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Kapitel 4

Author: Katerina
Am Nachmittag kehrte ich mit dem unterschriebenen Mietvertrag auf meinem Handy zum Anwesen zurück.

Niemand im Familienchat hatte gefragt, was vor Gericht geschehen war. Die letzte Nachricht war immer noch die von Mutter aus der vergangenen Nacht.

„Morgen ist Elenas Tag. Niemand geht vorzeitig.“

Darunter standen sechs Versprechen, säuberlich aufgereiht wie eine Pointe.

Der Westflügel war bereits wieder Sofia überlassen worden. Studiobeleuchtung stand an den Fenstern, Rollständer säumten den Flur, und Tabletts mit ihren Schmuckkollektionen bedeckten den langen Arbeitstisch. Marco, der Verwalter des Anwesens, wirkte verlegen, als er mich sah.

„Frau Moretti hat beschlossen, die Suite vorerst nicht zu räumen“, sagte er. „Sofia braucht ein stabiles Umfeld.“

„Verstanden.“

Ich ging in das Gästezimmer, in dem ich drei Jahre lang geschlafen hatte.

Alles darin war teuer, aber fast nichts gehörte mir. Die Kleider im Schrank waren Muster aus Sofias Label und auf ihre Maße zugeschnitten. Die Espressomaschine war ein Geschenk gewesen, das Luca doppelt bekommen hatte und nicht haben wollte, obwohl ich nie Kaffee trank. Matteo hatte mir einmal ein Luxus-Schlafspray voller Lavendel geschenkt, ohne zu wissen, dass starker Parfümgeruch meine Migräne auslöste.

Nico hatte mir nie etwas geschenkt. Als wir uns das erste Mal trafen, warnte er mich: „Sofias Gesundheit ist empfindlich. Benutze dein Blut nicht, um ihr das Gefühl zu geben, dass sie hier unsicher ist.“

Ich packte keines ihrer Geschenke ein.

Ein Koffer enthielt meine Dokumente, den Laptop, ein paar Anzüge und die Blechdose mit den Briefen, die meine Adoptivmutter mir hinterlassen hatte. Meine ersten fünfundzwanzig Jahre passten hinein. Nach drei Jahren auf dem Moretti-Anwesen gab es fast nichts, was ich hinzufügen wollte.

Am Boden der Briefdose lag der Mietvertrag meiner ersten Studio-Wohnung. Die Miete hatte die Hälfte meines Gehalts verschlungen, der Heizkörper klapperte den ganzen Winter, und der Nachbar unter mir spielte um zwei Uhr morgens Saxofon. Trotzdem hatte ich mich dort sicherer gefühlt als in einer Villa, in der jede Freundlichkeit ohne Vorwarnung neu vergeben werden konnte.

Ich gab Marco meine Zimmerkarte. „Sie können das hier wieder in ein Gästezimmer verwandeln.“

„Das ist Ihr Zimmer, Frau Hart.“

„Mein Name steht nicht an der Tür. Nichts im Schrank passt mir, und jedes Detail bis hin zu den Gardinen hat jemand anderes ausgesucht.“ Ich warf einen letzten Blick hinein. „Es ist ein Zimmer, in dem ich geschlafen habe. Mehr nicht.“

Als ich meinen Koffer die Treppe hinunterrollte, hielt ein schwarzer Range Rover unter dem Säulenvorbau.

Sofia stieg aus, umgeben von der Familie, eine Kirschlimonade in der Hand. Ihre Gesichtsfarbe war zurückgekehrt. In dem Moment, als sie meinen Koffer sah, blieb sie wie angewurzelt stehen.

