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Kapitel Sechs

last update publish date: 2026-06-10 23:54:58

Rhetts Sicht  

Die Worte hängen in der feuchten Luft des Badezimmers, schwer genug, um mich dort, wo ich stehe, zu zerquetschen. Er sagte es so beiläufig, mit so viel Gewicht dahinter, als hätte er diesen Satz in den letzten drei Jahren im Kopf geübt.  

Ich bin völlig erstarrt gegen das Waschbecken gelehnt, mein Herz hämmert so heftig gegen meine Rippen, dass ich überzeugt bin, er kann es durch mein Shirt brechen sehen. Mein Verstand setzt völlig aus, all meine Gedanken gehen gleichzeitig kurz.  

Er liebt mich. Er sagte es nicht wie ein Neffe, der seinen Onkel vermisst hat, oder wie ein Kind, das ein Familienmitglied zurückwollte.  

Der Blick in seinen Augen ist etwas Dunkles, etwas Besitzergreifendes und völlig Verdrehtes, und es jagt mir absolute Angst ein. Es ist die Art von Blick, bei der einem klar wird, dass man es nicht mehr mit einem Jungen zu tun hat.  

Anstatt ihm zu antworten, anstatt ein einziges vernünftiges Wort in den leisen Raum zwischen uns zu werfen, gewinnt die Panik. Sie flutet meine Venen wie Eiswasser und schreit mich an, mich zu bewegen, wegzulaufen, so weit wie möglich von diesem Zimmer wegzukommen.  

Ich schiebe mich an Alexei vorbei mit allem, was ich noch in mir habe, meine Schulter streift seine, während ich mich aus dem engen Raum dränge. Er versucht nicht einmal, mich zu packen, er stößt nur einen leisen Atemzug aus, während ich die schwere Tür aufreiße und in den Flur stolpere.  

Ich blicke nicht zurück, um seinen Gesichtsausdruck zu sehen, und ich bleibe nicht stehen, um im Korridor zu Atem zu kommen. Ich renne den Flur entlang, als würde das Gebäude um mich herum aktiv in Flammen stehen, meine Lederschuhe rutschen über den polierten Boden.  

Ich breche durch die Haupttüren des VIP-Bereichs, mein Gesicht heiß und meine Brust keuchend wie die eines Marathonläufers. Leonard und die Sekretärin sitzen immer noch genau dort, wo wir sie zurückgelassen haben, ihre Köpfe schnellen sofort hoch, als ich an ihrem Tisch vorbeischieße.  

Leonard steht tatsächlich auf, seine Hände halb erhoben vor Verwirrung, während er meinen Namen ruft, seine Stimme hallt von den teuren Wänden wider. „Hey, Rhett? Was zur Hölle ist da drin passiert? Wohin gehst du?“  

Ich ignoriere ihn völlig, ohne ihm auch nur einen Blick zu schenken, während ich zum Hauptausgang des Restaurants renne. Die reichen Leute an den umliegenden Tischen drehen sich um und starren mich an, ihr Gemurmel verblasst zu Hintergrundgeräusch, während ich mich durch die gläsernen Vordertüren dränge.  

Die kühle Nachtluft trifft mein Gesicht, aber sie bewirkt absolut nichts, um das Feuer in meinem Hals zu beruhigen. Ich fummle in meiner Anzughose nach meinen Schlüsseln, meine Finger zittern so heftig, dass ich sie mit einem lauten Klirren auf den Betonbürgersteig fallen lasse.  

„Verdammt, verdammt, verdammt“, murmele ich vor mich hin, lasse mich auf ein Knie fallen, um sie aufzuheben, bevor ich zu meinem Auto renne. Ich schließe die Tür auf und werfe mich auf den Fahrersitz, schlage sie hinter mir zu und drücke sofort auf den Verriegelungsknopf.  

Die Stille des Autos umhüllt mich, aber mein Gehirn schreit immer noch mit voller Lautstärke, ein chaotisches Durcheinander aus Sirenen und Rauschen. Ich lege meine Stirn an das Lenkrad aus Leder, meine Hände zittern so stark, dass ich die glatte Oberfläche kaum greifen kann.  

Das kann nicht das wahre Leben sein. Es gibt absolut keine verdammte Möglichkeit, dass das tatsächlich mit mir passiert.  

Ich drehe den Schlüssel in der Zündung, der Motor brüllt zum Leben, und ich fahre aus dem Parkplatz hinaus, ohne auch nur in meine Spiegel zu schauen. Ich fahre direkt zurück zu meiner Wohnung, überfahre eine gelbe Ampel und nehme die Kurven viel schneller, als ich sollte, verzweifelt auf der Suche nach Sicherheit.  

Die Lichter der Stadt verschwimmen außerhalb meines Fensters, ein schwindelerregender Streifen aus Gelb- und Weißtönen, der meinen Kopf noch schneller zum Drehen bringt. Alles, was ich sehe, wenn ich auf die dunkle Windschutzscheibe blicke, ist Alexeis Gesicht, dieser leere Blick in seinen Augen, als die Maske fiel.  

Ich parke mein Auto wahllos auf dem Parkplatz meines Gebäudes, ohne mich darum zu kümmern, ob ich jemanden blockiere, und renne die Treppen zu meinem Stockwerk hoch. Ich ramme den Schlüssel in mein Schloss, drehe ihn auf und werfe mich praktisch hinein, bevor ich das schwere Holz zuschlage.  

Ich drehe den Riegel einmal, dann zweimal, und dann lehne ich mein ganzes Gewicht gegen die Tür und schließe die Augen, während ich versuche zu atmen. Die Wohnung ist komplett dunkel und komplett still, ein krasser Gegensatz zu dem lauten Wahnsinn, der gerade in meinem Schädel abgeht.  

