FAZER LOGINKirillMein Zufluchtsort ist überrannt worden.Ich stehe im dunklen Flur meiner eigenen Wohnung, gefangen von meiner nachlassenden Disziplin.Ich sollte die Bilder der Sicherheitskameras prüfen. Ray kontaktieren und sicherstellen, dass unser digitales Schutzsystem nach der Zerstörung des Lagerhauses noch intakt ist. Mit Oba die nächste Operationsbasis organisieren.Stattdessen stehe ich wie festgewurzelt da und starre ins Wohnzimmer. Wie ein Besessener.Oliver ist vor zehn Minuten frisch geduscht aus dem Gästebad gekommen, in Kleidung, die Dominique für ihn gerettet hat.Eigentlich müsste es besser sein, ihn angezogen zu sehen als nur in Boxershorts. Aber dieses Outfit fühlt sich an wie ein gezielter Angriff auf meine Willenskraft.Er trägt eine unglaublich weiche, weite Hose, deren Stoff bei jedem Schritt um seine Beine fließt. Das dünne Material schmiegt sich an seinen Hintern, bevor es weiter fällt. Aber das Oberteil bringt mich wirklich an den Rand des Wahnsinns.Ein lockeres, hel
OliverSchlaf kommt nur in kurzen, brüchigen Stücken. Auf der unglaublich harten Matratze in Kirills Gästezimmer wälze ich mich hin und her und dämmere immer nur für ein paar Minuten weg, bevor die Angst mich wieder weckt.Sobald ich die Augen schließe, hämmert das Echo der automatischen Waffen durch meinen Schädel. Jedes Mal schrecke ich hoch.In den vergangenen vier Tagen hatte ich überhaupt keine Privatsphäre. Im Wohnbereich des Lagerhauses war immer jemand bei mir. Die ständige Überwachung hat mich erdrückt. Aber allein in diesem makellosen Zimmer zu sein, fühlt sich irgendwie noch schlimmer an.Zu wissen, dass ein tödlicher russischer Auftragskiller ein paar Türen weiter schläft, beruhigt mich längst nicht so sehr, wie ihn vor Augen zu haben, während er mich finster anstarrt.Schließlich gebe ich das Schlafen auf und setze die nackten Füße auf den kalten Boden. Die Kälte schießt mir bis in die Beine.Ich fahre mir durch die Haare. Das bringt das zerzauste Chaos, das die ganze Nac
OliverIm Penthouse ist es vollkommen still, aber in meinen Ohren dröhnt noch immer das ohrenbetäubende Rattern der Maschinengewehre.Das Adrenalin, das mich während unserer Flucht in Bewegung gehalten hat, lässt endlich nach. Übrig bleiben eine schwere, giftige Erschöpfung und eine langsam aufsteigende Angst.Meine Hände zittern so sehr, dass ich sie unter die Oberschenkel klemmen muss, um sie ruhig zu halten.Der Schock weicht. Darunter kommt die furchtbare Wirklichkeit meiner Lage zum Vorschein.In den letzten Tagen hatte ich mich davon überzeugt, dass das Schlimmste vorbei ist.Ich hatte wirklich geglaubt, ich hätte mir mein Überleben gekauft. Die Iron Wraiths würden mich in ihrem Betonbunker einsperren, meine Verfolger aufspüren und die Bedrohung nach und nach ausschalten, während ich die Zeit absitze.Danach würde ich mir eine neue Identität zulegen, alle Konten leeren und auf irgendeiner Tropeninsel mit ordentlichem Glasfaseranschluss noch einmal von vorn anfangen.Für einen Kr
KirillSobald ich die letzte Ziffer in das Tastenfeld eingebe, gleitet die schwere Stahltür zischend auf.Als ich über die Schwelle trete, zielt der Lauf einer Pistole mit Schalldämpfer genau auf meine Brust. Saint zuckt nicht. Einen Augenblick später erkennt er mein Gesicht, und die Waffe sinkt wie selbstverständlich an seine Seite.„Lage?“, fragt er knapp.„Alle tot“, sage ich und wische mir mit dem Handrücken fremdes Blut vom Kiefer.„Ein Spezialteam für gewaltsames Eindringen. Schwer bewaffnet, militärische Vorgehensweise.“Saints Kiefer verhärtet sich. „Der Standort ist aufgeflogen.“„Ja.“ Ich komme weiter in den Raum. Noch immer rauscht Adrenalin durch meine Adern, ein schwerer, giftiger Strom, der jeden Schatten nach einer Bedrohung aussehen lässt.„Wir müssen das Gebäude anzünden und sämtliche Spuren von uns beseitigen. Geh nach unten. Chana und Tariq brauchen Hilfe dabei, die Laufwerke aus den Servern zu holen, bevor Oba die Thermitladungen anbringt. Kein einziges Gigabyte bl
OliverDie schwere Stahltür fällt klickend ins Schloss. Der russische Terminator ist jetzt auf der anderen Seite.Die Stille kehrt sofort in den Raum zurück, dicht und drückend. Aber die Luft scheint noch immer aufgeladen, als knisterte darin die heftige Spannung, die Kirill zurückgelassen hat.Mein Herz hämmert in einem schnellen, unregelmäßigen Rhythmus gegen die geprellten Rippen.Ihn zu reizen ist gefährlich. Vielleicht sogar dumm. Aber dass dieser sonst so unerschütterliche, furchterregende Killer die Flucht ergriffen hat, weil er kein Gespräch mit mir aushält, ohne mich würgen zu wollen? Das fühlt sich wie ein gewaltiger Sieg an.„Du willst unbedingt sterben, was?“Die Stimme klingt weich und ein wenig gedehnt, ganz anders als Kirills raues Bellen. Vielleicht höre ich sogar einen Hauch Südstaatenakzent heraus.Ich drehe mich von der Tür weg und sehe den Mann, der gerade noch in den Raum geschlüpft ist, bevor sein Boss hinausgestürmt ist.Saint lehnt mit locker verschränkten Arme
KirillVier Tage sind vergangen, seit sich dieser britische Hacker in mein Leben gedrängt hat. Die Ruhe im Lagerhaus ist gründlich dahin.Um die verschlüsselten Dossiers über die Bewegungen des Kartells von Miami aus durchzugehen, brauche ich volle Konzentration.Mein vom Netz getrennter Laptop steht auf dem Tisch. Auf dem Bildschirm reihen sich Daten, Geldtransfers und Überwachungsfotos aneinander.Aus diesen Informationen einen brauchbaren Einsatzplan zu machen, ist mühsame Detailarbeit. Dafür brauche ich Ruhe und Ordnung.In den vergangenen sechs Monaten waren mein Team und ich in den schwülen, blutgetränkten Dschungelgebieten Kolumbiens und Perus im Einsatz. Wir haben dort Drogenschmuggelrouten zerschlagen, um dem mexikanischen Kartell, das uns angeheuert hatte, sein Monopol zu sichern.Die Rückkehr nach New York sollte uns Zeit geben, wieder zu Kräften zu kommen.Der Schutzauftrag war eine gemeinsame Entscheidung. Das Team sollte an einem sicheren Ort ausruhen können und dabei we







