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Kapitel 4

Author: CJ Fantasies
last update publish date: 2026-09-17 17:52:41

„Ich wusste, dass Raya eine Hexe ist, aber Edward?“ Vera stöhnte und schüttelte den Kopf, während wir uns auf ihrem Sofa niederließen. „Ich bin wirklich enttäuscht.“

Ich seufzte tief und fuhr mir mit den Fingern durch mein zerzaustes Haar. Die Erschöpfung in meinem Körper fühlte sich an, als wäre sie bis in meine Knochen vorgedrungen. Ich lehnte meinen Kopf gegen die Armlehne und starrte ausdruckslos an die Decke.

„Ich habe ihnen schon einmal die Genugtuung gegeben, mich zu verletzen, aber nicht noch einmal“, sagte ich und versuchte, stark zu klingen.

Doch mein Körper verriet mich. Ich fühlte mich leer und ausgelaugt.

Veras Gesichtsausdruck wurde mitfühlend. „Ich bin froh, dass du dich von ihm scheiden lassen hast.“

Ich stieß ein bitteres Lachen aus. „Ich auch. Aber warum fühlt es sich trotzdem so an, als hätte ich verloren?“

Vera rückte näher und nahm meine Hand in ihre.

„Weil du alles in diese Ehe investiert hast, Juliet. Du hast ihn geliebt. Du hast ihm vertraut. Und sie haben dich auf die schlimmste Art gebrochen, die man sich vorstellen kann.“ Ihre Stimme war sanft, aber bestimmt. „Aber du bist nicht verloren. Du bist frei.“

Ich nickte langsam, doch der Knoten in meinem Magen wollte sich nicht lösen. Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, sah ich Edwards kalten Gesichtsausdruck im Gerichtssaal, seine geballten Fäuste und sein höhnisches Lächeln.

Und Raya – immer Raya – stand dort, siegreich und selbstgefällig.

Und meine Mutter …

Das Brennen ihrer Ohrfeige lag noch immer auf meiner Haut, als hätte sie mich mit ihrem Hass gebrandmarkt.

Der Schmerz ihres Verrats klebte an mir wie eine zweite Haut.

Vera stand auf und ging in die Küche. Kurz darauf kam sie mit einer Flasche Wasser zurück.

„Hier“, sagte sie und reichte sie mir. „Du siehst aus, als hättest du den ganzen Tag nichts gegessen.“

Das hatte ich auch nicht.

Doch allein der Gedanke an Essen ließ meinen Magen rebellieren.

„Ich muss mich nur ausruhen“, murmelte ich und schloss die Augen.

Vera runzelte die Stirn, drängte mich aber nicht.

„Okay. Du kannst so lange hierbleiben, wie du möchtest.“

Die Stille zwischen uns zog sich hin, schwer von unausgesprochenen Worten.

Ich konnte sehen, dass sie wollte, dass ich mehr erzählte, dass ich alles herausließ, was sich in mir angestaut hatte.

Aber ich war noch nicht bereit.

Noch nicht.

Dann stieg plötzlich Übelkeit in meiner Kehle auf.

Eine widerliche Welle überrollte mich und ließ meinen Kopf schwindelig werden.

Ich fuhr hoch.

Veras Augen weiteten sich.

„Juliet?“

„Ich …“

Mein Magen verkrampfte sich schmerzhaft. Ich sprang auf und rannte ins Badezimmer.

In dem Moment, als ich die Toilette erreichte, musste ich mich übergeben und würgte das Wenige aus, das sich noch in meinem Magen befand.

Meine Knie schlugen auf den kalten Fliesen auf, und ich klammerte mich an die Toilettenschüssel, während eine weitere Welle der Übelkeit meinen Körper erschütterte.

Vera war innerhalb von Sekunden bei mir und hielt mir die Haare zurück.

„Hey, hey. Es ist okay“, murmelte sie und rieb mir über den Rücken.

Als es endlich vorbei war, lehnte ich mich erschöpft gegen die Wand. Mein Atem ging schwer und mein Körper zitterte.

„Bist du krank?“, fragte Vera besorgt.

Ich wischte mir mit dem Handrücken über den Mund.

„Ich weiß es nicht … vielleicht holt mich einfach gerade alles ein.“

Vera sah nicht überzeugt aus.

„Juliet, du bist kreidebleich.“

Sie legte eine Hand auf meine Stirn.

„Du hast kein Fieber, aber das ist nicht normal.“

„Mir geht es gut“, murmelte ich.

Doch dann schlich sich ein anderer Gedanke in meinen Kopf.

Ein Gedanke, der mein Blut gefrieren ließ.

Zwei Wochen.

Es waren zwei Wochen her, seit Edward mich das letzte Mal berührt hatte.

Und das war gewesen, bevor ich von ihm und Raya erfahren hatte.

