LOGINKillian
„Ja", sagte ich knapp und umklammerte das Lenkrad fester. Vesper störte mich und Lyra nur! Sie musste so schnell wie möglich weg, aber wie sollte ich das anstellen? Ich hatte jetzt vier Frauen im Haus. Eine lag im Keller, die andere hing in einem Raum nebenan, und dann hatte ich noch Lyra und Vesper. Vesper auch noch zu halten, war viel zu anstrengend. Ich musste sie töten, am besten heute noch, damit ich sie schnell los war und mich um meinen Schatz kümmern konnte. Quer parkte ich vor der Haustür und stieg schnell aus. Die zwei durften nichts von meinem Plan mitkriegen – und bis jetzt lief es sehr gut! Alastair wartete bereits einsatzbereit vor der Tür auf mich. Ich drückte ihm den Schlüssel des Jeeps in die Hand und schaute kurz nach hinten, um zu überprüfen, wie weit die Mädels noch entfernt waren. Weit genug, dachte ich und drehte mich wieder zu ihm. „Misch der Blonden was ins Getränk und bring sie runter in Raum fünf. Um die andere kümmere ich mich", sagte ich leise. „Wieso sind es zwei, Sir? Ist das nicht etwas zu viel?", fragte er. „Sie wollten doch nur gucken." Seufzend fuhr ich mir durchs Haar. „Keine Angst, ich weiß, was ich tue!" Er nickte knapp und nahm die Autoschlüssel. Ich wusste, dass ich ihn manchmal schlecht behandelte, aber er stellte mir immer so viele Fragen, die mich einfach aufregten! Außerdem mussten wir hier schnell handeln. Die zwei standen schon hinter mir. Die Schuldgefühle ihm gegenüber ignorierend, öffnete ich die Tür und deutete den beiden Mädchen mit der Hand, dass sie reingehen sollten. „Kommt", sagte ich charmant lächelnd und schaute dabei Lyra an. Meine Augen gehörten ihr ganz alleine. Sobald du drinnen bist, gibt es kein Entkommen mehr, Schöne. Dann bist du für immer meins ... (Schnitt: Im Haus) Ich schüttelte den Kopf. „Nichts. Vergiss es einfach wieder." Lyra brauchte etwas Unterricht im Höflichsein. Aber das würde sie schon von mir lernen. „Alastair! Brauchst du Hilfe?", rief ich und blieb stehen. „Nein", sagte der alte Mann und kam mit einem Tablett hereingelaufen. Er stellte die Gläser vor ihnen ab und nickte mir als kurzes Zeichen zu. Ich nahm mein Glas und setzte mich hin. „Danke, Alastair", sagte ich und nahm einen kleinen Schluck. Er verbeugte sich kurz und verließ schnell wieder den Raum. Lyra schaute mich verwirrt, eher angewidert an, sagte aber wieder nichts. Nicht so schüchtern, Honey!, dachte ich grinsend. „Hast du einen, Lyra?", fragte ich sie und riss sie aus den Gedanken. In meinem Gesicht bildete sich ein breites Grinsen. „Einen Freund. Ich habe gefragt, ob du einen Freund hast." Wie ich da saß: die Beine auseinander, zurückgelehnt und die Finger ineinander verschränkt. Ich fühlte mich wirklich wie ein Gott, und so präsentierte ich mich auch. (Schnitt: Nach Lyras Flucht aus dem Badezimmer) Ich hielt ihre Beine fest und lief die Treppen hinunter. Nein, Vesper war noch nicht tot, aber bald würde sie es sein. „Hör auf damit, oder ich tue ihr etwas an!", sagte ich genervt. „Was willst du?", fragte sie plötzlich ruhiger. „Geld? Wir haben kein Geld!" Ich musste laut lachen. War das ihr Ernst gerade?! „Geld? Denkst du wirklich, dass ich Geld brauche? Nein, mein Schatz. Ich will dich. Dich allein, für mich." Sie hob den Kopf. „W-Was meinst du? Was hast