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Herr Brandt, lass Frau Engel los
Herr Brandt, lass Frau Engel los
Auteur: Warmwort

Kapitel 1

Auteur: Warmwort
Leo Brandt war zurück in Deutschland. Als seine heimliche Geliebte wurde Zoe Engel umgehend zur Villa „Am Hirschgarten“ gebracht.

Gemäß der Vereinbarung musste sie vor jedem Treffen gründlich duschen, ohne jeden Hauch von Parfüm oder Schminke.

Sie hielt sich strikt an seine Vorlieben, wusch sich gründlich, schlüpfte in ihr Spitzen-Nachthemd und ging ins Schlafzimmer im ersten Stock.

Der Mann saß vor seinem Laptop und erledigte Geschäftliches. Als sie eintrat, musterte er sie mit einem flüchtigen, emotionslosen Blick.

„Komm her.“

Seine kalt und ohne jede Regung. Sie lastete schwer und beklemmend auf Zoes Herz.

Er war von Natur aus kühl und unberechenbar. Aus Angst, ihn zu verärgern, zögerte sie keinen Moment und trat rasch vor ihn.

Noch bevor sie richtig stehen konnte, zog Leo sie bereits in seine Arme. Seine schlanken Finger umgriffen ihr Kinn.

Er beugte sich herab, eroberte ihre Lippen, erzwang gewaltsam den Zugang und sog gierig ihren süßen Geschmack in sich auf.

Leo sprach selten mit ihr, zeigte keine Zärtlichkeit, verzichtete auf Vorspiel. Wenn er sie sah, ging es nur um das Eine.

Nach außen hin wirkte er edel und beherrscht, doch im Schlafzimmer kannte er keine Zurückhaltung – nur Dominanz und rücksichtslose Leidenschaft.

Nach drei Monaten geschäftlicher Abwesenheit und ohne weibliche Gesellschaft würde er sie heute Nacht sicherlich nicht so schnell gehen lassen.

Wie erwartet, war Leo unersättlicher als je zuvor.

Er nahm sie immer wieder – auf dem Sofa, im Bett, bis sie schließlich bewusstlos zusammenbrach. Erst dann schien er befriedigt.

Als sie erwachte, war die Stelle neben ihr leer. Doch aus dem Badezimmer drang leises Plätschern.

Ihr Blick fiel auf die matte Glasscheibe der Dusche, hinter der sich eine große, schlanke Silhouette abzeichnete.

Zoe war überrascht. Normalerweise verließ er sie sofort – niemals hatte er auf ihr Erwachen gewartet. Warum war er diesmal noch hier?

Mühsam stemmte sie ihren erschöpften Körper hoch, setzte sich im Bett auf und wartete schweigend und fügsam auf ihn.

Minuten später verstummte das Wasser. Der Mann trat heraus, nur mit einem Handtuch umschlungen.

Wassertropfen perlten von seinen nassen Haaren, rannen über seine honigfarbene Haut, die Muskeln zeichneten sich in harten, verlockenden Konturen ab.

Sein Gesicht war meißelhaft schön und markant. Seine mandelförmigen Augen, normalerweise ein Merkmal der Anziehung, wirkten nun distanziert und undurchdringlich kalt.

Obwohl atemberaubend attraktiv, wirkte seine durchdringende Kälte absolut abschreckend.

Als Leo sah, dass sie wach war, traf sie sein eisiger Blick.

„Ab heute brauchst du nicht mehr zu kommen.“

Zoe stockte der Atem. Was sollte das heißen – nicht mehr zu kommen?

Er wandte den Blick ab, griff nach einer Mappe und reichte sie ihr. „Wir beenden den Vertrag vorzeitig.“

Beim Anblick des Vertrags als Geliebte wurde Zoe alles klar: Leo wollte ihre Beziehung beenden.

Dass er nicht sofort gegangen war, bedeutete keine Zuneigung – es war der Schlusspunkt.

Fünf Jahre hatte sie ihm gegeben. Sie hatte diesen Tag kommen sehen, doch nicht so abrupt – ohne Begründung, ohne Erklärung. Nur eine nüchterne Kündigung.

Sie unterdrückte den stechenden Schmerz in ihrer Brust, hob langsam den Kopf und blickte zu Leo, der sich gerade anzog.

„Der Vertrag läuft noch ein halbes Jahr. Könnten Sie nicht… warten?“

Laut Prognose blieben ihr nur noch drei Monate Lebenszeit. Sie wollte diese Zeit bei ihm verbringen – bis zum Ende.

Leo antwortete nicht. Sein Blick blieb kalt, ohne jede Wehmut, als lege er ein ausgedientes Spielzeug beiseite.

Sein Schweigen brachte Zoe zur Besinnung.

Fünf Jahre – sie hatte sein Herz nicht erwärmt. Nun war es Zeit, zu erwachen.

Sie nahm den Vertrag entgegen, zwang sich zu einem unbeschwerten Lächeln. „Sei nicht so ernst. Das war nur ein Scherz.“

Dann fügte sie leichthin hinzu: „Ich wollte ohnehin nicht mehr bei Ihnen bleiben. Dass der Vertrag jetzt endet, kommt mir gerade recht.“

Leos Hände zögerten einen Moment, als er seine Ärmel richtete. Sein nüchterner Blick musterte sie prüfend.

Ihr Gesicht zeigte keine Spur von Trauer, nur eine fast erlöste Erwartung.

Er runzelte leicht die Stirn. „Du wolltest also schon länger nicht mehr mit mir zusammen sein?“

Zoe zuckte lässig mit den Schultern, als wäre es ihr völlig egal. „Ja. Ich werde nicht jünger. Es ist Zeit, zu heiraten und eine Familie zu gründen. Ich kann nicht für immer deine heimliche Geliebte bleiben.“

Heirat und Kinder – für sie längst unerreichbar. Doch vor Leo wollte sie würdevoll gehen.

Sie lächelte ihn an. „Da der Vertrag endet – darf ich dann jetzt eine neue Beziehung haben?“

Unergründliche Gefühle flackerten in Leos Augen. Er musterte sie schweigend, griff dann nach seiner teuren Blancpain-Uhr vom Nachttisch und ging.

„Wie du willst.“

Das waren seine Abschiedsworte.

Während sie ihm nachblickte, verblasste ihr Lächeln langsam.

Leo hasste es, wenn jemand sein Eigentum anfasste. Selbst die Andeutung eines neuen Partners ließ ihn kalt.

Es schien, als habe er sie wirklich satt.

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