LOGINJudys Perspektive
Ich ging allein.
Sophia wollte mich begleiten, aber ich lehnte ab. Ich wusste nicht einmal, wen ich traf. Sie in etwas Gefährliches hineinzuziehen, fühlte sich einfach nicht richtig an.
Die Fahrt zum vereinbarten Ort kam mir länger vor als sonst. Mein Herz weigerte sich, zur Ruhe zu kommen, und als ich ankam, waren meine Handflächen schweißnass.
Little Palm, Florida Keys.
In dem Moment, als ich aus dem Auto stieg, wusste ich, dass dieser Ort nicht für Menschen wie mich gemacht war.
Das Hotel stand da wie ein Palast.
Hohe Glaswände reflektierten die helle Nachmittagssonne und funkelten wie Gold. Der Eingang war breit und prachtvoll, bewacht von adrett gekleideten Angestellten. Luxusautos säumten die Einfahrt – Autos, die ich bisher nur im Fernsehen gesehen hatte.
Als ich hineinging, stockte mir der Atem.
Die Hotellobby war atemberaubend.
Ein gewaltiger Kristallleuchter hing von der Decke und leuchtete wie tausend kleine Sterne. Zu beiden Seiten erhoben sich stolz goldverzierte Säulen. Der Marmorboden glänzte so sehr, dass ich fast mein eigenes Spiegelbild darin sehen konnte.
Alles schrie nach Geld.
Altem Geld.
Macht.
Die Luft roch teuer – nach Parfüm, poliertem Holz und Selbstbewusstsein.
Ich fühlte mich augenblicklich fehl am Platz.
Mein Herz begann zu rasen.
Eine seltsame Kälte durchfuhr meine Adern, als ich auf die Rezeption zuging. Bevor ich das Wort ergreifen konnte, kam ein gut aussehender junger Mann in einem maßgeschneiderten schwarzen Anzug auf mich zu.
„Guten Tag, Miss“, sagte er höflich und verbeugte sich leicht. „Sie müssen Judy sein.“
Mein Herz setzte einen Schlag aus.
„J-ja“, antwortete ich nervös. „Gibt… gibt es ein Problem?“
Er lächelte warm. „Keineswegs. Ich wurde gebeten, Sie zu Raum 309 zu begleiten.“
Mir rutschte der Magen nach unten.
Raum 309.
Die Nummer hallte in meinem Kopf wie eine Warnglocke wider.
„Wollen wir gehen, Miss Judy?“, fragte er. „Der Chef wartet bereits.“
Der Chef?
Ich wiederholte das Wort langsam in Gedanken.
Was für ein Chef?
Ich nickte steif und folgte ihm.
Wir gingen durch lange Flure, die mit Gemälden geschmückt waren, die wahrscheinlich mehr gekostet hatten als all meine Ersparnisse fürs ganze Leben. Dicke Teppiche dämpften unsere Schritte. Sanftes, goldenes Licht erhellte alles und ließ den Ort unwirklich erscheinen.
Je näher wir kamen, desto lauter klopfte mein Herz.
Als wir schließlich vor einer großen Holztür stehen blieben, begannen meine Hände zu zittern.
Raum 309.
„Wir sind da“, sagte der Mann höflich, während er anklopfte.
Die Tür öffnete sich.
„Chef“, sagte der Mann respektvoll und verbeugte sich leicht. „Sie ist hier.“
Ein Mann, der drinnen saß, winkte beiläufig mit der Hand, um ihn zu entlassen.
Der Begleiter ging leise und schloss die Tür hinter mir.
Ich war allein.
Der Mann kehrte mir den Rücken zu.
Ich stand unbeholfen da wie jemand, der sich in die falsche Welt verirrt hatte.
Er saß auf einem Ledersessel, ein Bein über das andere geschlagen. Eine dunkle Sonnenbrille verdeckte seine Augen. Er wirkte ruhig. Mächtig.
Ich hob langsam den Blick.
Er war groß und stattlich, vermutlich Anfang dreißig. Seine Körperhaltung allein strahlte pure Autorität aus. Er trug einen dunklen, maßgeschneiderten Anzug, der sich perfekt an seine breiten Schultern und seinen schlanken Körper schmiegte.
Selbst ohne seine Augen sehen zu können, merkte ich, dass er gefährlich war.
