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Das Spiel der Muse

last update 게시일: 2026-08-06 14:36:00

Er (Killian)

Ich ließ sie unsanft von meiner Schulter herunter und drehte sie grob in Richtung von Zimmer zwei. Wieder diese ganze nutzlose Gegenwehr, dieses wilde Gezappel von ihr. Das nervte mich langsam wirklich, und an ihrer mangelnden Disziplin mussten wir dringend arbeiten. Als sie gerade ansetzen wollte, um mich anzuschreien, presste ich ihr kurzentschlossen die Hand auf den Mund.

„Heute wird nicht so viel gequatscht, Honey. Ich will dir schon mal dein neues Zuhause zeigen und dir vorführen, was ich hier so tue. Das ist wichtig, damit du dich schon mal auf mich und meine Kunst einstellen kannst."

Unter meiner Hand jammerte und verfluchte sie mich nur, was mich unwillkürlich zum Lachen brachte. „Guck gut hi..."

Ein plötzlicher, brennender Schmerz schoss durch meine Handfläche. Sie hatte mir tatsächlich die Zähne in die Haut gerammt! Mit einem wütenden Zischen riss ich die Hand zurück und betrachtete den blau-roten Bissabdruck, der sich bereits auf meinem Handrücken abzeichnete. Vor Zorn rasend wirbelte ich sie zu mir herum und packte sie brutal am Kiefer. „Willst du etwa, dass ich dir wehtue?! Du bist verdammt kurz davor, Honey!"

„Tu es doch!", presste sie mir wütend entgegen.

Ich hob überrascht eine Augenbraue und starrte sie sekundenlang schweigend an. Ihr ungezähmtes Verhalten ähnelte anfangs fast dem von Jessica – nur mit dem entscheidenden Unterschied, dass Lyra keinerlei Reue zeigte. Sie entschuldigte sich nicht. Sie war sogar noch weitaus frecher und unnachgiebiger als zuvor! Aber genau das machte sie so verdammt interessant für mich. Ich wollte wissen, wie weit sie gehen würde.

„Du bist mutig, Engel. Aber du kannst nicht mit mir mithalten", raunte ich, ehe ich sie mit Schwung in den Raum stieß.

Sie verlor das Gleichgewicht, ging zu Boden und hielt sich mit einem unterdrückten Aufschrei sofort den blutigen Ellbogen. „Mistkerl!", fluchte sie leise, während sie sich mühsam aufsetzte. Sie starrte verbissen auf ihre Schürfwunde und bekam in ihrem Schmerz zuerst gar nicht mit, wo sie sich überhaupt befand.

Ich trat langsam ein und ließ die schwere Tür hinter mir geräuschlos ins Schloss fallen. Gespannt kreuzte ich die Arme vor der Brust und wartete auf ihre Reaktion. Wie würde sie auf meine Jessica reagieren?

Ihr Blick wanderte durch das dämmrige Licht des Raumes, bis sie Jessica schließlich entdeckte. Ihre Pupillen weiteten sich vor blankem Entsetzen. Panisch wie ein aufgescheuchtes Tier wich sie auf dem Boden rutschend zurück. Feigling. Am Ende sind sie eben doch alle gleich, dachte ich enttäuscht und behielt mein spöttisches Grinsen bei.

„Was ist lo...", setzte ich an, doch bevor ich die Frage aussprechen konnte, sprang sie mit einem Mal auf und rannte geradewegs auf Jessica zu.

Fassungslos sah ich zu, wie sie mit zitternden Fingern versuchte, Jessicas Fesseln zu lösen. Als sie merkte, dass die Knoten zu fest saßen, rannte sie panisch zur Wand, an der die schweren Ketten verankert waren, und suchte fieberhaft nach dem Mechanismus, um sie herunterzulassen. Erst war ich völlig verwirrt und sprachlos über so viel unüberlegte Courage. Doch als sie tatsächlich anfing, an den Ketten zu zerren, packte ich sie von hinten und hielt sie lachend fest.

„Was zur Hölle, Honey!", rief ich amüsiert aus. „Ich habe in all den Jahren schon vieles gesehen! Aber das hier noch nie. Ich dachte, du rennst schreiend weg wie die anderen!"

„Nimm deine dreckigen Hände von mir!", schrie sie gellend und strampelte wild mit Armen und Beinen gegen meinen Griff an.

Ich hielt sie eisern fest, drückte ihren Rücken gegen meine Brust. „Ganz ruhig, ganz ruhig", lachte ich kopfschüttelnd. „Meine Verwunderung ist wirklich grenzenlos! Das ist doch völlig unmöglich, was du hier abziehst!"