„Elena, wohin gehst du?“

„Ich ziehe aus.“

Mutter eilte herbei und griff nach dem Koffergriff. „Weil wir nicht geblieben sind, um den Gerichtstermin zu Ende zu bringen?“

Ich löste sanft ihre Hand. „Nein. Wegen des Dinners, der drei Geburtstage, des Armbands, des Westflügels und des Versprechens, das du letzte Nacht gemacht hast. Jeder Vorfall hatte eine gute Ausrede, aber jede Ausrede endete damit, dass ich hinter Sofia zurückstand.“

Ihre Augen wurden rot. „Warum hast du mir nicht gesagt, wie sehr dich das verletzt?“

„Habe ich. Du hast mich schwierig genannt.“

Luca versperrte mir die Haustür. „Bleib. Wir räumen heute Nacht den Westflügel, und das Armband wird zurückgegeben.“

„Warum habt ihr nicht schon gestern eines von beiden getan?“

Er wandte den Blick ab.

„Du bietest es jetzt an, weil ich einen Koffer in der Hand halte“, sagte ich. „Nicht weil du beschlossen hast, dass ein Versprechen zählt, sondern weil du endlich gelernt hast, was es dich kosten wird, es zu brechen.“

Vater kam um das Auto herum, sein Gesicht wütend verzerrt. „Benutze das Gehen nicht als Druckmittel. Außerhalb dieser Tore weicht niemand zur Seite, nur weil dein Nachname Hart ist.“

„Ich verhandle nicht. Der Mietvertrag ist unterschrieben. Ich gebe euch hiermit Bescheid.“

„Wie lange, glaubst du, wirst du ohne Moretti-Konto, Fahrer und Sicherheitsdienst auskommen?“

„Ich habe sechs Jahre lang allein in Manhattan gelebt, bevor ihr mich gefunden habt.“

Er starrte mich an, als wäre es ihm nie in den Sinn gekommen, dass ich diese Jahre nicht regungslos verharrt hatte, darauf wartend, von einem Mann mit einem gepanzerten Wagen gerettet zu werden.

Sofia kam näher und streckte die Hand nach mir aus. „Geh nicht wegen mir. Du kannst den Westflügel und das Armband haben. Ich brauche beides nicht.“

„Wenn du ‚wegen mir‘ sagst, gibst du zu, dass du weißt, dass das etwas mit dir zu tun hat.“

Sie zog ihre Hand zurück. Mutter trat instinktiv zwischen uns.

In dem Moment, als sie zwischen uns trat, wirkte sie selbst überrascht von ihrer Reaktion.

Dieses Mal fragte ich nicht, warum. Ich wusste es längst.

Der Fahrdienst, den ich bestellt hatte, hielt vor dem Tor. Luca blieb in der Tür stehen, bis ich meinen Koffer an ihm vorbeischob und selbst in den Kofferraum lud.

Vater folgte mir auf die Vortreppe. „Wenn du heute gehst, erwarte nicht, dass dich je wieder ein Moretti-Wagen abholt.“

„Einverstanden.“

Ich stieg ein und schloss die Tür.

Der Fahrdienst rollte durch das Tor. Im Rückspiegel sah ich, wie Mutter einen Schritt hinter uns machte. Vater hielt sie am Arm fest.

„Lass sie gehen“, sagte er. „Sie will, dass wir ihr hinterherlaufen. Gib ihr zwei Tage ohne den Moretti-Namen und unser Geld, dann kommt sie zurück.“

Ich sah auf mein Handy hinunter. Die E-Mail vom Gericht war noch geöffnet.

„Namensänderungsantrag zurückgezogen“

„Die Antragstellerin wird weiterhin Elena Hart heißen.“

Bevor der Wagen die Autobahn erreichte, klingelte Vaters Telefon.

Es war der Familienanwalt.

„Wir haben die Mitteilung vom Gericht erhalten. Elena hat den Antrag zurückgezogen.“

„Dann reichen wir den Antrag erneut ein.“

Es folgte eine kurze Stille.

„Sie hat den Termin nicht verpasst, Lorenzo. Sie hat ihn persönlich zurückgezogen. Sie hat sich entschieden, keine Moretti zu werden.“

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