LOGIN“Sieh dir das Monster an, das du geschaffen hast, Lucia.“ Das waren die ersten Worte, die er nach acht Jahren zu mir sprach. Damien De Luca war der Mann, den ich zerstört habe – der Mann, der mich liebte, als ich noch keine Ahnung hatte, wie ich seine Liebe erwidern sollte. Vor acht Jahren übergab ich ihn meinem Vater, in dem Glauben, damit unsere gemeinsame Zukunft zu retten. Stattdessen metzelte mein Vater seine Familie nieder und brannte sein Imperium bis auf die Grundmauern nieder. Damien verschwand in jener Nacht. Ich dachte, er hätte mich verlassen, aber ich hatte mich geirrt. An dem Tag, an dem ich einen anderen Mann heiraten sollte, kehrte er zurück. Er ermordete meinen Verlobten, vernichtete meine Familie und verwandelte das Romano-Imperium in Asche. Dann nahm er mich mit – nicht als seine Geliebte oder seine Frau, sondern als seine Gefangene. Damien… Acht Jahre lang war Rache das Einzige, was mich am Leben hielt. Lucia Romano hat mich nicht nur betrogen; sie hat meine Familie, mein Zuhause und den Mann, der ich einmal war, zerstört. Jetzt gehört sie mir; sie wird meine Ketten tragen, in meinem Haus leben, als meine Gefangene durchs Leben gehen, und sie wird erfahren, wie es sich anfühlt, alles zu verlieren. Doch Rache wird schwieriger, als ich mir vorgestellt habe, denn irgendwie ist die Frau, die ich eigentlich hassen sollte, auch die Frau, die in meinen Armen schläft. Sie ist diejenige, die ich nicht aufhören kann zu berühren, und ich weiß, ich sollte sie quälen, sie leiden lassen und sie dann töten. Stattdessen bin ich zunehmend besessen von der Frau, die mich ruiniert hat, wohl wissend, dass sie mich erneut ruinieren könnte. … WARNUNG: DIESES BUCH ENTHÄLT SEXUELLE INHALTE, BESITZERISCHES VERHALTEN UND THEMEN, DIE AUSLÖSER WERDEN KÖNNEN. FÜR ERWACHSENE LESER GEEIGNET. AB 18 JAHREN
View MoreLucias Perspektive
Ich stand vor dem Ganzkörperspiegel, mein Hochzeitskleid lag zu meinen Füßen ausgebreitet. Ein ganz leichtes Lächeln umspielte meine Lippen.
Ich sah so wunderschön aus.
Mein kastanienbraunes Haar fiel in sanften Locken über meinen Rücken, die Strähnen waren locker miteinander verflochten und mit zarten Perlen, die in die Frisur eingearbeitet waren, hochgesteckt.
Ein durchsichtiger Kathedralenschleier fiel mir über den Rücken. Das Kleid lag ab der Taille hauteng an, bevor es sich in endlose Lagen aus Satin und Spitze entfaltete.
Das Kleid hatte einen Herzausschnitt, der mit winzigen Kristallen bestickt war, die bei jeder Bewegung glitzerten, und die langen Spitzenärmel schmiegten sich eng an wie eine zweite Haut.
Zum ersten Mal seit langer Zeit fühlte ich mich tatsächlich glücklich.
Das war nicht nur meine Hochzeit; es war der Zusammenschluss der Familien Moretti und Romano.
Nach sechs Monaten würde ich Adrian Moretti heiraten.
Vielleicht war das meine Chance, meine Vergangenheit hinter mir zu lassen.
Als ich mich umdrehte, schwang die Tür der Umkleidekabine auf, und meine Mutter schlenderte herein.
In ihrem Gesicht zeichneten sich erste Falten ab – ein Problem, das sie mehr ärgerte als alles andere auf der Welt. Ihre haselnussbraunen Augen, so durchdringend sie auch waren, warfen einen kurzen Blick auf mich, bevor sie steif nickte.
„Vorzeigbar“, sagte sie, und mein Lächeln kehrte auf meine Lippen zurück, diesmal etwas breiter.
