Mag-log inElara Voss war nie die Auserwählte. Sie war die Reserve, bis ihre Schwester in der Nacht ihrer eigenen Mafia-Hochzeit verschwand und Elara an ihrer Stelle in das Kleid gestoßen wurde. Jetzt ist sie mit drei der gefährlichsten Männer der Stadt verheiratet, die es fast so sehr hassen, belogen zu werden, wie sie es hassen, zu verlieren. Nur gibt es ein Problem: Elara hütet bereits ein Geheimnis, das sie das Leben kosten könnte. Sie ist schwanger, und das Baby ist nicht von ihnen. Während sich das Verschwinden ihrer Schwester zu einer Verschwörung aus gestohlenen Geheimnissen entfaltet, zu einem Freund, der sie womöglich von Anfang an benutzt hat, und zu einem Vater, der sie verkauft hat, noch bevor sie „Ja“ sagen konnte, muss Elara entscheiden, wem sie trauen kann, in einem Haus, das auf einer einzigen unumstößlichen Regel gebaut ist: keine Lügen innerhalb der Ehe. Sie hat sie bereits gebrochen. Nur erwischt wurde sie noch nicht. Noch nicht.
view more# Kapitel 1: Zwei Striche
**Elaras POV**
Der Schwangerschaftstest war noch nass, als der zweite Strich erschien.
Da waren zwei Striche. Rosa und unmissverständlich.
Ich ließ mich schwer auf den Wannenrand sinken, weil meine Beine plötzlich nicht mehr mitmachten, und ich lachte. Es war ein dummes, zittriges Geräusch, das von den Fliesen abprallte, weil ich in diesem Moment nicht wusste, wohin mit meinem Gesicht.
„Noah.“ Meine Stimme klang falsch. Viel zu laut für eine Einzimmerwohnung, in der die Wände im Grunde aus Seidenpapier bestanden. „Noah, komm sofort her.“
Er erschien in der Tür, nur in Boxershorts, die Haare ein einziges Chaos. Er blinzelte mich an, als hätte ich ihn aus einem Traum gerissen. „Was? Was ist los?“
Ich hielt den Test zwischen zwei Fingern hoch wie ein Beweisstück in einem Prozess.
Sein Gesicht durchlief in zwei Sekunden ungefähr sechs verschiedene Gefühle. Erst wirkte er verwirrt, dann panisch, und dann brach in seinem Ausdruck etwas auf, ein Grinsen, das er nicht kontrollieren konnte.
„Ist das … war das …“
„Ja.“
„Elara.“ Er sagte meinen Namen, als wollte er prüfen, ob er mir noch genauso passte wie früher. Dann überwand er das Badezimmer in einem einzigen Schritt, zog mich vom Wannenrand hoch und in seine Arme. Ich spürte sein Herz, das genauso schnell schlug wie meins.
„Wir dürfen es niemandem sagen“, murmelte ich in seine Schulter. „Noch nicht. Nicht meiner Familie. Gott, vor allem nicht meiner Familie.“
„Warum nicht? Das sind gute Neuigkeiten.“ Er lehnte sich zurück, um mich anzusehen, aber seine Hände blieben auf meiner Taille, als hätte er Angst, ich könnte davonschweben. „Das sind die besten Neuigkeiten überhaupt.“
„Weil mein Dad, sobald er erfährt, dass ich von einem Typen schwanger bin, der nicht auf seiner Liste genehmigter Kandidaten steht, dich bis zum Abendessen aus meinem Leben löschen lassen würde.“ Ich sagte es wie einen Witz, aber es war keiner.
„Dann warten wir eben nicht auf eine Genehmigung.“ Er strich mir eine Haarsträhne hinters Ohr, und für einen Moment fühlte sich die ganze Wohnung wie genug an. Als wäre das hier aller Platz, den wir je brauchen würden. „Seraphinas Hochzeit ist in ein paar Stunden. Sobald dieser Zirkus vorbei ist, behält deine Familie dich nicht mehr so genau im Auge. Wir könnten eine Tasche packen und gehen. Irgendwohin. Den Rest finden wir unterwegs heraus.“
„Du lässt es so einfach klingen.“
„Es war einfach.“ Er drückte seine Stirn gegen meine. „Ich liebte dich. Du bekommst mein Kind. Alles andere ist nur Logistik.“
Ich wollte ihm so unbedingt glauben, dass es mir Angst machte.
„Sag es noch mal“, forderte ich.
„Ich liebe dich“, sagte er.
