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Kapitel 7

Author: Tana Sil
Die Tür des Konferenzraums war fast eine Stunde lang verschlossen. Danach wischte Luna den Tisch mit mehreren alkoholgetränkten Tüchern ab.

Fertig drehte sie sich um. Julian wirkte bereits wieder wie stets, perfekt gekleidet und unnahbar. Nur eine leichte Hemdfalte verriet, dass er es war, der eben die Kontrolle verloren hatte.

Luna nahm seine Krawatte, trat zu ihm und band sie ihm neu um.

Julian war an ihre Dienste gewöhnt. Er hob leicht das Kinn und enthielt so seinen markanten Adamsapfel. Luna ließ ihre Finger geschickt arbeiten, band die Krawatte und sagte leise: „Ich möchte in die Zentrale zurückkehren.“

Julian senkte den Blick. Sie stand mit gesenktem Kopf vor ihm, fügsam. Seine Stimme klang unbeteiligt.

„Ich habe von Anfang an klargestellt: Vor Projektende keine Rückkehr. Nun ist es beendet, jetzt steht deiner Rückkehr nichts mehr im Weg.“

So endete Julians Inspektionsreise. Mit einer Person mehr kehrte er nach Flussstadt zurück – Luna Mayer.

Tanja neigte den Kopf.

„Herr Becker, darf Luna jetzt mit uns zurückkommen?“, fragte sie.

Julian, der in Dokumenten las, nickte nur. Sofort erstrahlte Tanjas Gesicht.

„Wie wunderbar! Luna, ich habe dich in den zwei Monaten so vermisst!“

Luna musterte das Mädchen: orangefarbenes Rouge, dezenter Eyeliner – ein natürlich frischer Look, der sie jugendlich niedlich wirken ließ.

„Man sieht, dass du dir bei deinem Make-up viel Mühe gegeben hast.“, lobte Luna.

Jeder Pinselstrich zielte darauf ab, genau jenen Eindruck der reinen, weißen Jasminblüte zu erwecken, der Männer so anzieht.

Tanjas Wimpern zuckten kaum merklich, dann lächelte sie sanft.

Abends landete das Flugzeug in Flussstadt. Der Fahrer holte alle drei ab.

„Bring Tanja zuerst nach Hause“, wies Julian an und der Fahrer wusste sofort, wohin.

Sie blickte gedankenverloren auf die Stadt, die sie zwei Monate nicht gesehen hatte. Erst als der Wagen hielt, bemerkte sie, dass sie nicht vor Tanjas alter Wohnanlage standen.

Es war eine exklusive Wohnanlage im Stadtzentrum, ganz in der Nähe der Firma.

Tanja stieg aus und winkte.

„Herr Becker, Luna, die Reise war sicher anstrengend. Ruht euch gut aus. Bis morgen in der Firma!“

Julian erwiderte das Nicken und sah ihr nach, bis sie in der Anlage verschwand.

Erst als der Fahrer den Motor wieder startete, fragte Luna: „Hast du hier eine Wohnung für sie gekauft?“

Julians Blick fiel zurück auf seine Unterlagen. Er war beschäftigt, hatte die ganze Fahrt über gelesen.

„Es ist eine meiner Wohnungen. Ihr altes Viertel war zu unsicher. Ich ließ sie glauben, sie miete es, damit sie sich keine Sorgen machte. Verplapper dich nicht.“

Ihm fiel etwas ein, was ihn amüsiert zu haben schien.

„ Tanja ist so naiv. Sie zahlt mir sogar tausend Euro Miete im Monat.“

Luna sagte: „In dieser Lage kostet alles über fünftausend. Selbst mit wenig Ahnung weiß man, dass die Miete weit über tausend liegt.“

Julian blickte auf.

„Und?“

Und so spielt Tanja die Rolle der selbstbewussten, liebenswerten und eigensinnigen Kämpferin, die mit Geduld auf die große Beute angelt.

Aber wenn er bereit war, an ihre „Naivität“ zu glauben, was konnte sie schon sagen?

Der Mundwinkel von Luna verzog sich leicht.

„Was für eine fürsorgliche und sorgfältige Mühe.“

Als sie in der Villa an der Ostküste ankamen, war Luna kaum aus der Dusche getreten, als Julian sie schon aufs Bett drückte.

Im Konferenzraum war er noch nicht zur Gänze sich selbst gewesen. Diese Nacht würde er sie sicherlich nicht so leicht zur Ruhe kommen lassen.

Doch diese ungestüme Wildheit ließ Luna auch zweifeln, ob er in den zwei Monaten überhaupt ein anderes Ventil für seine Bedürfnisse gehabt hatte.

„Du… hast sie nicht angerührt? Ich dachte, du interessierst dich so für sie?“

Julian drückte ihre Hüften, sein Atem ging schwer.

„Sie versteht nichts von diesen Dingen.“

„Du glaubst, eine erwachsene Frau in ihren Zwanzigern wüsste heute nichts davon? Selbst ohne eigene Erfahrung hat man doch davon gehört.“

„Sie wurde mit altmodischen Werten erzogen. Sie hält nicht viel davon, solche Dinge vor der Ehe zu tun.“
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