LOGINLuna sammelte sich und fragte bei ein paar Freunden per Nachricht nach, ob jemand in Flussstadt eine gute Kanzlei empfehlen konnte.Zum Glück hatte sie in den letzten Jahren ihre Kontakte gut gepflegt. Es gab noch Freunde, die ihr im Rahmen ihrer Möglichkeiten halfen.Eine Freundin empfahl die Kanzlei Sternberg: „Vivian Sternberg. Anwältin, sehr gut. Strafrecht, Zivilrecht – sie verliert fast nie. Letzte Woche erst hat sie einen Fall von Gewalt gegen Klinikpersonal vertreten und für den Angeklagten das Mindestmaß herausgeholt.“Luna schrieb zurück: „Danke. Ich gehe morgen zu ihr.“Die Nacht verbrachte sie zu Hause in ihrem alten Bett. Auf dem Nachttisch stand ein gerahmtes Foto – die ganze Familie, alle fünf.Jetzt waren nur noch sie und ihre schwer kranke Mutter übrig.Luna schlief kaum. Am nächsten Morgen kam Corinna und löste sie bei Renate ab.Vor der Tür ermahnte Luna sie eindringlich, gut auf Renate aufzupassen. Gestern hatte sie von Selbstmord gesprochen. Luna hatte Angst
Die Besprechung endete eine Stunde später. Julian ging in sein Büro.Seine Sekretärin Nora Steffen kam sofort herein: „Herr Becker, Tanjas Vater wird gerade operiert. Es ist noch nicht abgeschlossen. Sobald es etwas Neues gibt, meldet sich das Krankenhaus bei mir.“Julian zog die Brauen leicht zusammen, sagte dann: „Finde heraus, was mit Luna los ist.“Nora stutzte kurz: „Ja, Herr Becker.“…Nach der Wache fuhr Luna zurück nach Lindenfelde.Als die Sache passierte, hatte Baldur geistesgegenwärtig reagiert und Renate weggebracht, damit sie die Szene nicht mitbekam. Wenn sie sich aufgeregt hätte und sich ihr Zustand verschlechtert hätte, wäre das fatal gewesen.Luna betrat das Haus. Corinna fragte sofort: „Luna, was ist mit Papa?“„Festgenommen.“Corinna ließ sich auf den Stuhl fallen: „Heißt das … heißt das, er muss … ins Gefängnis?“Luna nickte: „Möglich.“Corinna biss sich auf die Lippe und schlug sich mit der Faust aufs Knie: „Das ist alles meine Schuld! Ich wusste, dass P
Luna grub die Fingernägel in ihre Handflächen, bis es wehtat. Dann rief sie so ruhig wie möglich: „Papa, leg das Messer hin. Leg es weg.“Tristan sah die vielen Polizisten, und sein Gesicht wechselte zwischen fahl und weiß: „Ich … ich … ich weiß auch nicht, wie das passiert ist, Luna. Ich wollte das nicht. Ich weiß nicht, wie es so weit kommen konnte…“„Wo hast du das Messer her?“ Luna schluckte.„Wir … wir haben im Flur gewartet, ewig, und kein Arzt kam. Ich wollte deiner Mutter einen Apfel schälen, und dann kam die Schwester und sagte, die OP fällt aus, wir sollen nach Hause, es gibt kein Herz mehr. Die haben das total unklar erklärt, und ich hab mich aufgeregt, und dann…“Luna machte ihre Stimme weicher: „Leg das Messer hin. Lass die Frau los. Den Rest übernehme ich.“Tristan nickte hastig.Er war völlig überfordert und wusste nicht, was er tun sollte. Mit zitternden Händen nahm er das Messer vom Hals der Schwester.Die Schwester rannte sofort weg. Die Polizisten stürmten vor
Luna gab nach und rief Ingmar an. Sie nannte ihm den Ort. Ingmar sagte, er war zufällig in der Nähe und in fünf Minuten da.Kurz darauf hielt Ingmars Wagen vor ihnen. Saskia warf sich schluchzend in seine Arme, und er nahm sie mit.Auch Luna ging es schlecht. Sie schwankte und schaffte es nicht mehr bis nach Hause. Stattdessen ging sie in das Hotel gegenüber dem Westpalast.Während sie an der Rezeption eincheckte, war in einer Ecke eine Kamera auf sie gerichtet. Klick – noch ein Foto gespeichert.Luna schaffte es nicht einmal mehr, sich abzuschminken oder zu waschen. Sie ließ sich einfach aufs Bett fallen.Die gescheiterte Jobsuche, die schwere Krankheit ihrer Mutter, neun Orte in sieben Tagen, und dann Julians Vorwürfe – sie war am Ende. Körperlich und seelisch.Sie wollte schlafen, konnte es nicht. Ihr Herz lag schwer in der Brust, als ahnte es, dass etwas bevorstand, und schlug unruhig.Sie versuchte, zur Ruhe zu kommen. Morgen stand die Operation ihrer Mutter an. Sie musste