du vor?", fragte sie verunsichert. „Du willst mich vergewaltigen und töten, du perverses Schwein! Wieso bezahlst du keine Nutte!", schrie sie und schlug wieder auf meinen Rücken ein. „Lass uns gehen! Sofort!" „Wir reden gleich darüber", lachte ich und lief durch die Küche, direkt die Treppen runter zum Keller. „Aber fürs Erste haben sich meine Pläne dir gegenüber geändert ..." POV: Sie (Lyra) Vesper rannte, genau wie ich sie eingeschätzt hatte, sofort rein und schaute sich mit offenem Mund um. Sie war so oberflächlich und so leicht manipulierbar, dass es schon fast traurig war. „Wow", sagte sie und drehte sich im Kreis. „So ein schönes Haus habe ich noch nie in meinem Leben gesehen ..." Natürlich hast du das nicht, dachte ich genervt. Na los, Lyra-Schatz, komm endlich rein! Zu mir! Sie zögerte und schaute kurz nach hinten. Ja, da war die Freiheit. Genieß sie ein letztes Mal, Honey. Sie drehte sich wieder um und sah mich durchgehend an. Was ging ihr nur durch den Kopf? Ich hätte es so gerne gewusst. Ihr Fuß betrat die Türschwelle, und jetzt war ihr Schicksal besiegelt. Naja, das war es auch schon in der Bibliothek und im Auto, aber dass sie in mein Haus kam, war noch mal etwas Besonderes. Böse grinsend schloss ich die Tür. „Geradeaus geht es ins Wohnzimmer", sagte ich und lief ganz dicht hinter Lyra. Was für einen schönen Duft sie hatte ... Es war eine Mischung aus einer rauchigen, aber auch süßen Note. Ich kannte ihn nicht, aber er passte perfekt zu her! Und diese Aura, die sie ausstrahlte. Sie war ein sehr besonderer Mensch. Vom Haus beeindruckt, liefen beide einfach an der Wohnzimmertür vorbei. Ich blieb stehen und steckte meine Hände in die Hosentaschen. „Hier rein, ihr zwei. Ich führe euch später rum. Lasst uns erst mal was trinken und uns etwas erholen." „Cool!", sagte Vesper grinsend und lief an mir vorbei. Lyra kam langsam angelaufen und schaute mich wieder skeptisch an. Grinsend beugte ich mich vor und hielt ihr die Hand entgegen. „Darf ich dich reinführen?" Wortlos lief sie an mir vorbei und setzte sich zu Vesper. „Das war wirklich nicht nett!", lachte ich und ging zur Couch. (Schnitt: Die Szene mit den Getränken) Wieso grinste er so blöd? Und wieso verbeugte sich der alte Mann vor ihm? Allein dass er den Armen hier alleine schuften ließ, zeigte, wie wenig Anstand er hatte. Ich hatte hier noch kein anderes Personal gesehen, das bestätigte noch mal alles. Widerlich! Vesper, so wie sie nun mal war, fing sofort an, mit ihm zu quatschen und ihn wegen irgendwas vollzureden. Beide ignorierend, schaute ich mich etwas genauer um. Es war schön hier, keine Frage, aber irgendwie so verlassen und einsam. Wahrscheinlich genau wie er. Ich bekam einfach das Gefühl nicht los, dass irgendetwas hier nicht stimmte. Was wollte er von uns? Diese Frage stellte ich mir echt spät, aber irgendwie wirkte das alles wie eine Show auf mich. Wir zwei hatten nicht gerade viel Geld, und dass er sich so unsterblich in mich verliebt haben sollte, konnte ich auch irgendwie nicht richtig glauben. Und das mit der Bibliothek? Wirklich? Vesper glaubte auch alles. Irgendwie kam das alles einstudiert rüber. „Was?" Ich hatte gar nichts vom Gespräch mitbekommen, und das wusste er, aber er konnte mich einfach nicht in Ruhe lassen. Ich runzelte