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Kapitel 5

Author: CJ Fantasies
last update publish date: 2026-09-17 17:53:23

~Drei Jahre später~

„Mama, müssen wir jetzt schon gehen?“, jammerte der kleine Junge neben mir. Seine Unterlippe war zu einem Schmollmund vorgeschoben, während seine blauen Augen von ungeweinten Tränen glänzten. Er drehte sich noch einmal um, um unsere Wohnung ein letztes Mal anzusehen. Sein Blick war schwer von Traurigkeit.

Ich ging auf die Knie, bis ich auf seiner Höhe war, und strich ihm eine weiche Locke aus der Stirn.

„Jace, mein Schatz“, murmelte ich und nahm sein kleines Gesicht in meine Hände. „Wir gehen nicht für immer. Wir machen nur eine Reise, okay? Mama muss in New York etwas Wichtiges erledigen.“

Seine kleinen Finger klammerten sich an den Saum meines Mantels.

„Aber ich will nicht gehen. Ich mag es hier.“

Ich seufzte, während sich mein Herz zusammenzog.

„Ich weiß, mein Schatz. Aber ich verspreche dir, dass wir bald wiederkommen.“

Er schniefte, nickte aber widerwillig.

Ich drückte ihm einen Kuss auf die Stirn, bevor ich aufstand und seine Hand nahm.

„Komm, unser Flug wartet nicht auf uns.“

Als wir in das elegante schwarze Auto stiegen, das draußen auf uns wartete, klingelte mein Handy.

Der Name auf dem Display ließ mich lächeln.

„Hey, Vera.“

„Hey, Chefin“, neckte sie mich. Die vertraute Wärme in ihrer Stimme beruhigte mich. „Bereit für deine große Rückkehr?“

Ich verdrehte die Augen, befestigte den Sicherheitsgurt meines Sohnes und setzte mich neben ihn.

„Es ist keine ,große Rückkehr‘. Es ist nur eine Geschäftsreise.“

Vera schnaubte.

„Ach, bitte. Du gründest eine der größten Parfümmarken der Welt, und das ausgerechnet in der Stadt, aus der du einst geflohen bist. Und komm mir nicht damit, dass es kein Schicksal ist, dass dein erster Flagship-Store ausgerechnet in New York eröffnet wird.“

Ich verdrehte die Augen.

„Schicksal oder nicht, ich werde nicht zurückblicken. Dieser Teil meines Lebens ist vorbei.“

Sie schwieg einen Moment, bevor sie seufzte.

„Ich weiß. Sei einfach vorsichtig, okay? Die Vergangenheit hat eine unangenehme Angewohnheit, wieder aufzutauchen, wenn man es am wenigsten erwartet.“

„Werde ich“, versprach ich. „Und ich sehe dich, wenn ich zurückkomme?“

„Darauf kannst du wetten. Vielleicht fliege ich sogar nach New York und platze auf deiner Party herein.“

Ich kicherte.

„Das würde mir gefallen.“

Als der Fahrer losfuhr, blickte ich zu Jace, der bereits in seinem Kindersitz eingeschlafen war.

Mein Herz zog sich zusammen, als ich ihn ansah.

Er war mein Ein und Alles. Der Grund, warum ich überlebt hatte. Der Grund, warum ich so hart gekämpft hatte.

Vor drei Jahren hatte ich New York als gebrochene Frau verlassen.

Jetzt kehrte ich als Juliet Ryder zurück, die CEO von Jace Perfumes und eine der reichsten Selfmade-Frauen der Welt.

Ich hatte nicht vor, zurückzublicken.

——

Die große Eröffnung von Jace Perfumes fand in einer luxuriösen Veranstaltungslocation im Herzen Manhattans statt, in einem imposanten Glasgebäude, das von goldenen Lichtern erhellt wurde.

Die Veranstaltung war ein spektakuläres Ereignis. Prominente aus der High Society, Branchenführer und Medienvertreter füllten den Raum, tranken Champagner und bewunderten die exklusive Kollektion, die in eleganten Glasvitrinen präsentiert wurde.

Obwohl ich die treibende Kraft hinter all dem war, wusste niemand, wer ich war.

Ich hatte mein Unternehmen im Stillen aufgebaut und die Marke für sich selbst sprechen lassen, anstatt nach persönlicher Anerkennung zu suchen.

So war es sicherer.

Es gab zu viele Menschen aus meiner Vergangenheit, denen ich aus dem Weg gehen wollte.

In einem schulterfreien, smaragdgrünen Kleid, das meine Kurven betonte, und mit meinem einst widerspenstigen braunen Haar, das inzwischen in weichen Wellen gestylt war, sah ich ganz wie die mächtige Geschäftsfrau aus, über die die Welt hinter vorgehaltener Hand sprach.

Doch für sie war ich nur eine weitere Gästin, eine Außenseiterin, die das Imperium bewunderte, von dem sie glaubten, es gehöre jemand anderem.

Das störte mich nicht.

Ich hatte bis zur großen Ankündigung Zeit, mich ihnen vorzustellen.

Mit einem Glas Wein in der Hand ging ich auf den Balkon zu, um einen Moment allein zu sein.

