LOGINLuna schluckte mühsam, dann sagte sie mit rauer, kaum hörbarer Stimme: „Wenn Sie diesen Tisch wollen, überlasse ich ihn Ihnen.“Julian runzelte die Stirn: „Was ist mit deinem Hals?“Luna versuchte nur, sich loszumachen. Julian befahl: „Setz dich und iss. Danach fahre ich dich ins Krankenhaus.“„Bemühen Sie sich nicht.“ Sie wollte gehen, doch Julian duldete keinen Widerspruch.Beim Hin und Her kippte die Schale um, der heiße Brei spritzte auf Lunas Handrücken. Es verbrühte sie leicht, und im nächsten Moment kochte Wut in ihr hoch.Mit einem harten Klirren knallte sie das Tablett auf den Tisch. Im Restaurant drehten sich die Köpfe.Julians Miene verfinsterte sich: „Wer hat dich so verzogen, dass du hier mit Geschirr um dich wirfst?“Selbst wenn Ulrich vor ihm auf den Tisch schlug, drehte Julian sich kalt um und ging. Bei anderen erst recht.Luna war wirklich tollkühn geworden!…Kaum war es geschehen, bereute Luna es schon.Aber sobald sie ihn sah, fiel ihr wieder ein, dass si
Luna wurde durch den Ruck nach vorn gerissen. Als sie genauer hinsah, war es Bettina.Bettina hatte gerötete Augen und schluchzte: „Frau Mayer, ich habe meinen Fehler eingesehen, verzeihen Sie mir doch. Lassen Sie mich zur Vogel-Gruppe zurückkehren.“Nach dem ersten Schreck fing Luna sich rasch wieder.Mit Nachdruck löste sie Bettinas Finger von ihrem Arm und sagte sachlich: „Sie überschätzen mich, Frau Bergen. Ihre Entlassung war eine Entscheidung von Herrn Vogel. Ich habe damit nichts zu tun.“Sie redete nicht weiter mit ihr und ging.Bettina brach völlig zusammen, weinte laut und schrie ihr Beschimpfungen hinterher.„Luna Mayer! Du elende Schlampe! Du lebst doch nur von Männern! Was bildest du dir ein? Glaub bloß nicht, wir wüssten es nicht: Dass du überhaupt in die Vogel-Gruppe gekommen bist, verdankst du Herrn Vogels Bruder! Und jetzt machst du dich mit Herrn Wagner groß! Warte nur ab, eines Tages holt dich das alles ein!“Es war nicht weit von der Vogel-Gruppe entfernt, da
Die Vogel-Gruppe hatte eine eigene Kantine, aber Luna fand, dass die Kolleginnen dort beim Essen womöglich heimlich über sie reden würden. Also ging sie zur Mittagszeit in ein kleines Lokal in der Nähe.Die Tür stand weit offen, das Lokal lag an einer Hauptstraße. Damaris kam vorbei, warf einen Blick hinein und entdeckte sie.„Luna, was für ein Zufall.“Auch wenn Luna Damaris an jenem Abend auf Gut Erlenbach kaum verhohlen zurechtgewiesen hatte: Erwachsene funktionieren nun einmal so. Solange man nicht ganz miteinander gebrochen hat, kann man weiter höflich tun.Luna lächelte ebenfalls: „Tatsächlich. Frau Lenz, was führt Sie hierher?“Damaris setzte sich wie selbstverständlich ihr gegenüber und bestellte dieselbe Nudelsuppe.„Ich habe gehört, dass es hier in der Gegend einen alten Buchladen gibt, mit einigen längst vergriffenen Werken. Ich wollte nach einem bestimmten Band sehen.“Luna nickte und fragte freundlich nach: „Und, gefunden?“„Nein.“ Damaris zeigte deutliches Bedauer
Luna verschlug es die Sprache. Konrad zog aus dem Türfach einen braunen Umschlag und reichte ihn ihr: „Unterlagen zur Mitte Gruppe. Sehen Sie sich das in Ruhe an.“Luna zögerte ein paar Sekunden, dann nahm sie den Umschlag an: „Danke, Herr Wagner.“Konrad lächelte: „Gehen Sie hoch und ruhen Sie sich aus. Vergessen Sie vor dem Schlafen die Tabletten nicht, dann werden Sie schneller gesund. Ihre Stimme klingt noch belegt.“Luna hatte noch eine letzte Frage: „Woher wussten Sie, dass ich heute im Rêve d'une Vie sein würde?“Konrad fiel im Bruchteil einer Sekunde in seinen üblichen Ton zurück: „Es war das Schicksal, das uns zueinander geführt hat – über jede Entfernung hinweg.“Luna stieß die Tür auf und stieg aus, ohne ein weiteres Wort.Konrad lachte leise hinter ihr.…Am nächsten Tag begleitete Luna Matthias zu einem Kundentermin.Sie trafen sich in einer Oper und führten die Gespräche während der Vorstellung. Als das Stück zu Ende war, war auch die Vereinbarung im Großen und G
