MasukGiulia
Ich sehe, wie sich seine Finger um die Schreibtischkante krallen. Seine Knöchel werden weiß. Aber ihr Kinn hebt sich um einen Millimeter.
— Mein „Aussehen“ ist dasselbe wie beim Betreten des Gebäudes. Und da Sie mich um 5 Uhr morgens zu … Gesprächen einbestellen, ist es nur normal, dass mein Gesicht davon Spuren trägt.
Das Blut hämmert mir in den Schläfen. Sie wagt es. Sie wagt es, anzuspiel
Aber ich kann nicht auf sie verzichten. Ich kann nicht. Ich verlasse das Schaufenster, ich nehme meinen Weg wieder auf. Meine Schritte tragen mich nach Norden, in das Viertel, wo der nächste Name auf meiner Liste sich versteckt. Ein weiterer Leutnant von Humberto, ein weiterer Mann, der eliminiert werden muss. Ich werde ihn töten. Wie ich alle anderen getötet habe. Kalt, methodisch, ohne Hass und ohne Vergnügen. Und wenn niemand mehr zwischen Humberto und mir steht, wenn er allein, verletzlich, auf den Knien ist, werde ich kommen, um ihn zu holen. Und ich werde Chiara zurücknehmen. Danach... danach gehe ich in den Süden. Ich finde Valentina. Ich werfe mich vor ihr auf die Knie, wie ich es auf dem Bahnsteig getan habe. Ich sage ihr, dass ich sie liebe, dass ich nie aufgehört habe, sie zu lieben, dass ich zu allem für sie bereit bin. Und ich werde sehen, was s
DiegoDrei Monate.Drei Monate, in denen ich jage, töte, verschwinde.Humbertos Männer fallen einer nach dem anderen, wie Dominosteine, wie Fliegen, wie Bauern auf einem Schachbrett. Miguel Alvarez in der Kirche von Coyoacán, eine Kugel im Nacken, während er betete, kniend vor der Jungfrau. Roberto Fuentes in seinem Bad, in seinem eigenen Blut ertränkt, die Kehle so sauber durchtrennt, dass das Wasser klar blieb. Eduardo Reyes in seinem Auto, der Schädel gegen das Lenkrad geschmettert, ein banaler Tod, der wie ein Unfall aussieht.Ich hinterlasse nichts. Keine Zeugen, keine Beweise, keine Signatur. Nur Körper, die sich anhäufen, Plätze, die leer werden, ein Imperium, das zerbröselt.Die Unterwelt von Mexico brodelt vor Gerüchten. Man flüstert einen Namen, in den illegalen Bars, in den Hinterhöfen, in den schäbigen Hotelzimmern, wo sich die treffen, die noch wissen, was wissen heißt.El Espectro.Das Gespenst.
Mein Messer dringt in seine Kehle, bevor er den Satz beenden kann. Die Klinge ist fein, scharf, sie gleitet zwischen den Knorpeln wie durch Butter. Das Blut spritzt hervor, heiß, schwarz, reichlich. Es läuft über meine Hände, über mein Hemd, auf den Boden der Gasse.Carlos gibt ein Gurgeln von sich, seine Hände heben sich zu seiner Kehle, versuchen die Blutung zu stoppen. Zu spät. Viel zu spät. Seine Augen verdrehen sich, sein Körper sackt zusammen, ich stütze ihn, ich begleite ihn in seinen Fall.Ich lege ihn auf den Boden, sanft, fast zärtlich. Das Blut fließt weiter, bildet eine dunkle Lache um seinen Kopf. Seine Augen sind offen, starr, bereits leer.Ich bleibe neben ihm hocken, mein Messer in der Hand. Ich betrachte sein Gesicht, seine Züge, die erstarren, sein Leben, das entweicht. Ich fühle nichts. Weder Freude, noch Trauer, noch Befriedigung. Nur die Leere.So ist es besser. Die Leere ist effizienter als der Hass. Der Hass führt zu Fehlern