Sie trat näher an mich heran und richtete meinen Schleier, der auf meiner Schulter lag.
„Jetzt hör gut zu, Lucia.“ Ich nickte als Antwort auf ihre Aufforderung.
„Sobald du verheiratet bist, steht dein Mann an erster Stelle, noch vor dir selbst oder irgendjemand anderem. Er ist alles für dich; sein Wort ist Gesetz.“
Sie sah mir direkt in die Augen.
„Der Stolz eines Mannes ist wichtiger als das Glück einer Frau. Stelle seine Worte niemals in Frage und demütige ihn nicht.
„Wenn er sich aufregt, entschuldige dich. Wenn er einen Befehl erteilt, gehorchst du.“
Ihre Stimme war fest, frei von jeglicher Emotion.
„Deine Rolle als Ehefrau in dieser Ehe ist es, deinen Mann zu unterstützen. Männer führen, und Frauen folgen. So funktioniert Macht.“
Ich nickte.
„Und du weißt, dass ein Mann seine Liebe am reinsten zeigt, indem er –“
„Schlägt mich so hart, bis mein Körper voller blauer Flecken ist, Mutter.“
Sie lächelte, bevor sie fortfuhr.
„Wenn dein Mann sich außerhalb der Ehe Vergnügen sucht, dann sei dir bewusst, dass das normal ist, denn du wirst immer die Ehefrau sein, diejenige mit dem Ring; das macht dich besonderer als die Frauen, mit denen er außerhalb der Ehe schläft.“
„So zeigt sich seine Liebe auf eine andere Art, und du wirst dich ganz und gar nur ihm hingeben, Lucia“, sagte sie.
„Ich weiß, Mutter, und danke, dass du mich ein letztes Mal daran erinnert hast.“
„Sehr gut“, und damit wandte sie sich um und verließ mein Ankleidezimmer, und gerade als sie ging, senkte sich Stille über den Raum.
Ich blickte wieder auf mein Spiegelbild, und für einen Moment glaubte ich, zu spüren, wie mich ein Fremder beobachtete.
Mein Herz setzte einen Schlag aus, als ich mich herumwirbelte, aber da war niemand. Der Raum war leer, doch die Präsenz, die ich spürte, kam mir viel zu vertraut vor.
Ein langsamer, langgezogener Atemzug entwich meinen Lippen.
Ich bilde mir das nur ein, sagte ich mir im Stillen. Ich schüttelte den Kopf, während ich versuchte, alle Gedanken an meine Vergangenheit und an den heutigen Tag zu verdrängen.
Ich wandte mich erneut meinem Spiegelbild zu. Ich passte mein Lächeln an, bis es so war, wie Adrian es mag.
Er hatte mir beigebracht, wie ich mein Lächeln perfektionieren konnte. Mein Lächeln sollte im Durchschnitt einen Winkel von vierzig Grad zur Horizontalen bilden.
Ich hatte drei Monate gebraucht, um es zu perfektionieren.
Die Tür flog erneut auf, sodass ich mich wieder umdrehte: Mein Vater stand im Raum, hinter ihm meine Nichte, die mein Blumenmädchen war, und die Brautjungfern, Adrians Schwestern.
„Es ist Zeit.“
Mein Lächeln wurde breiter, als ich nickte.
Meine Hand fand den Arm meines Vaters.
„Bring mich heute nicht in Verlegenheit, Lucia“, sagte er mit zusammengebissenen Zähnen.
„Das werde ich nicht, Vater“, sagte ich leise, doch er antwortete nicht.
Gemeinsam verließen wir die Hochzeitssuite.
Die Trauung fand in der Moretti-Estate-Kathedrale statt, einer atemberaubenden privaten Kapelle auf dem Gelände des Moretti-Anwesens.
Die gesamte Gestaltung war genau so, wie Adrian es mag – weiße Rosen säumten den Gang, Kronleuchter erhellten den Raum, und ein ruhiges Quartett spielte leise, um die Atmosphäre zu untermalen.
Die massiven Türen schwangen auf; alle Gäste erhoben sich wie auf Kommando.