„Den anderen Teil.“
Er lachte, tief und warm, direkt an meinen Lippen. „Uns wird es gut gehen, Elara. Ich habe es dir versprochen. In der Sekunde, in der diese Hochzeit vorbei ist, würden wir gemeinsam verschwinden. Du, ich und …“ Seine Hand wanderte zu meinem Bauch, der noch flach war und trotzdem unmöglich *unser* war. „… wer auch immer das hier war.“
Ich gönnte mir dreißig ganze Sekunden davon. Dreißig Sekunden lang tat ich so, als gehörte mein Leben mir.
Dann begann mein Handy auf dem Waschbecken zu klingeln.
Ich sah auf das Display, und mein Magen zog sich zusammen, noch bevor ich verstand, warum.
*Dad.*
„Geh nicht ran“, sagte Noah sofort, als er mein Gesicht sah.
„Es ist elf Uhr nachts.“ Mein Daumen bewegte sich schon zum Bildschirm, als hätte er einen eigenen Willen. „Er hat nie angerufen. Nie. Er schreibt mir nur. Für Anrufe hatte er Leute.“
„Elara …“
Ich nahm ab.
„Dad?“
Hinter ihm war Lärm. Ich hörte Stimmen, Bewegung und etwas, das klang wie Chaos, das sich angestrengt bemühte, ruhig zu klingen. Der Atem meines Vaters klang falsch. Zu schnell, als wäre er gerannt oder hätte geschrien, vielleicht beides.
„Wo bist du?“ Es war keine richtige Frage. Es war eine als Frage getarnte Forderung.
„Ich bin … ich bin zu Hause. Was ist los? Ist alles in Ordnung?“
„Komm zum Anwesen. Sofort.“
Die Worte trafen mich wie Eiswasser, das mir den Rücken hinunterlief.
„Was? Warum? Ist Mom …“
„Alle sind wohlauf. Es geht nicht um deine Mutter.“ Er machte eine Pause, und in dieser Pause hörte ich etwas, das ich in vierundzwanzig Jahren nie in der Stimme meines Vaters gehört hatte. Angst. „Steig einfach ins Auto, Elara. Jetzt sofort. Zieh dich nicht um. Halte für nichts an.“
„Dad, es ist die Hochzeit deiner Tochter, in zwei Tagen. Was könnte denn bitte …“
„Ich brauche dich in zwanzig Minuten hier.“ Seine Stimme brach, sie brach tatsächlich, und kehrte dann zu dem flachen, befehlenden Ton zurück, den er bei Geschäftsanrufen benutzte. Es klang, als würde er die Angst allein durch Willenskraft seine eigene Kehle hinunterzwingen. „Ich meine es ernst. Was auch immer du gerade tust, hör auf damit. Wer auch immer bei dir ist …“
Seine Augen. Irgendwie konnte ich seine Augen spüren, selbst durch das Telefon, selbst aus meilenweiter Entfernung. Ich spürte beinahe, wie sie direkt auf Noah fielen, der drei Schritte von mir entfernt stand, die Hand noch immer auf der Stelle gelegt, wo unser Baby war.
„… lass sie zurück“, beendete mein Vater den Satz. „Du kommst allein.“
Die Leitung war tot.
Ich stand da, das Handy noch am Ohr, und lauschte dem Nichts, während Noah zusah, wie die Farbe aus meinem Gesicht wich.
„Elara. Was hat er gesagt?“
Ich öffnete den Mund, aber zuerst kam nichts heraus. Ich versuchte noch zu begreifen, was so schlimm sein konnte, dass die Stimme meines Vaters zitterte. Das war mein Vater, der Mann, der in der Woche, in der seine eigene Mutter starb, eine Fusion ausgehandelt hatte, ohne auch nur ein einziges Mal die Stimme zu heben.
„Irgendetwas stimmt nicht“, brachte ich schließlich heraus. „Irgendetwas stimmt ganz und gar nicht.“
Ich griff schon nach meinem Mantel, als Noah mein Handgelenk festhielt.
„Wie, nicht stimmt? Mit wem?“
Ich antwortete ihm nicht, weil ich es nicht wusste. Ich wusste nur, dass mir der Klang noch in den Ohren hallte, und das, was mein Vater gesagt hatte, kurz bevor er auflegte. Es fühlte sich weniger wie eine Bitte an und mehr wie das erste Beben vor einem Erdbeben.
*Komm allein.*
Ich schnappte mir meine Schlüssel von der Arbeitsplatte, aber meine Hände zitterten so heftig, dass ich sie zweimal fallen ließ.
Was auch immer auf diesem Anwesen auf mich wartete, ich hatte zwanzig Minuten, um es herauszufinden.
