LOGINKillians POV
Es sind nun genau fünf Tage vergangen, und ich habe Lilith nicht gesehen. Meine Ehefrau. Nicht, dass ich es gewollt hätte. Aber es war, als wüsste sie, wie man in der Nähe bleibt, ohne ihr Gesicht zu zeigen. Und das gefiel mir. Ich wollte ihr Gesicht nicht sehen. Die letzten fünf Tage hat mich die Arbeit am Leben gehalten. Ins Büro gehen. Deals abschließen. Dinge erledigen. Beschäftigt bleiben, damit ich nicht nachdenken musste. Mich nicht erinnern musste. Nichts fühlen musste. Doch heute Abend brauchte ich eine Pause. Mein Kopf war voll. Meine Brust schwerer als sonst. Ich starrte die Frau vor mir an, ein Glas Whiskey in der Hand. Das Getränk brannte im Rachen. Ich nahm noch einen Schluck. Sie stand ein paar Schritte entfernt, in einem kurzen schwarzen Minikleid, Absätze, die auf den Fliesen klickten, und einem Blick in den Augen, der ihre Absichten deutlich machte. Verführung war heute Abend ihre Waffe. Musik spielte im Hintergrund, etwas Langsames mit einem schmutzigen Rhythmus. Ich war nicht der Typ, der Nutten in sein Haus einlud. Normalerweise musste ich das nicht. Doch heute Abend hatte ich nicht die Kraft, auszugehen. Also hatte ich sie gebeten, herzukommen. Sie begann zu tanzen. Langsam. Bewegte ihre Hüften im Takt der Musik. Ihre Augen ließen mich keine Sekunde los. Ich rührte mich nicht. Ich lächelte nicht. Ich beobachtete sie nur. Sie drehte sich um, fuhr sich mit den Händen über den eigenen Körper und zog den Reißverschluss an ihrem Rücken herunter. Das Kleid fiel zu Boden, als wäre es nichts. Darunter trug sie ein passendes Set aus Unterwäsche, eng an ihrer Haut, und dann kam sie näher. Ich lehnte mich auf dem Sofa zurück und trank noch einen Schluck. Ich war mir nicht einmal sicher, ob ich sie überhaupt wollte. Ich wollte nur nicht leer sein. Sie griff nach dem Verschluss ihres BHs. Und dann öffnete sich die Tür. Ich schloss meine Tür nie ab. Doch niemand in diesem Haus wagte es, ohne zu klopfen in mein Zimmer zu treten. Niemand. Bis ein Mensch es tat. Meine sogenannte Ehefrau … Lilith. Sie kam herein, ein Telefon in der Hand, und sah sofort die Szene vor sich. Sie sah mich an. Dann die Frau. Dann wieder zu mir. Die Frau erstarrte, griff schnell nach ihrem Kleid und presste es an ihre Brust, bedeckte sich, als hätte sie sich gerade an Scham erinnert. Ich zuckte nicht einmal mit der Wimper. „Was machst du hier?”, fragte ich, meine Stimme kalt. Lilith blinzelte nicht. „Mein Vater sagt, er versucht, dich zu erreichen. Du gehst nicht ran. Er will ein Treffen mit dir.” „Du kannst jetzt gehen.” Ich winkte gleichgültig mit der Hand. Lilith zog eine Augenbraue hoch. „Ich kann gehen, wohin ich will. Das ist auch mein Haus.” Ich antwortete nicht. Ich starrte sie nur an. Ihre Narbe war sichtbar. Diese dünne Linie, die ihren Hals hinunterlief, kaum wahrnehmbar, wenn man nicht genau hinsah. Ihre Augen, eines honigfarben, das andere grau. Früher hatte mich das aus der Fassung gebracht. Doch jetzt erinnerte es mich nur an alles. Die Operationen. Den Unfall. Die Tatsache, dass sie überlebt hatte. Dass sie noch hier war. Dass sie alles zerstört hatte. Sie hätte sterben sollen. Doch stattdessen wurde