Share

Kapitel 004

last update Tanggal publikasi: 2026-06-09 15:08:51

POV: Alexei

Ich stand einen Moment im Flur, richtete meine Manschetten und blickte in Richtung der Toiletten.

Die Luft im VIP-Bereich war still, aber ich konnte die Vibration seiner Panik von den Wänden widerhallen spüren.

Ich drehte mich zu Leonard und meiner Sekretärin um, die mich beide ansahen, als wäre mir gerade ein zweiter Kopf gewachsen.

„Setzt euch“, sagte ich, meine Stimme glatt wie Seide. „Wartet auf mich. Ich bin nicht lange weg.“

Ich ging mit ruhigen, gemessenen Schritten auf die Badezimmertür zu. Ich hatte es nicht eilig.

Ich habe fünfzehn Jahre gewartet. Fünf Minuten mehr würden mich nicht umbringen.

Ich drückte die schwere Tür auf und trat in den marmorgekachelten Raum. Er war menschenleer, aber schwer von ihm erfüllt.

Ich seufzte und betrachtete die Reihe geschlossener Kabinen.

„Ich werde einmal klopfen“, verkündete ich, meine Stimme hallte von den Spiegeln wider. „Falls du da drin bist, sag bitte etwas, damit ich dir nicht wehtue.“

Ich ging zur ersten Tür.

Ich stieß mit der Schuhspitze gegen das untere Holz.

„Onkel?“

Ich wartete nicht auf eine Antwort. Ich trat die Tür mit Wucht auf.

Leer.

Ich bewegte mich zur zweiten Tür.

*Thud.*

„Onkel?“

Diesmal war der Tritt härter. Die Tür knallte mit einem befriedigenden Krachen gegen die Innenwand.

Leer.

Dritte Tür.

*Thud.*

„Onkel?“

Ich trat so fest zu, dass der Riegel fast herausflog.

Leer.

Ich blieb vor der vierten Tür stehen. Mein Herz machte wieder dieses seltsame, schwere Pochen.

Ich schloss für eine Sekunde die Augen, und plötzlich war ich nicht mehr in einem Fünf-Sterne-Restaurant in New York.

Ich war zurück in diesem kalten, zugigen Herrenhaus. Die Wände schienen sich auf mich zuzubewegen.

Meine Stiefmutter hatte wieder geschrien. Die Anspannung war ein physisches Gewicht, eine erstickende Decke.

Ich war sechs. Ich war klein. Ich hatte Angst.

Ich war aus meinem Bett gekrochen, meine Füße lautlos auf dem Holzboden, und hatte sein Zimmer gefunden.

Ich hatte nicht geklopft. Ich hatte einfach die Tür aufgeschoben und war in sein Bett geklettert, zitternd.

Rhett war nicht wütend aufgewacht. Das war er nie.

Er hatte sich nur bewegt und die Arme geöffnet, um mich hereinzulassen. Ich hatte meinen Kopf unter sein Kinn gesteckt und seinen Duft eingeatmet.

„Alexei? Was ist los, Kleiner?“, hatte er geflüstert, seine Stimme vom Schlaf belegt.

„Ich habe Angst“, hatte ich gewimmert und sein Hemd umklammert. „Alles ist laut. Alle sind gemein.“

Er hatte mich fester gehalten, seine Wärme das Einzige, was mich davor bewahrte, zu zerbrechen.

„Es ist okay“, murmelte er. „Ich hab dich.“

„Wirst du auch gehen?“, fragte ich. Ich erinnere mich, wie meine Stimme gezittert hatte.

Ich spürte, wie er zögerte. Ich spürte, wie sich seine Brust hob.

Dann drückte er mich so fest, dass ich kaum atmen konnte. Es war das beste Gefühl der Welt.

„Ich gehe nirgendwohin“, versprach er. „Ich verspreche es, Alexei. Ich bin hier.“

Ich hatte ihm geglaubt. Ich hatte dieses Versprechen genommen und in den tiefsten Teil meiner Seele gesteckt.

Ich hatte es durch die Pflegefamilien getragen. Ich hatte es durch kalte Nächte und hungrige Tage getragen.

Ich hatte es fünfzehn Jahre lang getragen, während er ein Leben ohne mich gelebt hatte.