die Stirn und versuchte, die Puzzleteile zusammenzufügen. „Ehm, ich muss mal kurz auf die Toilette", sagte ich, seine Frage ignorierend, und stand auf. Mit schnellen Schritten verließ ich den Raum und schloss die Tür hinter mir. Ich atmete tief ein und aus und sah mich um. Na super, wo war hier das Badezimmer? Das Haus war wirklich riesig. Nachdem ich fast jede Tür geöffnet hatte, fand ich seinen Butler in der Küche. „Oh, Entschuldigung", sagte ich leise und wollte die Tür wieder schließen, doch er hielt mich auf. „Warten Sie, kann ich Ihnen vielleicht weiterhelfen?" „Ich suche das Badezimmer." Er lächelte leicht und zeigte in den Flur. „Geradeaus, bis zum Eingang und dann sofort links. Sie finden es sofort." „Danke", lächelte ich und schloss die Tür. Er war wirklich sehr nett und nicht so gruselig wie der Kerl im Wohnzimmer. „Geradeaus und dann links", murmelte ich, öffnete die Tür und trat ein. Na endlich!, dachte ich und schloss direkt ab. Ich lief zum Spiegel und sah mich kurz an. Wieso sah ich so katastrophal aus?! Ich drehte den Wasserhahn auf und tupfte mein Gesicht mit kühlem Wasser ab. Das tat echt gut! So, Lyra, jetzt sagen wir erst mal jemandem Bescheid, wo du bist. Denn das Ganze fühlt sich nicht sehr gut an. Ich tastete meine Jackentasche ab, doch schnell merkte ich, dass sich nichts darin befand. Hektisch zog ich sie aus und kontrollierte jede Tasche noch mal gründlich, doch auch das brachte nichts. Es war einfach nicht mehr da! Und ich war mir verdammt sicher, dass ich es da reingesteckt hatte! Okay, beruhig dich! Du musst so schnell wie möglich hier raus! Ich war mir sicher, dass er es genommen hatte. Das hieß, dass er uns nicht mehr gehen lassen wollte, und keiner wusste, wo wir waren ... Nicht gut. Ganz und gar nicht gut! Ich öffnete die Tür und schloss sie leise, damit auch der Butler – oder falls noch jemand anderes hier war – nichts mitbekam. Als ich mich umdrehte, rutschte mir das Herz für einen kurzen Moment in die Hose. „Was suchst du hier?", fragte ich und versuchte, meinen Puls zu beruhigen. Er durfte nicht sehen, dass ich so nervös war, sonst würde er Verdacht schöpfen, und so würden unsere Fluchtchancen noch mehr sinken. „Du warst so lange weg. Ich dachte, du hast dich verlaufen, und bin deshalb nachgucken gekommen", sagte er und sah mich an. Schon fast zu lange, als dass es normal gewesen wäre. Aber das war er nicht, und das wurde mir leider zu spät bewusst. „Ich habe es alleine gefunden, danke", sagte ich und wollte an ihm vorbeilaufen. Doch er zog mich zurück und drückte mich gegen die Tür. „Was ist los, Lyra? Du siehst etwas besorgt aus. Hat das einen bestimmten Grund?", fragte er gespielt verwirrt. Mein Herz klopfte immer schneller und auch die Panik stieg langsam auf. „Ich bin müde, nichts weiter", sagte ich und schubste ihn weg, damit er mir endlich nicht mehr so nah war. Aber das gefiel ihm nicht. Er packte meine Handgelenke und drückte sie an die Tür. Sein Körper war komplett an meinen geschmiegt und seine Lippen befanden sich fast auf meinen. „Wohin willst du denn, meine Schöne? Ich dachte, wir haben hier noch etwas Spaß? Schon den ganzen Tag willst du vor mir fliehen." Ich schaute ihn nur geschockt an und versuchte, irgendwie mit der Situation umzugehen, aber in so