Bevor alles auseinandergebrochen war.

Ich schüttelte den Kopf und versuchte, den Gedanken zu verdrängen.

Nein.

Nein, das konnte nicht sein.

Veras Blick wurde schärfer.

„Du denkst an etwas“, sagte sie, als könnte sie in mir lesen wie in einem offenen Buch.

Ich zögerte und krümmte meine Finger in meinem Schoß.

„Ich …“

Ich konnte es nicht sagen.

Wenn ich es laut aussprach, würde es real werden.

Vera stand abrupt auf.

„Das war’s. Wir gehen ins Krankenhaus.“

„Vera, nein …“

Sie warf mir einen Blick zu.

„Entweder du gehst selbst dorthin, oder ich trage dich. Du hast die Wahl.“

Ich stöhnte und rieb mir über das Gesicht.

„Du bist unmöglich.“

„Und du bist meine beste Freundin. Also los.“

——

Das Krankenhaus roch nach Desinfektionsmittel und etwas seltsam Metallischem.

Meine Hände waren eiskalt, während ich auf der Untersuchungsliege saß und auf den gefliesten Boden starrte.

Vera saß neben mir, ihr Knie wippte nervös auf und ab.

Die Ärztin, eine Frau mittleren Alters mit einem freundlichen Gesicht, betrat den Raum und hielt meine Untersuchungsergebnisse in der Hand.

Sie lächelte sanft, doch ihre Worte ließen meine Welt zusammenbrechen.

„Herzlichen Glückwunsch, Frau Juliet. Sie sind in der fünften Schwangerschaftswoche.“

Der Raum begann sich zu drehen.

Mein Atem stockte, während ich sie anstarrte und blinzelte. Ich war sicher, mich verhört zu haben.

„Was?“

Meine Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.

Die Ärztin wurde noch sanfter und deutete meinen Schock fälschlicherweise als Freude.

„Sie befinden sich noch in einer sehr frühen Phase, aber bisher sieht alles gesund aus. Ich würde Ihnen pränatale Vitamine empfehlen und …“

„Ich will das nicht“, unterbrach ich sie. Meine Stimme war erstickt.

Veras Kopf schnellte zu mir herum.

„Juliet …“

Ich rutschte von der Untersuchungsliege und spürte, wie Panik in meiner Brust aufstieg.

„Ich kann dieses Baby nicht bekommen.“

Mein Herz hämmerte heftig.

„Ich will nichts, was mich an Edward bindet. Ich will einfach nur frei sein.“

Vera stand auf und legte mir eine feste Hand auf die Schulter.

„Atme“, sagte sie leise. „Juliet, atme einfach.“

Tränen brannten in meinen Augen.

„Ich kann das nicht. Ich kann nicht …“

Sie zog mich in eine enge Umarmung.

„Ich weiß, dass du Angst hast. Ich weiß, dass das nicht das ist, was du wolltest.“

Ihre Stimme war ruhig und gab mir Halt.

„Aber du bist nicht allein. Du hast mich.“

Ich klammerte mich an sie, während mein Körper zitterte.

Nach einer langen Weile löste sie sich von mir und nahm mein Gesicht in ihre Hände.

„Hör mir zu“, sagte sie. „Du musst jetzt noch keine Entscheidung treffen. Aber du bist stärker, als du denkst, und du hast Möglichkeiten.“

Ich schluckte schwer. Mein Hals schmerzte.

Vera seufzte.

„Ich wollte dir das eigentlich später erzählen, aber … ich ziehe nach London.“

Ich blinzelte sie noch immer benommen an.

„Was?“

„Ich habe ein Jobangebot bekommen“, sagte sie. „Es ist ein Neuanfang. Und ich möchte, dass du mit mir kommst.“

Ich starrte sie an.

„Vera …“

Sie nahm meine Hände.

„Du hast gesagt, dass du weg von Edward willst. Weg von deiner Mutter. Weg von allem.“

Ihr Griff um meine Hände wurde fester.

„Das ist deine Chance.“

Meine Gedanken überschlugen sich.

London.

Eine neue Stadt.

Ein neues Leben.

Könnte ich das schaffen?

Könnte ich wirklich alles hinter mir lassen und neu anfangen?

Ich dachte an Edwards grausame Worte im Gerichtssaal.

Du wirst das bereuen. Kein Mann wird dich jemals wollen.

Ich dachte an meine Mutter, an ihren angewiderten Blick und ihre bedingungslose Bevorzugung von Raya.

Ich dachte an mein ungeborenes Kind, unschuldig und ahnungslos, während es mitten in dem Chaos existierte, das seine Entstehung umgab.

Und dann wurde mir etwas klar.

Ich hatte nichts mehr zu verlieren.

Ich holte zitternd Luft und sah Vera in die Augen.

„Ich komme mit dir.“

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