**Elaras POV**Jemand begann, Geige zu spielen, und meine Beine bewegten sich, bevor mein Verstand zustimmen konnte.Ich konnte mich nicht erinnern, mich zum Gehen entschieden zu haben. In einer Sekunde stand ich noch erstarrt am Ende des Gangs, mein Schleier bebte bei jedem Atemzug, den ich kaum kontrollieren konnte. In der nächsten war der Arm meines Vaters bei mir eingehakt, und wir gingen vorwärts. Rosenblätter wurden unter meinen Schuhen zerdrückt, während dreihundert Gesichter sich umdrehten, um eine Braut zu betrachten, von der sie nicht wussten, dass es die falsche war.„Lächle“, flüsterte mein Vater, ohne die Lippen groß zu bewegen. „Kinn hoch.“Ich spürte mein eigenes Gesicht nicht genug, um zu wissen, ob ich lächelte oder nicht.Der Gang schien länger, als ein Gang es zu sein hatte. Weiße Orchideen bedeckten jede Bank, und das Kerzenlicht spiegelte sich in den Kristalldekorationen. Am Ende des Gangs standen drei Männer Schulter an Schulter vor einem Geistlichen, der aussah,
**Elaras POV**„Halt still, sonst steche ich dich.“Die Frau hinter mir hatte den Mund voller Stecknadeln und überhaupt keine Geduld. Ich gehorchte, weil Streit mit einer Fremden, die Nadeln in der Hand hielt, der eine Kampf war, für den ich keine Kraft mehr hatte.„Entschuldigung“, murmelte ich.„Das war nicht deine Schuld, Schätzchen.“ Sie zog den Reißverschluss die letzten zwei Zentimeter hoch und trat zurück. „Falsche Braut, richtiges Kleid. Das ist die Geschichte jeder Hochzeit, auf der ich je gearbeitet habe.“Die andere Frau war älter, mit Silber an den Schläfen. Sie war ganz offensichtlich diejenige, die hier das Sagen hatte. Sie umrundete mich einmal mit zusammengekniffenen Augen und musterte mich, als wäre ich etwas, das sie prüfen musste. „Im Dunkeln nah genug dran. Den Rest erledigt der Schleier.“ Sie sagte es zu ihrer Kollegin, nicht zu mir, als wäre ich ein Problem, das gelöst werden musste, und nicht ein Mensch, der im Raum stand.„Ich kann Sie hören“, sagte ich.„Gut.“
**Elaras POV**„Nein.“Ich riss meinen Arm so heftig aus seinem Griff, dass ich rückwärts gegen den Schreibtisch stolperte.„Elara …“„Nein. Sag etwas anderes. Sag irgendetwas anderes, denn das war kein Satz, der existieren durfte.“„Ich habe keine Zeit, mit dir zu verhandeln …“„Gut, denn es gibt nichts zu verhandeln! Ich hatte diese Männer genau zweimal in meinem Leben getroffen, Dad. Zweimal. Ich weiß, ihnen gehörte die halbe Stadt, und die andere Hälfte begruben sie. Ich weiß, dass Seraphina sich eine ganze Woche lang in ihrem Zimmer einschloss, wann immer beim Abendessen ihr Name fiel. Und du willst, dass ich sie heirate? Heute Nacht? In ihrem Kleid?“„Ja.“„Hörst du dich eigentlich selbst?“„Ich höre mich vollkommen klar.“ Er rückte seine Krawatte zurecht, mit Händen, die noch immer zitterten, als wäre das Richten seines Kragens das Einzige, was ihn aufrecht hielt. „Ich höre einen Mann, der vier Stunden hatte, um zu verhindern, dass diese Familie ausgelöscht wird.“„Ausgelöscht.
**Elaras POV**Vor dem Haupttor des Anwesens meines Vaters standen sechs bewaffnete Männer, und keiner von ihnen sah mir in die Augen.Das war das Erste, was mir sagte, dass es schlimm war. Das Zweite war der Krankenwagen, quer über der Auffahrt geparkt, mit ausgeschaltetem Licht. Es sah aus, als wäre er angekommen und als hätte dann jemand entschieden, dass man den Notfall nicht an die große Glocke hängen wollte.„Miss Voss.“ Der Wachmann warf kaum einen Blick auf meinen Ausweis, bevor er mich durchwinkte. Seine Hand lag auf seiner Waffe. Er richtete sie nicht auf mich, aber er ließ sie dort liegen, als wäre es einfach eine Gewohnheit. „Sie sind im Ostflügel.“„Wer ist ‚sie‘? Was ist los?“Er antwortete nicht. Er öffnete nur das Tor schneller, als ich ihn je hatte arbeiten sehen.Ich rannte.Im Haus war es noch schlimmer. Angestellte standen in den Türrahmen, flüsterten miteinander und verstummten in dem Moment, in dem sie mich sahen. Eine Frau, die ich nicht kannte, weinte im Flur v