einer war ich noch nie gewesen. In meinem ganzen Leben hatte mich noch kein Perverser so bedrängt, wie er es gerade tat. Ich riss mich einfach los und rannte in den Raum zurück, in dem Vesper war. „Vesper, steh auf! Wir müssen ... Nein ...", sagte ich langsam, den Kopf schüttelnd, und lief zurück. Hier lagen noch drei Tassen auf dem Tisch. Das war der richtige Raum, aber Vesper war weg! Ich drehte mich um und knallte gegen die Tür. „Verdammte!", sagte ich wütend und hielt mir die Stirn. „Scheiß Tür!" „Das war nicht die Tür", sagte er und schlang seine Hände um meine Taille. Was?!, dachte ich verwirrt und schaute zu ihm hoch. „Ich hoffe, es hat nicht allzu sehr wehgetan", grinste er und drückte mich abrupt an sich. Mein Herz blieb für einen kurzen Moment stehen. Er war so groß und angsteinflößend. Ich schüttelte den Kopf und schlug ihm, so gut es ging, in den Magen, woraufhin er mich auch losließ. „Lass mich verdammt noch mal in Ruhe!", schrie ich ihn an und rannte weg, wieder durch irgendeine Tür. Was war das für ein beschissenes Labyrinth hier?! „Das war ganz und gar nicht nett!", rief er mir hinterher. Ich schloss die Tür hinter mir und hielt sie zu. Mein Herz klopfte mir bis zum Hals und ich hatte das Gefühl, gleich zu ersticken. Schwer atmend stellte ich einen Stuhl unter den Griff und schaute mich um. Ich war im Esszimmer, hier gab es noch zwei weitere Türen. Plötzlich wackelte der Türgriff und ich zuckte erschrocken zusammen. Mein Herz schlug wie verrückt. Er versuchte sie zu öffnen, doch er schaffte es nicht. Seine Schritte entfernten sich wieder, das war mein Zeichen weiterzugehen. Wo war Vesper, verdammt?! Ich entschied mich für die rechte Tür und kam in den Flur. Ich hielt Ausschau nach ihm, aber er war nirgends zu sehen. Ich schlich die Treppen hoch und schaute in die einzelnen Räume. „Vesper!", flüsterte ich. „Wo bist du?!" Ich hörte ein lautes Pfeifen von unten und dann Schritte, die hochkamen. Panisch rannte ich in ein Zimmer und lauschte an der Tür. Er summte ein Lied vor sich hin und auf einmal ertönte ein lauter Knall, und wieder! Und wieder! Er schlug alle Türen auf und er war nur noch eine von mir entfernt. Ich kroch noch rechtzeitig unter das Bett, als er auch meine Tür öffnete. „When I was a boy my mother often said to me, get married son and you will see how happy you will be ...", sang er und lief weiter, „... I have looked all over, but no girlie I can find, who seems to be just like the girl I have in mind ..." Seine Stimme wurde immer leiser. „... I will have to look around until the right one I have found ..." Ich kniff meine Augen fest zu und betete zu Gott, dass ich hier lebend rauskam. Bitte, lieber Gott, bitte lass mich und Vesper einfach lebend hier rauskommen! Nach meinem Gebet merkte ich erst, wie totenstill es plötzlich war. Wo war er?! Ich öffnete meine Augen und starrte gegen die Wand. Hinter mir knirschte das Parkett. Geschockt schaute ich nach hinten und sah bereits seine Hände, wie sie nach meinen Füßen griffen. Ich schrie auf und versuchte auszutreten, doch er hielt mich so fest, dass ich mich nicht bewegen konnte. „Lass mich los!", schrie ich wütend und krallte mich am Bettbein fest. Mein Herz war kurz vorm Explodieren, so schnell schlug es! „Okay", sagte er und ließ mich los. Ich machte eine schmerzhafte Begegnung mit dem Boden. „Verdammt!", zischte ich leise und kniff die Augen zusammen. Es tat verdammt weh! Ich war direkt auf meine Knie gefallen. Plötzlich packte er mich an der Hüfte und hob mich hoch. Panisch schaute ich hin und her und versuchte nach ihm zu treten. Er warf mich locker über seine Schulter und lief mit mir los, ohne dass ich ihn irgendwie daran hindern konnte. „Lass mich los! Wo ist Vesper!", schrie ich wütend und schlug auf seinen Rücken ein. „Du verfluchter Mistkerl! Sag es mir! Hast du sie getötet?!"Lyra Ich setzte mich auf die harte Kante des Bettes und starrte erschöpft die fleckige Wand an. Das Motel war nun wirklich nicht die beste Adresse, aber immerhin hatte ich für die Nacht ein Dach über dem Kopf. Der Mann an der Rezeption hatte mich vorhin extrem merkwürdig gemustert, als ich mit Killians mattschwarzem Luxussportwagen auf den düsteren Parkplatz gerollt war und eingecheckt hatte.Ich hatte ihn nicht töten können ... Nicht, als er so hilflos vor mir lag, fast schon am Verbluten. Wenn wir im Kampf gegeneinander antraten, war das etwas ganz anderes. Aber in so einem Moment brachte ich es einfach nicht übers Herz. Allgemein hätte ich ihn wahrscheinlich niemals töten können – ihn verletzen oder schachmatt setzen vielleicht, aber mehr auch nicht.Obwohl ich hunderte Kilometer weit weg war, wich die lähmende Anspannung nicht aus meinen Knochen. Killian besaß einen unheimlichen sechsten Sinn. Er wusste gefühlt immer ganz genau, wo ich mich aufhielt – ich hatte keine Ahnung, wie
Killian Als ich die Augen langsam aufschlug, lag ich in meinem gewohnten Bett im Anwesen – und Erik stand aufrecht neben mir.Was war noch mal passiert? ... Ach ja. Lyra war kurz davor gewesen, mich endgültig ins Jenseits zu befördern.Ich strich mir müde mit der flachen Hand über das Gesicht. „Wieso bist du hier ... und wieso stehst du stramm wie ein Soldat, Erik?", fragte ich mit rauer Stimme.„Ich war besorgt, Sir. Und solange Sie abwesend waren, wollte ich es mir nicht anmaßen, mich zu setzen", antwortete er gewohnt ehrerbietig.„Ich habe dir doch schon tausendmal gesagt, dass du mich nicht ständig um Erlaubnis bitten musst. Setz dich ruhig", sagte ich angestrengt und fasste mir vorsichtig an die schmerzende Stelle unter dem Schlüsselbein.„Ich habe das von klein auf so gelernt, das kann ich nicht so einfach ablegen", erwiderte er mit einem leichten Lächeln.„Was ist eigentlich genau passiert, nachdem mir schwarz vor Augen wurde?", fragte ich und blickte neugierig unter den Verba
Lyra Er warf einen flüchtigen Blick auf die Wunde. „Nur ein Kratzer, Honey."„Das ist doch kein verflixter Kratzer!", rief ich geschockt und starrte auf sein Hemd. Der Stoff war auf der linken Seite bereits komplett blutgetränkt. „Du musst mich sofort runterlassen!"Er seufzte genervt. „Schau mal, Schatz: Wir sind doch jetzt gleich zu Hause. Halt einfach still und mach es mir nicht noch unnötig schwerer."Ich blickte mich verwirrt um. Wir standen tatsächlich schon vor den massiven Toren seines Grundstücks. „Wie zum ... Wir waren doch gar nicht so weit entfernt?"„Am Anfang hast du über eine Stunde bewusstlos in meinen Armen gelegen, deshalb kam dir der Weg nicht so lang vor", sagte er. „Glaub mir, es war ein verdammt großes Stück."„Ich habe nicht geschlafen, ich war ohnmächtig!", entgegnete ich gereizt.Er zog mit der freien Hand einen Schlüssel aus der Hosentasche und entriegelte das Tor. „Ich musste dich trotzdem tragen. Sogar jetzt noch."Ich verschränkte trotzig die Arme vor der