An jenem Abend blieben sie bis nach zehn Uhr zusammen, erst dann brachen sie auf, weil am nächsten Tag wieder Arbeit war.Konrad hatte den ganzen Abend keinen Tropfen Alkohol getrunken. Wer ihm zuprosten wollte, bekam stets dieselbe Antwort: „Ich fahre Frau Mayer gleich nach Hause.“So blieb Luna am Ende nichts anderes übrig, als ihn fahren zu lassen. Er hielt direkt vor dem Hotel.Luna hatte ihm nie gesagt, wo sie wohnte. Aber diese Männer – alle wussten Bescheid.Sie spielte schon mit dem Gedanken, das Hotel zu wechseln.Nur war dieses Hotel der gehobenen Klasse, recht sicher, mit Reinigung und Frühstück inklusive – preislich wirklich das beste Verhältnis, und der Weg zur Arbeit war kurz. Tatsächlich die beste Wahl.Bei diesem Gedanken stieg Ärger in ihr auf. Wären da nicht diese Männer, müsste sie sich diese Mühe gar nicht machen.Luna löste den Gurt und legte die Hand auf den Türgriff, stieg aber nicht aus. „Herr Wagner.“Konrad hatte das Sakko abgelegt und trug nur einen s
„Reden Sie keinen Mist!“ Luna konnte sich nicht länger beherrschen. Ihre Stimme zitterte unkontrolliert – diesem Mann war sie am Ende eben doch nicht gewachsen.Zähneknirschend setzte sie nach: „Warum ich nicht abgelehnt habe… Bei so vielen Leuten – hätte ich ihn vor allen bloßgestellt, wären Leute wie er, Leute wie Sie, doch erst recht wütend geworden, oder? Wäre er mir hinterher großzügig aus dem Weg gegangen?“Sie kannte solche privilegierten Kreise nur zu gut.Wenn es ihnen passte, konnten sie schmeicheln, hofieren, sich sogar demütig geben. Doch sobald man ihnen das Gesicht nahm, riefen sie heute „Schatz“ – und morgen sorgten sie dafür, dass man nirgends mehr Fuß fassen konnte.Sie hatte das bei ihm schließlich am eigenen Leib erfahren.Sonst hätte sie nicht ihre Heimat verlassen müssen, nicht ihre schwer kranke Mutter zurücklassen und sich von Flussstadt nach Weststadt flüchten müssen.Erst nach dieser Erklärung entspannte sich Julians Miene ein wenig, auch sein Ton war nic
Luna sagte: „Ich habe wirklich keinen großen Einfluss. Aber ich denke, die Logik dahinter ist einfach und die Herren werden sie verstehen.“„Wenn zwei Unternehmen eine Zusammenarbeit erwägen, liegt das an gegenseitigem Nutzen. Wenn die Stimmung zu sehr ruiniert wird und die Verhandlungen scheitern,
Im ersten Moment, als sie gepackt wurde, erschrak Luna heftig, wirbelte herum und blickte direkt in Finns funkelnde Augen.„Hab's dir doch gesagt, die Musik in deinem Telefon klang genau wie hier! Du bist hier und hast mich angelogen!“„…“Luna biss sich auf die Zungenspitze.Saskia hatte hier e
Julians Stirn verdüsterte sich schnell: „Wann?“Luna sagte kühl: „Sie sagt, letzte Nacht.“Letzte Nacht wurde Luna „verletzt“.Aber ob es Herr Hartmann war – niemand wusste das besser als Julian.Er sah Katrin an: „Was hast du gesehen?“„Ich... ich...“ Katrins Gesicht wurde blass. Erst jetzt er
Luna verstand seine gute Absicht. Sie betrachtete ihn als Freund, verheimlichte nichts und gestand offen: „Erik, sei beruhigt. Wir haben keinen illegalen Deal gemacht.“„Ich habe Matthias versprochen: Wenn er mich retten kann, kann ich bei den Vogels arbeiten, einen Fünfjahresvertrag mit ihm unters







