MasukWillowDas Morgenlicht strömte durch die Vorhänge meines Hotelzimmers und warf lange Schatten auf den Boden. Ich nahm es kaum wahr. Meine Gedanken kreisten um das Geflüster, das ich am Vortag mitbekommen hatte – die bruchstückhaften Details über Axel und seinen sich verschlechternden Zustand spielten sich immer wieder in meinem Kopf ab. Axel lag im Sterben. Selbst jetzt noch kam es mir unwirklich vor, den lebensfrohen, überaus selbstbewussten Mann, den ich einst gekannt hatte, mit der leblosen Gestalt in Verbindung zu bringen, die diese gedämpften Stimmen beschrieben hatten. Ich musste die Wahrheit herausfinden. Ich zog meine Verkleidung an – eine dunkle Sonnenbrille, einen langen Kapuzenpulli und einen Schal, den ich fest um meine Haare gewickelt hatte – und trat hinaus in die frische Morgenluft. Während ich auf das Hauptgelände des Rudels zuging, hämmerte mein Herz in meiner Brust. Ich hielt mich am Rand der belebten Wege auf und vermied direkten Augenkontakt. Die Stimmen der
AsherDie Geräte in Axels Krankenzimmer waren das einzige Geräusch, das die Stille durchbrach; ihr rhythmisches Piepen wirkte zugleich beruhigend und quälend. Der Körper meines Bruders lag regungslos da, seine blasse Haut bildete einen scharfen Kontrast zu den strahlend weißen Laken, die ihn bedeckten. Seine Lippen hatten eine bläuliche Färbung angenommen – eine eindringliche Erinnerung daran, dass mir die Zeit zwischen den Fingern zerrann. Ich saß neben ihm und hielt seine Hand fest, obwohl er nicht reagierte. Seine Brust hob und senkte sich kaum merklich, jeder flache Atemzug glich einem Flüstern des Lebens, das sich weigerte, aufzugeben. „Du darfst mir nicht sterben“, sagte ich leise, meine Stimme zitterte. „Hörst du mich? Du darfst nicht aufgeben. Ich werde das in Ordnung bringen. Halte einfach noch ein bisschen durch.“ Die Last meiner Worte war erdrückend. Ich war mir nicht sicher, ob ich Axel oder mich selbst beruhigen wollte. Ihn so zu sehen – nur noch ein Schatten des st
Willow Die Morgenluft war frisch und erfüllt von der Vorfreude auf das, was vor mir lag. Ich war schon vor Sonnenaufgang aufgestanden, hatte gepackt und umgeräumt – meine Hände arbeiteten wie von selbst, doch meine Gedanken rasten und verstrickten sich in einem Gewirr aus Gedanken und Erinnerungen, das ich einfach nicht entwirren konnte. Heute war der Tag, an dem ich endlich an den Ort zurückkehren würde, den ich hinter mir lassen wollte – den Ort, der sowohl die Wurzeln meiner Vergangenheit als auch die Narben barg, die mich geprägt hatten.Ruby kam pünktlich und war eine warme, vertraute Präsenz inmitten meiner Nervosität. Sie hielt meinen Blick fest, während sie mir ein beruhigendes Lächeln schenkte. „Bist du bereit dafür, Willow?“„So bereit, wie ich es je sein werde“, antwortete ich und versuchte, etwas Selbstvertrauen aufzubringen. Sie legte mir eine Hand auf die Schulter. „Sei einfach … vorsichtig, okay? Hier gibt es Menschen, die dich brauchen.“ Ihr Blick wurde sanfter, als
WillowDie Tür schlug hinter Kingston zu, und das Echo hing wie eine Warnung in der Luft. Jason stand am Fenster, angespannt und mit zusammengebissenen Zähnen, als wäre er bereit, notfalls noch jemanden hinauszuwerfen. Die Atmosphäre im Raum war angespannt, als schwebte in jeder Ecke eine unausgesprochene Drohung. Ich sah zu, wie Kingston zu seinem Auto ging und sich dabei mehrmals mit verwirrtem Gesichtsausdruck umdrehte. „Was zum Teufel sollte das denn?“, fragte ich schließlich und durchbrach damit die bedrückende Stille. Meine Stimme klang entschlossener, als ich mich fühlte, aber ich wollte mich von Jasons Laune nicht einschüchtern lassen.Jason drehte sich um, seine dunklen Augen trafen meine mit stürmischer Intensität. „Du musst dich von ihm fernhalten, Willow. Das gilt für euch alle.“Ruby, die auf der Couch saß, hob eine Augenbraue. „Und warum denn das? Er wirkte zwar unheimlich, klar, aber was ist schon dabei?“Jasons Lippen pressten sich zu einer harten Linie zusammen. „Er
AsherDie Luft im Haus fühlte sich heute schwerer an, wurde mit jeder Stunde dichter, während sich Axels Zustand verschlechterte. Meine Gedanken rasten und gingen jede Möglichkeit durch, wie ich das Problem lösen und meinen Bruder wieder gesund machen könnte. Ich hasste das, hasste es, zwischen den perversen Forderungen meines Vaters und Axels nachlassender Gesundheit gefangen zu sein. Die Vorstellung, dass mein Vater das Gegenmittel nur freigeben würde, wenn ich ihm drei Kinder brachte, kam mir wie ein grausamer Scherz vor, aber daran war nichts Lustiges. Für ihn war es ein Spiel, ein Machtspiel, und ich war seine Schachfigur. Ich hasste es so sehr, aber das reichte leider nicht aus, um die Situation zu ändern.Ich saß an Axels Seite in seinem Zimmer und sah zu, wie er sich wieder auf dem Bett krümmte, während Blut die Laken unter ihm befleckte; er hatte nun schon seit über zwei Tagen das Bewusstsein verloren. Sein Gesicht war blass, sein Körper schwach und sein Atem flach. Ich spürt
Willow Nachdem ich mich für meinen Jogginglauf angezogen hatte, fühlte ich mich wieder schwach – vielleicht lag es daran, dass ich früh aufgestanden war –, aber das unruhige Gefühl von letzter Nacht ließ mich nicht los, wie ein Schatten, der sich einfach nicht auflösen wollte. Ich konnte das Gewicht, das auf meiner Brust lastete, nicht ignorieren, besonders wenn ich an Jason dachte. Er stand mir schon so lange nahe, war immer da, wenn ich ihn brauchte, aber irgendetwas nagte an mir. Ich beschloss, mit Ruby darüber zu sprechen, bevor mich diese Verwirrung völlig überwältigte. Sie war schon immer meine Vertraute gewesen, besonnen und einfühlsam, besonders wenn meine Gefühle meinen Blick trübten.Lina kam früher als sonst, fröhlich und voller Energie, und meine beiden Kleinen, Daniel und Ella, konnten es kaum erwarten, mitzuhalten. Sie hüpften aufgeregt auf und ab, plapperten und zupften an Linas Ärmeln. Lachend hob sie sie hoch und trug sie in ihr Zimmer. Das Haus war nun wunderbar st