Sie wirbelte in meinem Griff herum und fing an, mit ihren kleinen Fäusten verzweifelt gegen meine Brust zu hämmern. Es sah so verdammt winzig und witzig aus, dass ich ein breites Grinsen nicht unterdrücken konnte.

„Warum tust du ihr das an?! Warum?! Bitte, lass sie einfach runter!", schrie sie mir ins Gesicht.

Ich packte ihre schmalen Handgelenke mit einer Hand, zog sie dicht an mich heran und sah ihr tief in die aufgewühlten Augen. „Oh, glaub mir, mein Schatz ... sie hat es wirklich verdient."

Sie schüttelte langsam und fassungslos den Kopf. „Verdient? Du ... Du bist krank! Ein absoluter Psychopath!", schrie sie mich an. „So etwas hat kein Mensch auf dieser Welt verdient! Lass sie sofort runter!"

Mein Grinsen erstarb augenblicklich. Meine Mundwinkel glitten nach unten, und die Kälte kehrte in mein Gesicht zurück. „Krank? Psychopath?", wiederholte ich ihre Worte mit gefährlich leiser Stimme.

Das waren definitiv die falschen Worte gewesen. Niemand beleidigte meine Kunst. Wütend stieß ich sie von mir, sodass sie erneut unsanft auf dem harten Dielenboden landete. Ich würdigte sie keines Blickes mehr, sah stattdessen hoch zu Jessica, die wehrlos und stumm in der Luft hing, und trat an den Schrank, um mein scharfes Skalpell herauszuholen. Lyra konnte ich für meine zukünftige Arbeit noch nicht verunstalten – aber Jessica war ohnehin bald am Ende ihres Nutzens.

Doch noch ehe ich Jessica auch nur ansatzweise erreichte, warf sich Lyra mit weit ausgebreiteten Armen schützend vor sie.

„Nicht!", flehte sie mich mit tränenerstickter Stimme an. „Bitte ... tu ihr nichts an."

Lyra

Ich starrte ihn schwer atmend an und betete inständig zu Gott, dass dieser emotionslose Mistkerl auch nur einen Funken Mitleid in seiner schwarzen Seele besaß. Ich konnte nicht zulassen, dass er dieses hilflose, gepeinigte Mädchen wegen meines Ausbruchs noch weiter verletzte. Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie solche Todesangst gehabt wie in diesem staubigen, sterilen Raum – und woher dieser plötzliche, fast schon lebensmüde Mut kam, war mir selbst ein absolutes Rätsel.

Mit einer blitzschnellen Bewegung schoss seine Hand nach vorn. Er packte mich grob am Hals und drückte mich unbarmherzig gegen die Wand.

Sofort wurde mir die Luft abgeschnürt. Sein Griff um meine Kehle wurde mit jeder Sekunde fester, unerbittlicher. Verzweifelt versuchte ich, seine Hand von meinem Hals wegzudrücken, doch seine Finger waren wie aus Stein gemeißelt. Ich schlug um mich, versuchte ihn zu kratzen und nach ihm zu treten, doch er hielt mich geschickt auf Distanz, sodass meine Tritte nur ins Leere gingen. Panisch blickte ich in seine eiskalten, völlig gefühllosen Augen und schlug hilflos gegen seinen Arm, um ihm zu bedeuten, dass ich gerade jämmerlich erstickte. Doch es war ihm egal. Entweder wollte er mir nur demonstrieren, wie absolut machtlos ich war, oder er wollte mein Leben hier und jetzt beenden.

Mein Körper fühlte sich immer schwerer an, in meinem Kopf breitete sich ein dumpfer, pochender Schmerz aus, während der Sauerstoff knapp wurde. Meine Hände verloren die Kraft, lösten sich von seinem Arm und hingen schlaff an meinem Körper herab.

Das war's wohl, Lyra ... Du stirbst gerade. Wer hätte gedacht, dass es so schnell vorbei sein würde? Es war so einfach für ihn, und ich konnte absolut nichts dagegen tun.

Meine Beine gaben nach, und genau in dem Moment, als die Schwärze mich endgültig zu verschlingen drohte, ließ er mich plötzlich los.

