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Kapitel 7

Author: Rizinksin
Nachdem der Fahrer Nora und Liam zum internationalen Terminal gebracht hatte, verabschiedete er sich von ihnen.

Zum ersten Mal allein mit einem Kind ins Ausland zu reisen, war für Nora eine große Herausforderung.

Im Jahr 2017 waren Menschenhändler noch sehr aktiv. Besonders kleine Kinder konnten jederzeit Opfer einer Entführung werden.

Nora wusste nicht, wie die Situation im Jahr 2025 aussah.

Deshalb hielt sie Liams Hand fest, sobald sie den Flughafen betreten hatten, und ließ sie keine Sekunde los.

Liam war unglaublich brav.

Er lief still neben ihr her, kümmerte sich selbst um seine wichtigen Dokumente und erinnerte Nora sogar daran, wenn sie in die falsche Richtung ging.

Innerlich war er jedoch unglaublich aufgeregt.

Auch wenn er es nicht zeigte.

Er hatte das Gefühl, dass Mama sich verändert hatte.

Zumindest hätte die Mama von früher niemals einfach so eine Reise mit ihm gemacht, nur um Zeit miteinander zu verbringen.

Liam blickte auf ihre ineinander verschlungenen Hände und musste unwillkürlich lächeln.

Es fühlte sich so gut an, von Mama an der Hand gehalten zu werden.

Nach einer nervösen und anstrengenden Reise landeten die beiden schließlich mitten in der Nacht in Marnovia.

Hier war es deutlich kälter.

Nachdem sie das Flugzeug verlassen hatten, zogen sie wärmere Kleidung an.

Nora kniete sich hin und half Liam, seine Jacke zu schließen.

Dabei runzelte sie plötzlich die Stirn.

Irgendetwas stimmte nicht.

„Mama.“

Liam hielt ihre Hand auf und unterbrach ihre Bewegung.

Er öffnete ruhig die Knöpfe wieder und zog stattdessen den Reißverschluss hoch.

„So zieht man das nicht an.“

Nora war verblüfft.

Dann lächelte sie etwas verlegen.

Warum waren die Kleidungsstücke heutzutage nur so kompliziert?

Die Knöpfe waren also nur zur Dekoration da?

„Mama, wo gehen wir jetzt hin?“

Nachdem Liam seine Kleidung richtig angezogen hatte, nahm er wieder ganz selbstverständlich ihre Hand.

Er wollte sie keine Sekunde loslassen.

„Ich habe ein Hotel gebucht.“

Nora blieb kurz stehen.

„Wir gehen zuerst ins Hotel und schlafen eine Nacht.“

Dann sah sie zu ihm hinunter.

„Ich habe nur ein Zimmer gebucht.“

Sie fragte vorsichtig: „Liam kann mit mir zusammen schlafen, oder?“

Liam erstarrte.

Ungläubig hob er den Kopf.

Seine großen Augen blinkten zweimal.

„Ich darf wirklich mit Mama zusammen schlafen?“

Nora legte den Kopf schief.

„Natürlich. Hast du noch nie bei mir geschlafen?“

Der Kleine machte dieselbe Bewegung wie sie und legte ebenfalls den Kopf schief.

Nach einer Weile antwortete er:

„Nein. Mama hat gesagt, dass sie das nicht mag.“

Nora öffnete leicht den Mund.

Ein starkes Schuldgefühl stieg in ihr auf.

„Schon gut.“

Sie strich ihm sanft über den Kopf.

„Ab jetzt schlafe ich jeden Abend mit dir.“

„Ja!“

Nora hatte schon immer sehr gute Noten gehabt.

Außerdem musste sie wegen des Balletts oft ins Ausland reisen, um zu trainieren und an Wettbewerben teilzunehmen.

Deshalb hatte sie keine großen Schwierigkeiten mit mehreren Fremdsprachen.

Der Check-in im Hotel verlief problemlos.

Nachdem sie im Hotelrestaurant noch etwas gegessen hatten, kehrten sie auf ihr Zimmer zurück und ruhten sich aus.

Der vierjährige Liam war erstaunlich selbstständig.

Er duschte allein, trocknete seine Haare und holte anschließend aus seiner Tasche eine duftende Creme, mit der er sein Gesicht eincremte.

Dann drehte er sich zum großen Bett um.

In seinen Augen lag eine heimliche Vorfreude.

Wie schön.

Er durfte heute wirklich mit Mama in einem großen Bett schlafen!

Doch als er aufsah, bemerkte er, dass Mama mit verschränkten Armen auf dem Bett saß und ihn unzufrieden ansah.

Die Freude in Liams Augen verschwand ein wenig.

Hatte Mama es sich anders überlegt?

„Liam.“

Nora sprach plötzlich ernst.

Sofort wurde das Gesicht des kleinen Jungen blass.

„Wer hat dir diese Kleidung gekauft? Warum siehst du darin aus wie ein kleiner alter Mann?“

Liam: Ähm?

Was meinte Mama damit?

Er sah an sich herunter.

Er trug einen dunkelblauen Seidenschlafanzug.

Ein ganz gewöhnlicher Schnitt.

Ohne irgendwelche verspielten Details.

Es war genau derselbe Schlafanzug wie der seines Vaters.

War Papa also auch ein kleiner alter Mann?

„Nein. Morgen muss ich mit dir neue Kleidung kaufen.“

Nora war fest entschlossen.

„So ein süßer Junge kann doch nicht jeden Tag so langweilig angezogen herumlaufen.“

Schon Liams kleiner Anzug vom Tag hatte ihr nicht gefallen.

Er wirkte viel zu streng und erwachsen für ein Kind in seinem Alter.

