Mag-log inAls Lykanerkönigin wurde Lyra geboren, um zu herrschen — nicht um zu lieben. Gefährten sind Schwäche. Gefühle sind Verrat. Und ihr Vater hat sie zur perfekten Waffe erzogen. Doch am Tag eines öffentlichen Urteils riecht sie ihn. Ihren Gefährten. Die Bindung zwischen ihnen entfacht augenblicklich ein Feuer, das das gesamte Rudel spürt. Ein König darf keinen Rivalen dulden — und ihr Vater stellt ihr ein unmögliches Ultimatum: Töte ihn. Oder töte mich. Um ihren Gefährten zu beanspruchen, muss Lyra den Mann stürzen, der ihr Leben lang über sie herrschte. Doch während Machtspiele, Verrat und Blut das Rudel zerreißen, wird klar: manche Bestien tragen Kronen. Liebe bedeutet Krieg. Und eine Königin muss entscheiden, wessen Blut den Thron färbt.
view moreIch wusste schon früh, dass mein Blut anders war.
Nicht wegen der Geschichten, die man sich am Feuer zuflüsterte. Nicht wegen der Titel, die man mir verlieh, lange bevor ich sie verstehen konnte. Sondern wegen der Art, wie die Welt auf mich reagierte. Menschen senkten den Blick, ohne zu wissen warum. Wölfe hielten Abstand, selbst jene, die sonst keine Furcht kannten. Und die Alten im Rudel – jene, die mich seit meiner Geburt kannten – begegneten mir mit einer Mischung aus Stolz, Vorsicht und etwas, das ich erst später als Respekt erkannte. Ich war die Tochter des Alphas. Und ich war mehr als das. Man nannte mich Alphaprinzessin. Ein Wort, das schwerer wog als jede Krone. Es klang nach Macht, nach Zukunft, nach Verantwortung. Für mich jedoch fühlte es sich an wie ein Käfig aus Gold. Schön anzusehen. Unnachgiebig in seinen Stäben. Ich wurde nicht erzogen wie andere. Meine Kindheit war Training. Meine Jugend Disziplin. Meine Freiheit ein Konzept, über das andere entschieden. Ich befand mich in der Ausbildung zur Königin. Jede meiner Bewegungen wurde beobachtet. Jede Entscheidung bewertet. Jeder Fehler notiert. Man lehrte mich, wie man führt, wie man befiehlt, wie man tötet, wenn es nötig war. Stärke war Pflicht. Kontrolle Gesetz. Gefühle… ein Risiko. Und doch hörte mein Körper nicht immer auf Regeln. Ich war trainiert wie eine Kriegerin – stark, schnell, präzise. Mein Geist geschärft für Strategie, mein Instinkt ausgelegt auf Dominanz. Aber unter der Oberfläche brodelte etwas Ungezähmtes. Etwas Altes. Etwas, das nicht in Lehrbücher passte und sich nicht wegtrainieren ließ. Ein inneres Drängen, das stärker wurde, je mehr man versuchte, es zu unterdrücken. Man sagte mir, ich müsse lernen, mein Verlangen zu beherrschen. Nicht nur das nach Macht – sondern das nach Bindung. Denn eine Alphafrau durfte nicht wählen wie andere. Sie wurde gebunden. Oder sie zerbrach daran. Nachts träumte ich von Hitze unter meiner Haut. Von einem Geruch, den ich nicht kannte, der mir aber vertrauter war als mein eigener Atem. Ich wachte auf mit beschleunigtem Puls, mit angespannten Muskeln, mit einem Ziehen tief in mir, das nichts mit Angst zu tun hatte und alles mit Hunger. Kein körperlicher Hunger. Ein instinktiver. Roh. Fordernd. Mein Vater nannte es eine Phase. Die Ältesten nannten es Vorzeichen. Ich nannte es eine Qual. Denn ich wusste: Was auch immer mich rief, es war nicht erlaubt. Nicht geplant. Nicht kontrollierbar. Ich war dazu bestimmt, stark zu sein. Unabhängig. Unantastbar. Und doch spürte ich, dass mein Schicksal nicht allein mir gehörte. Tagsüber trug ich die Maske der perfekten Erbin. Aufrechter Gang. Ruhige Stimme. Kühle Autorität. Männer beugten das Knie, Frauen musterten mich mit Neid oder Ehrfurcht. Niemand sah, wie sehr mein Körper auf Nähe reagierte. Auf Präsenz. Auf Macht, die meiner ebenbürtig war. Ich war nicht gemacht für Unterordnung. Aber auch nicht für Einsamkeit. Der Gedanke an einen Gefährten war tabu, solange meine Ausbildung nicht abgeschlossen war. Liebe – echte, rohe Bindung – galt als größte Gefahr von allen. Eine Schwäche, die ein ganzes Rudel zu Fall bringen konnte. Doch mein Blut widersprach. Bei jeder Trainingseinheit, bei jedem Kampf, bei jedem Sieg spürte ich es stärker. Dieses Wissen. Diese Gewissheit. Dass irgendwo da draußen etwas existierte, das mir ebenbürtig war. Etwas, das mich nicht beugen wollte – sondern fordern. Ich fragte mich oft, ob mein Vater Angst hatte. Nicht um mich. Sondern um das, was geschehen