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Author: Helsa
last update publish date: 2026-08-27 00:07:04

JAMIN

Madeus und ich gehen Seite an Seite in das dunkle Lagerhaus. Aus den Schatten dringt das Schlurfen von Schritten. Etwa zehn Meter vor uns taucht ein Mann auf, von einem von Dustins Leuten vorwärts gestoßen, die Hände hinter dem Rücken gefesselt, einen Sack über dem Kopf.

„Was zur Hölle ist hier los?“

Mein Onkel lächelt und tritt vor. Madeus’ Gesicht dreht sich zu mir. „Jay“, flüstert er, weil er genau dasselbe sieht wie ich.

„Ich weiß“, antworte ich, während der Mann auf die Knie gezwunge
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  • HEILIGE KÜSSEN NICHT SO   96

    JAMIN„Senator."Irminas Vater starrt mich vom Rücksitz des Polizeiautos aus an, die Hände gefesselt, Angst in den Augen.„Gott steh mir bei.“Ich neige den Kopf und sehe ihn an, während meine Finger durch meinen Bart fahren und über die Haut kratzen.„Warum beten Typen wie du immer erst am Ende? Ihr hofft auf Gnade.“Er schluckt schwer, sagt nichts, lehnt sich so weit zurück, wie es die Handschellen zulassen. Ich gehe in die Hocke vor der offenen Tür, fixiere seinen Blick. „Gott ist nicht hier, Volkbert. Und ich habe keine Gnade für dich übrig.“Ich richte mich auf, der Kiefer angespannt, und nicke den beiden korrupten Bullen zu, die ich bezahlt habe. Einer greift ins Auto, packt Volkbert am Kragen. Der wehrt sich, strampelt mit den Füßen und versucht, sich loszureißen. Sein Gejammer bringt mich fast zum Lachen.„Nein! Bitte! Was macht ihr da?“Ich lächle und trete einen Schritt zurück, während sie ihn herauszerren und gegen den Wagen stoßen. Sein Körper prallt ab.Er atmet schwer, S

  • HEILIGE KÜSSEN NICHT SO   95

    MINA„Irmina Rathenau, es ist eine Lieferung für Sie. Soll ich sie Ihnen aufs Zimmer bringen, da Sie sich schon zurückziehen?“„Nenn mich Irmina. Und ja, bitte bring sie her.“Die Haushälterin nickt und schließt die Schlafzimmertür hinter sich. Ich schaue wieder in den Spiegel der Frisierkommode. Jesus Christus. Ich stoße die Luft aus, lasse den Blick durch das Zimmer wandern, das voller Umzugskartons steht – alle mit „Schlafzimmer“ beschriftet. Meine Finger greifen nach den Spitzen meiner Haare, während ich die Kartons anstarre.Wie bin ich hier gelandet?Manchmal wiegt diese Frage schwerer als sonst. Weil sich mein Leben manchmal anfühlt, als hätte ich in ein paar Jahren zehn Leben gelebt.Ich bin am 1. Mai in diese Wohnung gezogen. Und wie verhandelt, bin ich allein. Na ja, fast. Man hat mir eine fest angestellte Haushälterin „geschenkt“. Eine, von der ich ziemlich sicher bin, dass sie eigentlich meiner Mutter Bericht erstattet – also im Grunde eine verdammte Aufpasserin.Es klopft

  • HEILIGE KÜSSEN NICHT SO   94

    IRMINAAbela verschränkt die Arme und atmet tief durch, als würde sie ihre Optionen abwägen.„Mit exklusiven Fotos aus der Kirche für ausgewählte Medien und privaten Aufnahmen aus eurer neu gemieteten Wohnung.“Was zur Hölle? Meine Augen werden groß, ich fahre zu meiner Mutter herum.„Wohnung? Sag mir nicht, ihr habt schon etwas gemietet? Verarscht ihr mich? Was stimmt nicht mit euch?“„Du hast es ihr nicht gesagt?“, fragt Abela und sieht erst meine Mutter, dann mich an. „Ihr zieht nächste Woche zusammen.“Mir wird schwindelig. Ich fühle mich, als würde mir der Boden unter den Füßen weggezogen.„Ihr wusstet es“, stoße ich hervor und schaue zwischen meinen Eltern hin und her. „Und ihr schließt schon wieder die Tür? Ich sollte nicht überrascht sein. Aber ich bin es. Wirklich.“Meine Mutter schreit frustriert auf, schlägt auf den Tisch und steht auf.„Wo dachtest du denn, dass du nach der Hochzeit wohnst?“Ich stoße mich von der Couch ab und gehe auf sie zu. „Entschuldige, Mutter, aber i

