LOGINKapitel 3 – Ariana
Sisi tauchte bei uns auf; Vater hatte sie fortgeschickt, er müsse „Dringendes" besprechen. Wir drei – Sisi, Janna und ich – zogen in die Küche, um Vaters Vorräte zu plündern. Das Erdgeschoss war riesig, doch im Obergeschoss drängten sich kleine Zimmer dicht aneinander, weil der Wohnraum zweistöckig offen nach oben reichte. Sisi stellte drei schwere Tumbler auf den Tresen. „Whisky für uns tapfere Frauen." Janna hob eine Braue. „Verträgst du das alles? Verzeih, aber ... bist du Alkoholikerin?" Sisi nickte ohne Scham. „Früher oder später wird hier jede Frau zur Alkoholikerin." „Dann ... darauf?" Janna hob ihr Glas, und wir stießen an. Nach ein paar Schlucken huschte ein vorsichtiges Lächeln über Jannas Gesicht. „Weißt du, Sisi, wir könnten wirklich Freundinnen werden." „Würde mich freuen. Momentan hab ich nur Ariana." „Wer will auch mit den ganzen alten Tanten abhängen", spottete ich. Wir sprachen über Alice, die verwitwete Mafiatocher, und über Max – ihren toten Mann. Sisi wusste mehr als wir: „Max ist auf einer Mission gefallen, die Tyler ihm aufgebrummt hat." Tyler ... der Boss selbst. Meine Hände begannen zu zittern – zu viel Alkohol, zu wenig Boden unter den Füßen. Ich riss Janna ihr Glas weg. „Genug." Da erschien Vater in der Tür; Tyler lehnte wortlos am Rahmen, eiskalter Blick. „Ariana", sagte Vater überraschend sanft, „Ich bin stolz auf dich. Du kümmerst dich." Er nahm Sisi das Glas ab, stellte es ins Spülbecken. „Bring Janna nach draußen, kühle sie ab – dann kommt ihr in mein Büro." Ich zog Janna in den nächtlichen Garten. „Warum kippst du dir plötzlich so viel hinter die Binde?" Sie presste die Lippen zusammen. „Damit mich Vaters Stöhnen und Sisis Schreie nicht mehr wecken. Wenn ich mich wegschieße, schlafe ich bewusstlos." „Hättest du was gesagt – ich fahre gleich heim, hätte dich mitgenommen." Sie massierte die Schläfen. „Nächstes Mal." „Es gibt kein nächstes Mal. In einer Woche sind Semesterferien – dann hocke ich wieder hier." „Zumindest ein Zufluchtsort", seufzte sie. „Nicht, wenn Vater es verbietet." Wir gingen zurück. Sisi stand bleich vor Vaters Tür. Ich klopfte. „Herein", rief er. Drinnen: Vater am Kamin, Tyler neben ihm, Damon lässig am Fenster. „Setzt euch", befahl Vater. Er atmete tief ein. „Janna, Tyler hat um deine Hand angehalten. Ich habe zugestimmt." Stille. Janna erbleichte. „Wie bitte?" Ich flüsterte ihr zu: „Er will dich dem Boss vermählen." „Je m'y attendais", murmelte sie. „Ein Nein nützt nichts, oder?" fragte sie laut. Vater schüttelte den Kopf. „Gut", sagte Janna tonlos. „Ich geh schlafen." Ich sprang auf. „Stopp!" Vater packte meinen Arm. „Du wirst den Antrag ablehnen", zischte ich. Vater funkelte. „Das entscheidest nicht du." „Du hast jedes Urteilsvermögen verloren!" Ich riss mich los, stürmte hinaus. In Jannas Zimmer hatte sie das Kleid schon gegen Jogginghose getauscht. „Wir gehen. Du musst ihn nicht heiraten!" „Ari – niemand ändert seine Entscheidung." „Dann kämpf!" Tränen drängten. „Es ändert nichts." Wut brannte in mir. „Mach, was du willst." Ich schleppte meinen Koffer aus dem Schrank. Unten traf ich Sisi. „Lass mich", fauchte ich. Sie half trotzdem, den Koffer ins Auto zu wuchten. „Hör zu", sagte sie leise. „Tyler ist jung, ein begehrter Junggeselle – sein Bruder Damon ist bereits vergeben. Janna wird bei ihm sicher sein ..." „Er ist ein Monster." „Vielleicht", flüsterte sie. „Aber sie wird Ansehen haben, Kinder, vielleicht ein Leben wie deine Mutter. Ich – ich bin hier gefangen. Wenn ich weglaufe, tötet mein Vater mich." Eine Träne glitt