Keuchend und heftig hustend brach ich auf den Knien zusammen. Gierig versuchte ich, die kühle Luft in meine brennende Lunge zu saugen. Mein Hals fühlte sich an wie rohes Fleisch, und die Atemnot wollte einfach nicht weichen. Ich presste mir eine Hand auf die Brust, kniff die Augen fest zusammen und rang zitternd nach Worten. „Ich ... ich bekomme keine Luft!", hustete ich gequält.

Killian ging vor mir in die Hocke. Mit der kalten, scharfen Klinge des Messers zwang er mich, mein Kinn anzuheben. Ich starrte ihn mit wild klopfendem Herzen an.

„Stell dich ... niemals ... vor ein Kunstwerk, an dem ich gerade arbeite", knurrte er mit einer so tiefen, bedrohlichen Stimme, dass es mir das Blut in den Adern gefrieren ließ.

Er zog das Messer ein Stück zurück und verpasste mir dabei einen hauchdünnen, brennenden Schnitt direkt am Kinn. Ich presste die Lippen fest aufeinander, um nicht aufzuschreien, und hielt die Tränen mit aller Macht zurück.

„Und jetzt beruhig dich. Atme tief ein und schön langsam wieder aus. Mach die Augen zu und konzentrier dich nur auf meine Stimme."

Meine Schnappatmung wollte einfach nicht aufhören. Er nahm meine eiskalte Hand in seine und strich mit fast schon zärtlichen Bewegungen über meine Haut. „Keine Panik, du schaffst das. Du bekommst gleich wieder Luft. Atme tief ein ... und wieder aus."

Ich zwang mich, mich auf das gleichmäßige Muster seiner Stimme zu konzentrieren, und tatsächlich beruhigte sich mein wild hämmernder Puls allmählich. Meine Brust hob und senkte sich nicht mehr ganz so hektisch, und die lähmende Panik wich einem dumpfen Überlebensinstinkt.

„Und jetzt geh zur Seite, Honey", raunte er und wischte mir mit dem Daumen sanft den feinen Blutstropfen vom Kinn.

Trotz der Angst und der Schmerzen schüttelte ich entschlossen den Kopf. Ich rappelte mich mühsam auf. Mein Arm brannte, meine Knie zitterten und mein Hals fühlte sich an wie zugeschnürt – aber in diesem Moment blendete ich den Schmerz völlig aus. Ich öffnete die Augen und stellte mich erneut schützend vor das stumme Mädchen an den Ketten. Ich fixierte ihn mit einem Blick voller Verachtung. „Nein."

Er starrte mich lange an. Was in diesem Moment in seinem kranken Kopf vorging, konnte ich beim besten Willen nicht sagen. War es pure Verwunderung? Oder dachte er einfach nur darüber nach, wie unfassbar dumm ich eigentlich war? Wahrscheinlich eine Mischung aus beidem. Doch plötzlich zuckten seine Mundwinkel nach oben, und ein breites, fasziniertes Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus.

„Sieh mal an!", sagte er leise und erhob sich langsam zu seiner vollen Größe. „Du bist nicht nur wunderschön ..." Er trat einen Schritt vor und drängte mich provozierend eng gegen das gefesselte Mädchen hinter mir, die daraufhin leise wimmerte. „Sondern auch verdammt mutig!"

Er klang absolut fasziniert, fast schon ehrfürchtig. Aber ich konnte nur beten, dass er meinen Trotz nicht als Einladung für ein neues, noch grausameres Spiel verstand.

Plötzlich spürte ich an meinem Handrücken das kalte Metall des Messers, das noch immer in Jessicas Oberschenkel steckte. Meine Chance.

Das wird furchtbar wehtun, Jessica. Bitte halte durch, ich hole uns beide hier irgendwie raus!, dachte ich verzweifelt. Aber konnte ich das überhaupt? War ich fähig, einem Menschen so massiven Schmerz zuzufügen? Ihn vielleicht sogar zu töten? Ich hatte keine andere Wahl. Meine Finger schlossen sich um den kalten Griff des Messers. Er ist ein Monster. Du musst es tun!

Wieder beugte er sich zu mir herab, verringerte den Abstand so weit, dass ich angewidert den Kopf wegdrehen musste. Mit seinem Zeigefinger strich er mir eine lose Haarsträhne hinter das Ohr und fuhr damit langsam meinen Hals hinab.

„Ich bewundere deinen Mut, Honey ... Aber merk dir eines ...", flüsterte er mir heiß ins Ohr, während sein Atem mir eine heftige Gänsehaut über den Rücken jagte. Sein Finger glitt weiter hinab und hielt auf Höhe meines Dekolletés inne.

Jetzt!, dachte ich entschlossen.

