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KAPITEL DREI

Author: Tosin Writes
last update publish date: 2026-07-14 17:04:42

Lillians Perspektive

Mein Handy klingelte wie eine Sirene, die in meinem Schädel losging.

Ich stöhnte, tastete blind über den Nachttisch, bis meine Finger es fanden — mein Kopf pochte mit jedem Herzschlag.

„Hallo?” Meine Stimme klang rau und heiser.

„Guten Morgen, spreche ich mit Fräulein Lillian Evans?” Eine knackige, professionelle Stimme kam am anderen Ende der Leitung.

„Ja, die bin ich.” Ich richtete mich auf und zuckte zusammen, als sich der Raum leicht drehte.

„Hier ist die Personalabteilung von Laurent Investments. Herzlichen Glückwunsch — Sie wurden für das abschließende Vorstellungsgespräch für die Position der Vorstandsassistentin ausgewählt. Wir bitten Sie, bis neun Uhr morgens an der Unternehmenszentrale zu erscheinen. Bitte bringen Sie einen gültigen Lichtbildausweis und Ihre Originaldokumente mit.”

Ich blinzelte wiederholt zur Decke, um sicherzugehen, dass ich mich nicht verhört hatte. „Das abschließende Gespräch? Heute?” Fragte ich zur Sicherheit noch einmal.

„Ja, Fräulein Evans. Neun Uhr. Bitte seien Sie pünktlich — das Unternehmen toleriert keine Verspätungen.”

Das Gespräch endete, bevor ich eine weitere Frage stellen konnte.

Ich saß einen Moment erstarrt da und ließ die Worte durch den Nebel in meinem Kopf sacken. Ich warf einen Blick auf die Wanduhr in meinem Zimmer.

Es war sieben Uhr fünfunddreißig. Ich hatte weniger als zwei Stunden, um in der Laurent Investments Zentrale zu sein.

Ich hatte vor drei Wochen eine Bewerbung bei Laurent Investments eingereicht, nachdem eine Freundin mich auf eine offene Stelle hingewiesen hatte — ich hatte nicht erwartet, von einer der größten Investmentfirmen der Stadt eine Rückmeldung zu erhalten.

Es gab keine Zeit, den Schock zu verarbeiten. Ich sprang aus dem Bett und stürzte ins Badezimmer — beschäftigt damit, nicht zu spät zum Gespräch zu kommen, und mit dem nagenden Kopfschmerz, der meinen Kopf in zwei Hälften zu spalten drohte.

Ich stolperte ins Badezimmer und griff nach dem Waschbecken, während die Erinnerungen der letzten Nacht in Bruchstücken in mich zurückströmten. Ich presste meine Handfläche gegen meine Stirn und drehte die Dusche auf kalt — um etwas Klarheit in meinen Schädel zu schocken.

Als ich herausstieg, pochte mein Kopf noch immer — dumpf und unerbittlich — aber zumindest konnte ich wieder geradeaus denken.

Ich schluckte zwei Schmerztabletten, warf den dunkelblauen Blazer über, den ich vor einer Woche in einem lokalen Geschäft gekauft hatte, und drehte mein Haar mit nicht ganz so festen Fingern zu einem niedrigen, ordentlichen Knoten.

Mein Spiegelbild sah mich an — blass und müde, mit schwachen Schatten unter den Augen, die kein Concealer vollständig kaschieren konnte.

Keine Zeit zu essen. Keine Zeit, die überhäufenden Fragen meiner Mutter zu beantworten.

Ich winkte ein Taxi heran, sobald ich herunterkam, und verbrachte die gesamte Fahrt damit, meine Schläfe gegen das kühle Fenster zu drücken und den Kopfschmerz wegzuwünschen.

***

Die Fahrt zur Zentrale von Laurent Investments dauerte dreißig Minuten.

Das Gebäude erhob sich aus der Skyline der Stadt wie ein Bau, der einschüchtern sollte. Glas und Stahl streckten sich dreißig Stockwerke in den grauen Morgenhimmel.

Meine Beine fühlten sich wackelig an, als ich durch die Drehtüren ging — aber nicht nur wegen des Alkohols, der noch seinen Weg aus meinem System fand.

Die Lobby war riesig, mit Marmorböden, die unter warmem Licht glänzten.

In dem Moment, als ich hineintrat, fühlte ich, wie sich alle Augen auf mich richteten.

Ich redete mir ein, dass ich nur nervös war. Jeder Stellenkandidat fühlte sich wahrscheinlich so — als könnten alle Augen im Gebäude direkt durch das dünne Rüstung aus Selbstvertrauen sehen, mit der ich mich an diesem Morgen umhüllt hatte.

Aber es hörte nicht auf.

Eine Gruppe von Mitarbeitern in der Nähe des Empfangs brach das Gespräch ab und starrte. Ein Sicherheitsbeamter ließ seinen Blick einen Moment zu lang ruhen. Selbst die Empfangsdame, als ich meinen Namen nannte, sah mit einem Ausdruck zu mir auf, den ich nicht einordnen konnte.

„Lillian Evans, für das abschließende Vorstellungsgespräch”, sagte ich, meine Stimme fester als mein Befinden.

„Biegen Sie rechts ab, nehmen Sie den Aufzug in den achtundzwanzigsten Stock. Ein Mitarbeiter wird Sie am Aufzug erwarten.”

