MasukEr nimmt die Tasse, führt sie an die Lippen. Seine Hände zittern noch ein wenig, aber weniger als gestern. Weniger als vorgestern. Weniger als all diese Tage, an denen er vor meinen Augen zu zerfallen schien. »Setz dich«, sagt er. »Bitte.« Ich setze mich ihm gegenüber auf die Bettkante. Meine Hände liegen auf meinen Oberschenkeln, meine Finger zappeln, suchen etwas zu tun, einen Pinsel, einen Stift, irgendetwas, um diese Leere zu füllen. »Sprich mit mir«, sagt er. »Worüber?« »Über dich. Über das, was du denkst. Über das, was du willst. Über das, was du erwartest.« »Ich weiß nicht, was ich dir sagen soll.« »Dann sag mir, was du tust. Tagsüber. Wenn ich nicht da bin.« »Du bist immer da.« »Wenn ich schlafe, dann. Wenn ich in meinen Albträumen bin. Wenn ich in meinem Kopf verloren bin
Er legt seinen Kopf wieder auf meine Brust. Seine Hände legen sich auf meine Hüften, diesmal sanfter. Seine Finger streicheln die Haut dort, wo er Male hinterlassen hat, wo seine Nägel sich eingegraben haben, wo er versucht hat, mich zu besitzen. »Ich werde es versuchen«, murmelt er. »Ich weiß.« »Ich werde es wirklich versuchen.« »Ich weiß.« »Und du?« »Was, ich?« »Wirst du versuchen zu bleiben?« »Ich werde es versuchen.« »Das genügt.« Diesmal lügt er nicht. Und ich auch nicht. Für diese Nacht genügt es zu versuchen. Für diese Nacht genügt es, zusammen zu sein. Für diese Nacht genügt es, zu kämpfen, ohne sich zu zerstören. Ich schließe die Augen. Seine Hände auf meinen Hüften, sein Kopf auf meiner Brust, sein Atem, der sich beruhigt. Draußen beginnt der Himmel hell zu werden. Ein neuer Tag beginnt. Eine neue Chance.
Er beugt sich über mich, sein Mund auf meiner Kehle, meinen Brüsten, meinem Bauch. Seine Küsse sind Bisse, Male, die er auf meiner Haut hinterlässt, Beweise seiner Anwesenheit. Ich wölbe mich, meine Hände graben sich in seine Haare, meine Beine öffnen sich für ihn. »Sag mir, dass du mich liebst«, sagt er. »Ich liebe dich.« »Noch einmal.« »Ich liebe dich.« »Noch einmal.« »Ich liebe dich, Diego. Ich liebe dich, wie ich nie jemanden geliebt habe. Ich liebe dich, wie man liebt, wenn man alles verloren hat und nichts mehr zu verlieren hat. Ich liebe dich, wie man liebt, wenn man weiß, dass es einen zerstören wird, und man trotzdem wählt.« Er dringt ohne Vorsicht in mich ein, ohne Zärtlichkeit, ohne Gnade. Der Schmerz ist scharf, schneidend, fast lustvoll. Ich schreie, meine Nägel graben sich in seine Schultern, meine Beine sch
Er dreht sich endlich um. Sein Gesicht ist fahl, seine Augen sind wild, seine Hände zittern. Er steht vor dem Fenster, der Körper angespannt, die Fäuste geballt, der Blick auf mich gerichtet wie auf einen Feind, wie auf eine Beute, wie auf etwas, das er will und nicht haben kann. »Hast du Angst vor mir?«, fragt er. »Ja.« »Warum fliehst du nicht?« »Weil ich dich liebe.« »Liebe genügt nicht gegen Angst.« »Nein. Aber sie genügt, um zu bleiben. Um zu versuchen. Um zu warten und zu sehen, was du tust.« »Und wenn ich eine Dummheit mache?« »Dann werde ich gehen. Für immer.« »Das hast du mir schon gesagt.« »Diesmal werde ich es tun.« Er sieht mich an. Lange. Seine Augen suchen die Wahrheit in meinen, suchen den Riss, suchen das verborgene Versprechen hinter der Drohung. Er findet nichts. Weil es die Wahrheit ist. Weil es d