ihr über die Wange. Ich umarmte sie fest. „Also hält Janna den Kopf für uns alle hin?" Sisi nickte stumm. „Fahr heim, Ariana. Bleib in Sicherheit." Janna Vom Fenster aus sah ich, wie Ariana davonfuhr. Vaters Miene war undurchdringlich. „Jetzt weiß ich wenigstens, dass sie heil ankommt", murmelte er. Besorgnis? Vielleicht. „Ich bin stolz, dass du zugestimmt hast", sagte er. „Du bist meine Tochter – und du hast es bewiesen." „Ariana war nur ... emotional." Er seufzte. „Eine von euch musste ja nach eurer Mutter kommen. Sie braucht länger, das zu verstehen." Ich zwang mich zur Sache. „Wann ist die Hochzeit?" „Tyler möchte ... in drei Wochen." „Drei Wochen?" Sisi stürmte herein. „Das ist Wahnsinn, Leano!" Er fauchte: „Benimm dich nicht wie Ariana. Kümmert euch einfach um das Kleid." Sisi stemmte die Hände in die Hüften. „Und sie soll in drei Wochen mental bereit sein?" Vater wich ihrem Blick aus. „Hast du ein Problem, Janna?" Ich schluckte. „Nein." Als er ging, blieb Sisi zurück. „Brauchst du eine Umarmung?" Ich nickte, ließ mich in ihre Arme sinken. Ma vie est finie. – mein Leben ist vorbei. Aber die Welt hörte nicht auf sich zu drehen.Kapitel 124 – Das Ende der Schuldigen (Damon)„Wir haben sie, Damon!“ Timos Stimme am Telefon war das letzte Puzzlestück. Dr. Birla, die Frau, die Ariana wie eine Ware behandelt hatte, war am Ende ihres Weges. Ich sah durch die Handykamera, wie sie um Gnade flehte – dieselbe Gnade, die sie Ariana verweigert hatte. Ein sauberer Schuss setzte den Schlusspunkt. Ich spürte keinen Triumph, nur eine tiefe, kühle Erleichterung.Tyler und ich sprachen über das unbekannte Mädchen, das an Arianas Stelle sterben musste. Ein „Kollateralschaden“ für Neil, eine Tragödie für uns. New York war nun eine Festung, die Sicherheitsvorkehrungen vervierfacht. Doch die wichtigste Festung war die, die Ariana in ihrem Herzen wieder aufbaute. Als ich an jenem Nachmittag nach Hause kam und sie in diesem glitzernden Kleid in der Küche sah, wusste ich: Die Jagd war vorbei. Jetzt begann das Leben.Kapitel 125 – Die Rückkehr der Sinne (Ariana)Ich hatte Angst, doch das Verlangen nach Damon war stärker. In der Dunkel
Kapitel 121 – Das Zerbrechen der Stille (Damon & Ariana)Die Rückkehr in den Alltag war eine Illusion. Damon hatte Hope alles gekauft, was sie brauchte, doch für uns gab es kein einfaches Rezept zur Heilung. Als ich ihn bat, beim Duschen die Tür nicht abzuschließen, war es ein Eingeständnis meiner tief sitzenden Angst. Ich fürchtete nicht nur die Erinnerung, sondern auch den Blick meines Mannes. Würde er mich noch immer mit Begehren ansehen oder nur noch als „beschädigte Ware“?Damon spürte meine Distanz, die dicke Kleidung, die ich wie einen Panzer trug, und das Schweigen, das wie eine Mauer zwischen uns stand. Er riss das Pflaster schließlich ab. „Wir müssen reden“, sagte er und nahm mir das Buch aus den Händen. Er gab mir das Versprechen, auf das ich nicht zu hoffen gewagt hatte: Dass er in mir nicht den Abschaum sah, der mir Gewalt angetan hatte, sondern die Frau, die er liebte. „Du gehörst noch immer mir“, sagte er, und in diesem Besitzanspruch lag kein Zwang, sondern die heilend
