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Kapitel 3

last update publish date: 2026-07-21 19:58:37

Liliths POV

Rose führte mich einen stillen Flur entlang. Alles an diesem Haus fühlte sich an wie ein Flüstern – prunkvoll, still und kalt. Als würde jede Ecke ein Geheimnis bergen.

Als wir schließlich vor einer Tür stehenblieben und eintraten, war ich sprachlos.

Das Zimmer war … wunderschön.

Geräumig. Makellos. Das Bett sah aus wie aus einem Luxushotel, umhüllt von weichen weißen Laken. Über mir hing ein Kronleuchter, der leise funkelte. Die Vorhänge wehten sanft in der Nachtbrise, die durch die leicht geöffnete Balkontür hereinkam.

Es war mehr, als ich je zu Hause gehabt hatte. Ich hätte hier für immer leben können. Wirklich.

Doch die Schönheit des Zimmers machte den Schmerz in meiner Brust nur schlimmer. Denn für einen Moment – nur einen winzigen, grausamen Moment – stellte ich mir vor, wie es sich anfühlen würde, hier wirklich hinzugehören. Verliebt zu sein. Romantik an einem so perfekten Ort erblühen zu sehen.

Aber das war nicht meine Geschichte.

„Das ist dein Zimmer”, sagte Rose sanft und riss mich aus meinen Gedanken. „Wenn du irgendetwas brauchst, wirklich irgendetwas, sag mir einfach Bescheid. Es gibt warmes Wasser, falls du duschen möchtest. Ich bringe dir gleich etwas zu essen hoch.”

Ich schüttelte schnell den Kopf. „Kein Abendessen nötig. Mir geht es gut. Wirklich. Ich muss mich nur umziehen … und schlafen.”

Rose schenkte mir ein kleines, verständnisvolles Lächeln. „Gut. Dann ruh dich gut aus.” Und damit ging sie, schloss die Tür hinter sich mit einem leisen Klicken.

Ich ging mit langsamen Schritten zum Bett und setzte mich, drückte meine Finger in die Kante der Matratze und atmete aus, ohne zu merken, dass ich die Luft angehalten hatte.

Du musst das durchstehen, Lilith. Egal was passiert, du musst das durchstehen.

Nach einem Moment stand ich auf und ging zum großen Kleiderschrank, öffnete ihn. Ein paar Kleidungsstücke hingen ordentlich darin, keines davon meins, aber offensichtlich für mich gekauft. Wahrscheinlich von jemand anderem ausgesucht. Vielleicht Rose. Vielleicht jemand, der angestellt war, um dieses Gefängnis hübsch aussehen zu lassen.

Ich überlegte, Rose zu bitten, meine eigenen Taschen heraufzubringen, doch ich war zu erschöpft, um mich darum zu kümmern.

Ich griff hinter mich und begann, den Reißverschluss meines Kleides zu öffnen, verzweifelt danach, die schwere Last des Tages abzustreifen – buchstäblich wie emotional.

Der Reißverschluss glitt langsam herunter, der Rücken des Kleides öffnete sich, und gerade als ich anfing, die Ärmel von meinen Schultern zu ziehen –

Die Tür öffnete sich. Kein Klopfen. Keine Warnung.

Und da war er. Mein Ehemann.

Mein Herz sprang mir fast aus der Brust. Ich war halb entkleidet, der Rücken meines Kleides zur Hälfte offen, meine Haut der kühlen Luft ausgesetzt – und ihm.

Er stand dort, als würde ihm alles gehören, weil er wahrscheinlich genau das dachte.

Ich griff nach dem oberen Teil meines Kleides, presste es fest gegen meine Brust und wirbelte herum, die Augen weit aufgerissen vor Fassungslosigkeit.

„Ein normaler Mensch würde klopfen!!”, fauchte ich. Meine Stimme war zittrig, aber scharf. „Klopf bitte das nächste Mal!”

Er sagte zunächst nichts. Er stand einfach nur da, sein Kiefer angespannt, sein Blick undurchschaubar.

Dann, endlich, sagte er mit dieser kalten, tiefen Stimme: „Es ist mein Haus. Ich kann tun, was ich will.”

Ich verengte die Augen zu ihm. Mein Kleid hielt ich immer noch fest an mich gepresst.

„Nun, es ist jetzt unser Haus”, gab ich zurück. „Wir sind verheiratet, schon vergessen? Mag sein, dass es dir nicht gefällt, aber das ist die Wahrheit. Und wir werden diese Tatsache anerkennen, ob du willst oder nicht.”

Seine Augenbrauen zuckten, nur leicht. „Es sind noch keine vierundzwanzig Stunden vergangen, und du versuchst schon, mir Befehle zu erteilen. Pass auf.”

„Pass auf?”, wiederholte ich, ein bitteres Lachen entkam mir. „Du platzt ungebeten in mein Zimmer, und ich bin diejenige, die aufpassen muss?”

Auch darauf antwortete er nicht.

Ich richtete mich auf, versuchte, das Zittern meiner Finger zu verbergen, während ich mein Kleid zurechtrückte. „Da du sowieso nicht in diesem Zimmer bleibst, Killian – was machst du dann überhaupt hier?”