Ihre Worte dringen in mich ein wie Messer. Ich wende sie in meinem Kopf, suche den Riss, suche die Übertreibung, suche die Lüge. Ich finde nichts. Weil es die Wahrheit ist. Weil es das Einzige ist, was sie immer gesagt hat. »Ich will nicht, dass du ich wirst«, murmure ich. »Ich weiß.« »Ich will, dass du du bleibst. Dass du deine Leinwände malst. Dass du dein Leben lebst. Dass du glücklich bist, selbst wenn es ohne mich ist.« »Dann lass mich gehen.« »Ich kann nicht.« »Dann lerne, jemand zu sein, für den ich bleiben kann, ohne mich zu verlieren.« Ich schließe die Augen. Ihre Finger nehmen ihre Bewegung auf meinem Rücken wieder auf, langsam, sanft, gleichmäßig. Ich spüre ihr Herz unter meiner Wange schlagen, ihren Atem, der sich beruhigt, ihre Muskeln, die sich entspannen. »Diego?«
Ich schreie. Endlich. Ein Schrei, der meine Kehle zerreißt, der die Stille zerreißt, der den Albtraum zerreißt.Ich wache schweißgebadet auf. Mein Körper ist aufgerichtet, meine Fäuste schlagen ins Leere, mein Mund ist offen zu einem Schrei, der nicht aufhören will.Und sie ist da.Valentina ist neben mir, ihre Hände auf meinen Schultern, ihre Augen auf mich gerichtet. Nicht die von Chiara. Ihre. Schwarz, tief, lebendig. Sie ist da. Sie ist nicht gegangen. Sie ist nicht tot. Sie ist da.»Diego. Diego, sieh mich an. Du hast einen Albtraum. Sieh mich an.«Ihre Stimme durchdringt den Nebel, durchdringt die Angst, durchdringt den Wahnsinn. Ich sehe sie. Wirklich. Ihre offenen Haare, ihr weißes Nachthemd, ihre Hände auf meiner Haut. Sie ist wirklich. Sie ist warm. Sie ist lebendig.»Valentina...«»Ich bin hier. Ich bin hier, Diego. Es war ein Albtraum. Ich bin hier.«Ich werfe mich auf sie. Meine Arme umschlinge
GiuliaDie Tür meiner Wohnung schließt sich hinter mir mit einem dumpfen Klicken, einem endgültigen Geräusch, das die Dichtigkeit der Welt besiegelt. Hier gibt es keinen Lorenzo Conti mehr. Keine strahlende Chiara. Kein Büro, keine Zahlen, keine von Hass erfüllten Blicke. Es gibt nur die Stille. Ei
GiuliaDie Lüge war so gewaltig, so monströs, dass sie beinahe wahr wurde. Ihr Glück war das Einzige, woran ich mich noch klammern konnte. Die einzige Rechtfertigung, die im Trümmerfeld meines Lebens noch Bestand hatte.— Du bist die beste Schwester der Welt, flüsterte sie mit feuchten Augen. Ich m
GiuliaDie Stille im Büro nach zwanzig Uhr ist ein lebendiges Wesen. Sie senkt sich schwer auf meine Schultern, dringt in meine Lungen ein, ersetzt das Blut in meinen Adern durch eine eiskalte, stehende Flüssigkeit. Im grellen Licht meiner Lampe ist mein Gesicht im schwarzen Spiegel des Bildschirms
LorenzoDie ehrgeizige Frau, von der ich glaubte, sie zu kennen, hätte sich gewehrt. Sie hätte ihre Waffen eingesetzt – diesen Blick, dieses Lächeln, das mich um den Verstand brachte –, um ihr Los zu mildern. Sie hätte versucht, mich erneut zu verführen, die Kontrolle zurückzugewinnen.Aber Giulia