Kapitel 115 – Das Erwachen im Licht (Ariana & Damon)Das Weiß des Zimmers war kein klinisches Sterben, sondern das Versprechen eines neuen Morgens. Ich erwachte in meinem eigenen Bett, umgeben von der Vertrautheit, die Neil mir monatelang vorenthalten hatte. Damon saß an meiner Seite, seine Hand ein warmer Anker in der Realität. Zwanzig Stunden hatte ich geschlafen – ein tiefer, traumloser Abgrund, den mein Körper brauchte, um die Gifte des Bunkers auszuspülen.Damon gestand mir seine Sorge und seinen Zorn darüber, dass ich ihn verlassen hatte, doch in seinen Augen las ich nur unendliche Erleichterung. Ich bereute nichts. Jedes Opfer, jede Sekunde in Neils Gewalt war der Preis für das Leben, das nun in greifbare Nähe rückte. Wir waren keine Trümmer eines Krieges; wir waren die Überlebenden, die nun begannen, die Steine wieder aufeinanderzusetzen.Kapitel 116 – Hope Precious Carta (Ariana)Dann brachte er sie mir. Nach sechs Monaten der Trennung, nach einer Ewigkeit aus Schmerz und Seh
Kapitel 109 – Die Waffen einer Frau (Ariana)Das Gurgeln auf dem Bett war verstummt. Neil war Geschichte, doch draußen tobte die Hölle. Schwere Stiefel hämmerten gegen die Tür, Stimmen brüllten Befehle. Ich durfte nicht stehen bleiben. Mit zitternden Händen, die vom Blut meines Peinigers glitschig waren, durchsuchte ich seine Sachen. In seiner Jackentasche fand ich eine Glock 17 und zwei Ersatzmagazine.Ich hockte mich hinter den massiven Eichenschrank, das Atmen fiel mir schwer, jeder Muskel in meinem Körper schrie vor Schmerz. Als das Schloss der Tür unter dem Druck einer Ramme barst, feuerte ich. Der erste Mann stürzte nach hinten, getroffen in die Brust. Der zweite erwiderte das Feuer, Kugeln zerfetzten das Holz über meinem Kopf. „Kommt nur!“, schrie ich, und meine Stimme klang nicht mehr nach dem Mädchen, das sie entführt hatten. Es war die Stimme einer Mutter, die nach Hause zu ihrem Kind wollte.Kapitel 110 – Der Pfad der Verwüstung (Damon)Ich sah rot. Wortwörtlich. Jede Wache
Kapitel 100 – Die Fahrt in den Abgrund (Ariana)Neil schubste mich auf den Rücksitz, die getönten Scheiben trennten mich endgültig von der Welt der Cartas. Ich starrte auf die Trennwand zum Fahrer und stellte mir vor, wie ich Neil in den Hals beiße, wie wir gemeinsam in einen tödlichen Unfall rasen – ein Ende, das fast schon verlockend klang. Seine hellblauen Augen funkelten mich an, unschuldig für einen Herzschlag, bevor sich das pure Böse darin offenbarte.Er nannte mich eine Herausforderung, einen wilden Hengst, den er zähmen wollte. Als seine Hand über meinen Oberschenkel glitt, zuckte ich vor Ekel zurück, doch er lachte nur. Die Drohung, mich seinem Bruder zu teilen, ließ mein Blut gefrieren. Alice war nur der Anfang gewesen. Neil wollte mich nicht nur besitzen; er wollte mich brechen, Schicht für Schicht. „Wenn wir ankommen, werde ich dich so hart ficken, dass du eine Woche nicht sitzen kannst“, versprach er mit einer Beiläufigkeit, die mich erschaudern ließ. Ich gab ihm die ein
Kapitel 97 – Der Schattenwall (Damon)Die Gasse war ein Schlund aus Finsternis, nur mühsam erhellt von einer einsamen Laterne. In mir herrschte jene unheimliche Stille, die mich immer überkommt, wenn es um Leben und Tod geht. Tyler neben mir war nervös, doch ich funktionierte wie eine Maschine. Ariana stand zwischen uns, eine Löwin vor dem Sprung, und gab uns ihren letzten Befehl: „Findet Dr. Birla und tötet sie. Sie hat mir mein Baby weggenommen.“ Die Offenbarung traf mich wie ein Schlag. Die Ärztin, die mich mit Informationen gefüttert hatte, war das wahre Monster im weißen Kittel.Dann zerrissen die Scheinwerfer der SUVs die Nacht. Soldaten mit Sturmgewehren sicherten das Gelände, als wäre es ein Kriegsgebiet. Und dann sah ich sie: Jasmin Milten. Ihr Anblick war eine Anklage an die Menschheit. Übersät mit Hämatomen, die Muskeln verkümmert, das Gesicht gezeichnet von monatelanger Folter. In ihren zitternden Armen hielt sie ein kleines Bündel. Neil stieg hinter ihr aus, ein grinsende







