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Ich habe noch nie

ผู้เขียน: A.M.Betsy
last update วันที่เผยแพร่: 2026-08-21 05:34:56

Am nächsten Morgen sprach sie es nicht an. Das war die vernünftige Entscheidung, die vorsichtige Entscheidung, und Quin war schon immer beides gewesen. Sie kochte Kaffee mit der kleinen Maschine, die sie eingepackt hatte, und saß an ihrem Schreibtisch, während Mara friedlich schlief, als hätte sie ihren Frieden mit der Welt geschlossen. Jades Bett war nicht leer. Irgendwann in der Nacht war sie zurückgekehrt. Sie gab das Passwort für ein geheimes Dokument auf ihrem Laptop ein und begann zu tippen; sie wusste noch nicht, was sie mit diesem Dokument anfangen würde, aber sie hatte ein paar verrückte Ideen im Kopf. Nach ein paar Minuten drehte sich Mara in ihrem Bett um. Quin klappte ihren Laptop hastig zu. Sie wechselte zu ihrem Biologie-Lehrbuch, las vier Seiten und behielt absolut nichts davon. Sie musste ununterbrochen an die letzte Nacht denken. Sie fand es immer noch unfassbar. Sie war 18 und nicht naiv genug, um zu glauben, sie hätte dieses Geräusch falsch interpretiert. Sie verstand dessen Wesen auf abstrakte Weise, genau wie sie die meisten Dinge verstand, die sie noch nie selbst erlebt hatte: klar, theoretisch, von außen betrachtet. Die Außenseite war die einzige Seite, die sie kannte. Das war nichts, worüber sie oft nachgrübelte. Es war einfach eine Tatsache über sie selbst, abgelegt neben anderen Fakten, so neutral wie ihre Körpergröße oder ihre Blutgruppe. Sie hatte in Clearbrook, wo sie herkam, nie einen festen Freund gehabt. Hatte auch nie wirklich einen gewollt. Die Jungs dort hatten wie unfertige Versionen von etwas gewirkt, und die Mädchen machten den Eindruck, als spielten sie alle eine Rolle in einem Theaterstück, für das sie selbst nie vorgesprochen hatte. Quin hatte vier Jahre Highschool mit genau solchen Aufführungen verbracht und das Ganze mit trockenem Interesse aus der letzten Reihe beobachtet. Sie hatte einmal jemanden geküsst. Nur kurz, auf einer Party in der elften Klasse. Es hatte sich angefühlt, als presste man den Mund auf eine Frage, die einen nicht genug interessierte, um ihr weiter nachzugehen. Nun. Das war die Bestandsaufnahme. Mara wachte um Viertel nach neun auf, setzte sich kerzengerade im Bett auf, mit voluminösem Haar und einem Gesichtsausdruck, der augenblicklich hellwach und gut gelaunt war – kein Übergang, keine Schlaftrunkenheit –, und sagte: „Erzähl mir etwas Wahres über dich. Etwas, das du nicht in deine College-Bewerbung schreiben würdest.“ Quin sah von ihrem Lehrbuch auf. „Guten Morgen auch dir.“ Ihre Augen blickten urteilend. „Guten Morgen. Und jetzt antworte. Das ist Tradition. Das mache ich mit jedem, mit dem ich zusammenwohne.“ In ihrer Stimme lag nicht die Spur von Schuld; sie verhielt sich überhaupt nicht wie jemand, der in Quins Gegenwart mit einer anderen rumgemacht hatte. „Du hast schon vorher mit anderen Leuten zusammengewohnt?“ „Sommerprogramme. Model UN. Das Haus meiner Großmutter, was im Grunde eine Kommune war. Hör auf auszuweichen.“ Quin dachte nach. Sie konnte eine unverfängliche Antwort geben. Sie hatte mehrere davon parat – jene Art von Antworten, die persönlich klangen, es aber nicht waren; eine einstudierte Verletzlichkeit, genau so, wie ihr Studienberater ihr beigebracht hatte, in Bewerbungsgesprächen zu sprechen. Sie blickte in Maras direktes, ungeniertes Gesicht und entschied sich dagegen. „Ich war noch nie an einem Ort, an dem ich nicht von vornherein die Klügste im Raum war“, sagte sie mit vorsichtiger, gleichmäßiger Stimme. „Und ich bin mir nicht sicher, ob das hier so bleiben wird, und ich weiß nicht, was ich davon halten soll.“ Sie fingen an, über andere Dinge zu reden. Mara stammte aus New Orleans, belegte Jura im Vorstudium und hatte einen älteren Bruder namens Cole, den sie im selben Atemzug als unausstehlich und brillant beschrieb. Jade kam aus Los Angeles, studierte internationale Wirtschaft und hatte einen festen Freund namens Dex, der für Hargrove Tennis spielte und der nach der Art, wie sie seinen Namen aussprach, einen komplizierten Platz in ihrem Leben einnahm. „Und wie sieht’s mit dir aus?“ Mara drehte ihre Gabel in der Hand und hielt ihren Blick fest auf Quin gerichtet. „Woher kommst du? Was studierst du?“ „Clearbrook, Ohio. Medizinisches Vorstudium, Schwerpunkt Biologie.“ „Medizin“, sagte Jade, wobei sich ihre Augenbrauen leicht hoben. „Du bist also die Verantwortungsbewusste.“ „Ich bin die Ruhige“, erwiderte Quin mit beherrschter Stimme. „Das ist nicht dasselbe.“ Mara zeigte mit ihrer Gabel auf sie. „Ich mag sie.“ Jade legte den Kopf schief und musterte Quin nun mit schärferem Interesse, als würde sie ein vorheriges Urteil noch einmal überarbeiten. Dann verließ sie das Zimmer. Mara stand auf und streckte sich wie jemand, der die ganze Nacht durchgearbeitet hatte – die Arme über dem Kopf, die Wirbelsäule durchgebogen, vollkommen ungehemmt –, und Quin beobachtete das mit derselben Aufmerksamkeit, die sie allem schenkte. Sie ruhte völlig in sich selbst. Das wollte sie auch. Sie war sich nur nicht sicher, ob sie das jemals erreichen würde.

