aufbringen konnte.„Ich soll ruhig bleiben?“, brüllte ich. „Hast du verdammt noch mal gesehen, wie sie zusammengezuckt ist, Primo?“ Ich fuhr mir mit den Händen durch die Haare, während ich im Raum auf und ab lief.„Das Ganze war deine Idee, sie zur Mitternachtsauktion zu schicken; hast du das vergessen?“„Ich war es nicht“, brüllte ich wütend und frustriert. „Das weißt du doch am besten“, flüsterte ich den letzten Teil.„Es tut mir leid, okay“, sagte Primo und hob resigniert die Hand.Ich hörte auf, auf und ab zu gehen, atmete tief ein und ließ mich dann in meinen Sessel fallen.Gott weiß, was dieser Bastard Giovanni ihr angetan hat.Verdammt noch mal, du Idiot, verfluchte ich ihn in Gedanken. Er war die verdammte Idee hinter dem ganzen Schlamassel.„Ich brauche die Videos und Aufzeichnungen v
Lucias PerspektiveMir sind die Augen verbunden; ich sitze hinten in einem fahrenden Transporter.Ich hatte gerade das Gebäude der „Midnight Claim Auction“ verlassen, wo ich die Nacht mit Giovanni Luigi verbracht hatte. Ein Schauer lief mir über den Rücken.Ich zuckte sofort zusammen; ich wollte nicht an die Hölle denken, die ich letzte Nacht durchgemacht hatte.Ich konnte nicht daran denken; der Schmerz war wie ein eigenständiges, greifbares Wesen. Er bedeckte meinen Körper mit blauen Flecken und Schnittwunden.Die Erinnerung an das Geschehene – auch wenn der Schmerz, den es mir verursacht hatte, das Schlimmste war, was ich je durchgemacht hatte – löste allein schon durch das Gefühl selbst eine neue Welle der Angst und Furcht in mir aus, die mich erfüllte und überwältigte.Damiens Männer holten mich heute früh ab. Sie kamen, um mich abzuholen, sobald Giovanni mit meinem Körper fertig war und den Raum verlassen hatte.Jetzt sitze ich mit verbundenen Augen in einem Transporter und werd
Lucias PerspektiveIch hatte keine Ahnung, wie lange ich schon in diesem Zimmer war. Zwei Tage – ich weiß es nicht einmal mehr. Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren.Aber hey, zumindest konnte ich mich jetzt wieder bewegen.Mein Knöchel war immer noch fest angekettet, aber ich konnte zumindest ein paar Schritte im Zimmer herumlaufen, bevor mich die Metallfesseln wieder festhielten.Seit meiner Ankunft hatte ich nicht geduscht. Ich roch, ich roch wirklich. Meine Haare waren verfilzt, meine Haut war klebrig und fühlte sich fettig an, und ich sah aus wie ein Chaot.Niemand war in mein Zimmer gekommen, außer dieser seltsamen, schweigsamen Frau mit dem freundlichen Gesicht, die mir Frühstück, Mittag- und Abendessen brachte.Sie sah mich nicht einmal an, stellte das Tablett einfach auf den Tisch und ging wieder.Damien habe ich seitdem nicht mehr gesehen; er hatte mich analysiert.Mein Magen drehte sich jedes Mal um, wenn ich daran dachte. Aber immerhin aß ich dreimal am Tag genug, um zu
Lucias PerspektiveDamien trat so nah heran, dass sein Schatten über mich fiel – ich war völlig nackt. Seine Hände umklammerten mein Kinn, und der Schmerz ließ mich zusammenzucken, als er mein Gesicht nach oben drehte, um mich zu mustern.„Schönheit, hundert Millionen“, erklärte er kühl.Er ließ los, und mein Kopf kippte zur Seite, wobei ein Rinnsal Speichel aus meinen Mundwinkeln lief.Mein erster Impuls wäre gewesen, zu schreien, dass er kein Recht dazu habe, dass ausgerechnet dieser Mann vor nicht einmal zwölf Stunden die Rolle des Henkers meiner Familie gespielt habe.Ich hasste ihn; ich wollte schreien, tat es aber nicht, und es war eine chemische Wut in mir, die sich gegen meinen Willen entlud.Er war mein Feind; ich sollte ihn mit jeder Faser meines Wesens verletzen wollen.„Schüchtern, wild und wenig mitreißend, zwanzig Millionen.“Seine andere Hand glitt um meine Taille und legte sich flach auf die Wölbung meiner Hüfte.Die Berührung sandte Schauer der Erregung in meinen Bauc