Sein Spiegelbild zeichnete sich deutlich in dem großen Spiegel auf der gegenüberliegenden Seite des Raumes ab.
Markante Gesichtszüge.
Hohe Wangenknochen.
Eine gerade Nase.
Eine ausgeprägte Kieferpartie, die Glas hätte schneiden können.
Mein Herz setzte einen Schlag aus.
Verdammt.
Er war gut aussehend.
„Haben Sie vor, dort stehen zu bleiben?“, erfüllte seine Stimme plötzlich den Raum.
Ich erstarrte.
„Ich – äh – nein“, stammelte ich nervös.
Schnell setzte ich mich auf das teure Sofa vor ihm.
Das Sofa war so weich, dass ich fast darin versank.
Ich war mir sicher: Wenn ich meinen gesamten Hausstand verkaufen würde – Sophia eingeschlossen –, würde das Geld im Leben nicht ausreichen, um dieses Sofa zu kaufen.
Der Mann drehte sich schließlich zu mir um.
Und meine Welt blieb stehen.
Angst schoss wie elektrischer Strom durch meinen Körper.
Meine Augen weiteten sich.
Mein Mund klappte auf.
„Was…?“, flüsterte ich.
„Mr… Mr. David Jones?“
Er lächelte schwach und nahm seine Sonnenbrille ab.
„Schön, Sie wiederzusehen, Miss Judy“, sagte er ruhig und stand auf. „Lange nicht gesehen.“
Ich wollte weglaufen.
Dieser Mann…
Er war Clarks Erzfeind.
Der CEO der Pegasus Holding Company.
Der Mann, den Clark vor Jahren verraten hatte.
Der Mann, den Clark zerstört hatte.
Vor Jahren war Clark ein geschäftliches Geschäft mit ihm eingegangen. Aus Gier und Egoismus hatte Clark Firmengelder veruntreut und die Schuld Mr. David in die Schuhe geschoben. Der Skandal hatte Pegasus Holdings vorübergehend ruiniert.
Mr. David hätte fast alles verloren.
Aber der Mann, der jetzt vor mir stand?
Er war zehnmal reicher als Clark.
Und weitaus gefährlicher.
Sein Unternehmen war aus der Asche auferstanden und stellte inzwischen eine ernsthafte Bedrohung für Summer Holding dar – die Firma von Clarks Familie.
Meine Beine fühlten sich schwach an.
Mr. David trat näher und streckte die Hand aus. „Entspannen Sie sich. Ich werde Sie schon nicht auffressen.“
Ich zögerte, ergriff dann aber langsam seine Hand.
Sein Griff war fest.
Warm.
Mein Herz raste.
Ich zog meine Hand schnell wieder zurück.
Es klopfte an der Tür.
Eine hübsche Kellnerin trat ein und trug ein Tablett mit zwei Gläsern Wein. Sie stellte sie auf den Tisch und verschwand lautlos.
Mr. David nahm ein Glas und ging auf mich zu.
Doch plötzlich –
Der Wein verschüttete sich.
Direkt auf mein Kleid.
„Oh – !“, keuchte ich auf.
Die kalte Flüssigkeit tränkte die Vorderseite meines Kleides. Mir rutschte das Herz in die Hose, als mir klar wurde, wie dünn der Stoff mittlerweile war.
Meine Brustwarzen zeichneten sich deutlich ab.
Scham brannte in mir auf.
Mr. David erstarrte.
Seine Augen verdunkelten sich leicht.
„Wow…“, murmelte er leise.
Ich fühlte mich bloßgestellt.
Verletzlich.
„Es – es tut mir leid“, sagte er schnell. „Ich wollte nicht…“
„Es ist schon gut“, fiel ich ihm rasch ins Wort und schlang die Arme um mich. „Es ist okay.“
Er trat näher und streckte die Hand aus, als wollte er den Fleck wegwischen.
Unsere Gesichter kamen sich näher.
Zu nah.
Sein Atem streifte den meinen.
Mein Körper reagierte, noch bevor mein Gehirn es verhindern konnte.
Hitze breitete sich in mir aus.
Mein Herz hämmerte lautstark.
Ohne es zu merken, schloss ich die Augen.
„Entspannen Sie sich“, murmelte seine tiefe Stimme. „Reißen Sie sich zusammen.“
Ich riss die Augen auf, Scham überflutete mich.