Doch bevor ich nach draußen treten konnte, durchschnitt eine vertraute Stimme die Luft und ließ mir einen Schauer über den Rücken laufen.

Lachen.

Sorglos und spöttisch.

Mein Griff um das Glas wurde fester, als ich mich umdrehte.

Und da war sie.

Raya.

Sie stand ein paar Schritte entfernt und lachte mit einer anderen Frau, während ihre manikürten Finger zart ein Champagnerglas hielten.

Sie sah genauso aus wie früher – kirschrotes Haar, das ihr über die Schultern fiel, ein teures Designerkleid, das sich eng an ihren Körper schmiegte, und ein Lächeln, das das Gift darunter verbarg.

Dann traf ihr Blick auf mich.

Das Lachen erstarb auf ihren Lippen.

Für einen Moment war ihr Gesicht vor Schock wie eingefroren, als würde sie einen Geist sehen.

Dann verzog sich ihr Gesicht zu purem Hass.

Sie trat einen Schritt nach vorne, ihre Augen brannten vor Unglauben.

„Juliet?“, murmelte Raya. Ihre Augen weiteten sich langsam. „Was machst du hier?“

Die Gäste wandten ihre Blicke uns zu und wollten wissen, was diesen Aufruhr verursacht hatte.

Ich erwiderte ihren Blick ruhig und weigerte mich, unter ihrer prüfenden Aufmerksamkeit zurückzuweichen.

„Mir war nicht bewusst, dass ich deine Erlaubnis brauche, um zu existieren.“

Ihre Lippen verzogen sich zu einem höhnischen Lächeln.

„Drei Jahre, Juliet. Drei Jahre himmlische Ruhe, und jetzt beschließt du, zurückzukriechen? Was ist passiert? Hattest du genug davon, dich zu verstecken?“

Die Frau neben ihr grinste und flüsterte Raya etwas ins Ohr, woraufhin diese kicherte.

Ich ignorierte sie, nahm langsam einen Schluck von meinem Wein und ließ mir nichts anmerken.

„Ich bin nicht wegen dir hier.“

Raya schnaubte.

„Natürlich bist du das. Du hast es doch schon immer geliebt, eine Szene zu machen.“

Das Gemurmel um uns herum wurde lauter, ein Meer aus Spekulationen und gedämpften Stimmen.

Die Blicke wanderten zwischen Raya und mir hin und her, und ihre Neugier lag spürbar in der Luft.

Ich wusste genau, worauf das hinauslief.

Und ich würde ihnen nicht die Genugtuung geben, mich zerbrechen zu sehen.

Raya trat noch einen Schritt näher. Ihre manikürten Nägel schlossen sich um den Stiel ihres Champagnerglases.

„Du musst ganz schön dreist sein, hier aufzutauchen“, sagte sie, ihre Stimme voller Gift. „Ich meine, sieh dich an. Ganz herausgeputzt, als würdest du hierhergehören.“

Ihr Blick glitt über mein smaragdgrünes Kleid, bevor sich ihre Lippen zu einem spöttischen Grinsen verzogen.

„Lass mich raten. Irgendein reicher Typ hatte Mitleid mit dir? Ist das der Grund, warum du hier reingekommen bist? Oder hast du das Kleid einfach gestohlen und dich an der Security vorbeigeschlichen?“

Ein leises Lachen ging durch die Menge.

Das Gewicht ihrer Blicke lastete auf mir, doch ich hielt mein Kinn erhoben und sah Raya unerschütterlich an.

„Pass auf, was du sagst, Raya“, sagte ich ruhig, aber mit einer deutlichen Warnung in meiner Stimme. „Du hast keine Ahnung, mit wem du sprichst.“

Sie schnaubte und schüttelte den Kopf.

„Oh, aber das weiß ich sehr genau. Ich weiß genau, wer du bist.“

Sie machte eine kurze Pause.

„Niemand. Ein kleines, gescheitertes Mädchen, das mit eingezogenem Schwanz davongelaufen ist.“

Ihr höhnisches Lächeln wurde breiter.

„Was hast du gedacht? Dass ein schickes Kleid deine Rückkehr irgendwie verändern würde?“

Ihre Lippen verzogen sich grausam.

„Erbärmlich.“

Ich nahm langsam einen Schluck von meinem Wein und ließ mich nicht aus der Ruhe bringen.

„Lustig“, bemerkte ich und legte den Kopf leicht schief. „Wenn ich wirklich so unbedeutend bin, warum stört dich meine Anwesenheit dann so sehr?“

Rayas Augen wurden dunkler und ihr Griff um das Glas fester.

Die Frau neben ihr kicherte erneut und flüsterte ihr etwas zu, woraufhin sich Rayas Lippen amüsiert verzogen.

„Du solltest dankbar sein, dass ich überhaupt mit dir rede. Du gehörst nicht hierher, Juliet.“

Sie legte den Kopf schief.

„Keine noch so teuren gestohlenen Designerkleider und kein noch so selbstbewusstes Auftreten werden daran etwas ändern.“

Ein Schweigen legte sich über die Menge, als eine scharfe und selbstsichere Stimme durch den Raum schnitt.

„Was geht hier vor?“

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