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Kapitel 5

Author: J. C. Veyra
last update publish date: 2026-02-08 08:33:52

Kaels Atem lag noch immer an meinem Hals, schwer und heiß, als hätte er dort seinen Anspruch eingebrannt.

Sein Körper umschloss mich nicht wie eine Umarmung.

Er umschloss mich wie ein Versprechen.

Kein Zentimeter Raum zwischen uns. Kein Zweifel. Kein Rückzug.

Ich spürte jede Linie seines Körpers, jede Spannung unter seiner Haut. Seine Muskeln waren angespannt, nicht aus Unsicherheit, sondern aus Kontrolle. Bereit, jederzeit zuzuschlagen – oder festzuhalten. Mich festzuhalten. Als hätte er sich entschieden, dass es keine Alternative mehr gab.

Mein Wolf wälzte sich in mir, unruhig, gierig. Er kannte dieses Gefühl. Dieses Ziehen. Dieses uralte Erkennen, das nichts erklärte und doch alles wusste. Kein Verlangen allein. Kein Spiel. Etwas Tieferes. Gefährlicheres.

Die Schritte meines Vaters hinter uns waren langsamer geworden. Bedacht. Prüfend.

Er sagte nichts.

Aber seine Präsenz drückte sich gegen meinen Rücken wie ein unsichtbares Gewicht.

Kael reagierte sofort.

Sein Griff um meine Taille wurde fester. Nicht grob. Nicht schmerzhaft. Eindeutig. Seine Hand lag dort wie ein Zeichen, das keinen Widerspruch duldete. Sein Körper schob sich minimal vor meinen, stellte sich zwischen mich und alles, was von hinten kam.

Schutz.

Warnung.

Besitz.

Mein Atem ging schneller. Nicht aus Angst.

Kaels Daumen ruhte an meinem Hals, direkt auf meinem Puls. Ich spürte jeden Schlag meines Herzens gegen seine Haut. Er musste ihn fühlen. Er wollte ihn fühlen. Als würde er sich vergewissern, dass ich real war. Dass diese Bindung nicht nur Instinkt war – sondern Entscheidung.

„Sieh mich an“, sagte er leise.

Es war kein Befehl.

Und doch gehorchte ich.

Seine Augen hielten meine gefangen. Grau, dunkel, vom Licht des blutroten Mondes durchzogen. In ihnen lag kein Zögern. Kein Zweifel. Nur diese unerschütterliche Entschlossenheit, die mir den Atem raubte. Die Art von Entschlossenheit, die nicht fragt, ob sie darf.

Er würde mich nicht loslassen.

Nicht jetzt.

Nicht später.

Mein Vater trat näher. Ich hörte das leise Knirschen des Bodens unter seinen Stiefeln.

„Du überschreitest eine Grenze“, sagte er schließlich.

Seine Stimme war ruhig. Zu ruhig.

Kael reagierte nicht sofort. Sein Blick blieb auf mir gerichtet, als gäbe es niemanden sonst auf dieser Welt. Als wäre ich die einzige Konstante in einem Leben aus Kampf und Blut. Erst dann sprach er.

„Nein.“

Ein einziges Wort. Schwer wie Stahl.

„Ich nehme, was mir gehört.“

Mein Atem stockte.

Nicht wegen der Worte.

Sondern wegen der Wahrheit darin.

Mein Wolf heulte auf, triumphierend, wild. Als hätte er genau darauf gewartet.

Mein Vater lachte leise. Kein echtes Lachen. Eher ein Abtasten. Ein Messen.

„Dann hoffe ich“, sagte er, „dass du stark genug bist, es zu behalten.“

Sein Blick glitt über Kael, dann über mich. Berechnend. Besitzergreifend auf seine eigene Weise. Dann wandte er sich ab.

Erst als seine Schritte endgültig verklungen waren, erlaubte Kael sich, sich zu bewegen. Nicht weg von mir – näher. Seine Stirn senkte sich gegen meine, sein Atem strich über meine Lippen.

„Du hättest es nicht sagen müssen“, flüsterte ich.

Sein Daumen strich über meine Unterlippe. Langsam. Prüfend. Als würde er jede Regung lesen wollen.

„Doch“, sagte er leise. „Er sollte es hören.“

Mein Wolf jubelte.

Kael löste sich einen Schritt von mir, gerade genug, um mir Luft zu lassen – nicht genug, um die Verbindung zu lösen. Seine Hand glitt zu meinem Handgelenk, drehte es leicht, prüfend. Seine Finger schlossen sich darum, warm, fest, sicher.

„Das hier“, murmelte er, „ist kein Spiel.“

„Das weiß ich.“

Sein Blick wurde dunkler. Tiefer.

„Und es ist mehr als Verlangen.“

Ich spürte es. In meiner Brust. In meinem Bauch. In der Art, wie mein Wolf sich an seinen schmiegte, als hätte er ihn schon immer gekannt. Als wäre das hier keine Entscheidung – sondern Erinnerung.

„Es ist Bindung“, sagte ich leise.

Ein dunkles, gefährliches Lächeln zog über Kaels Lippen.

„Dann hast du keine Ahnung, was das bedeutet.“

Er zog mich wieder an sich. Langsam. Bewusst. Seine Hand glitt meinen Rücken hinunter, folgte der Linie meiner Wirbelsäule, ließ Funken auf meiner Haut explodieren. Nicht hastig. Nicht fordernd.

Unvermeidlich.

„Von jetzt an“, sagte er an meinem Ohr, „wird jeder Kampf auch meiner sein.“

Sein Atem brannte.

„Jeder Blick auf dich. Jede Hand, die es wagt, zu nah zu kommen – wird zuerst an mir vorbeimüssen.“

Ich lehnte mich gegen ihn. Nicht aus Schwäche. Aus Entscheidung.

„Du hast keine Ahnung, was du forderst“, flüsterte ich.

Seine Hand schloss sich fester an meiner Taille.

„Doch“, sagte er ruhig. „Ich weiß genau, was ich nehme.“

Ich schloss die Augen.

Nicht aus Angst.

Aus Akzeptanz.

Der blutrote Mond stand hoch über uns, schwer und wachsam, als würde er unser stilles Versprechen bezeugen. Ich spürte Kaels Herzschlag gegen meinen – ruhig, kontrolliert. Im völligen Gegensatz zu dem Sturm in mir.

Diese Bindung war kein Zufluchtsort.

Sie war eine Klinge.

Und während mein Wolf sich an seinen schmiegte, wusste ich:

Wir würden lernen, sie zu führen.

Oder an ihr zugrunde gehen.

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