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Kapitel 411

Author: Tana Sil
Am nächsten Morgen wurde Luna vom Vibrieren ihres Handys geweckt.

Sie war erst gegen vier, fünf Uhr eingeschlafen und todmüde. Mit Mühe öffnete sie ein Auge einen Spalt – auf dem Display stand Julians Name. Sofort war die Müdigkeit verflogen.

Sie setzte sich auf, ihr Blick streifte den hellgelben Umschlag auf dem Nachttisch. Die Bilder der vergangenen Nacht stiegen ihr wieder hoch, und sie biss sich auf die Unterlippe.

Sie atmete tief aus, fasste sich und nahm den Anruf an: „Hallo.“

Julians
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  • Herr Becker, sie ist es wert!   Kapitel 414

    Auf dem Rückweg von der Passage, kaum eine Viertelstunde lang, suchte Luna nach Worten. Wie sollte sie ihren Eltern beibringen, dass sie plötzlich heiraten würde?Wie sollte man erklären, dass die Tochter beim Hinausgehen ledig gewesen und eine halbe Stunde später so gut wie verlobt zurückgekehrt war?Da ihr nichts einfiel, führte sie Julian in Schleifen durch die Gassen, bis ihm die Geduld riss. Er fasste sie sanft am Nacken und zog sie nach Hause.„Da muss ich nun mal durch. So unmöglich findest du mich doch nicht?“Luna dachte: Im Gegenteil – er war viel zu vorzeigbar, gerade deshalb wusste sie nicht, wie sie es ihren Eltern beibringen sollte.Julian hob die Brauen, ein fragendes „Hm?“. Luna musste in den sauren Apfel beißen und ihn mit hineinnehmen.Tristan war am Morgen aus dem Haus gegangen und bis jetzt nicht zurückgekehrt.Als Renate erfuhr, dass Luna einen Freund mitgebracht hatte, und zwar einen jungen Mann, war sie überrascht und erfreut zugleich. Es war das erste Mal

  • Herr Becker, sie ist es wert!   Kapitel 413

    Die graue Putzwand war von der Sonne aufgewärmt, ihre Hitze drang durch Lunas Kleidung. Luna wandte den Kopf weg: „Ich habe doch nichts versprochen. Mach das nicht im Alleingang aus.“Julian fuhr ungerührt mit seinen Plänen fort: „Beim ersten Besuch kommt man nicht mit leeren Händen. Führ mich in das Einkaufszentrum im Ort, dann suchst du passende Geschenke für deine Eltern aus.“Luna schwieg und rieb am Ring.„Liebes, mein erster Besuch bei deinen Eltern. Hilf mir.“Luna wusste nicht, ob es das „Liebes“ war, das sie weich machte, oder die für ihn ungewöhnliche Bitte. Wortlos führte sie ihn ins Einkaufszentrum.Da es sich um eine Touristengegend handelte, gab es immerhin eine anständige Passage mit gehobenen Marken.Kaum hatten sie den Eingang erreicht, klingelte Julians Handy. Mit einem Blick aufs Display zog er die Brauen zusammen, sein Gesicht war nicht mehr so entspannt wie kurz zuvor.Luna spähte unwillkürlich auf den Bildschirm, doch er hatte schon weggewischt und überwies

  • Herr Becker, sie ist es wert!   Kapitel 412

    Kaum waren die Worte heraus, neigte er den Kopf und küsste sie heftig.Es war ein eroberndes, fast räuberisches Küssen, mitten am helllichten Tag, mitten unter Leuten – ohne dass es ihn kümmerte. Mit einer Hand hielt er ihren Hinterkopf, mit der Zunge drang er in ihren Mund ein. Luna fürchtete, von Bekannten gesehen zu werden, und krallte sich an seinem Anzug fest: „J-Julian …“Julian hörte nicht auf, küsste sie lange, atmete dann heiß vor ihrem Gesicht und sagte mit verführerisch dunkler Stimme: „Nicht ‚versuchen‘. Das ist beschlossen. Wir sind zusammen.“Er nahm ihre Hand, und ehe sie verstand, was er tat, hatte er ihr schon einen Ring an den Ringfinger geschoben.Lunas Atem stockte!Julians Stimme war tief und rau: „Liebes. Das Standesamt hat über Fasching geschlossen. Nach Aschermittwoch machen sie wieder auf. Dann gehen wir hin.“Wa-was?Was?Moment!Kaum begriff Luna, dass er das ernst meinte, schoss ihr alles durch den Kopf.Sie hielt ihm den Mund zu, damit er nicht we

