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Kapitel 4

Author: Heliotrope
Ich wachte im Krankenhaus auf, mit Mull auf dem Kinn und einem pochenden Schmerz entlang meines Wangenknochens.

Eine Krankenschwester erklärte mir, dass meine Wunde genäht werden musste. Nichts Lebensbedrohliches, fügte sie hinzu, in der Annahme, mich damit zu beruhigen.

Wilson saß neben dem Bett. Als ich die Augen aufschlug, griff er sofort nach meiner Hand.

„Viv, Gott sei Dank. Du hast mir schreckliche Angst eingejagt.“

Für eine einzige, schwache Sekunde glaubte ich beinahe, er nähme mich endlich wahr.

Dann sagte er: „Chloe wollte nicht, dass du fällst. Sie dachte, diese Hochzeitssache bringt dich zum Lachen. Du kennst sie ja. Sie geht oft zu weit, aber sie wollte dir absichtlich keinen Schmerz zufügen.“

Ich starrte ihn an, bis meine Augen brannten. „Mein allergrößter Fehler war der Glaube daran, dich für meinen Beschützer zu halten.“

Sein Handy leuchtete auf, noch bevor er antworten konnte. Chloes Name erstrahlte auf dem Display.

Er stand viel zu hastig auf. „Ich bin gleich wieder da. Ruh dich aus, in Ordnung?“

Als sich die Tür schloss, wurde es im Zimmer still genug, um der ungeschminkten Wahrheit Raum zum Atmen zu geben.

Ich riss mir das Pflaster der Infusion von der Hand, zog meinen Mantel über und ging auf das Treppenhaus zu.

Chloes Stimme drang durch den Türspalt. „Hör auf mit diesem Weltuntergangsdrama. Gib ihr zwei Tage und ein paar hübsche Worte. Sie kommt immer wieder angekrochen.“

Wilson klang vollkommen erschöpft. „Dieses Mal ist es etwas anderes. Sie hat sich ernsthaft verletzt.“

„Wenn sie daran schon zerbricht, stell dir nur vor, sie erfährt von deinem wahren Motiv: Du bist ihr nur hinterhergelaufen, weil du diese Wette verloren hast. Sogar dein großes Liebesgeständnis war reines Kalkül für den ersten April.“

„Halt den Mund. Das ist Jahre her. Erwähne das nie wieder.“

„Entspann dich“, entgegnete Chloe. „Später hast du ja tatsächlich Gefühle für sie entwickelt. Da hat sie aber Glück gehabt.“

Meine Hand krampfte sich an der Wand zusammen.

Das war die ganze Wahrheit. Der Regen, das Versprechen, jene Nacht, in der ich ernsthaft glaubte, jemand entschied sich für mich – ganz ohne meinen Namen, ohne mein Geld, ohne den Vescari-Schatten in meinem Rücken.

Es war nichts weiter als eine perfide Wette.

Ich war niemals die Frau, für die Wilson sich entschied. Ich war lediglich der Witz, der über sechs Jahre hinweg andauerte.

Ich kehrte in das Zimmer zurück und entließ mich selbst aus dem Krankenhaus. Die Krankenschwester sah mich besorgt an, ich schüttelte jedoch nur den Kopf. „Bitte verraten Sie ihm nichts davon.“

Im Hotel holte ich mein Gepäck und schrieb dem Fahrer unserer Familie eine kurze Nachricht.

Der schwarze Maybach wartete im strömenden Regen hinter dem Krankenhaus. Keine auffälligen Nummernschilder. Kein Motorengeräusch. Lediglich ein silbernes Rosenwappen unter der Windschutzscheibe war zu erkennen.

Das Zeichen der Vescaris.

Der Fahrer öffnete die Wagentür und verneigte sich leicht. „Frau Vescari, der Jet steht bereit.“

Ich stieg ein und sah auf mein Handy.

Wilson schrieb mir eine Nachricht.

[Der Arzt verordnet dir Bettruhe zur Beobachtung. Lauf nicht herum. Wo steckst du? Ich hole dich ab.]

Beim Lesen musste ich beinahe lachen.

Er begann endlich, nach mir zu suchen, er war damit allerdings längst zu spät dran. Ich blockierte ihn, Chloe und jeden einzelnen Freund aus dieser Clique, der mich jemals wie ein bloßes Accessoire in Wilsons Leben behandelte.

Kurz bevor das Flugzeug in Teterboro abhob, warf ich einen letzten Blick auf das Lichtermeer von New York tief unter mir.

Wilson, dein geschmackloses Aprilscherz-Spiel ist endgültig vorbei.

Meine Zeit als Witzfigur ist abgelaufen.

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