Mein Vater führte mich den Gang hinunter. Ich schaffte es, mein perfektes Lächeln aufzusetzen, während ich zum Altar blickte.
Adrian stand in seinem maßgeschneiderten schwarzen Smoking am Altar.
Aber er sah überhaupt nicht glücklich aus. Tatsächlich sah er wütend aus, extrem wütend.
„Was zum Teufel hast du getan, Lucia?“, flüsterte mein Vater mir ins Ohr, als wir an einigen Gästen vorbeigingen, ohne uns umzudrehen.
„Ich … ich weiß es nicht.“
„Nutzlos“, schnalzte er mit der Zunge, bevor er den Gang entlangging.
Als wir den Altar erreichten, legte er meine Hand in die von Adrian. Seine Hand fühlte sich kalt an, und er drückte sie unangenehm fest.
Ich sah ihn verwirrt an. Was war passiert? Hatte ich etwas falsch gemacht?
Ich werde ihn später fragen, versicherte ich mir selbst.
Der Standesbeamte räusperte sich. „Wir sind heute hier versammelt, um der heiligen Vereinigung von Adrian Moretti und Lucia Romano beizuwohnen –“
„Lassen Sie den Quatsch weg“, unterbrach Adrian ihn ungeduldig. „Ich habe Wichtigeres zu tun.“
Der Standesbeamte schluckte hastig. „Natürlich.“ Er blätterte ungeschickt in seinem Buch und schlug es auf.
„Adrian Moretti, willst du Lucia Romano zu deiner rechtmäßigen Ehefrau nehmen, ihr in guten wie in schlechten Zeiten, in Krankheit und Gesundheit zur Seite stehen und alle anderen meiden, solange ihr beide lebt?“
„Ja, ich will.“
„Und Lucia Romano, willst du Adrian Moretti zu deinem rechtmäßigen Ehemann nehmen, ihn für den Rest deines Lebens zu lieben, zu ehren und zu schätzen?“
„Ja, ich will.“
Adrian und ich tauschten unsere Ringe.
Der Standesbeamte lächelte verlegen. „Kraft der mir übertragenen Befugnis erkläre ich euch hiermit zu Mann und Frau. Du darfst die Braut küssen.“
Adrian machte einen Schritt auf mich zu und hob seine Hand zu meiner Wange. Gerade als seine Lippen meine berührten –
KNALL.
Ein Schuss hallte durch die Kapelle. Warme Flüssigkeit spritzte mir ins Gesicht.
Adrians Körper fühlte sich plötzlich steif an, und für einen Moment stand alles still. Dann wurden Adrians Augen leer, und sein Körper schlug mit einem widerlichen dumpfen Aufprall auf den weißen Marmorboden.
Überall in der Kapelle brachen Schreie aus, doch ich stand völlig gelähmt am Altar, unfähig, mich zu bewegen, unfähig, zu atmen, und konnte nur auf Adrians Leiche starren, bis eine kalte, vertraute Stimme durch die Stille hallte.
„Herzlichen Glückwunsch zu deiner Hochzeit, Lucia.“
Mein Kopf drehte sich sofort in Richtung der Stimme, und meine Augen weiteten sich.
Ich konnte nicht glauben, wer dort stand.