Mit einem heftigen Ruck zog ich das scharfe Messer aus Jessicas Bein. Ich schubste ihn mit aller Kraft von mir weg und holte aus, um ihm die Klinge direkt in die Brust zu rammen. Doch Killian war schneller. Mit einer erschreckend präzisen Bewegung fing er mein Handgelenk ab, verdrehte mir den Arm und schleuderte mich mit brutaler Leichtigkeit in die entgegengesetzte Richtung.

„... es macht verdammt dumm", beendete er seinen Satz mit einem eiskalten Flüstern und drückte mir im selben Atemzug einen spöttischen Kuss auf die entblößte Schulter.

Mit weit aufgerissenen Augen starrte ich Jessica an. Sie kniff die Augen schmerzverzerrt zusammen, und eine einzelne Träne rann über ihre blasse Wange. Zitternd vor Entsetzen ließ ich das Messer aus der Hand fallen. Mein Blick glitt hinab zu der klaffenden Wunde an ihrem Bein, aus der nun unaufhaltsam dunkles Blut quoll.

Nein ... Bitte nicht ...

Jessica fing plötzlich an, heftig zu husten, doch das dicke Klebeband über ihrem Mund verhinderte, dass sie frei atmen konnte. Dunkles Blut sickerte unter dem grauen Band hervor und tropfte auf den Boden. In blanker Panik wollte ich auf sie zustürzen, um das Klebeband von ihrem Gesicht zu reißen, damit sie nicht an ihrem eigenen Blut erstickte – doch Killian hielt mich von hinten eisern fest. Ich wehrte mich verzweifelt, schlug und trat nach ihm, doch Jessicas Kopf sank immer tiefer auf ihre Brust. Ihre Augenlider wurden schwer und schlossen sich schließlich ganz.

Was habe ich getan ...? Ich habe sie getötet ...

Killian

Ich musste mir ein lautes Lachen mühsam verkneifen. Damit hast du wohl nicht gerechnet, was, meine Schöne?

Wie ich es bereits prophezeit hatte: Mut macht dumm, und das hier war die gerechte Quittung für ihren unüberlegten Leichtsinn. Es war nicht schwer gewesen zu erahnen, was sie im Schilde führte. Ich hatte sofort bemerkt, wie sich ihre Finger um den Griff des Messers in Jessicas Bein geschlossen hatten. Das war also ihr allererster Mord gewesen ... Ein absolut herrlicher, makaberer Anblick!

Ich blieb ruhig hinter ihr stehen und wartete geduldig darauf, dass die Last des Entsetzens sie überwältigte und sie ohnmächtig in meine Arme sinken würde. Sanft schlang ich meine Arme um ihren zitternden Körper und zog sie eng an mich, damit sie meine Wärme spürte und endlich den Kampf aufgab.

„Es ist okay, Honey ... Lass es einfach zu", raunte ich leise an ihrem Ohr. „Ich bin hier. Ich fange dich auf."

Ihr rauchig-süßer Duft stieg mir in die Nase. Ich schloss unwillkürlich die Augen und genoss diesen perfekten, intimen Moment der absoluten Kontrolle. Genau so sollte es für immer bleiben!

Doch plötzlich rammte sie mir ohne jede Vorwarnung ihren Ellbogen mit voller Wucht direkt in die Magengrube.

Keuchend ließ ich sie los, krümmte mich leicht zusammen und presste die Hand auf die schmerzende Stelle. „Das war ganz und gar nicht nett, Lyra!", zischte ich und bedachte sie mit einem finsteren Blick. Das kleine Biest hatte verdammt gut getroffen.

„Das wirst du büßen ...", flüsterte sie mit erstickter Stimme. Erst jetzt bemerkte ich, wie viele Tränen über ihre Wangen gelaufen waren. Ihre Augen waren gerötet, doch ihr Blick brannte vor unbändigem Hass. Sie war zäh, das musste ich ihr neidlos eingestehen. Jede andere Frau wäre unter dieser psychischen Last längst zusammengebrochen oder starr vor Schock apathisch am Boden liegen geblieben. Aber sie? Sie besaß tatsächlich noch immer den Funken Energie, um mir in den Magen zu schlagen.

Langsam richtete ich mich wieder zu meiner vollen Größe auf und betrachtete die feinen Kratzer auf meinem Handrücken. Ich legte den Kopf belustigt schief. „Hm. Bissig und unberechenbar", stellte ich grinsend fest. „Ich steh drauf."