Ich riss die Augen auf und starrte auf das Holz der vierten Kabine.

Die Wut war da, scharf und gezackt, aber darunter lag ein Verlangen, so intensiv, dass es in meinen Zähnen schmerzte.

Ich will ihn. Ich will ihn zerstören. Ich will ihn retten.

Ich will ihn begreifen lassen, dass er mir gehört und ein Versprechen, das einem Kind gegeben wurde, eine Schuld ist, die niemals verfällt.

„Vierte Tür“, flüsterte ich.

Ich trat diese nicht ein. Ich lehnte nur meine Stirn gegen die kühle Oberfläche.

„Weißt du…“, begann ich, ein kleines, dunkles Lächeln zog an meinen Mundwinkeln.

„Ich kann dein Parfüm riechen. Es ist schwach, aber es ist genau hier. Es ist dasselbe, das du früher getragen hast, als ich klein war.“

Ich konnte seinen Atem auf der anderen Seite hören. Er war abgehackt. Verängstigt.

„Kommst du raus“, fragte ich, meine Stimme senkte sich zu einem tiefen, gefährlichen Schnurren, „oder komme ich rein?“

Ich wartete. Die Stille war dick, aufgeladen mit dem Gewicht all der Jahre, die wir getrennt verbracht hatten.

Du hast es mir versprochen, Rhett.

Du hast gesagt, du gehst nirgendwohin.

Du hast einen Sechsjährigen angelogen, der den Boden angebetet hat, auf dem du gegangen bist.

Und jetzt bin ich derjenige, der entscheidet, wohin du gehst.

Ich spürte, wie der Riegel klapperte. Ein winziges, erbärmliches Geräusch.

„Ich zähle bis drei“, sagte ich.

Eins.

Ich dachte daran, wie er weggelaufen war. Wie er mich angesehen hatte, als wäre ich ein Monster.

Zwei.

Ich dachte an den Scheck, den ich unterschreiben sollte. An die Karriere, die ich retten sollte.

Drei.

Ich griff nach dem Griff.

„Ich komme rein, Onkel.“

Meine Hand umschloss das Metall, und für den Bruchteil einer Sekunde fühlte ich mich wieder wie dieser kleine Junge.

Nur dass ich diesmal keinen Trost suchte.

Ich suchte meine Trophäe.

Und ich würde ihn nicht gehen lassen, bis er sich an jedes einzelne Wort dieses Versprechens erinnerte.

An jedes. Einzelne. Wort.

Ich atmete ein, der Duft seiner Angst und seines teuren Parfüms füllte meine Lungen.

Es war das Beste, was ich seit fünfzehn Jahren gerochen hatte.

„Ob du bereit bist oder nicht“, hauchte ich.

Ich musste diese Tür nicht eintreten. Ich wusste, dass er genau dort war, zusammengekauert gegen das Porzellan.

Ich wusste, dass er auf das Ende der Welt wartete.

Und ich war mehr als glücklich, es ihm zu geben.

Lanjutkan membaca buku ini secara gratis
Pindai kode untuk mengunduh Aplikasi

Bab terbaru

  • Liebster Onkel, du gehörst mir    125

    Kapitel EinhundertsechsundzwanzigRhett POVDie Espressomaschine stieß ein stotterndes, mechanisches Zischen aus, Dampf kräuselte sich in das blasse Morgenlicht, das über die Kücheninsel fiel.Ich stand barfuß am Marmor, den Daumen in den Kragen meines verwaschenen schwarzen Henleys gehakt. Unter der weichen Baumwolle, schwer und kühl auf der Mitte meines Brustbeins liegend, war das Gewicht des Platinrings.Ich hatte ihn vor Sonnenaufgang auf eine feine silberne Panzerkette gezogen und das Metall flach gegen meine Rippen gelegt, wo kein Boom-Mikrofon-Operator, keine neugierige Kameraassistentin und keine umherstreifende Boulevardlinse das Glitzern einfangen konnte. An einem Set, das von achtzig Gewerkschaftstechnikern und vier Network-Verbindungsleuten wimmelte, war ein maßgefertigtes Band im fünfstelligen Bereich am linken Ringfinger, während man unter einer firmenmäßigen Zusammenwohngeschichte lebte, eine offene Einladung zu einer medialen Untersuchung.Verborgen unter meinem Kragen