Lyra„Lyra? Was machst du denn da unten?", rief er von oben aus der Dunkelheit zu mir herab.„Was soll ich hier unten schon groß machen?! Ich bin den halben Berg runtergestolpert!", rief ich wütend und unter Tränen zurück.„... Warte, ich komme", rief er und kletterte vorsichtig den steilen Hang hinunter.Als er endlich bei mir ankam, entfuhr mir ein erleichertes, fast schon ungläubiges Lachen. „Ich habe eben ernsthaft darüber nachgedacht, ob ich mich nicht einfach hier unten weiter vor dir verstecken soll."Er hob irritiert eine Augenbraue. „Das findest du etwa witzig? Du hast eindeutig eine Gehirnerschütterung abbekommen."Ich lachte erneut leise auf. „Kann gut sein – nach all dem Gerolle den Abhang runter! Ich hätte wirklich niemals gedacht, dass ich mich jemals im Leben darüber freuen würde, dein Gesicht zu sehen!"Er warf einen kurzen, prüfenden Blick auf mein verletztes Bein. „Ich nehme das jetzt einfach mal als Kompliment ... Kannst du dich überhaupt bewegen?", fragte er und tr
KillianIch hob amüsiert eine Augenbraue. „Ach komm schon ... Du hast nach all dem, was wir zusammen erlebt haben, erst jetzt Angst vor mir?"Sie hob stolz ihr Kinn und straffte die Schultern. „Ich habe absolut keine Angst vor dir."Für einen klitzekleinen Moment hatte ich es ihr sogar geglaubt, doch ich konnte die Körpersprache eines Menschen wie ein offenes Buch lesen. Ihre Augen verrieten sie ohne Gnade: Sie war schlicht nicht in der Lage, meinem Blick über längere Zeit standzuhalten, was verräterische Unsicherheit bedeutete. Dennoch war ihr Charakter bemerkenswert stark – sie schaffte es immer wieder, mich kurzzeitig in die Irre zu führen. Doch dieses Mal hatte ich sie durchschaut. Und jetzt konnte ich mit ihr spielen!Grinsend machte ich einen bedrohlich langsamen Schritt auf sie zu. „Willst du etwa ... Angst vor mir bekommen?", fragte ich gedehnt, mit einer messerscharfen Nuance in der Stimme. Ich war gespannt, ob sie die Drohung heraushörte.Sie verschränkte die Arme vor der Br
Lyra Er kam mir so bedrohlich nahe, dass ich langsam Schritt für Schritt zurückwich. Ich wusste nicht genau, was da gerade auf mich zukam – aber so, wie sein Blick schimmerte, war es garantiert nichts Gutes.Er legte den Kopf leicht schief. „Also Honey, fange ich mal ganz von vorne an: Mein Vater war ein extrem erfolgreicher Immobilienmakler. Wir lebten in einem schicken Anwesen, mit allem drum und dran. Mami, Papi und ich. Fängt doch schon mal richtig harmonisch an, oder?"Eigentlich schon ...„Das einzige Problem war, dass mein Vater schwerer Alkoholiker war. Und ganz klassisch hat er absolut nicht davor zurückgeschreckt, mich und meine Mutter regelmäßig krankenhausreif zu prügeln. Ich habe meine Mutter wirklich über alles geliebt und alles für sie getan. Doch sie war zutiefst egoistisch. Sie gab mir jedes Mal die Schuld für die Wutausbrüche meines Vaters. Aber ich war jung und naiv – und tat trotzdem brav alles, was sie von mir verlangte. Weißt du eigentlich, was sie damals immer