„Warum hast du sie getötet?!", schrie sie mich plötzlich an und krallte sich verzweifelt in die eigenen Haare. Ah, da ist die Erkenntnis ja endlich angekommen.

Gespielt verwundert breitete ich die Arme aus und zuckte unschuldig mit den Schultern. „Ich? Nein, mein Schatz. Das war ich nicht. Das warst ganz allein du."

Ich verstand wirklich nicht, warum sie die Schuld nun auf mich abwälzen wollte. Natürlich hatte ich das Spiel initiiert, aber letztendlich war es ihre Hand gewesen, die das Messer herausgezogen und Jessica verbluten lassen hatte. Nicht meine. Aber am Ende war ich eben immer der Sündenbock.

Sie wischte sich die Tränen mit dem Handrücken weg und starrte mich mit purem Hass an. „Fahr zur Hölle! Fahr einfach zur Hölle!"

„Die Hölle wartet ohnehin auf uns, keine Sorge. Aber gewiss nicht nur auf mich allein", erwiderte ich lachend und zwinkerte ihr amüsiert zu. „Wie wäre es zur Abwechslung mit einem weiteren kleinen Spiel? Es geht um nichts Geringeres als deine Freiheit – der absolut größte Preis, den du in meinem Reich jemals gewinnen kannst! Wenn ich es nicht schaffe, dich innerhalb von genau zwei Minuten in diesem Haus zu finden, darfst du gehen. Ich gebe dir mein Ehrenwort darauf, und ich werde es auch halten."

„Warum spielst du diese perversen Spiele mit mir?", fragte sie bitter. „Bring mich doch einfach gleich um. Dann haben wir es beide hinter uns."

Ich lehnte mich entspannt gegen die Wand und verschränkte die Arme vor der Brust. „Dich töten? Nein, das meine ich absolut ernst. Und außerdem macht ein kleines Versteckspiel doch immer Spaß, oder? Der erste Durchgang war gerade so unterhaltsam, dass ich unbedingt weitermachen will. Na komm schon, Honey. Ein letztes Spiel, versprochen."

Sie schüttelte entschieden den Kopf. „Nein! Ich spiele deine kranken Spiele nicht mit! Ich werde mich keinen einzigen Zentimeter von der Stelle rühren!"

Ich klatschte einmal laut und schwungvoll in die Hände. „Auf geht's, Honey! Der Countdown läuft! Wenn du dich nicht bewegst, stirbt als Nächstes deine liebe Kollegin Vesper im Raum nebenan. Also ... lauf!"

Lyra

Mit dieser Drohung hatte er mich endgültig an der Angel. Ich konnte Vesper nicht auch noch auf dem Gewissen haben.

„Du kannst mich mal!", zischte ich, warf ihm einen letzten, vernichtenden Blick zu und stürmte aus dem Zimmer direkt in den dunklen Flur.

Er wollte also Katz und Maus spielen? Na schön. Ich versuchte, meine Panik niederzukämpfen, atmete tief durch und analysierte fieberhaft meine Umgebung.

„Einundzwanzig, zweiundzwanzig, dreiundzwanzig ...", tönte seine tiefe, amüsierte Stimme laut durch den Korridor.

Doch ich durfte mich von seinem Zählen nicht aus der Ruhe bringen lassen. Der Flur war gesäumt von Türen. Ich musste ihn irgendwie täuschen. Verwirr ihn, Lyra. Lenk ihn ab. Während ich den Gang hinunterrannte, riss ich im Vorbeigehen wahllos jede einzelne Tür sperrangelweit auf. Er sollte nicht auf den ersten Blick erkennen, in welchem Raum ich mich versteckt hielt.

Meine Zeit lief unbarmherzig ab. Ich blieb keuchend vor der letzten Holztür am Ende des Flurs stehen.

„Ich komme, mein Schatz!", rief er lachend von Weitem.

Ohne länger nachzudenken, drückte ich die Klinke herab, stürmte hinein – und stellte im selben Moment fest, dass dies die absolut schlimmste Entscheidung meines Lebens gewesen war. Ich presste mir sofort beide Hände auf den Mund, um einen gellenden Schrei zu unterdrücken.

Dieser Raum war keine normale Kammer. Es war eine eisige, hell erleuchtete Kühlkammer.