Ich bedankte mich und ging auf die Aufzüge zu — das Gewicht der Blicke, die mir folgten, die ganze Zeit zu spürend. Mein Kopfschmerz pochte stärker unter der Anstrengung, das zu ignorieren.

Oben wurde ich in einen privaten Wartebereich vor einem Satz Milchglastüren geführt, wo zwei weitere Kandidaten steif vor Nervosität saßen. Ich nahm den Platz neben ihnen ein, glättete unsichtbare Falten aus meinem Blazer und ließ alles, was ich in den letzten dreißig Minuten der Fahrt geübt hatte, noch einmal durch meinen Kopf gehen.

„Fräulein Evans?” Eine Assistentin erschien an der Tür. „Sie sind dran.”

Mein Magen zog sich vor Nervosität zusammen.

Ich stand auf, richtete meine Schultern und trat durch die Milchglastüren.

Das Büro dahinter war riesig — Fenster von Boden bis Decke mit Blick auf die gesamte Stadt. Ein Schreibtisch, groß genug für sechs Personen, war am entferntesten Ende positioniert. Und hinter diesem Schreibtisch saß ein Mann in dunklem Anzug, dessen dunkle Augen sich auf meine richteten, in dem Moment, als ich hineintrat.

Ich schnappte nach Luft… eigentlich hörte ich fast auf zu atmen.

Er war es.

Derselbe Mann von der Hotelbar gestern Nacht. Der Mann, dessen Hände mich aufgefangen hatten, bevor ich fiel. Derselbe Mann, den ich geküsst hatte, bevor ich wie ein Feigling in die Nacht davongelaufen war.

Überraschung flackerte auch über sein Gesicht, aber er kehrte schnell zu seinem gefassten Ausdruck zurück.

„Fräulein Evans.” Seine Stimme war dieselbe Baritonstimme von gestern Nacht — nur trug sie jetzt das volle Gewicht von Autorität, ruhig und gleichmäßig. „Bitte nehmen Sie Platz.”

Ich setzte mich auf den Stuhl ihm gegenüber — auf Beinen, die sich anfühlten, als gehörten sie jemand anderem — mein Puls hämmerte irgendwo in meiner Kehle.

Er öffnete eine Akte vor sich und stellte mir einige Fragen zu meinen Qualifikationen, meiner Erfahrung und andere für die Stelle relevante Fragen.

Es gelang mir, mich zu beruhigen, und ich beantwortete jede Frage sorgfältig — auch wenn mein Geist über die Unmöglichkeit davon schrie, dass der CEO von Laurent Investments, der Mann, der mich für den wichtigsten Job meines Lebens interviewte, derselbe Fremde war, den ich gestern Nacht an der Hotelbar geküsst hatte.

Nach den Fragen schloss er die Akte. Er schien zufrieden.

„Herzlichen Glückwunsch, Fräulein Evans. Wir freuen uns, Ihnen diese Stelle anbieten zu können. Die Personalabteilung wird Ihre Einarbeitung heute abschließen.”

Warte — hatte ich mich heute Morgen zum zweiten Mal verhört? Aber mein Gehirn holte diesmal schneller auf.

„Vielen herzlichen Dank für die Gelegenheit, meine Fähigkeiten in diesem Unternehmen unter Beweis zu stellen.”

Er nickte kurz und griff bereits nach einem Dokument auf seinem Schreibtisch. Ich stand auf, murmelte ein weiteres Dankeschön und verließ das Büro auf unsicheren Beinen, die ich nach besten Kräften zu stabilisieren versuchte — mein Gedanke kreiste zu schnell, um zu verarbeiten, was gerade passiert war.

Ich hatte einen Job bekommen… nicht irgendeinen Job… meinen Traumjob, bei meinem Traumunternehmen.

Und der Mann, der mich letzte Nacht beim Zusammenbrechen an einer Hotelbar aufgefangen hatte, war derselbe Mann, dem ich von nun an jeden einzelnen Tag unterstellt sein würde.

Ich schaffte es bis zum Aufzug, bevor ich mir endlich erlaubte zu atmen — und sank gegen die Spiegelwand zurück, als die Türen zugingen.

Erst dann erinnerte ich mich an mein Handy.

Ich zog es aus meiner Tasche. In dem Moment, als ich es öffnete, sank mir der Magen gewaltsam.

Dutzende Benachrichtigungen füllten den Bildschirm — verpasste Anrufe, Nachrichten, eine Flut von Namen, mit denen ich seit Monaten nicht gesprochen hatte — alle in den letzten Stunden gesendet.

Eine Nachricht meiner alten Universitätsmitbewohnerin war ganz oben.

„Lillian, bist du das wirklich???”

Meine Finger zitterten, als ich den angehängten Link öffnete.

Die Schlagzeile lud zuerst — fett und gnadenlos auf dem Bildschirm: LSquares mysteriöse Frau — Milliardärs-CEO beim leidenschaftlichen Hotelkuss erwischt.

Darunter — in körniger, aber unverkennbarer Deutlichkeit — war ein Foto von mir: meine Hand in sein Hemd geballt, meinen Mund auf seinen gepresst, seine Hand an meiner Taille, als würde er mich zusammenhalten.

Die Aufzugtüren öffneten sich zur Lobby. Aber ich rührte mich nicht.

Jetzt verstand ich die Blicke.

Die gesamte Stadt hatte das gesehen. Meine neuen Kollegen hatten das gesehen.

Ich ahnte nicht, dass das erst der Anfang war.

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