  • HEILIGE KÜSSEN NICHT SO   93

    IRMINA„Jesus Christus“, atme ich aus.Meine Mutter und Abela vertiefen sich in irgendein Hochzeitsmagazin und diskutieren über Blumengestecke, während ich auf mein Handy starre.Das ist in den letzten Aprilwochen zum Normalzustand geworden – sie träumen von einer Hochzeit, ich kämpfe dagegen an, und am Ende stehen wir uns gegenüber, ohne dass jemand gewinnt. Ich weiß aber, dass ich das nicht mehr lange durchhalten kann. Bald geht es um echte Termine. Und darum, Jan Schulze tatsächlich zu heiraten.Ich: Runde 1.785.927 in der großen Hochzeitsdebatte steht bevor. Drückt mir die Daumen. Ich schlage Minimalismus vor – zum Beispiel keinen Bräutigam.Die Antworten kommen sofort.Carolin: Lies genau: Wenn sie die große Feier erzwingen, tragen wir alle Schwarz. Janjerk zu heiraten verdient Trauerkleidung. Gott, ich hasse ihn.Eine Salve wütender Emojis von Magdalena, dann ihre Nachricht.Magdalena: Fickt sie. Alle. Gleichzeitig und ohne Gleitgel. Carolin – Mina braucht keine Brautjungfern. W

  • HEILIGE KÜSSEN NICHT SO   92

    JAMIN„Ey“, sagt Madeus und schaut auf sein Handy. „Alles läuft. Die Einladungen kamen von Senator Wagner und wurden angenommen.“Ich nicke, weil ich genau weiß, wovon er spricht, und murmele ihm zu, während ich die Tür zu Dustins Büro aufstoße: „Wenn das hier glattgeht, muss sie mit diesem kleinen Wichser gar nichts mehr machen.“Dustins dröhnende Stimme schlägt uns entgegen. „Was zur Hölle.“Mit einer wütenden Handbewegung fegt er alles vom Schreibtisch, Papiere und Zeug fliegen über den Boden. Er rastet mal wieder komplett aus.„Ach, der Arme, bei dem läuft wohl gerade alles schief“, flüstert Madeus.Lass mich dich einfach von deinem Elend erlösen und dir eine Kugel in den Mund jagen, Onkel.„Die Russen unterbieten mich auf meinen eigenen Straßen. Diese fetten italienischen Wichser haben einen Lieferanten in Erfurt, der genau denselben Scheiß herstellt wie ich – nur billiger. Die klauen mir das ganze Geschäft. Nehmen mir das Essen direkt vom Teller. Und meine eigenen Leute verraten

  • HEILIGE KÜSSEN NICHT SO   91

    IRMINADer Stift rutscht mir aus der Hand, während ich grinsend zurück aufs Bett falle und die Erinnerung an jene Nacht wieder aufsteigen lasse. Der Regen prasselte aufs Dach seines Mustangs, die Scheiben waren beschlagen, und wir lagen eng umschlungen unter der Decke.„Du hast dir den Abend extra ausgesucht, oder? Gib’s zu.“Seine Finger gleiten meinen Arm hinauf bis zur Schulter und wieder hinunter.„Ich berufe mich auf mein Aussageverweigerungsrecht. Beschwerst du dich etwa?“Ich schüttele den Kopf, während er sich zu einem weiteren Kuss herunterbeugt.„Ich auch nicht“, knurrt er an meiner Haut. „Ich glaube, der Regen schlägt die Sterne heute sowieso.“Ich kichere, weil sein Atem kitzelt, und plötzlich kommt mir eine Idee. „Lieber im Regen feststecken oder im Schnee?“Jamin hebt den Kopf und sieht mit diesem schiefen Grinsen auf mich herunter, das mich jedes Mal verrückt macht.„Was?“Ich ziehe die Augenbrauen hoch, aber er starrt mich nur weiter an.„Oh Gott“, lache ich. „Welches

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