würde, wenn ich fand, was ich suchte. Oder wenn es mich fand. Denn eine Alphakönigin mit Gefährtenbindung war keine Spielfigur. Sie war eine Naturgewalt. Und tief in mir wusste ich: Das Schicksal hatte bereits begonnen, mich zu rufen. Ich konnte es riechen. Noch nicht klar. Aber nah genug, um mich wachzuhalten.Der König erwachte nicht schweißgebadet.Er tat das nie.Er öffnete die Augen in vollkommener Ruhe, als hätte etwas ihn gerufen, nicht erschreckt. Die Halle war still, das Feuer niedergebrannt, die Wachen ahnungslos. Doch tief unter seiner Brust lag ein Ziehen, alt und vertraut.Etwas hatte sich verschoben.Er setzte sich auf, langsam, würdevoll. Legte die Hand auf den geschnitzten Arm des Thrones neben dem Bett – uraltes Holz, getränkt mit den Schwüren vergangener Alphas.„Sie lebt“, sagte er leise.Nicht fragend.Feststellend.Ein Schatten löste sich aus der Dunkelheit der Halle. Der Späher kniete sofort.„Ja, Majestät. Und… sie ist nicht allein.“Der König verzog keine Miene.„Das war sie nie.“Er stand auf, trat barfuß über den kalten Stein. Jeder Schritt kontrolliert. Jeder Gedanke scharf. „Der Herrenlose?“Ein Zögern. Kaum wahrnehmbar.„Er lebt. Aber… anders.“Das ließ den König innehalten.„Erkläre.“Der Späher schluckte. „Die Bestie hat gehorcht.“Stille.Dann ein leises, gefä
Das Blut war längst getrocknet, doch das Gefühl blieb.Lyra saß allein am Rand der Lichtung, die Knie angezogen, die Hände im feuchten Laub. Riven schlief ein paar Schritte entfernt – erschöpft, notdürftig versorgt, sein Atem schwer, aber regelmäßig. Die Bestie ruhte ebenfalls. Zumindest oberflächlich.Doch in Lyra war etwas wach.Es war kein Gedanke. Kein fremder Wille.Es war ein Echo.Als sie die Augen schloss, sah sie nicht Dunkelheit, sondern Tiefe. Ein innerer Raum, weit und roh, als hätte jemand einen Teil von ihr geöffnet, den es gestern noch nicht gegeben hatte. Und dort war sie.Die Bestie.Nicht als Gestalt. Nicht als Monster.Als Präsenz.Du hast gerufen, vibrierte es.Nicht gesprochen. Erkannt.Lyra sog scharf die Luft ein. Ihr Herz schlug schneller – nicht vor Angst, sondern vor Klarheit. „Ich habe nicht befohlen“, dachte sie. „Ich habe gehalten.“Ein kurzes Innehalten.Dann etwas, das sich anfühlte wie… Zustimmung.Bilder flackerten auf. Keine Erinnerungen, sondern Empf
Lyra spürte es, bevor sie die Augen öffnete.Nicht Gefahr.Verlust.Das Band zog sich zusammen wie ein Krampf in der Brust. Heiß. Drängend. Fordernd. Ihr Atem stockte, als hätte jemand ihren Namen mit Gewalt durch ihren Körper gezogen.Riven.Sie riss die Augen auf.Der Wald war nicht mehr still.Schritte. Zu viele. Zu gleichmäßig. Kein Jagdtrupp, kein Rudel. Soldaten. Trainiert. Bewaffnet. Maskiert vom Geruch nach Eisen und fremdem Willen.Riven war bereits auf den Beinen. Sein Körper stand zwischen ihr und der Dunkelheit, reflexhaft, instinktiv. Doch etwas war anders. Sein Atem ging flach. Seine Schultern waren zu ruhig.„Sie haben dich gefunden“, sagte Lyra leise.Er nickte. Kein Zögern. Kein Überraschung.„Sie haben uns gefunden.“Der erste Pfeil kam lautlos.Riven riss Lyra herum, warf sie zu Boden, rollte über sie hinweg. Der Pfeil bohrte sich dort in den Baum, wo ihr Kopf gewesen war. Schwarzer Schaft. Runen. Königliche Marke.„Nicht töten!“, rief eine Stimme aus dem Dunkel. „D
Die Nacht senkte sich nicht über sie.Sie schloss sich um sie.Der Wald hatte sich verändert, seit das Band entstanden war. Nicht feindlich – wachsam. Jeder Baum schien näher, jeder Schatten bewusster. Lyra spürte es mit jedem Atemzug: Sie waren nicht allein. Nicht wirklich. Die Bestie ruhte, aber sie schlief nicht.Riven saß am Rand der kleinen Lichtung, den Rücken an einen Felsen gelehnt. Das Feuer zwischen ihnen war klein, fast widerwillig. Als würde selbst die Flamme wissen, dass sie hier fehl am Platz war.Lyra zog ihren Mantel enger um sich, doch die Kälte kam nicht von außen.„Du solltest schlafen“, sagte Riven leise.Sie sah zu ihm hinüber. Sein Blick war auf das Feuer gerichtet, aber seine Aufmerksamkeit lag vollständig bei ihr. Das Band verriet ihn. Es verriet sie beide. Jede Regung, jede Unsicherheit vibrierte zwischen ihnen wie ein gespannter Faden.„Du auch“, antwortete sie.Ein leises, humorloses Schnauben.„Ich kann nicht. Nicht, wenn du so nah bist.“Das war kein Vorwu