sie zu diesem … Schönen. Zu schön. Ihre Augen ließen sie aussehen wie ein Engel, der zur Erde herabgesandt wurde. Doch ihre Schönheit würde mich die Wahrheit nicht vergessen lassen. Sie war eine Mörderin. Ein Monster. Sie war Lilith. „Verlass mein Zimmer”, sagte ich. Sie lachte leise auf. Nicht laut. Nicht spöttisch. Nur ruhig. Dann durchquerte sie den Raum und setzte sich neben mich aufs Sofa, als würde sie hierhergehören. Sie schlug die Beine übereinander. Machte es sich bequem. Griff nach meinem Glas und schenkte sich selbst mehr Whiskey ein, als hätte sie es schon tausendmal getan. Die Frau vor mir wirkte erschüttert. Immer noch klammerte sie sich an ihr Kleid. „Ich sollte gehen”, sagte sie leise. Lilith warf ihr nicht einmal einen Blick zu. „Nein. Du musst nicht gehen.” „Ich sollte wirklich”, wiederholte die Frau, ihre Stimme klein. „Was machst du da, Lilith?”, fragte ich und starrte sie an. Sie wandte sich mir zu mit einem langsamen Lächeln. „Ehemann. Ich sehe, du amüsierst dich hier. Warum genießt ihr es nicht beide gemeinsam?” Dann wandte sie den Kopf zu der Frau und sagte: „Zieh dich aus.” Es dauerte einen Moment, bis ich begriff, was sie gerade gesagt hatte. „Zieh dich aus”, wiederholte Lilith, ihre Stimme fest, die Augen ruhig. Ich riss mich aus meiner Benommenheit. „Hör auf damit”, sagte ich scharf und stand auf. Sie wandte sich langsam zu mir. „Ehemann, du willst doch die Stimmung nicht verderben, oder?” Ihre Stimme war leicht, spielerisch … und gefährlich. Dann sah sie wieder zu der Frau. „Hast du mich nicht gehört? Ich sagte, zieh dich aus.” Die Frau blickte zwischen uns hin und her, sichtlich verwirrt. Ihr Blick blieb an mir hängen, auf der Suche nach einem Zeichen. Ich nickte langsam und setzte mich wieder. Ich wollte sehen, worauf Lilith hinauswollte. Ich wollte wissen, welches Spiel sie spielte. Lilith ging zur Bar, nahm mein halb leeres Glas Whiskey und trank einen Schluck. Dann machte sie es sich im Sessel mir gegenüber bequem. Beine übereinandergeschlagen, das kurze seidene Nachtkleid, das sie trug, rutschte leicht nach oben und gab mehr von ihren Oberschenkeln frei. Nicht zu kurz, nicht zu freizügig, aber genug, um einem Mann aufzufallen. Es kümmerte sie nicht. Die Musik wurde lauter. Die Frau vor uns begann wieder, ihre Hüften zu bewegen, diesmal weniger selbstbewusst. Doch ich beobachtete nicht sie. Ich beobachtete Lilith. Sie blinzelte nicht einmal. Ihre Augen waren auf die Frau gerichtet, kalt und ruhig, als würde sie einen Film ansehen. Was zum Teufel soll das, dachte ich. „Du verpasst den Spaß”, sagte sie, ohne mich anzusehen. „Sieh sie dir an.” Ich richtete meinen Blick zurück auf die Frau, gerade als ihre Hände hinter ihren Rücken wanderten. Sie öffnete ihren BH. Ihre Brüste kamen zum Vorschein, rund und weich, ihre Brustwarzen aufgerichtet, während sie weiter im langsamen Takt tanzte. Der BH fiel zu Boden. Sie war nervös. Das konnte ich erkennen. Nicht, weil sie nackt war. Sondern weil Lilith sie beobachtete, als würde sie eine Schachfigur studieren. Trotzdem hörte sie nicht auf. Dann beugte sich Lilith vor, den Ellbogen auf die Armlehne gestützt. Ihre Stimme war leise, aber scharf. „Komm. Berühr ihn.” Ich starrte sie an. „Mit dir stimmt etwas nicht”, murmelte ich. Sie neigte leicht den Kopf, lächelte, als wäre das die normalste Sache der Welt. „Oh nein, Ehemann. Sei nicht schüchtern. Das wolltest du doch, oder?” Ihre Stimme war süß. Zu süß. „Du wirst es bekommen.” Dann wandte sie sich wieder der Frau zu und sagte: „Ich möchte mich nicht wiederholen. Komm. Berühr ihn.”Liliths POVErpressung?Ein Sexvideo?Zoey?Ich starrte sie einfach an. Mein Mund war leicht geöffnet, aber es kamen keine Worte heraus. Mein Gehirn konnte nichts zusammensetzen. Das musste ein Witz sein, oder?„Ich verstehe nicht, was du sagst“, murmelte ich schließlich.„Du musst es verstehen, Lilith“, sagte sie, die Stimme zitterte. „Du bist die Erste, der ich das erzähle. Wenn das rauskommt… wird dieser Mann alles veröffentlichen. Ich flehe dich an, versprich mir, dass du kein Wort sagst.“„Ich verspreche es“, sagte ich leise.Meine Brust fühlte sich schwer an. Ich saß da und versuchte, normal zu atmen, aber mein Kopf raste. „Was willst du tun? Das ist ernst. Wenn Nolan herausfindet, dass du ihn betrügst…“„Ich weiß“, sagte sie schnell. „Deshalb bin ich vorsichtig. Ich arbeite an einem Plan. Ich weiß nur noch nicht, wie er ausgehen wird.“Ich beugte mich vor. „Warum erzählst du es nicht einfach Nolan? Er besitzt eine verdammte Security-Firma. Er und Killian könnten dir helfen. Sie
Lilith's POVIch weiß nicht einmal, warum ich zu Killians Büro gegangen bin. Ich hätte es nicht tun sollen.In dem Moment, als seine Stimme in diesem Sitzungssaal kalt wurde, wusste ich, dass ich eine furchtbare Entscheidung getroffen hatte. Und trotzdem stand ich da, vor mächtigen Männern und Frauen, und hielt einen warmen Essensbehälter, als wäre ich ein hoffnungsvoller Narr, der versuchte, eine Ziegelmauer für sich zu gewinnen.Jetzt sitze ich auf dem Rücksitz des Autos und starre aus dem Fenster, als wäre ich die Hauptfigur in einem Heartbreak-Musikvideo. „Bring mich nach Hause“, hatte ich dem Fahrer gesagt, und genau das tat er – er fuhr mich zurück in ein Haus, das sich nicht wie meins anfühlte.Während die Straßen vorbeizogen, dachte ich an Dinge, die ich tun könnte. Dumme Dinge. Wilde Dinge. Süße Dinge. Alles, was ihn dazu bringen könnte, die eisigen Mauern um sein Herz zu senken. Aber was, wenn er das nie tut?Als wir in die Einfahrt einbogen, war ich erschöpft – emotional,
Killians POVIch merkte nicht einmal, wann ich eingeschlafen war.In einer Minute summte sie neben mir und spielte mit der Fernbedienung herum wie ein unbeaufsichtigtes Kind. In der nächsten verblasste alles. Aber eines war ich mir sicher—sie hatte diesen verdammten Film auf der lautesten Einstellung geschaut. Absichtlich. Nur um mich zu reizen.Ich ließ sie, weil ich zu müde war, um ihrem Chaos standzuhalten. Oder vielleicht… vielleicht wollte ich einfach, dass sie all diese rücksichtslose Energie ausbrennt. Vielleicht würde sie sich, sobald sie sich erschöpft hatte, beruhigen und aufhören, so sehr zu versuchen, mich aufzuwühlen.Ich wachte in einer seltsamen Stille auf. Kein Hintergrundgeräusch. Keine spitzen Kommentare. Keine dramatischen Seufzer oder sarkastischen „Guten Morgen, Ehemann“.Nur… Stille.Mein Körper schmerzte ein wenig, nicht von Unbehagen, sondern davon, wie steif ich mich die ganze Nacht am Rand des Bettes gehalten hatte. Nicht heruntergefallen—nein. Gerade genug A