„Damien.“
Damiens PerspektiveIch stieg langsam aus dem Bett. Ich durchquerte den Raum, öffnete die Schublade meines Schreibtisches, nahm die Tablettenflasche heraus und steckte sie in meine Tasche.Meine schweren Schritte hallten laut in der Stille der verlassenen Räume wider, während ich langsam den Keller erreichte.Zu Lucia.Ich blieb im Eingangsbereich stehen; ich stand vor der imposanten, schweren Eisentür.Dann öffnete ich das Vorhängeschloss und die Ketten.Dunkelheit empfing mich; ich griff nach dem Lichtschalter, und das schwache Licht flackerte an.Sie saß auf der Bettkante, ihre Augen huschten zu mir, ihr Blick war konzentriert.Einen Moment lang sprach keiner von uns.Ich lehnte mich an die Wand, unfähig, meinen Blick von ihr abzuwenden.Acht Jahre, und irgendwie sieht sie immer noch genauso aus.Ihr zerzaustes braunes Haar, ihre Handgelenke waren verletzt und in Ketten gelegt. Sie wirkte matt und müde, und bis heute fragte ich mich, was Giovanni in diesem Raum mit ihr gemacht hatt
Damiens PerspektiveDas Gespräch zwischen Primo und mir neigte sich dem Ende zu, als ich aufstand, um mich etwas auszuruhen, doch dann fiel mir ein, dass ich ein entscheidendes Detail vergessen hatte.„Hol Lucia nach dieser Woche aus dem Keller. Lass sie in der Küche bei Rosa, der Obermagd, arbeiten und bring sie in die Bedienstetenunterkünfte.“Primo blickte auf, und nach einer unangenehmen Pause nickte er. „Das würde ihm nicht gefallen“, sagte er, und ich starrte ihn eine Weile an; natürlich wusste ich das.„Deshalb erweise ich ihm diese Ehre und lasse sie noch eine Woche dort bleiben.“Es folgte eine lange Pause von etwa einer Minute, bevor Primo nickte.„Ich werde das veranlassen.“Ich sage nichts weiter, gehe einfach aus meinem Büro hinaus und direkt in mein Schlafzimmer.In der Villa herrschte Stille, nur das leise Klackern der Schuhe meiner Wachen auf dem Marmorboden war zu hören.Ich stieß die Tür zu meinem Schlafzimmer auf, bevor ich eintrat.Weiß, alles war weiß: die Wände,
Damiens PerspektiveMein Büro war mit Glasscherben übersät, weil ich verdammt sauer war.„Beruhige dich, Damien“, sagte Primo, mein Stellvertreter.Ich warf ihm den tödlichsten Blick zu, den ich aufbringen konnte.„Ich soll ruhig bleiben?“, brüllte ich. „Hast du verdammt noch mal gesehen, wie sie zusammengezuckt ist, Primo?“ Ich fuhr mir mit den Händen durch die Haare, während ich im Raum auf und ab lief.„Das Ganze war deine Idee, sie zur Mitternachtsauktion zu schicken; hast du das vergessen?“„Ich war es nicht“, brüllte ich wütend und frustriert. „Das weißt du doch am besten“, flüsterte ich den letzten Teil.„Es tut mir leid, okay“, sagte Primo und hob resigniert die Hand.Ich hörte auf, auf und ab zu gehen, atmete tief ein und ließ mich dann in meinen Sessel fallen.Gott weiß, was dieser Bastard Giovanni ihr angetan hat.Verdammt noch mal, du Idiot, verfluchte ich ihn in Gedanken. Er war die verdammte Idee hinter dem ganzen Schlamassel.„Ich brauche die Videos und Aufzeichnungen v
Lucias PerspektiveMir sind die Augen verbunden; ich sitze hinten in einem fahrenden Transporter.Ich hatte gerade das Gebäude der „Midnight Claim Auction“ verlassen, wo ich die Nacht mit Giovanni Luigi verbracht hatte. Ein Schauer lief mir über den Rücken.Ich zuckte sofort zusammen; ich wollte nicht an die Hölle denken, die ich letzte Nacht durchgemacht hatte.Ich konnte nicht daran denken; der Schmerz war wie ein eigenständiges, greifbares Wesen. Er bedeckte meinen Körper mit blauen Flecken und Schnittwunden.Die Erinnerung an das Geschehene – auch wenn der Schmerz, den es mir verursacht hatte, das Schlimmste war, was ich je durchgemacht hatte – löste allein schon durch das Gefühl selbst eine neue Welle der Angst und Furcht in mir aus, die mich erfüllte und überwältigte.Damiens Männer holten mich heute früh ab. Sie kamen, um mich abzuholen, sobald Giovanni mit meinem Körper fertig war und den Raum verlassen hatte.Jetzt sitze ich mit verbundenen Augen in einem Transporter und werd