Jade tauchte mittags wieder auf; sie sah Quin auf eine Weise an, die diese kaum beschreiben konnte, wandte den Blick aber rasch ab – es schien, als empfände sie ein wenig Scham, ganz im Gegensatz zu Mara. Sie duschte, zog ein frisches weißes Hemd an und setzte sich im Schneidersitz auf ihr Bett, aß einen Müsliriegel und scrollte auf ihrem Handy. „Die Einführungsveranstaltungen beginnen um zwei, gehst du nicht hin?“, fragte sie, ohne aufzusehen. „Es gibt ein Kennenlerntreffen, eine Campus-Tour und ein BAföG-Seminar, zu dem du auch gehen solltest, wenn du gerade kein Geld brauchst, weil sich die Leute in diesen Büros Gesichter merken.“ „In Ordnung“, antwortete Quin knapp; sie empfand schließlich selbst Scham – immerhin war sie beim Zuschauen erwischt worden. Quin ging zum Kennenlerntreffen. Mara ebenfalls. Zu dritt bewegten sie sich in ihren ganz eigenen Mustern über die Veranstaltung im Innenhof: Mara kreiste um jeden herum und hinterließ überall Lachen; Jade suchte gezielt Kontakt zu bestimmten Personen und sammelte sie wie Wertanlagen; und Quin stand am Rand von Gruppen, lauschte und katalogisierte. Ein Junge namens Marcus stellte sich vor. Er war groß, hatte ein langsames Lächeln und sah Quin einen Herzschlag zu lang an. Sie registrierte es. Merkte es sich. Ging weiter. Ein Mädchen namens Petra, im zweiten Studienjahr, erzählte ihnen von der inoffiziellen sozialen Landkarte des Campus – wo die Leute am Wochenende wirklich hingingen, welche Clubs nicht in der Broschüre standen und welches Gebäude eine Dachterrasse hatte, auf die man gelangte, wenn man das richtige Treppenhaus kannte. Mara und Jade wussten bereits von der Dachterrasse; schließlich waren sie im zweiten Jahr und nicht mehr neu hier.

An diesem Abend bestellten die drei Pizza aufs Zimmer und aßen auf dem Boden, weil es keine Stühle gab, und redeten bis Mitternacht. Mara sprach voller Wärme über ihre Familie, als hätte sie die Arbeit investiert, sie wirklich zu verstehen. Jade sprach mit Respekt über Dex; sie waren schon sehr lange zusammen. Quin beantwortete Fragen, wenn sie gestellt wurden, stellte im Gegenzug eigene Fragen und gab nicht mehr preis, als sie beabsichtigte. Sie wusste, dass die drei an diesem Abend zueinander fanden.

