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Kapitel 3

Author: Katerina
Am nächsten Morgen um neun saßen wir alle sieben im Wartebereich des Nassau County Court.

Sofia trug einen cremefarbenen Hosenanzug und das Saphirarmband. Sie lächelte mich vorsichtig an, als ob ihr Erscheinen den vorigen Abend ungeschehen machen könnte.

Die Angestellte prüfte die Unterlagen, dann sah sie Luca an. „Wo ist die notariell beglaubigte Originalfassung des DNA-Gutachtens? Das hier ist ein Scan.“

Luca durchsuchte zweimal seinen Aktenkoffer, bevor sich sein Gesichtsausdruck veränderte. „Er liegt im Safe auf dem Anwesen.“

Nico fragte, ob wir trotzdem vor den Richter könnten, aber die Angestellte schüttelte den Kopf. „Das Original wird benötigt. Lassen Sie es bringen. Im heutigen Kalender ist noch Zeit.“

Sofia faltete die Hände im Schoß. „Das ist meine Schuld. Ich habe gestern Abend die Inhalierhilfe für meinen Vernebler nicht gefunden, und Luca ist aufgeblieben, um mir beim Suchen zu helfen.“

„Er hat die Akte vergessen“, sagte ich. „Du hast sie nicht für ihn vergessen.“

Luca rief einen Fahrer und schickte ihn zurück nach Oyster Bay. Wir hatten noch keine zwanzig Minuten gewartet, da summte Sofias Telefon.

Sie öffnete die Sicherheitswarnung, und das Blut wich aus ihrem Gesicht. Die Kameraaufnahmen zeigten, wie Mitarbeiter Kleiderständer, Studiobeleuchtung und Musterkisten aus dem Westflügel trugen.

Die Suite war nie ihr Schlafzimmer gewesen. Vor drei Jahren hatte Mutter versprochen, sie in mein Zimmer umzuwandeln. Dann expandierte Sofias Schmucklabel, und die Räume wurden zu ihrem temporären Fotostudio. Aus der Übergangslösung war längst ein Dauerzustand geworden.

„Sie werfen all meine Designarchive weg.“ Sofia sprang auf, und ihr Atem ging immer schneller. „Mama, ich muss zurück.“

Mutter griff nach ihrer Tasche. Luca und Nico standen gleichzeitig auf.

Matteo fasste Sofias Handgelenk, um ihren Puls zu prüfen. „Setz dich erst einmal hin. Gib mir den Inhalator.“

„Ich kriege keine Luft.“ Tränen liefen über Sofias Gesicht, während sie den Kopf schüttelte. „Bitte, bringt mich nach Hause.“

Ich trat vor den Aufzug – nicht um sie aufzuhalten, sondern um sie dazu zu bringen, mich anzusehen, bevor sie gingen. „Letzte Nacht hat jeder Einzelne von euch versprochen, zu bleiben.“

Mutter zögerte. „Wir können die Formalitäten heute Nachmittag erledigen. Diese Entwürfe sind Jahre von Sofias Arbeit.“

„Die Mitarbeiter verpacken sie. Nichts wird zerstört.“

„Sieh sie an“, fuhr Nico sie an. „Kannst du nicht wenigstens einmal ein Auge zudrücken?“

„Du nennst es jedes Mal ‚einmal‘.“

Sofia krümmte sich, hustete heftig, eine Hand auf die Brust gepresst. Matteo stützte sie. Luca drückte den Aufzugsknopf, Mutter rief nach dem Wagen, und Nico legte den Arm um Sofias Schultern. Keine zwei Minuten später waren alle fünf im Aufzug.

Vaters Telefon klingelte, als sich die Türen öffneten. Es gab Ärger an einem Moretti-Pier. Er sagte zu mir: „Warte auf das Original“, und ging zum anderen Aufzug, ohne auch nur vorzugeben, bald zurückzukommen.

Die sechs Menschen, die versprochen hatten, nicht zu gehen, hatten alle einen Grund gefunden, wegzugehen.

Ich saß allein unter den Leuchtstoffröhren, während das Gerichtspersonal andere Familien aufrief. Neben mir hielt ein älterer Herr während einer Adoptionsanhörung die Hand seiner Enkelin. Gegenüber machten zwei Frauen Fotos von einem frisch unterzeichneten Dokument und lachten, als eine von ihnen zu weinen begann. Niemand in diesem Gang hatte mehr Macht als die Morettis, und trotzdem hatten sie es irgendwie geschafft, auf ihren Plätzen zu bleiben.

Als sich die Aufzugstüren schlossen, kam die Angestellte mit meiner Mappe zu mir. „Frau Hart, sobald das Original eintrifft, möchten Sie dann fortfahren?“

Ich sah auf den neuen Namen, der auf dem Antrag auf mich wartete. Der Nachname Moretti stand oberhalb der leeren Unterschriftszeile.

Als ich zum ersten Mal ihr Anwesen betrat, hatte ich geglaubt, dieser Name würde beweisen, dass man mich endlich gefunden hatte. Drei Jahre lang hatte ich ihn wie einen Schlüssel zu einem verschlossenen Haus behandelt. Jetzt verstand ich: Ein Nachname kann niemanden zwingen, ein Versprechen zu halten, und er kann aus einer Hierarchie keine Familie machen.

Ich zog einen Strich durch das Unterschriftsfeld und gab die Mappe zurück. „Ziehen Sie den Antrag zurück. Ich behalte Hart.“

Die Angestellte blinzelte. „Sind Sie sicher? Eine erneute Einreichung würde wieder Wartezeit bedeuten.“

„Ich bin sicher. Ich habe lange genug gewartet.“

Die Angestellte versuchte nicht, mich umzustimmen. Sie stempelte die Rücknahme ab, reichte mir eine Kopie und sagte: „Wenn ich das sagen darf: Hart ist ein guter Name.“

Es war der Name, den meine Adoptivmutter mir gegeben hatte, als sie mich nach Hause brachte. Sie hatte niemals Leibwächter, einen Privatjet oder ein Wappen über ihrer Haustür gehabt, aber wenn sie ein Versprechen gab, brauchte ich keine sechs Zeugen, um es zu glauben.

Vor dem Gerichtsgebäude rief ich Maya an, unsere Personalchefin, und fragte, ob die Mitarbeiterwohnung, die sie erwähnt hatte, noch frei war.

Sie bestätigte meine Betriebszugehörigkeit und das Einzugsdatum und schickte mir zehn Minuten später den Mietvertrag per E-Mail.

„Einheit 18C gehört Ihnen. Die Schlüssel sind nach fünf Uhr abholbereit.“

Drei Jahre lang hatten die Morettis mich darauf warten lassen, willkommen geheißen zu werden.

Elena Hart brauchte zehn Minuten, um eine Tür zu finden, die sie selbst öffnen konnte.

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