Killian's POVIn dem Moment, als Lilith ging, starrte ich die Tür eine Sekunde länger an, als ich sollte.Was genau versuchte sie zu tun?Diese plötzliche Veränderung… die weiche Stimme, die verspielten Augen, die unerwünschte Nähe – was war ihr Ziel?Versuchte sie, mich in sie verliebt zu machen?Ich musste fast lachen.Wenn das ihr Plan war, dann verschwendete sie ihre Zeit. Ich falle nicht. Ich biege mich nicht. Ich fühle nicht. Mal sehen, wer zuerst müde wird.Ich knöpfte den Rest meines Hemdes auf und ging ins Bad. Nicht, weil ich schüchtern vor ihr war… dafür hatte ich keinen Grund. Ich brauchte einfach das kalte Wasser, um meine Gedanken zum Schweigen zu bringen. Mein Körper war müde. Mein Kopf noch mehr.Das Geschäft wurde in letzter Zeit aggressiver. Zu viele Münder redeten, wo sie nicht sollten. Ich brauchte Klarheit.Nach der Dusche trat ich heraus, frisch und ruhig. Das Zimmer war immer noch leer.Dieselbe Lilith, die gesagt hatte, sie wäre gleich zurück.War sie viellei
Lilith's POVMein Herz wollte sich einfach nicht beruhigen. Ich hatte noch nicht einmal etwas so Dramatisches getan – okay, vielleicht war das Umziehen ins Zimmer meines Mannes ein bisschen viel –, aber ich würde nicht herumsitzen und mich behandeln lassen wie eine Geisterbraut.„Das ist das Beste“, murmelte ich vor mich hin, während ich in mein Zimmer ging. „Entweder ich kämpfe jetzt, oder ich lasse diesen Mann den Rest dieser Ehe mit seinen teuflisch teuren Schuhen auf mich treten.“Ich sank auf mein Bett, stieß einen langen Seufzer aus und starrte an die Decke, als schulde sie mir Antworten. Dann griff ich nach meinem Handy und rief die einzige Person an, die mich nicht für verrückt erklären würde: Emily.„Hey Girl! Was geht?“, kam ihre Stimme, laut und hell wie immer.„Ich habe gerade den Krieg erklärt“, sagte ich.Eine Pause. „…Wie, einer Nation? Oder Killian?“„Gleicher Unterschied.“„Spill it.“„Ich habe meine Sachen in sein Zimmer gezogen.“Wieder eine Pause, gefolgt von ein
Liliths POVIch wachte auf und fühlte mich endlich wieder wie ein Mensch. Gott sei Dank. Nach drei ganzen Tagen, in denen ich wie eine Leiche in Seidenpyjamas an dieses verdammte Bett geklebt war, konnte ich mich endlich aufsetzen, ohne Sterne zu sehen. Ich streckte die Arme und gähnte und vergaß fast, dass ich aussah wie ein Chaos. Nicht, dass außer Rose und Nolan irgendjemand sich dafür interessiert hätte.Nolan.Süßer Nolan mit diesen weichen Augen und der warmen Stimme. Der immer fragte, ob ich gegessen hatte, meine Temperatur checkte wie eine private Krankenschwester, die ich nie eingestellt hatte. Er verdiente Besseres als Zoey. Viel Besseres. Schade, dass er nicht wusste, dass sie damit beschäftigt war, allen treu zu sein außer ihm.Ein Klopfen an meiner Tür riss mich aus meiner Schuldspirale.Rose schaute herein, strahlendes Lächeln wie immer. „Du bist wach.“„Nein, das ist mein Geist“, sagte ich trocken.Sie kicherte. „Wie fühlst du dich?“„Als wäre ich gestorben und mit Halt







