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KAPITEL 110: RENZ IM SOMMER

Autor: Zayden Noir
last update Fecha de publicación: 2026-09-19 21:39:58

Albrecht Renz kam im Juli nach Frankfurt.

Das war sein erster Besuch in der Stadt seit dem dritten Oktober, dem Tag der Hochzeit, und er hatte es lange geplant, laenger als noetig, weil Renz Dinge plante, auch wenn er tat, als haette er sie nicht geplant.

Er blieb zwei Tage.

Das war seine Entscheidung, und er hatte sie Noelle mitgeteilt mit dem Satz: Zwei Tage sind genug fuer das Wesentliche, und ich moechte das Wesentliche.

Das war Renz.

Das Wesentliche.

Er kam am Dienstagmittag, weil d
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    Das zweite Jahr zusammen war nicht wie das erste. Das erste hatte das Neue gehabt, das Lernen, das Herausfinden, was funktionierte und was nicht, den Respekt vor dem Unbekannten. Das zweite hatte das Vertraute. Das war kein kleineres Ding. Das war ein groesseres. Das Vertraute war das, was man aufgebaut hatte, und was man aufgebaut hatte, war staerker als das, was man gefunden hatte, weil das Aufgebaute entschieden worden war, Stein fuer Stein, Dienstag fuer Dienstag. Noelle dachte das an einem Augustmorgen, einem sehr fruehen, als sie allein in der Kueche sass und Kaffee trank, bevor Damian aufgestanden war, weil sie manchmal frueher aufstand als er und weil diese fruehmorgendiichen Minuten zu ihren liebsten gehoerten. Die Stille des fruehen Morgens war anders als die Stille der Nacht. Die Nacht war still, weil sie schlief. Der fruehe Morgen war still, weil er noch nicht angefangen hatte. Das war der Unterschied: die Stille des Endens und die Stille des Anfangs. Sie sass und

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    Albrecht Renz kam im Juli nach Frankfurt. Das war sein erster Besuch in der Stadt seit dem dritten Oktober, dem Tag der Hochzeit, und er hatte es lange geplant, laenger als noetig, weil Renz Dinge plante, auch wenn er tat, als haette er sie nicht geplant. Er blieb zwei Tage. Das war seine Entscheidung, und er hatte sie Noelle mitgeteilt mit dem Satz: Zwei Tage sind genug fuer das Wesentliche, und ich moechte das Wesentliche. Das war Renz. Das Wesentliche. Er kam am Dienstagmittag, weil der Dienstagzug der war, der die beste Verbindung hatte, und Damian holte ihn ab, weil Damian das tat, wenn Renz kam, ohne dass es besprochen werden musste. Sie assen mittags in der Wohnung. Noelle hatte gekocht, weil Renz einmal erwaehnt hatte, dass er Hausgemachtes dem Restaurant vorzog, wenn die Kueche gut war, und weil Noelle sicherstellen wollte, dass er gut ass, weil Renz noch immer eine Portion Acht-Uhr-Abends-zu-spaet und zu-wenig-Mittagessen hatte, die seine Aerzte ihn gelegentlich erm

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    Noelle Fischer-Wolff kehrte an einem Freitag aus London zurueck. Das war der zehnte Juni, ein Freitag, der das Beste war, das ein Rueckkehrtag sein konnte: Das Wochenende wartete, die Woche lag hinter ihr, und die Stadt, in die sie zurueckkehrte, war Frankfurt im fruehen Sommer, das Frankfurt, das sie kannte und liebte, das Frankfurt mit den Terrassen und dem Licht und dem Main. Sie flog um sieben Uhr dreissig von Heathrow. Damian wartete am Flughafen. Das hatte er nicht angekuendigt. Sie hatte geschrieben, sie nehme den Zug, weil der Zug gereicht haette und weil sie nicht wollte, dass er den Freitag anders strukturierte. Er hatte nicht geantwortet auf die Nachricht, was bedeutet hatte, dass er sie gelesen und beschlossen hatte, das zu tun, was er fuer richtig hielt. Das war Damian Wolff: Er las Nachrichten und entschied selbst, was er damit tat. Sie trat durch die Ankunftstore, mit dem kleinen Rollkoffer und dem Rucksack, den sie immer mitnahm, wenn sie reiste, weil der Rucksa

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    Noelle fuhr nach London am ersten Mai. Das war ein Montag, was passte, weil der Montag der Tag war, an dem man anfing, und weil London ein Anfang war, auch wenn es eine Fortsetzung war, die Fortsetzung der Partnerschaften, die sie aufgebaut hatte, der Arbeit, die sie geleistet hatte, des Jahres, das hinter ihr lag. Damian brachte sie zum Flughafen. Das tat er ohne sie zu fragen, er hatte einfach gesagt: ich bringe dich, und das war das. Am Flughafen, vor der Sicherheitskontrolle, standen sie. Das war der Moment, der in Filmen laenger dauerte als in der Realitaet. In der Realitaet war er kurz. "Ich rufe heute Abend an," sagte er. "Um wann?" fragte sie. "Wann du fertig bist," sagte er. "Wenn du ankommen willst, bevor du ankommst, tue ich das nicht." "Um neun," sagte sie. "Um neun," bestaetigt er. Sie schaute ihn an. "Du wirst das Stueck weiter ueben," sagte sie. "Den Schluss hast du. Jetzt die Uebergaenge." "Das mache ich," sagte er. "Gut," sagte sie. Er schaute sie an.

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