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Kapitel 5

Autor: Tana Sil
Luna kehrte in ihre Mietwohnung zurück, um ihre Sachen zu packen.

„Luna, du bist zurück! Ich hab mir schon gedacht, wenn du heute nicht auftauchst, such ich dich morgen in jedem Krankenhaus , bis ich dich finde.“

„Ja, es ist alles in Ordnung.“

Lunas Mitbewohnerin Saskia Schober war auch ihre Zimmergenossin aus Uni-Zeiten. Zusammen hatten sie schon sechs, sieben Jahre unter einem Dach verbracht und ihre Beziehung war stets gut gewesen.

In all den Tagen im Krankenhaus war sie die Einzige, die sich ehrlich um sie gesorgt hatte. Allerdings hatte Luna ihr nicht die Wahrheit gesagt, sie sprach nur von einer Krankheit und lehnte Besuche ab.

Saskia schlüpfte in ihre Hausschuhe und ging zu Lunas Zimmertür. Dort sah sie, wie Luna hockte und Kleider zusammenlegte.

„Bist du schon wieder auf Dienstreise? Kaum bist du wieder auf den Beinen, und schon solltest du los? Hält dein Körper das aus? Dieser Dreckskerl Julian! Der weiß doch nur, wie man dich schikaniert!“

Saskia wusste von ihrer Beziehung zu Julian und hatte ihn noch nie ausstehen können.

Da Luna die Dauer ihrer Abwesenheit nicht kannte, sagte sie offen.

„Ich werde für ein Projekt nach Fruchtstadt abgeordnet. Saskia, ich bezahle die Miete für ein weiteres Quartal vor. Sollte ich in drei Monaten nicht zurück sein und du Ersatz brauchen, gib mir Bescheid, dann hole ich meine restlichen Sachen.“

Saskia stutzte.

„Was? Wie kommt denn das so plötzlich?“

„Eine Stellenänderung. Das kommt doch oft vor.“

Bei anderen mochte das normal sein, aber bei Luna, mit ihrer besonderen Beziehung zu Julian, wie konnte sie versetzt werden? Saskia war nicht dumm.

„Habt ihr euch gestritten?“

Luna wollte nicht darüber reden. Sie stand auf, um etwas zu holen, dabei fiel ein Zettel aus ihrer Tasche. Bevor sie ihn aufheben konnte, hatte Saskia ihn schon aufgehoben und entfaltet.

Es war der Untersuchungsbericht zum Schwangerschaftsabbruch.

„…“ Saskia blickte Luna fassungslos an, dann auf das Datum. Es fiel genau in die Tage, in denen Luna nicht nach Hause gekommen war!

Sie verband blitzschnell die Tatsachen.

„Du warst wegen des Abbruchs im Krankenhaus? Das Kind war sicher von Julian. Er hat dich zum Abbruch gezwungen und dich dann weggeschickt? Verdammt, was bildet der sich eigentlich ein? Dieses Arschloch! Ich such ihn mir jetzt und mach ihm klar, was eine Harke ist!“

Saskias Name klang zwar wie der eines sanften Mädchens, aber ihr Charakter war impulsiv und furchtlos. Sie würde es wirklich wagen, Julian zur Rede zu stellen.

Luna hielt sie schnell am Arm fest. „Saskia! Er weiß nichts davon! Es war… ein Unfall. Ich habe das Kind einfach verloren.“

Saskia runzelte die Stirn. „Du hast es ihm nicht gesagt?“

Luna kniff die Lippen zusammen.

„Er muss es nicht wissen.“

„Aber … was hast du dir dabei gedacht?“

Luna nahm den Bericht, riss ihn durch und warf die Fetzen weg.

„Warum sollte er das wissen? Ich fand es einfach nicht nötig.“

Saskia verstand sie nicht und diese Ungerechtigkeit blieb ihr wie ein Kloß im Hals stecken.

Als Luna ins Badezimmer ging, um etwas zu holen, biss Saskia die Zähne zusammen. Sie hob vorsichtshalber ein paar Papierschnipsel aus dem Müll auf.

Noch in derselben Nacht flog Luna nach Fruchtstadt.

In dem darauffolgenden Monat hatte sie, abgesehen von Projektberichten an die Zentrale, keinerlei Kontakt mit Julian.

Die beiden anderen Sekretärinnen standen ihr nahe und erzählten ihr gelegentlich im Plauderton, was in der Zentrale passierte.

Zum Beispiel bevorzugte Julian Tanja auffällig. Er kümmerte sich persönlich um ihre Einarbeitung und sogar privat um ihr Wohlergehen. Einmal fuhr er sogar bei Regen extra zurück ins Büro, um die überstundenmachende Tanja nach Hause zu bringen, sodass in der Firma bald das Gerücht umging, sie sei seine Geliebte.

Als diese Worte auch Julians Ohren erreichten, wurde die Person, die das Gerücht zuerst verbreitet hatte, sofort entlassen.

Daraufhin machte in der Zentrale ein neues Gerücht die Runde: Julians besondere Zuneigung zu Tanja sei inzwischen offensichtlich.

Wie in Träumen erinnerte sich Luna daran, wie es damals gewesen war, als sie neu mit Julian zusammen war. Auch er hatte ihr persönlich alles beigebracht. Auch damals hatte es ähnliche Gerüchte gegeben. Und wie hatte Julian damals reagiert?

Hatte er nur gleichgültig zurückgefragt: Bist du das denn nicht?

In all den Jahren hatte Luna durch ihre Arbeit bei Biwolke Respekt verschafft und die Gerüchte waren dann verstummt. Sie dachte stets, Julian sei gleichgültig zu allen. Doch offenbar konnte er sehr wohl für jemanden da sein.

Nur war sie es eben nicht, für die er da war.

Unwillkürlich legte Luna eine Hand auf ihren Bauch. Ein Monat war vergangen, ihr Verlust blieb ihr Geheimnis.

Zwei Monate später, gegen Projektende in Fruchtstadt, verrieten ihr Kolleginnen im Vertrauen: Herr Becker wird auf einer Dienstreise in der Nähe sein und die Niederlassung besichtigen. Sie solle die Chance nutzen, um eine Rückversetzung in die Zentrale zu erreichen.

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    Niemand hätte gedacht, dass die Hochzeit des einzigen Sohnes der Familie Becker, der mächtigsten Familie von Flussstadt, ein so unvorhergesehenes Ende nehmen würde.Julian wandte sich ab und ging. Zuerst kam Julian an Jasper vorbei. Jasper wandte den Kopf ab und seufzte, ratlos, was er sagen sollte.Dann ging Julian an Konrad vorbei, und Konrad höhnte: „Hart, Julian, wirklich hart.“Julian stieg in den Wagen, der davonfuhr. Sigrids Wagen schloss rasch auf, und als die beiden nebeneinander fuhren, ließ Sigrid die Scheibe herab und sagte sanft: „Julian, mein Beileid.“Julians Profil zeigte keine Regung, und sein Wagen fuhr einfach weiter.Sigrid hielt unterwegs an und wartete, bis Florians Wagen aufschloss, ehe die beiden gemeinsam weiterfuhren, offenkundig, um irgendwo über die Sache zu reden.Auch sie hätten nicht gedacht, dass Julian Luna töten würde.…Der Fahrer war eine Weile gefahren und musste am Ende doch fragen: „Herr Becker, zurück an die Ostküste?“„Zum Festsaal.“A

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  • Herr Becker, sie ist es wert!   Kapitel 547

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  • Herr Becker, sie ist es wert!   Kapitel 545

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