Ich weiß nicht, was sie ihm im Gegenzug gibt. Ihren Körper vielleicht. Ihren Verstand, sicher. Ihren Hass auf mich, gewiss.Aber ich weiß, dass sie dort ist. Und ich weiß, dass ich sie finden werde.Nicht jetzt. Nicht sofort. Zuerst muss ich Humberto schwächen, ihn von seinen Männern, seinen Ressourcen, seiner Macht abschneiden. Dann, wenn er verletzlich ist, wenn seine Verteidigung gefallen ist, werde ich kommen, um Chiara zu holen.Und ich werde beenden, was ich in diesem Keller begonnen habe.Ich schaue durch das schmutzige Fenster. Der Tag bricht über Mexico an, grau, verschmutzt, gleichgültig. Die Stadt, die ich beherrscht habe, die ich besessen habe, die mir gehörte.Heute bin ich nichts mehr. Ein Geist. Ein Schatten. Ein Mann ohne Imperium, ohne Männer, ohne Liebe.Aber ich lebe noch. Und solange ich atme, solange mein Herz schlägt, kann ich noch handeln. Ich kann noch kämpfen. Ich kann noch zerstören.Valent
Diego Das Zimmer ist klein, schmutzig, elend. Eine Matratze auf dem Boden, ein wackeliger Tisch, ein hinkender Stuhl. Die Wände sind mit Schimmel bedeckt, die Decke tropft vor Feuchtigkeit, die Luft riecht nach Moder und Niederlage. Das Fenster geht auf einen Innenhof, in dem sich Mülltonnen stapeln, die niemand je leert. Das ist alles, was mir bleibt. Ich sitze auf der Matratze, den Rücken gegen die kalte Wand gelehnt, eine Flasche Mezcal in der Hand. Der Alkohol ist schlecht, rau, er brennt in der Kehle und im Magen. Aber es ist alles, was ich gefunden habe. Es ist alles, was ich verdiene. Die Flasche ist fast leer. Ich betrachte sie, ich betrachte den Rest bernsteinfarbener Flüssigkeit am Boden. Ich sollte sie austrinken, mich völlig betäuben, ins Bewusstlose sinken. Aber ich tue es nicht. Ich stelle sie neben die Matratze, ich schließe die Augen. Valentina. Ih
Ich male die harten, kantigen Züge, die markante Kieferpartie, die hohen Wangenknochen und die störrische Linie seiner Stirn, die sich selbst dann kaum entspannt, wenn er glaubt, dass niemand ihn beobachtet. Ich zeichne seine schwarzen Augen, tief und unergründlich, Augen, die mich anzusehen scheinen, als könnten sie mühelos all die Mauern durchdringen, die ich um mein Herz errichtet habe, und die mich selbst aus der Tiefe der Leinwand heraus noch immer festhalten, als hätte ich niemals das Recht besessen, mich von ihm zu lösen.Sein Mund bleibt geschlossen, streng und beinahe grausam, doch an den Winkeln seiner Lippen lasse ich den Schatten eines Lächelns entstehen, jenes Lächelns, das er mir manchmal schenkte, wenn er mich nach unseren gemeinsamen Nächten in seinen Armen hielt, wenn seine Stimme plötzlich weich wurde und er meinen Namen aussprach, als wäre er ein Gebet, das nur für ihn bestimmt war.Ich male weiter, immer weiter, unfähig, den Pinsel aus der
GiuliaDie Tür meiner Wohnung schließt sich hinter mir mit einem dumpfen Klicken, einem endgültigen Geräusch, das die Dichtigkeit der Welt besiegelt. Hier gibt es keinen Lorenzo Conti mehr. Keine strahlende Chiara. Kein Büro, keine Zahlen, keine von Hass erfüllten Blicke. Es gibt nur die Stille. Ei
GiuliaDie Lüge war so gewaltig, so monströs, dass sie beinahe wahr wurde. Ihr Glück war das Einzige, woran ich mich noch klammern konnte. Die einzige Rechtfertigung, die im Trümmerfeld meines Lebens noch Bestand hatte.— Du bist die beste Schwester der Welt, flüsterte sie mit feuchten Augen. Ich m
GiuliaDie Stille im Büro nach zwanzig Uhr ist ein lebendiges Wesen. Sie senkt sich schwer auf meine Schultern, dringt in meine Lungen ein, ersetzt das Blut in meinen Adern durch eine eiskalte, stehende Flüssigkeit. Im grellen Licht meiner Lampe ist mein Gesicht im schwarzen Spiegel des Bildschirms
LorenzoDie ehrgeizige Frau, von der ich glaubte, sie zu kennen, hätte sich gewehrt. Sie hätte ihre Waffen eingesetzt – diesen Blick, dieses Lächeln, das mich um den Verstand brachte –, um ihr Los zu mildern. Sie hätte versucht, mich erneut zu verführen, die Kontrolle zurückzugewinnen.Aber Giulia