Ich rutsche an der Tür hinab, bis ich auf dem harten Boden sitze, meine Knie an die Brust gezogen, genau wie ich es in dieser Kabine getan habe. Ich verbringe die nächste Stunde damit, einfach da im Dunkeln zu sitzen, die Schatten an der Wand anzustarren, und darauf zu warten, dass das Zittern aufhört.  

Irgendwann wird die Stille zu laut, und die absolute Absurdität der Situation zwingt mich wieder auf die Füße. Ich beginne, in meinem Wohnzimmer auf und ab zu gehen, meine Füße ziehen einen hektischen, endlosen Kreis um den Couchtisch, während ich den Verstand verliere.  

Wie konnte alles innerhalb eines einzigen Nachmittags so komplett aus dem Ruder laufen? Ich war einfach nur ein Typ, der versuchte, seine Karriere zu retten.  

Ich sollte einen mysteriösen, wohlhabenden Sponsor treffen, der mein Projekt finanzieren wollte, einen Retter, der mich aus dem Schlamm ziehen würde. Stattdessen bin ich direkt in eine Falle getappt, gestellt von der einzigen Person, vor der ich drei volle Jahre lang wegzulaufen versucht habe.  

Der kleine Junge, wegen dessen Verlassen ich mich so unglaublich schuldig fühlte, den ich früher aus der Ferne durch körnige Spionagefotos beobachtete, ist weg. Er ist völlig verschwunden, ersetzt durch einen mächtigen, besitzergreifenden Milliardär, der mich gerade in der Badezimmertür eines Fünf-Sterne-Restaurants in die Enge getrieben hat, als würde ich ihm gehören.  

Die Schuldgefühle verdrehen sich zusammen mit einem seltsamen, schweren Unbehagen in meinem Bauch, sodass mir körperlich übel wird, während ich auf und ab gehe. Ich erinnere mich an die Berichte, die meine Leute mir früher geschickt haben, bevor ich ihnen sagte, sie sollen aufhören, die kalten Fakten über sein Leben beim Staat.  

Ich wusste, dass er schlau war, und ich wusste, dass er in der Hierarchie aufstieg, aber ich hätte mir nie vorgestellt, dass er so werden würde. Ich hätte mir nie vorgestellt, dass er diesen brillanten Verstand nutzen würde, um mich aufzuspüren, in meine Branche einzusteigen und sich gewaltsam zurück in mein Leben zu drängen.  

„Ich liebe dich“, flüstere ich laut in den leeren Raum, die Worte klingen noch erschreckender, wenn sie mit meiner eigenen Stimme gesprochen werden. Was meint er damit überhaupt? Wie kann er mich mit so viel Hitze ansehen, nach allem, was seine Familie meiner angetan hat?  

Seine Mutter und seine Großmutter haben mein ganzes Leben buchstäblich ruiniert, sie haben meine Welt zerrissen und mir meinen Vater genommen. Ich sollte Alexei ansehen und nichts als reinen, unverfälschten Hass empfinden, aber mein dummes Herz will nicht mitspielen.  

Als er all die Male aufzählte, die ich verpasst habe, all die Geburtstage und schulischen Erfolge, fühlte ich mich wie der schlimmste Mensch der Welt. Ich wollte die Hand ausstrecken, ich wollte ihm sagen, dass es mir etwas bedeutet, aber die Mauern zwischen unseren Namen sind einfach zu dick.  

Jetzt ist er zurück, und er hat die Spielregeln komplett neu geschrieben, ohne mich überhaupt um Erlaubnis zu fragen. Er bittet nicht um meine Vergebung, und er bittet nicht darum, Teil meines Lebens zu sein – er verlangt es, mit einem Bankkonto, das ihm Rückendeckung gibt.  

Ich höre auf, auf und ab zu gehen, und starre aus dem großen Fenster meines Wohnzimmers auf die ruhige Straße darunter. Ein Teil von mir erwartet, seine schwarzen Luxusautos am Bordstein zu sehen, seine riesigen Wachen, die im Schatten warten, um mich zurückzuzerren.  

Er weiß natürlich, wo ich wohne. Wenn er meine Lieblingsspeisen und den genauen Zustand meines Geschäfts kennt, kennt er auch meine Adresse.  

Es gibt kein Versteck mehr vor ihm, keinen Winkel dieser Stadt, in dem ich so tun kann, als würde er nicht existieren. Er hat sich in meine Welt eingekauft, und er hat in diesem Badezimmer unmissverständlich klar gemacht, dass er nicht vorhat, mich gehen zu lassen.  

Ich reibe mir mit beiden Händen übers Gesicht und stöhne leise, während die pure Erschöpfung der Nacht endlich anfängt, mich einzuholen. Meine Augen brennen, und meine Muskeln schmerzen von der Anspannung, aber ich weiß, dass mich absolut kein Schlaf erwartet heute Nacht.  

Jedes Mal, wenn ich die Augen schließe, sehe ich ihn nur, wie er den Kopf neigt und mich mit dieser sanften Stimme fragt, ob ich ihn hasse. Ich sehe ihn, wie er in die Kabine tritt, sein Schatten das Licht blockiert und mir sagt, dass er mich gefunden hat.  

Ich bin jetzt komplett in seinem Netz gefangen, und das Schlimmste ist, ich weiß nicht einmal, was sein nächster Schritt sein wird. Ich weiß nur, dass morgen kommt, und damit wird Alexei eine Antwort auf eine Frage verlangen, der ich nicht gewachsen bin.

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