„Warum stehst du noch da? Ist dir nicht kalt?“

Nora klopfte auf den Platz neben sich.

„Komm schnell. Mama hat dein Bett schon warm gemacht.“

Ihr Herz war voller Vorfreude.

Abends ein kleines, weiches Kind im Arm zu halten ...

Allein der Gedanke daran machte sie glücklich.

Niemand hatte ihr gesagt, dass Muttersein ohne Schmerzen so schön sein konnte.

Liam war überglücklich.

Sein enttäuschter Gesichtsausdruck verschwand sofort.

Er kletterte schnell aufs Bett und kuschelte sich unter die Decke.

So warm.

Und da war auch Mamas Geruch.

So glücklich.

„Schatz, wir sollten früh schlafen.“

Nora zog die Decke über ihn.

„Morgen gehen wir zuerst einkaufen. Und abends begleitest du Mama zu einer Aufführung. Okay?“

„Ja!“

„Gut. Dann erzähle ich dir eine Gute-Nacht-Geschichte.“

Liam war völlig überrascht.

Mama erzählte ihm eine Gute-Nacht-Geschichte?

Früher hatte das doch immer Papa gemacht.

Nora hatte keine Erfahrung damit, ein Kind zum Einschlafen zu bringen.

Also suchte sie in ihrem Gedächtnis nach Geschichten und begann mit den klassischen Märchen:

Schneewittchen.

Rotkäppchen.

Solche alten Geschichten.

Liam hörte aufmerksam zu.

Immer wieder fragte er neugierig, wie es weiterging.

„Hast du diese Geschichten vorher noch nie gehört?“

Liam schüttelte den Kopf.

„Papa hat mir diese Geschichten nie erzählt.“

„Was erzählt dein Papa dir dann?“

Liam dachte kurz nach.

„In letzter Zeit erzählt er mir die Autobiografie von Albert Einstein.“

Nora: ...

Dieses Land war wirklich verrückt.

Früher war Leo doch ein völlig unvernünftiger Kerl gewesen.

Und jetzt, nachdem jemand ihren Körper übernommen und plötzlich vernünftig geworden war, musste er ausgerechnet solche Dinge tun?!

Ein kleines Kind sollte doch Märchen hören.

Das war das Alter, in dem man von Fantasie träumte.

Nora versprach ihm: „Wenn du meine Geschichten magst, erzähle ich dir ab jetzt jeden Tag eine, okay?“

Liam bekam beinahe Tränen in die Augen.

Er glaubte, dass er träumte.

Einen wunderschönen, riesigen Traum.

Denn wie konnte Mama plötzlich so liebevoll zu ihm sein?

Er hielt seine Tränen zurück und nickte kräftig.

Danach erzählte Nora ihm noch die Geschichte von der Kaulquappe, die ihre Mutter suchte.

Bald wurden beide müde.

Sie gähnten und kuschelten sich aneinander.

Dann schliefen Mutter und Sohn tief ein.

Bis Liam einschlief, hielt seine kleine Hand noch immer Noras Finger fest.

Als hätte er Angst, nach dem Aufwachen festzustellen, dass alles nur ein Traum gewesen war.

Marnovia.

05:30 Uhr morgens.

Das Flugzeug landete.

Leon und Daniel schalteten gleichzeitig ihre Handys wieder ein.

Auf Leons Handy erschien eine Benachrichtigung über eine Zahlung mit seiner Bankkarte im Ausland.

Er leitete die Information sofort an Daniel weiter.

Keine fünf Minuten später hatte Daniel herausgefunden, dass die Zahlung von einem Hotel im Stadtzentrum stammte.

Ein Hotel.

Leons Schritte wurden plötzlich schwerer.

Die Bitterkeit in seinem Herzen breitete sich beinahe bis in seine Brust aus.

Es fiel ihm schwer zu atmen.

Sie war tatsächlich bis nach Marnovia gekommen.

Nur um Julian zu treffen.

„Wie viele Zimmer hat sie gebucht?“

„Eines ...“

Sobald Daniel das sagte, blieb Leon abrupt stehen.

Die Wut in seinen Augen schien beinahe überzulaufen.

Ein Zimmer?

Wo sollte dann sein Sohn schlafen?

Nora würde doch nicht wirklich so grausam sein und Liam mitnehmen, während sie mit Julian ...

Nein.

Bei ihrem Charakter war es sogar möglich, dass sie Liam einfach irgendwo zurückließ.

„Nora ... wie kannst du nur so herzlos sein.“

Leon fluchte leise.

Seine Augen wurden rot.

Dass sie ihn nicht liebte, hatte er längst akzeptiert.

Aber warum musste sie deshalb auch ihren eigenen Sohn verletzen?

Das Kind war unschuldig.

Daniel ging hinter ihm her.

Auch ihm wurde schwer ums Herz, als er seinen Chef ansah.

Manchmal verstand er es wirklich nicht.

Herr Hartmann war ein außergewöhnlicher Mann.

Warum war er ausgerechnet an Frau Hartmann so gebunden?

Nur weil sie zusammen aufgewachsen waren?

Sie hatte sein Herz doch bereits so oft verletzt ...

„Zum Hotel.“

„Ja.“

Daniel nickte.

Er holte schnell das Auto vom Flughafen.

Doch in seinem Herzen entstand ein ungutes Gefühl.

Allein der Gedanke daran, seinen Chef dabei zu begleiten, wie er eine Affäre seiner Frau aufdeckte ...

Er fragte sich nur, ob er danach vielleicht zum Schweigen gebracht werden würde.

Hoffentlich ... hoffentlich würde die Szene gleich nicht zu schlimm werden.

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