„Du stellst mir keine Fragen”, sagte er und trat weiter hinein, als würde ihm die Luft gehören, die ich atmete.

Ich starrte ihn an, meine Stimme jetzt leiser, erschöpft und brüchig. „Was machst du hier, Killian? Ich bin müde. Ich hatte für heute genug. Ich will keinen Ärger. Was willst du?”

Da sah er mich an, wirklich an, und etwas Bitteres lag in seinen Augen, etwas, das mir den Magen umdrehte.

„Sieh dich an”, sagte er langsam. „Sagst, du willst keinen Ärger, nach all dem Ärger, den du verursacht hast.”

Mir stockte der Atem. Ich wusste genau, was er damit meinte.

„Ich bin hergekommen, um eines klarzustellen”, fuhr er fort. „Verheiratet oder nicht, halt dich von mir fern. Bleib mir aus dem Weg. Stell mir keine Fragen. Sprich nicht mit mir. Versuch nicht, Ehefrau zu spielen. Ich will nicht mit dir gesehen werden.”

Ich starrte ihn an, Wut stieg mir wie Galle in die Kehle.

„Wir leben im selben Haus”, sagte ich. „Natürlich werden wir zusammen gesehen werden.”

Er zuckte die Schultern. „Tu einfach so, als wäre das nicht der Fall.”

Er drehte sich um, um zu gehen, doch etwas in mir schnappte.

„Also”, sagte ich langsam, meine Stimme ruhig, doch mit einer Herausforderung durchzogen, „mich um meinen eigenen Kram kümmern, dir aus dem Weg gehen … heißt das, ich kann mit anderen Männern herumspielen?”

Er hielt inne. Seine Hand erstarrte auf der Türklinke, und langsam drehte er sich um.

Dieses Lächeln – Gott, dieses grausame, herzlose Grinsen – breitete sich wie Gift über sein Gesicht aus.

„Das wäre nichts Neues”, sagte er, seine Stimme scharf wie eine Klinge. „Du, die jeden Tag mit einem anderen Mann herumspielt. Deine Schwester … sie war die Besonnene. Die Anmutige. Und du –” sein Blick glitt verächtlich über mich, „du warst schon immer die Rücksichtslose. Springst von einem Mann zum nächsten.”

Meine Kehle zog sich zusammen, Hitze stieg mir in die Wangen – nicht aus Scham, sondern aus Wut.

„Diese Art von Beleidigung lasse ich mir nicht gefallen”, fauchte ich, meine Stimme brach.

„Beleidigung?”, lachte er dunkel und trat näher, einen Fuß nach dem anderen. „Oh nein, Lilith. Es ist keine Beleidigung, wenn es die Wahrheit ist.”

Ich wich einen Schritt zurück.

„Wenn es deine Rücksichtslosigkeit nicht gegeben hätte”, zischte er, „würde Kate noch leben.”

Das war es. Meine Brust schmerzte so sehr, dass es wehtat zu atmen. Ich wollte schreien. Weinen. Verschwinden.

„Du musst mich nicht jedes Mal daran erinnern”, sagte ich zitternd, meine Stimme kaum mehr als ein Flüstern. „Denkst du, ich vergesse es? Denkst du, ich erlebe es nicht jede verdammte Sekunde meines Lebens wieder? Ich mache mir selbst Vorwürfe. Jeden Tag.”

Meine Hände zitterten, als ich meine Haare zur Seite strich. „Ich habe eine Narbe am Hals. Siehst du die? Und das hier –” ich zeigte auf meine Augen „– das ist es, womit ich leben muss. Also stell dich nicht hier hin und tu so, als hätte ich vergessen, was ich getan habe. Wag es nicht.”

Er starrte mich nur an, ohne etwas zu sagen. Sein Blick war kalt.

„Ich weiß, dass du es nicht bereust”, sagte er leise, fast spöttisch. „Tu nicht so. Du hast dir das immer gewünscht. Sie loszuwerden. Mich zu bekommen. Du warst schon immer eifersüchtig.”

Mein Magen verkrampfte sich.

„Ich war nie eifersüchtig auf meine Schwester”, fauchte ich, jetzt zitternd, nicht nur vor Wut, sondern vor Fassungslosigkeit. „Verdreh die Dinge nicht, um sie in deine kranke Fantasie zu pressen.”

Er trat vor. Nah. Zu nah.

Seine Hand hob sich, nicht gewaltsam, aber mit genug Kraft, um mich zu erschrecken. Seine Finger strichen unter mein Kinn und hoben es an, bis ich gezwungen war, seinem Blick zu begegnen.

„Hör mir genau zu”, flüsterte er, seine Stimme kalt wie die Nachtluft. „Es ist mir egal, was du tust. Nur zu. Treib es mit wem auch immer du willst. Es interessiert mich nicht.”

Er beugte sich so nah vor, dass sein Atem meine Wange berührte.

„Bleib. Weg. Von mir … Monster.”

Dann ließ er los und ging.

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