„Oh mein Gott…“, flüsterte ich und trat einen Schritt zurück. „Es tut mir leid.“
Ich wünschte, der Boden würde sich auftun und mich verschlucken.
Er trat ruhig einen Schritt zurück, völlig unbeeindruckt.
Ich setzte mich wieder hin, meine Hände zitterten.
Stille erfüllte den Raum.
Dann sprach er.
„Ich habe ein Vertragsangebot für Sie.“
Ich sah abrupt auf.
„Ein… Vertragsangebot?“, wiederholte ich.
„Ja“, sagte er schlicht.
Mein Herz setzte heftig aus.
Er fuhr ruhig fort: „Ich werde für die Operation Ihrer Mutter bezahlen. Jeden Cent.“
Mein Atem stockte.
„Woher… woher wissen Sie von meiner Mutter?“, flüsterte ich.
Er lächelte matt. „Ich bin wie der Wind. Ich weiß alles.“
Mein Magen zog sich zusammen.
„Ich weiß auch“, fuhr er fort, „dass dieser unfähige Narr Sie wegen seiner reichen Freundin verlassen hat.“
Mein Herz sank noch tiefer.
Ich schluckte schwer und fragte schließlich: „Was wollen Sie von mir?“
Er sah mir direkt in die Augen.
„Heiraten Sie mich.“
Mein Blut fror in den Adern.
„Was??!“
Monate waren vergangen, seit all das Chaos begonnen hatte. Die Stadt schien friedlich, und das Anwesen war voller Wärme und Lachen. David, Judy und Baby Michael genossen endlich die Ruhe, für die sie so hart gekämpft hatten.Es war ein sonniger Morgen. David saß im Garten auf einer kleinen Bank. Michael saß auf seinem Schoß, kicherte und strampelte mit seinen winzigen Füßen. David hielt vorsichtig seine Hände und ließ ihn winken und lachen.„Du wirst jeden Tag stärker, mein Kleiner“, flüsterte David lächelnd. „Schau dich an … du bist jetzt schon voller Leben.“Judy kam nach draußen und hielt eine weiche Decke in den Händen. Sie lächelte, als sie David und Michael beobachtete. Ihr Haar war ordentlich zusammengebunden, und ihre Augen strahlten vor Glück. „Guten Morgen, meine Jungs“, sagte sie sanft.David sah auf und küsste ihre Hand. „Guten Morgen, meine Liebe. Komm, Michael möchte seine Mama sehen.“Judy setzte sich neben sie. Michael streckte seine winzigen Hände nach ihr aus und gri
Das Anwesen war nun ruhig, fast friedlich. Nach der Feier für das Baby schien das Leben langsam wieder zur Normalität zurückzukehren. David und Judy waren zu Hause, ruhten sich aus und genossen die Zeit mit ihrem Sohn. Die Bedrohung durch Cassandra schwebte noch immer in ihren Hinterköpfen, aber im Moment waren sie in Sicherheit.Plötzlich klingelte das Telefon. David nahm ab. Es war Deputy Cole.„Sir … wir haben Neuigkeiten über Cassandra“, sagte Cole vorsichtig. „Sie spricht. Sie … sie hat jemanden verraten.“Davids Herz setzte für einen Moment aus. „Wen? Wen?“Cole zögerte. „Es ist … es ist Mara, Sir. Das Dienstmädchen.“David erstarrte. „Mara? Diejenige, die die ganze Zeit bei Judy war?“„Ja, Sir. Sie sagte, dass sie Cassandra Informationen über Ihr Haus, Ihre Bewegungen … über alles gegeben hat.“Davids Hand umklammerte das Telefon fester. Er sah Judy an, die in der Nähe saß und ihren Sohn im Arm hielt. Ihr Gesicht wurde blass.„Was?“, flüsterte Judy. „Mara … sie hat Cassandra ge