  • Liebster Onkel, du gehörst mir    124

    Kapitel HundertfünfundzwanzigAlexei POVGegen neun Uhr war der Sturm aus Mehl, geschmolzener Butter und klebrigem Ahornsirup endlich von den Küchentheken verschwunden. Das Penthouse war komplett still geworden, gebadet im tiefen bernsteinfarbenen Summen der Fußleisten-Läufer. Draußen im Wohnzimmer war der riesige achtzig-Zoll-Screen stumm geschaltet und warf langsame, flackernde blaue Schatten über den elfenbeinfarbenen Teppich. Verstreut über die Dielen lag ein ausgedehntes Plastik-Schlachtfeld: drei glänzende Infobroschüren vom American Museum of Natural History, ein Dutzend farbige Marker mit abgenommenen Deckeln und eine ganze Armee aus Plastik-Urzeittieren. Und genau in der Mitte von alledem, bäuchlings auf einem Haufen Sofakissen, die sie auf den Teppich gezogen hatte, lag Eve. Sie war komplett weg. Sie trug ihren übergroßen Senf-Hoodie, eine Dinosaurier-Socke halb vom Absatz gerutscht, die Finger immer noch locker um den Schwanz eines grünen Plastik-Tyrannosaurus Rex

  • Liebster Onkel, du gehörst mir    123

    Kapitel HundertvierundzwanzigRhett POVDie Granit-Nische roch nach Jahrhunderten kaltem Staub, aber an Alexei gepresst existierte nur die rohe, sengende Hitze, die von seiner Haut abging. Er zitterte so heftig, dass der schwere Wollstoff seines Mantels gegen meine Brust vibrierte. Das war der Mann, der gerade über drei High-Society-Räuber gestanden, ihre finanzielle Hebelkraft in sechs Sätzen zerlegt und einen achtzigjährigen Patriarchen ohne mit der Wimper zu zucken in den Dreck getreten hatte. Jetzt war seine Stirn in die Mulde meines Halses vergraben, die Hände krallten sich in den Canvas meiner Jacke, als würde er über einen steilen Abgrund hängen. Jeder Atemzug, der aus seinen Lungen riss, klang zackig, zerfetzt und ratterte durch seine Rippen mit einer üblen, hohlen Verzweiflung. „Ich hab dich“, flüsterte ich, die Stimme rau und gedämpft gegen das dunkle Haar auf dem Scheitel seines Kopfes. „Ich bin genau hier, Alex. Ich hab dich.“ Ich verriegelte die Arme um seine br

  • Liebster Onkel, du gehörst mir    122

    Kapitel HundertdreiundzwanzigAlexei POVDie eisernen Security Gates des Rhinebeck Estate hatten nicht mal Zeit, ganz aufzuschwingen. Ich sah die schweren schwarzen Stangen ihren langsamen, mechanischen Stöhnen beginnen, und ich berührte das Bremspedal nicht. Ich legte die Transmission zwei Gänge runter, trat das Gas durch und ließ den Twin-Turbo V8 schreien wie eine Banshee. CRUNCH.Die Beifahrerseite meines vorderen Stoßfängers erwischte den schweren Eisenpfosten, riss das Plastikgehäuse sauber ab mit einem Schauer aus Fiberglas und Funken. Das Lenkrad riss heftig in meinem Griff, aber die schweren Reifen hielten die Traktion auf dem nassen Kies, spritzten einen Hahnenschwanz grauen Schneematschs vierzig Fuß in die Luft, während der SUV die gewundene Meile toter Birken runterschoss. Mir war der Lack egal. Mir war das zerknüllte Metall egal. Alles, was ich im Kopf sehen konnte, war diese kalte, dunkle Steinbibliothek und die drei toteäugigen Geier, die versucht hatten, meine