  • Herr Becker, sie ist es wert!   Kapitel 411

    Am nächsten Morgen wurde Luna vom Vibrieren ihres Handys geweckt.Sie war erst gegen vier, fünf Uhr eingeschlafen und todmüde. Mit Mühe öffnete sie ein Auge einen Spalt – auf dem Display stand Julians Name. Sofort war die Müdigkeit verflogen.Sie setzte sich auf, ihr Blick streifte den hellgelben Umschlag auf dem Nachttisch. Die Bilder der vergangenen Nacht stiegen ihr wieder hoch, und sie biss sich auf die Unterlippe.Sie atmete tief aus, fasste sich und nahm den Anruf an: „Hallo.“Julians kühle, magnetische Stimme, gedämpft durch den Lautsprecher, jagte ihr eine feine Gänsehaut über den Rücken.„Was machst du?“„Schlafen.“„Wo schläfst du?“ Seine Stimme sank spürbar. „Ich bin in deinem Zimmer, du bist nicht da. Wo schläfst du?“Sein Ton klang, als hätte er sie beim Fremdgehen ertappt.Luna stutzte: „Sie sind in meinem Zimmer? Sie sind nach Weststadt gefahren?“„Gestern war doch dein letzter Arbeitstag? Ich wollte dich abholen, dich mit nach Flussstadt nehmen.“ Julian hakte

  • Herr Becker, sie ist es wert!   Kapitel 410

    Heimlich in sie verliebt… Vom Wind bekam Luna eine feine Gänsehaut. Es kam ihr immer noch unwirklich vor. Wie sollte sie das überprüfen?Ihr fiel noch etwas ein: Bei jenem Essen hatte Julian sie nach einer Schublade voller Liebesbriefe gefragt.Schon damals hatte sie gespürt, dass ihm das zu wichtig war. Jetzt verstand sie, warum. Hatte er ihr damals etwa selbst einen geschrieben?Sie sprang auf, als hätte ein Gedanke sie elektrisiert. Die Briefe lagen zu Hause, in Lindenfelde. Sofort rief sie Vivian an.„Vivian, schon unterwegs?“„Gerade los, was ist?“„Kann ich mit nach Flussstadt fahren?“Vivian zögerte kurz: „Klar. Bist du noch vor dem Restaurant? Ich komme zurück und hole dich ab.“Kurz darauf hielt Vivians Wagen vor ihr, und Luna stieg ein.Erst im Wagen fragte Vivian: „Wegen Julian?“Lunas Herz schlug schneller. Sie musste unbedingt klären, ob diese unglaubliche Geschichte wirklich wahr war. Sie presste die Lippen zusammen: „Ja.“Um diese Uhrzeit war die Autobahn nach

  • Herr Becker, sie ist es wert!   Kapitel 409

    Luna stockte.Damaris stand schwankend da. Genau in dem Moment kam der Kellner mit dem Tablett, sie stieß versehentlich dagegen, der Kellner murmelte eine Entschuldigung. Doch sie griff nach den Schüsseln auf dem Tablett und schmetterte sie zu Boden.„Das mit dem Fondue. Das mit den Imbissbuden. Das alles nur, weil du da warst! Er ist dir nachgelaufen! Spazierengehen, Kino, immer hinter dir her!“„Mich hat er nie zum Wohnheim gebracht. Du und ich wohnten in verschiedenen Wohnheimen, da bestand keine Chance, dass er dir dabei über den Weg lief. Selbst wenn ich gebettelt habe, ein einziges Mal, nur ein einziges Mal – er wollte nicht. Er hat es nicht getan!“Damaris ließ alles heraus, was sich in den letzten zwei Wochen in ihr aufgestaut hatte. Ringsum zückten Leute ihre Handys, sie kümmerte sich nicht darum.Luna hob den Kopf und sah sie an. Etwas in ihr war getroffen, ein leises Zittern lief durch ihren Blick.„Auch dass er sich überhaupt auf mich eingelassen hat, lag nur daran, d

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