Ich hielt mir die Nase zu, während mir ein kalter Schauder des Entsetzens über den Rücken lief. Überall hingen gefrorene Leichen von der Decke. Es sah aus wie in einem Albtraum von einem Schlachthof – nur dass hier keine Rinderhälften hingen. Es waren ausnahmslos junge Frauen. Alle tot, bleich und wie Trophäen aufgehängt von einem kranken, sadistischen Monster. Ich kniff die Augen fest zusammen, während sich mir der Magen umdrehte und ein heftiger Würgereiz meine Kehle einschnürte.

Du musst hier durch, Lyra! Reiß dich zusammen!, feuerte ich mich im Stillen an und schlich tiefer in die frostige Dunkelheit des Raumes hinein, bis ich das hinterste Ende erreicht hatte.

In Gedanken zählte ich die verbleibenden Sekunden. Schließlich ließ ich mich erschöpft auf den eiskalten Fliesenboden sinken.

Draußen auf dem Flur ertönte wieder sein fröhliches, helles Pfeifen. Er kam näher. Er würde mich hier drinnen im Handumdrehen entdecken, wenn ich einfach so auf dem Boden saß. Wo um alles in der Welt konnte man sich hier überhaupt verstecken?

Mein Blick fiel auf die leblose, gefrorene Frau, die direkt vor mir an einem Fleischerhaken von der Decke hing. Unter Tränen und mit einer unvorstellbaren Überwindung stellte ich mich auf die Zehenspitzen, klammerte mich fest an den gefrorenen Körper und zog meine Beine hoch, sodass ich komplett hinter ihr verschwand. Ich kniff die Augen fest zu und flüchtete mich in meine Gedanken. Ich stellte mir vor, an einem anderen Ort zu sein. Irgendwo weit weg. Nicht in diesem eisigen Grab. Nicht bei diesem Psychopathen.

Das leise Quietschen der schweren Kühlkammertür riss mich brutal in die Realität zurück. Blanker Terror flutete meinen Körper. Bitte finde mich nicht ... Bitte geh einfach weiter ...

Plötzlich ertönte ein hässliches, feuchtes Knacken. Der Haken, an dem die gefrorene Leiche hing, begann sich unter unserem gemeinsamen Gewicht langsam aus dem gefrorenen Fleisch zu bohren. Mein Herz drohte vor Panik zu zerspringen. Nein, nein, nein! Bitte nicht jetzt!

Erst als das dumpfe Pfeifen vor der Tür langsam leiser wurde und sich schließlich ganz entfernte, ließ ich mich zitternd von der Leiche herabgleiten. Ich presste mir die Hände auf den Mund und kämpfte verzweifelt gegen den Drang an, mich auf der Stelle zu übergeben. Ich war so unendlich nah dran gewesen.

Aber wenn ich es hier lebend herausgeschafft hatte, würde ich die Polizei verständigen. Ich würde eine ganze Hundertschaft hierher schicken, um dieses Haus dem Erdboden gleichzumachen! Doch im Hinterkopf nagte die eine, alles entscheidende Frage: Würde er mich wirklich einfach so gehen lassen? Ein Monster wie er hielt sich an keine Regeln. Und doch war da dieser winzige Funke Hoffnung, an den ich mich klammerte.

Die zwei Minuten waren um.

Ich trat mit weichen Knien aus meinem frostigen Versteck hervor und ging langsam auf den Ausgang zu. Er lehnte bereits mit verschränkten Armen im Türrahmen des Flurs und erwartete mich mit einem breiten, anerkennenden Grinsen.

„Das mit den geöffneten Türen war absolut genial, das muss ich dir lassen! Ich habe dich tatsächlich nicht rechtzeitig gefunden. Aber wer hätte gedacht, dass du dich ausgerechnet in meiner Kühlkammer versteckst?"

Ich straffte so selbstbewusst wie möglich die Schultern, hob das Kinn und ging mit festen Schritten direkt auf ihn zu. „Ich habe dein verdammtes Spiel gewonnen. Lass mich gehen!", forderte ich ihn mit einer Stimme auf, die weitaus fester klang, als ich mich in diesem Moment fühlte.

Wovon träumst du eigentlich, Lyra?, flüsterte eine bittere Stimme in meinem Kopf. Du wirst diesen Ort niemals lebend verlassen.

Doch Killian trat wortlos einen Schritt zur Seite und öffnete die schwere Ausgangstür, die ins Freie führte. Ein Schwall warmer Sommerluft schlug mir entgegen.

„Bitte sehr, meine Schöne. Ich bin ein Mann, der sein Wort hält", sagte er mit einer fast schon feierlichen Geste. „Such dir einen meiner Wagen aus und fahr, wohin du willst ..."

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