Julian sah von oben herab auf Luna und streckte ihr die Hand hin: „Steh auf.“Luna griff nicht nach seiner Hand. Sie hielt sich an der Tischkante fest und versuchte, sich hochzuziehen, schaffte es aber nicht.Julian packte ihr Handgelenk und zog sie hoch. Kaum stand Luna sicher, stieß sie ihn von sich. Ihre Stimme war heiser: „Julian, du bist noch niederträchtiger, als ich dachte!“Julian verstand sofort – sie glaubte, er habe Tim dazu angestiftet. Er sagte mit dunkler Stimme: „Dreh nicht durch mit deinen Unterstellungen.“„Gleich und gleich gesellt sich gern. Früher war ich blind und habe dich nicht durchschaut. Mein Fehler.“ Jetzt war sie nicht mehr blind.„Du bist nicht niederträchtig genug? Du lässt die großen Firmen mich sperren und die kleinen mich an der Nase herumführen. Du und Tanja seid längst wieder zusammen, und trotzdem lässt du mich nicht in Ruhe! Wenn du mich nicht so in die Enge getrieben hättest, wäre ich nie in diese Falle getappt!“Julian fixierte ihr Gesicht u
„…“Warum immer das Gleiche?Jedes Mal, wenn sie am erbärmlichsten und hilflosesten war, bekam er es mit. Als könnte sie ohne seinen Schutz nicht wie ein Mensch leben.Julian streifte beiläufig sein Sakko ab und warf es ihr über die Schultern.Der holzige Duft seines Parfüms – edel, teuer – und Luna konnte den Kopf nicht mehr heben.Immerhin war Julian wie immer erhaben. Er würdigte sie keines weiteren Blickes und ging auf Ansgar zu.Ansgar rappelte sich fluchend vom Boden auf: „Wer zum Teufel?! Wagt es, mir in die Quere zu kommen! Willst du ster– Aah!“Tim hob den Fuß und trat ihn zurück auf den Boden, bevor er auch nur halb oben war. Er lächelte freundlich, fast liebevoll: „Wem gegenüber nennst du dich hier ‚der Boss‘, hm? Ansgar König.“Ansgar hob mühsam den Kopf, sah Tim – und sein vor Wut verzerrtes Gesicht wurde schneeweiß: „Herr … Herr Wildfang…“Julian trat neben Tim und zündete sich eine Zigarette an.Er trug nur ein weißes Hemd, den Saum in die Anzughose gesteckt. B
Luna sagte: „Ich habe wirklich keinen großen Einfluss. Aber ich denke, die Logik dahinter ist einfach und die Herren werden sie verstehen.“„Wenn zwei Unternehmen eine Zusammenarbeit erwägen, liegt das an gegenseitigem Nutzen. Wenn die Stimmung zu sehr ruiniert wird und die Verhandlungen scheitern,
Im ersten Moment, als sie gepackt wurde, erschrak Luna heftig, wirbelte herum und blickte direkt in Finns funkelnde Augen.„Hab's dir doch gesagt, die Musik in deinem Telefon klang genau wie hier! Du bist hier und hast mich angelogen!“„…“Luna biss sich auf die Zungenspitze.Saskia hatte hier e
Julian blieb gleichgültig: „Du findest nicht nur schade, du denkst auch, ich habe sie im Stich gelassen. Du dachtest doch immer, wir würden am Ende heiraten?“Außer seinen Eltern hatte auch Jasper ihn schon gefragt, wann er und Luna endlich vor den Traualtar treten würden.Jasper deutete an: „Frau
Auf die Worte des anderen einzugehen, hätte sie in den Teufelskreis von Frage und Antwort geraten.Sie war ihm doch keine Rechenschaft schuldig.Luna lenkte vom Thema ab.„Da Herr Müller sich darum kümmert, sollten Herr Schulz und Herr Krause wohl bald frei sein. Ich gehe jetzt.“Ihre Haltung wa