  • Liebster Onkel, du gehörst mir    121

    Kapitel HundertzweiundzwanzigRhett POVDie Kiesauffahrt war eine Meile lang und schnitt sich durch Reihen toter, kahler Birken, die wie graue Rippenkästen gegen den bedeckten Himmel standen. Als der Town Car endlich die letzte Kurve nahm, kam das ancestrale Romanov-Manor in Sicht. Es war ein massiver, elender Haufen dunklen grauen Granits auf einer Anhöhe über dem Hudson River, komplett mit Schiefer-Türmen, bleiverglasten Fenstern und ragenden eisernen Toren, die mit einem dumpfen, schweren Stöhnen aufgegangen waren, sobald mein Fahrer dem Security-Intercom meinen Namen gegeben hatte. Es sah nicht aus wie ein Zuhause. Es sah aus wie eine alte, zugige staatliche Anstalt, in die reiche Leute ihre unbequemen Verwandten steckten, damit sie in Stille verrotteten. Der Fahrer parkte den Wagen auf dem Wendeplatz und öffnete meine Tür, ohne ein Wort zu sagen. Der Wind vom Fluss war eiskalt und biss direkt durch den Denim meiner Jeans und den Canvas meines Arbeitsmantels. Ich schob die

  • Liebster Onkel, du gehörst mir    120

    Kapitel HunderteinundzwanzigAlexei POVDie Herbstsonne traf die Kücheninsel in einem breiten, goldenen Streifen und wärmte den Marmor, auf dem ein Karton frischer Blaubeeren neben der Rührschüssel stand. Es war sieben Uhr morgens an einem Samstag. Keine Call Sheets. Keine Network Auditors. Nur ein ruhiges Wochenende vor dem Upstate-Shoot, mit Tickets zum Natural History Museum in meiner Brieftasche, weil Eve drei Tage lang erklärt hatte, dass Dinosaurier „viel badasser als Drachen“ seien und vor Mittag ein echtes Fossil sehen wollte. Ich summte irgendein blödes Cartoon-Theme unter dem Atem, trug weiche graue Sweatpants und ein verwaschenes schwarzes T-Shirt und ließ die Espressomaschine zischen, während sie einen Double Shot zog. „Rae?“, rief ich den stillen Flur runter und tippte den Schneebesen gegen den Keramikrand. „Hafermilch oder normal für den Teig?“ Keine Antwort. Ich runzelte die Stirn, legte den Schneebesen hin und wischte mir die feuchten Hände an einem Küchentuc

  • Liebster Onkel, du gehörst mir    Kapitel Sechs

    Rhetts Sicht Die Worte hängen in der feuchten Luft des Badezimmers, schwer genug, um mich dort, wo ich stehe, zu zerquetschen. Er sagte es so beiläufig, mit so viel Gewicht dahinter, als hätte er diesen Satz in den letzten drei Jahren im Kopf geübt. Ich bin völlig erstarrt gegen das Waschbecken

  • Liebster Onkel, du gehörst mir    Kapitel 005

    POV: RhettIch bewegte mich nicht. Ich atmete nicht.Ich blieb auf dem Toilettendeckel zusammengekauert, mein Herz hämmerte gegen meine Rippen, in der Hoffnung — im Gebet —, dass er einfach aufgeben würde.Er war schon als Kind so stur gewesen. Wenn er ein Spielzeug wollte, starrte er es stundenlan

  • Liebster Onkel, du gehörst mir    Kapitel 003

    POV: RhettIch stand einen Moment vor dem Restaurant und strich meinen Anzug glatt. Meine Hände zitterten, was ja großartig war.Ich bin nervös. Eigentlich trifft es nervös nicht einmal. Ich habe panische Angst.Die Begegnung mit ƦHEXEI ist eine große Sache. Der Mann ist eine Legende, und nach der

  • Liebster Onkel, du gehörst mir    Kapitel 002

    POV: AlexeiIch fuhr mit dem Daumen über die Kante des Glases und zeichnete die Linie seines Kiefers nach.Er ist so schön. Es tut fast weh, ihn anzusehen, aber ich kann den Blick nicht abwenden.Ich hob den Rahmen an meine Lippen und drückte einen sanften Kuss auf das kühle Glas, genau über seinen

Bab Lainnya
Jelajahi dan baca novel bagus secara gratis
Akses gratis ke berbagai novel bagus di aplikasi GoodNovel. Unduh buku yang kamu suka dan baca di mana saja & kapan saja.
Baca buku gratis di Aplikasi
Pindai kode untuk membaca di Aplikasi
DMCA.com Protection Status