Die Türen des Krankenhauses öffneten sich, und Sonnenlicht fiel sanft auf David und Judy, als sie nach draußen traten. Judy war noch schwach, aber sie hielt ihr Baby vorsichtig in den Armen. David ging neben ihr und stützte ihre Hand. Ihre Herzen waren voller Erleichterung.„Zu Hause“, flüsterte David und blickte auf die vertrauten Straßen. „Endlich … wir gehen nach Hause.“Judy lächelte schwach. „Ja … zu Hause … Ich habe es vermisst. Nach allem, was passiert ist, fühlt es sich jetzt wieder sicher an.“Sofia, die in der Nähe geblieben war, eilte zu ihnen. Sie trug eine kleine Tasche mit den wichtigsten Dingen für Judy und das Baby. „Ich kann nicht glauben, dass wir dich endlich nach Hause bringen“, sagte sie, ihre Stimme zitterte vor Glück.David nickte. „Danke, dass du in der Nähe geblieben bist, Sofia. Ohne dich hätte ich das nicht geschafft.“Judy lächelte schwach. „Ja … danke … du bist wie eine Familie für uns gewesen.“---Die Fahrt nach Hause verlief ruhig. David fuhr vorsichtig
Die Polizeistation war voll und geschäftig. Überall gingen Beamte von einem Schreibtisch zum anderen. Cassandra saß in einem kleinen, kalten Raum, ihre Hände waren fest gefesselt. Ihr Gesicht war blass, aber ihre Augen waren immer noch hart. Sie weigerte sich zu sprechen.Die Beamten verhörten sie immer wieder. „Wer hat dir geholfen? Warum hast du das getan? Warum hast du Judy verletzt?“Cassandra lächelte nur schwach. Sie sagte kein Wort. Sie wusste, dass sie noch nichts verraten durfte. Ihr Verstand rechnete und plante weiter, selbst jetzt, wo sie gefangen war.---Währenddessen war das Krankenhaus voller Krankenschwestern und Ärzte, die hektisch hin und her liefen. Davids Wagen war durch die Nacht gerast, die Reifen quietschten, als er Judy sicher ins Krankenhaus brachte. Wachen folgten dicht dahinter, um sicherzustellen, dass niemand sich ihr nähern konnte.David rannte in die Notaufnahme, sein Herz schlug schnell. Seine Hände zitterten, als er Judy auf der Trage sah. Ihr Gesicht
Die Nachtluft vor dem Lagerhaus war dicht und still. Davids Herz schlug so heftig, dass es sich anfühlte, als würde es jeden Moment zerspringen. Cassandra war mit Judy verschwunden, und sie war gefährlich.„Los! Wir müssen ihnen folgen!“, rief Deputy Cole den Beamten zu.David wartete nicht. Er sprang in das erste Polizeiauto. Seine Hände umklammerten den Sitz fest.„Los! Los! Los!“, schrie er.Die anderen Polizeiautos folgten dicht dahinter. Sirenen heulten, während rote und blaue Lichter über die dunklen Straßen flackerten.---Im schwarzen SUV fuhr Cassandra mit ruhiger Präzision. Mit einer Hand hielt sie das Lenkrad, während sie mit der anderen ihre Waffe bereithielt. Judy saß neben ihr, immer noch gefesselt, ihr Gesicht blass und ihr Körper zitterte.„Bitte … ich flehe dich an … tu mir nichts“, flüsterte Judy. Tränen liefen über ihre Wangen.Cassandras Lippen verzogen sich zu einem kalten Lächeln.„Sei still, kleiner Vogel. Deine Schreie werden dich nicht retten. David hat mein H
Im dunklen Lagerhaus war die Luft kalt und schwer. Die schwache Glühbirne über Judys Kopf flackerte immer wieder. Schatten bewegten sich langsam über die Wände.Judy saß auf dem Boden, ihre Hände waren gefesselt. Ihr Körper fühlte sich schwach an, aber ihre Augen waren geöffnet. Angst erfüllte ihr Herz, doch sie versuchte, für ihr Baby stark zu bleiben.Vor ihr stand Cassandra.Ihr Schleier war jetzt abgenommen. Ihr Gesicht war deutlich zu sehen. Ihre Augen waren voller Wut und Schmerz.Judy sah sie geschockt an.„Cassandra …“, flüsterte sie.Cassandra lächelte kalt.„Ja. Ich bin noch am Leben. Und heute bin ich gekommen, um alles zu beenden.“Judy schluckte.„Warum tust du das?“, fragte sie. „Warum verletzt du uns?“Cassandras Gesicht wurde hart.„Weil David mein Leben zerstört hat“, sagte sie. „Und jetzt werde ich seines zerstören.“---Cassandra begann langsam durch den kleinen Raum zu gehen.„Es gab eine Zeit, in der ich dachte, ich würde ihn heiraten“, sagte sie. „Ich dachte, ich