Quins erste Vorlesungswoche war genau so, wie sie es sich erhofft hatte: fordernd, anregend und nach einem Stundenplan strukturiert, den sie sich mit viel Bedacht zusammengestellt hatte. Biologie-Vorlesung um acht. Dienstag- und Donnerstagnachmittag Chemielabor. Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten – ein Kurs, für den sie sich eingeschrieben hatte, weil der leitende Professor einer der meistveröffentlichten Forscher auf seinem Gebiet war und sie vorhatte, bis zum zweiten Studienjahr in seinem Hauptseminar zu sitzen. Sie war in allem gut. Das war keine Arroganz; das war die Wahrheit. Doch in der Art, wie sie ihre Tage verbrachte, hatte sich etwas verändert. In der ersten Nacht, als sie ankam, hatte sie ihre Mitbewohnerinnen beim Sex gehört, und bei den Dingen, die sie wahrnahm, gab es nun ein Vorher und ein Nachher. Sie begann, Jungs zu bemerken, sogar Mädchen; vor jener Nacht hatte sie sich noch nie zu Mädchen hingezogen gefühlt, aber jetzt sah sie ihnen aufs Dekolleté; sie stellte sich aus heiterem Himmel vor, wie sie da unten schmecken würden. Sie scrollte nicht mehr weiter, wenn sie nicht jugendfreie Bilder sah. Morgens betrachtete sie ihr eigenes Spiegelbild im Badezimmer einen Moment länger als gewöhnlich. Sie redete sich ein, es sei die Umstellung. Eine neue Stadt. Neue Reize. Neurologisch völlig normal. Sie wusste genau, dass es das nicht war.

Am Freitagabend kehrte sie um sieben aus der Bibliothek zurück und traf Mara und Jade auf Maras Bett an. Sie reichten sich eine Weinflasche hin und her, von der Quin ziemlich sicher war, dass sie im Wohnheim eigentlich verboten war, und lachten über etwas, das sich offenbar in Jades VWL-Vorlesung abgespielt hatte – irgendetwas mit einem Tutor und einer Beamer-Panne. „Komm, setz dich“, sagte Mara und klopfte auf den Platz neben sich, ohne ihre Erzählung zu unterbrechen. Quin setzte sich. Mara reichte ihr den Wein, ohne zu fragen. Sie nahm ihn ohne Protest entgegen. Das Gespräch floss mühelos dahin: Jades Vorlesungskatastrophe, Maras Jura-Lesekreis, ein Typ namens Leo, der Jades Bewegungen seit Semesterbeginn auf eine Weise verfolgt hatte, die entweder schmeichelhaft oder beunruhigend war – Jade hatte sich noch nicht entschieden, was von beidem. Quin hörte zu, steuerte gelegentlich etwas bei und spürte, wie sie schrittweise Teil des Gefüges dieses Zimmers wurde, dieses Arrangements, dieser beiden Menschen. Sie dachte an Clearbrook. An vier Jahre, in denen sie ganz bei sich geblieben war, ohne jemanden an sich heranzulassen. An die Art, wie sie auf Schulpartys immer mit verschränkten Armen am Rand gestanden und gedacht hatte: Ich verstehe nicht, worauf sie alle so fieberhaft aus sind. Ich fühle das nicht. Jetzt fühlte sie es. Oder etwas, das dem verdammt nahekam. Etwas mit derselben Dringlichkeit, aber einer anderen Textur. „Du bist heute Abend so still“, sagte Mara und beobachtete sie. „Ich bin meistens still.“ „Es gibt dein normales Stillsein und es gibt die Art, bei der im Hintergrund etwas rattert. Das hier ist die zweite Art.“ Quin drehte die Weinflasche in ihren Händen. „Ich denke nur nach.“ „Worüber?“ Sie blickte auf. Mara sah sie mit diesem besonderen Blick an: warm, geduldig, ohne Druck. Die Sorte von Gesichtsausdruck, die Ehrlichkeit wie die einfachste Option wirken ließ. „Darüber, dass ich 18 bin und noch nie…“ Sie brach ab. „Noch nie was?“ Fragte Mara, nun sanfter. Quin stellte die Weinflasche auf den Boden. Sie starrte die Wand an. „Nichts. Vergiss es.“ Mara folgte ihrem Blick. Dann sah sie Quin wieder an, und etwas in ihrem Gesichtsausdruck veränderte sich – Verständnis stellte sich ein, leise und vollkommen. Sie drängte nicht weiter. Sie gab keine Ratschläge, keine Kommentare ab und bot nicht jene gut gemeinten, aufmunternden Plattitüden an, vor denen Quin sich seit der Nacht gefürchtet hatte, in der sie die beiden gehört hatte. Sie griff einfach hinüber und schenkte Quins Becher nach. „Falls es dir hilft“, sagte Mara mit beiläufiger Stimme, als redeten sie über nichts Besonderes: „Es gibt keinen richtigen Zeitpunkt. Es gibt nur den Moment, in dem man aufhört, auf einen Grund zu warten.“ Quin sah sie an. Mara blickte zur Decke, nahm einen Schluck Wein, vollkommen gelassen. In dieser Nacht beobachtete sie die beiden zum zweiten Mal in dieser Woche; als sie schließlich einschlief, lag ihre Hand in ihrem Höschen.

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